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JUarßutg, Sonntag, den 24. November.
1872«
Oberhesjischc Reitling.
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heißt, von der Krim birect nach Italien gehen, um
unterstützten, bei der entscheidenden Abstimmung noch 6 abgefallen waren. Da Grocholski Referent des Adreß-AusschusseS ist, so erwartet die Majorität einen Entwurf, der schwerlich gar so matt ausfallen dürft?. Alles in Allem bietet bie- habsburgische Monarchie augenblicklich, statt der so heiß ersehnten gesunden Entwickelung, mehr ein Bild der Verwickelung und ein Wiedererstarken der centrifugalen Kräfte. Die einge- wanderten Jesuiten mache« ihren Einfluß überall bemerkbar.
Im BiSthum Basel scheint der bisher unter der Asche fortglimmende Brand des vaticanischen Kirchen- streites, in Folge der Excommunication des Pfarrers von Starrkirch jetzt in Helle Flammen ausbrechen zu wolle«. Es fand bereits eine Diöcesan-Conferenz in Solothurn statt, die sehr entschiedene Beschlüsse gegen den Bischof faßte.
Aus Frankreich: „Viel Geschrei und wenig Wolle!" Präsident Thiers hat sich, um Abwechslung zu haben, diesesmal mit. der Rechten anstatt mit der Linken ge zankt. Er verlangt nun ein allgemeines Vertrauensvotum und drohte, wie schon so oft, mit Abdankung, obgleich es ihm im Traum nicht einsällt, seine Gewalt freiwillig niederzulegen. Auch die Minister spielten zum Theil in derselben Tonart sich auf. Seitens des linken Centrums hat man die Absicht einen umfassenden Antrag über den Streitgegenstand, die projectirte-t Verfassuiigsreformen, einzubringen.
Im italienischen Parlament hat Minister Lanza den Gesetzentwurf über die religiösen Körperschaften vorgelegt. Ueber die Härte desselben kann sich Rom sicherlich nicht beklagen; heftige Opposition wird aber in der Kammer nicht auSdleibe».
In Spanien war die Regierung in chrcr gesetzgeberischen Thätigkeit glücklicher als in der Ernennung Hidalgos zum Generalcapitän der baskischen Provin zen, welche Abschiedsforderungen im Artillerie Offizier corps in Victoria hervorries, denen die Sympathien des gesammten Osfizierkorps der spanischen Artillerie folgten. Die Gesetze über Errichtung einer Hypothekenbank und Aufnahme einer Anleihe find mit großer Majorität angenommen worden. Die Regierung hat nun endlich beschlossen, den Carlisten-Auf- stand mit Energie zu unterdrücken, was freilich längst hätte geschehen sollen.
Die Kaiserin von Rußland wird, wie cS jetzt
Politische Wochr«-Urherficht
Im Abgeordnetenhause ist die Majorität bemüht, die KreiSordnungSvorlage zum alsbaldigen Abschlusse -u bringen; die zweite Lesung hat-bereits begonnen. Auch von den zu erwartenden Gesetzen gegen die Ueber griffe der Kirchengewalt ist bereits eines zur Vorlage gekommen. Trotz der anscheinende» Neigung, daß dem Krcisordnungsentwurs diesmal eine günstigere Aufnahme im Herrenhause zu Theil werbt, ist der Vorschub ein fest beschlossenes Factum und schon iw nächster Zeit werden die Ernennungen erfolgen — Auch in den übrigen deutschen Staaten sind die Landtage in Thätigkeit. — In Sachsen wird in beiden Kammern über Gemeinde-Ordnungen uitb Organisation der inneren Verwaltung verhandelt, desgleichen über confessionelle Schulen und Simultanschulen. Zn Würtemberg beschäftigt sich der Landtag mit einem Resormgeseh über die Einkommensteuer. — In Mecklenburg ist der Landtag einberufen, um über eine Ver- sassungSreform eine Verständigung zu versuchen. - Zn Hessen-Darmstadt bilden Wahlversammlungen und Aufrufe zu denselben die pokitische Tagesordnung — Aus Baiern hat die abgelaufene Woche den längst erwarteten Zusammensturz der Dachauer Schwindel- banken zur vollständigen Gewißheit werden lassen.
