Einzelbild herunterladen
 

Nr« 28V - jTJäX . Ül(lt6urg, Mittwoch, den 27. November. ... '* ISIx

j-ccli&n»<-. : -r» 1 1 ' .üiu'J ttOM =.

KOterhessische ZeituuW

Erschrint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für dar Quartal der Oberheffische» Arttung mit Arei-dlatt durch die Expedition (Koch'fche vuchdruckerei) belegen 82; <bgr., dur» Vie Postämter 17 Vgr. 6 Psg. (excl. Bestellgebühr und incl-^Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 11 ®g*.

af die Oberhesstfche Zei- öClteilUllUt II tuns für den Monat De- eember nehmen ake Postanstalten und auf dem Laude He Landpostboten an, sowie in Marburg

die Expedition der Oberii. Zeitung1.

Deutsches Reich.

-* Berit«, 25. Nov. In der Presse kreuzen sich verschiedene Mittheilunge» über die Tagesfrage gut den entgegengesetzten Lagern. Die Einen sind nach »it vor optimistisch, sowie dieKreuzztg." und die »en ihr vertretene Partei, die sich immer noch mit der Hoffnung schmeichelt, durch Loyalitätsäußerunge» hinsichtlich deS PairSschubS an allerhSchster Stelle eine Gesinnungsänderung zu erreichen, oder sie sind pessimistisch, wie die radikalen Scribenten, welche den Hoffnungen der Ullraconservativen Erfolg verkünden und diese Auffassungen in der Presse zu verbreiten suchen. Dem gegenüber ist zu betonen, daß die Re­gierung auf dem Wege, den sie mit fester Entschlossen­heit betreten, nicht stehen bleiben, sondern als uner­läßliche Maßregel sowohl für die KreisordnungSreform wie für die gesammte neue Gesetzgebung den Pairs schub unter allen Umständen zur Ausführung bringen wird. Ganz ungehörig ist eS, daß man die Person deS Monarchen tendenziös in den Vordergrund stellt, als sei der König selber einem PairSschub abgeneigt. Man vergißt, daß bei solchen Fragen von tief ein­greifender Bedeutung der Kaiser seine Entschlüsse nicht nach persönlicher Neigung, sonder« dem Staats- intereffe gemäß zu triff en pflegt, ganz abgesehen da­von, daß die angebliche Abneigung des Königs gegen die Maßregel in das Gebiet der- Erfindungen gehört. DieKreuzztg." behauptet u. A., daß die Mi- nisterberathung am Freitag sich lediglich mit der RothstandSfrag« der Küstenstriche beschäftigt habe, «ährend positiv feststeht, daß gerade die Kreisord­nung und die Umformung der Majorität des Herren­hauses auf der Tagesordnung stand. Von anderer Seite wird berichtet, der CultuSminister habe dem Könige bereits Vortrag über den Cevilehe Gesetzen! wurf gehalten; das ist fatsch, da der Entwurf im Ministerium noch nicht zur Berathung gelangt ist Doch wird wahrscheinlich noch in dieser Woche der Entwurf der allerhöchsten Entscheidung unterbreitet werden. Außerdem ist im Cultusministerium der Ent wnrf über den Austritt auS der Kirche festgestelll

DeS Balers Wunsch, deS Lohne- Neigung.

. . (Sine ErzLhlung aus dem Leden.

in ,-i tFmtse-ung.) .. 'i

Mir geht eS fast wie Alexander dem Großen," bemnikie Adolph,der sich betrübte, daß sein sieg­reicher Vater ihm nichts zu erobern übrig lassen werde; mein Vater hat so diel Gutes und Zweck mäßiges hier bewirkt, daß mir säst gar Nicht« zu chmi bleiben wird."

O sorgen Sie nichtI" entgegnete Bertram;bei diesem Volke, das immer begehrt und nie zufrieden ist, hat man täglich Gelegenheit, seinen guten Willen an den Mann zu bringen." 1

Die Höhe «ar erreicht, die Aussicht von der Burg mine Hell stein genoffen; Baron Adolph trennte sich von seinem Begleiter, um den Spaziergang noch weiter auszudehnen, während der ermüdete Bertram auf einem näheren und bequemeren Wege nach Grünstein Mückkehrte.

Nun," fragte der Oberst beim Abendrapporte, haft Du auf Deinem Ausflüge mit Adelph die Ge kegenhnt zur Recognoscirung seine« Herzens benützt?"

Ja, mein Herr Oberst," antwortete der alte Diener,»der fast bin ich so Aug als vorher. Seinem eigenen Geständnisse nach trägt er richtig, wie der Herr Oberst vcrmutheten, ein Bild im Herzen."