In Oesterreich-Ungarn kam es im nnga- tischen Abgeordnetenhause durch den Abgeordneten Csernatony zu einem heftigen Skandal, der die Be deutung einer Cabinetssrüge jetzt angenommen zu haben scheint. Anlaß zu diesem Streitfälle hat die Ernennung eines Richters an den oberster, Gerichtshof in Pest gegeben, der über einen Proceß in Fiume in deutscher Sprache referirtc, woraus dem Ministerium germanisirende Tendenzen vorgeworfen und dann auch zu den Insulten gegen Ministerpräsidenten Lonyay führte — In Böhmen bildet btt Schulrathsfrage den Zankapfel zwischen den czcchischen Jungen und Alten, da jene den trostlosen Zustand des Schulwesens gehoben, diese vor Allem die Rechte der Wenzelskrone gewahrt wissen wollen, und sollte die Schule darüber zu Grunde gehen. — In Agram ist Herr v. Vakanovic wieder obenauf. Die Zustände in Croatien werden mit jedem Versuche, sie zu heben, wirrer. In Lemberg mack-te „das centralistische Intermezzo", das Minister Lasser an geordnet hatte, Fiasco, indem den 150 Mitgliedern des galizischen Landtages nur 19 für Einführung direkter ReichSratswahleu stimmten, da von den 2b , .. , „ . .
Abgeordneten, die den Antrag des Ruihenen Kowalskis den Winter in Sorrent zu verleben. Der Großfürst
DrS BüterS Wunsch, tzrs Sohnes Neigung.
Eine Erzählung aus dem Leben.
(Fortsetzung.)
Die Väter sind nichd geeignet, die Vertrauten der Söhne in HeirathS-Angelegenheiten zu werden, das fühlte der Oberst wohl, und befand sich etwas rathlos.
Er theilte seinem geheiincii Raihe Bertram die kleinsten Einzelheiten in Beziehung auf diese Angelegenheit mit, um auch dessen Meinung darüber zu hören, die indessen mindestens eben so schwankend war, als die deS Obersten.
„Uebrigcns fällt eine Eiche nicht aus den erste« Streich, und ein junger Herr nicht in der ersten Minute in die Hände eim Frau," meinte der Diener, versprach aber, bei der nächsten Gelegenheit das Her jenSlerrain deS jungen Barons zu recognosciren. »Ich darf schon ein vertrautes Wort mit ihm reden," sagte er; „ist ein Hinterhalt vorhanden, so lock' ich ihn heraus. Aber ich muß bitte», meinen Auftrag für sich zu behalten; ich möchte nicht für einen Spion geltc«; denn es meinl's kein Mensch bester und ehrlicher mit dem Herrn Baron Adolph, als ich, auch seinen Herrn Vater nicht ausgenommen." .
Adolph selbst gab Bertram nach einigen Tagen Veranlassung, sein AuSforfchungStalent an ihm zu üben. Er lud den letzteren ein, mit ihm einen Spaziergang durch das reizende Waldthal zu machen, das zur Seite des Schloßhügels sich hinaufzvg bis zn dem Bergrücken, wo man eine der schönsten Aus fichten über das Flußthal und auf die an seinen Ufern gclegenen Burgen und Schlösser bis an die entfern- lesten Bergkuppen deS Grenzgebirges genoß.
Adolph war heiter, wie der Svmmermorgen, der mit schmeichelndem Hauche die Wangen erfrischte und Flur und Wald in Wohlgerüche hüllte.
„Du hast den Weg oft mit mir gemacht, als ich noch ein Knabe war," sagte er, „ich will mich heute zurückträumen in die glückliche Jugendzeit." / --..„Und mich ein wenig in die Karte der Gegenwart schauen lasten," dachte Bertram.
Sie wandelten gemächlich an dem kiemeu Berg« wasser entlang, das von der Höhe in hundert kleinen silberglänzenden Fällen sich herabstürzte oder plätschernd über die reingewaschenen Kiesel rauschte. Die mun- tereu Sänger des Waldes flöteten ihr Morgenlied oder verfolgten sich muthwillig in den Zweigen der Bäume und Gebüsche, in welchen sie ihre luftigen Wohnungen gebaut hatten. ES war ein Wohlbehagen über die Flur auSgegossen, daS die Herze» der Menschen höher schlagen und sie empfänglich macht für die schönsten und unschuldigsten Empfindungen einer reinen Seele.
„Süße, heilige Natur!" recitirte Adolph:
„Laß mich geh'« auf deiner Spur;
Sette mich an deiner Hand, Wie ein Kind am Gängelband!"
„Wie einfach, mit kindlich schön ist ditses Ge- kicht," fuhr tr fort; „ein Liebling mtintS Vaters aus den Zeiten seiner Jünglingsjahre, wo die deutsche Poesie den ersten Flügelschlag machte in die höhere«, schöneren Regionen unserer gereinigten, so reichen und herrlichen Muttersprache."