Wirklich? Da« hat er Dir geftcmden?"

nOhne Umstände"

-Also hätte er seins Wahl getroffen?" - '

-5Ich zweifle daran." -<

Wir so?" '

Weil er mir eS zuerst sagen will, wenn etwa«- der Art vorkommen sollte; also muß noch nicht- vvr- grkommen sein. Er stimmt übrigens ganz mit dem

worden. Die Nachrichten über den Austritt des Grafen Jtzenplitz, so hartnäckig sie auch auftrcten, entbehren jedes Grundes; eS liegt keinerlei Aeußerung des Herrn Ministers vor, die auf» sein nahes Aus­scheiden schließen ließe. Divergenzen hinsichtlich der KreiSordnung, die man als Grund deS Austritts an­gab, existiren factisch im Staatsministerium nicht. Die Nachricht, daß der Kronprinz enstlich krank ge­wesen sei, wird aus authentischer Quelle bestätigt. Die neuesten Nachrichten melden, daß der Zusiand des hohen Patienten fich bedeutend gebessert habe und der Prinz binnen Kurzem nach Berlin zurückkehren werde.

Die Coufcrenz über die sociale Frage hat dem D. R.-Auz." zufolge ihre Berathungcn in der ver­gangenen Woche in mehreren Sitzungen fortgesetzt und Den größten Theil der zur Verhandlung gestellten Gegenstände discutirt. Der Abschluß der Bcrathungen wird daher für die laufende Woche erwartet, lieber die Behandlung der focialen Frage auf der Conserenz schreibt man derVoss. Ztg.": Es werden auf der Conserenz nur solche Fragen erörtert, zu deren Er füllmtg der Staat seiner Natur nach berufen sein kann. Ausgeschlossen sind daher: die Erörterung der wiffenschaitlichen Eontroversen, welche dem Streit der Socialisten mit ihren Gegnern zum Grunde liegen; die Erwägung von Maßregeln, durch welche einge­griffen wird in die wirthschaftlichen Bedingungen der Production und der Capitalbildung, ein Eintreten dcö Staates in das Gebiet der Privatwirthschaft mit seinen finanzielle» Mitteln, mit seinem Credtt ober durch Anwendung von Zwang zu Gunsten gewisser Ge­schäftsformen (Produetivassociationen rc.); endlich das Einmischen desselben in die Regulirung der Lohnsätze und die Vertheilung des GeschäftsgewiimeS zwischen Unternehmer und Arbeiter. Es sind und werden da­her zur Erörterung gestellt: 1) Belehrende Maßregeln zur Versöhnung der Gegensätze und zwar in Bezug auf die Arbeitgeber über ihr eigenes Interesse an Be­friedigung begründeter Airforderungen der Arbeiter und an der Fürsorge für ihr Wohlergehen, in Bezug aus die Arbeiter aber Belehrung über das Fehlsame der socialistischen Doctrinen, über die Rothwendigkeit der wesentlichsten Institutionen der bürgerlichen Ordnung und über die Nothwendigkeit des Zusammengehens mit dem Capital. 2) Maßregeln zum Schutze der Arbeiter gegen die nachtheiligen Folgen der Concurrenz

überein, was ich schon oft gesagt habe, daß die jetzige junge weibliche Welt seines Standes nicht geeignet fei, einen Mann glücklich zu machen, weil die Dame» keine anderen Begriffe von der Ehe hätten, als da­durch Gelegenheit zu Macht und Recht, zu Polka und Majurek zu erhalte». Das sind nämlich meine Worte; er hat sich darüber viel gelehrter und feiner au«- gedrückt."

Und da wirst Du natürlich Deine mürrische An­sicht mit Beispielen auö der Nachbarschaft belegt und ihm den Ehestand recht verleidet haben?" zürnte der Oberst.

Ei behüte," entschuldigte sich Bertram,im Ge- gentheil, ich habe ihm gesagt, daß der Herr Oberst es gerne sehen würden, wenn bald eine brave Frau in« HauS käne Wenn ich meine Meinung sagen soll, so glaube ich, daß daS Bild, wa« er, wie er sagte, bei sich trägt, nur so ein abgebitdeteS Bild fein muß." .. ;. < ---

Ein Ideal" -

Eine Lithographie, ober wie manS heißt; über­haupt scheint er eine eigene Ansicht von dem Ehestände zu haben, und mit einem Wort, ich glaube, er wird wenig danach fragen, ob Die, welche ihm gefällt, eine Comtesje oder Baronesse, ober sonst von der Noblesse ist." r

Der Oberst ging mit raschen Schritten das Zimmer auf und nieder.

Bertram I" sagte er nach kurzem Nachdenken,ich gehöre nicht zu denen, die dem StandeS-Vorurtheile Alles opfern; ich erkenne an, daß nicht Geburt allein zu allen Vorzügen berechtigt; daß in alle» Klaffen der menschlichen Gesellschast edle Seelen zu finden sind: aber ich würde e« nicht ertragen, in diesen Räumen

im Maximum der Arbeitszeit, Ausschließung der Sonntagsarbeit, Schutz der Kinder und jugendlichen Arbeiter gegen Ausbeutung in Fabriken Schutz der Frauen in Fabriken Controle unbilliger Fabrik­ordnungen , Sicherung vor Verletzung und Entschädi­gung im Falle der Verletzung (Unfallversicherungen), Sicherung der Freiheit, die Arbeit nach kurzer Kün­digung zu verlassen, Sicherung richtiger Lohnzahlung rc., Bestellung besonderer Organe zur Aufsicht über die Ausführung der in obigen Richtungen zu er­lassenden Vorschriften. 3) Maßregeln zur positiven Hebung der arbeitenden Äloffen durch Unterricht: Volksschule, Fortbildungsschule, Haushaltungskunde für Arbeiterfrauen und Mädchen, Volksbibliotheken, Lesestuben, sodann durch Sorge für Befriedigung der Lebensbedürfnisse, Wohnungsfrage, Confumvereine, Speiseanstalten, VolkSgärten und sonstige ErholungS- anstalten, ferner die Mittel zur Capitalansammlung von Sparkassen, Lebensversicherungen: Baugenoffen- schaften und al« Vorsorge für UnglückSsälle Kranken­kassen, Jnvalidenkassen. 4) Maßregeln zur friedlichen Erledigung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Einigungsämter, Schiedsgerichte. 5) Endlich etwa zu ergreifende Repressiv - Maßregeln gegen die Arbeiter wegen Mißbrauchs der Freiheit, und zwar gegen Anwendung von Gewalt bei Aus­übung des CoalitionSrechtS, gegen unbefugtes Ver­lassen der Arbeit und endlich Hegen unbefugte socia- listische Agitationen.

Dresden, 25. Nov. Die zweite Kammer hat mit 61 gegen 5 Stimmen den Antrag der Regierung aus Umgestaltung der Oberrechnungskammer nach dem Vorbild der preußischen angenommen.

Karlsruhe, 25. Novbr. Die Genesung do« deutschen Kronprinzen schreitet allmählich und gleich­mäßig fort, doch wird derselbe bet der ohnehin vor­gerückten Jahreszeit auf ärztlichen Wunsch die Weiter­reise »ach der Schweiz aufgeben, weßhalb die Frau Kronprinzessin morgen hier eintreffen wird.

Stuttgart, 25. Novbr. Abgeordnetenkammer. Wachter beklagt die außerordentliche Verzögerung der Telegramme auf der Linie Stuttgart Frankfurt a. M.- Berlin, bemerkt, daß die verabredete zweite Leitung nur von Würtemberg auSgesührt sei und fragt an, ob vaS Ministerium nicht bei den mitbeteiligten Ver­waltungen, namentlich der badische», die beschleunigte

ein weibliches Wesen des HouseS Herrschaft führen zu sehen, das nicht in sich vereinigt, «aS ein edelge­borenes Weib haben muß."

Es geht mir auch so, Herr Obersti" stimmte Bertrambei;ich bin es in diesem Schlöffe nicht ander« gewohnt gewesen."

So laßt uns denn" sagte der Oberst mit väterlicher Hand in die Speichen seines Schicksal­greisen und die Räder vorsichtig in die Bahn lenken, Die zum erwünschten Ziele führt. Ich gehe morgen zu meiner Schwester; sorge dafür, daß präci« sechs Uhr angespannt ist."

Dem Schicksale in die Speiche» greifen ?" wieder­holte Bertram kopfschüttelnd für sich, als er gemächlich über den Hof ging, nm de« Herrn Befehle auszurichten; ei ja! wen» das so leicht ginge hätte schon Mancher hineingegriffen, wo eS etwas Wichtigerem, als einem Weibe gegolten; aber man riskirt feine gefunden Glieder, ober wohl gar den Kopf. Nun, die Tante ist eine vernünftige Frau, und die Frauen wiffen gewöhnlich Rath, wo den Männern der Faden auSgeht. Am Ende wird der gute Herr Oberst sich doch in Alle« fügen müssen, was kommt, wenn eS nicht gar zu derb, gegen die gewöhnliche Ordnung der Dinge verstößt; den» seinem Schicksale, sage ich, kann man nicht entgehen."

Am folgende» Morgen stand zu gefitzter Zeit die Droschke de« Oberst vor dem Schlöffe; fünf Minute» nach sechs Uhr fuhr er ab, und Abends neun Uhr kehrte er wieder zurück.

Wo bist Du gewesen, Vater?" fragte Adolph verwundert, der von dieser kleinen Reise nichts gewußt, weil er bei Sonnenaufgang eine» Astsflug zu Pferde gemacht hatte uüd kurz vor dem Oberst erst heim, gekehrt war. - n ic-t. .. w ..