Er warf sich auf den moosigen Rasen am Ufer des Baches und fuhr fort:
Nicolaus befindet sich bereit- in Egypten, wo er vom Vicekönig mit großer Auszeichnung empfangen wurde. Der Großfürst Thronfolger ist nebst Familie seit dem 11. d. wieder irt Zarskoje-Selo. Der Großfürst Alexis ist em 5. d. voii Nangasakt nach Dokuhama weiter gerrnst. Dem Erzbischof von Warschau (Fe- linSki), so wie den Bischöfen von Wilna, Plock und Sitomir (KrastnsK, Popiel und Borowski), welche alle vier im Innern Rußlands wohnen müssen, ist ein schriftlicher Verzicht auf ihre BiSlhümtr abverlangt und falls sie ihn ausstellen, die lebenslängliche Zahlung ihre« vollm Gehaltes zugesichert und die freie Wahl deS Aufenthaltes in Petersburg, in der Krim oder im Auslande gelassen worden. Sie haben da» Ansinnen aber durchaus abgelehnt.
Der König von Griechenland hat, nach Athen zurückgekehrt / von DeligeorgiS die schleunige Lösung der Laurion Frage gefordert. Da dieser aber von einem Schiedssprüche nichts misten will, so wird er wohl seinen Abschied nchmen und einem CoalitionS- Ministerium KomunvuroS-Bulgaris den Platz räumen müssen. Aber ob diese« den unerquicklichen Streit bcizulegen vermag, ist sehr zweifelhaft.
Die Pforte hat die Bedingungen sestgestellt, unter welchen sie dem Khedive von Egypten die Er- . Werbung des — noch zu erobernden — Abyssinien gt* hattet. Ob freilich diese Bedingungen je praktisch werden, ist eine andere Frage, denn eS verlautet mit großer Bestimmtheit, daß England, Deutschland und Oesterreich in Konstantinopel sehr entschiedet Protest gegen die betreffende Annexion eingelegt haben. Nicht entscheidend, aber jedenfalls unterstützend scheint dabei die Erwägung gewesen zu sein, daß bk Abyssiuier Christen find.
Der in» rumänische Ministerium eingetretene Epureanu ist seit zwanzig Jahre« ein unerschrockener Beschützer und Verthridiger der Juden gewesen. Er wird jetzt gewiß Alle» thun, um deren politische Emancipation einzuleiten. Fürst Karl hat vom Präsidenten der französischen Republik einen eigenhändige« Brief voll „wärmster Gefühle für die edle Nation der Rumänen" empfangen.
Deutsche» Reich.
«* Berlin, 22. Nov. Die Sitzungen de« Abgeordnetenhauses, in welchen die Kreisordnung auf der Tagesordnung stand, haben bereit« erkennen (affen, daß sich die Voraussicht, bestätigen wird, daß die Re«
„Wenn ich dann ermüdet bin, Sink ich dir am Busen hin, Athme reine Himmelstust, Hangend an der Mutterbrust."
„Findest Du das nicht schön, Bertram?" fragte der Jüngling, ihn durch ein Zeichen auch zum Sitzen einladend.
„Ganz schön!" antwortete dieser, „obwohl ich e« nicht recht verstehe."
„Die Natur allein ist treu und wahr!" sagte Adolph; „das fühl' ich jetzt stärker als je, hier in ihrem Schooße, in ihren Armen ruhend. Auch die melodische Natur ist schön ohne Schminke, ohne Verzierung, ohne den Aufwand der sogenannten Bildung, die uns abführt auf die Irrwege des menschlichen Herzens und Kopfes. — Hier, entfernt von dem Welt- gewühle, will ich der Natur allein und ihren Gebote« leben."
„Das ist recht, Baron Adolph!" sagte Bertram; „das wird den Papa von Herzen freuen, der Ihre Abwesenheit während Ihrer Reise kaum zu ertragen vermochte, und der nun sehnlich wünscht, daß Sie sich sixiren und einen Hausstand gründen möchten. Gelegenheit gibt es genug in unserer Gegend, und Sie haben ja die Nachbarschaft und ihre Schönheiten gesehen, um eine Wahl zu treffen."
„Mein Vater wünscht eine Verbindung?"
„Sein einziger, liebster Wunsch, den er oft gegen mich ausgesprochen hat. Eine Frau muß in das verwaiste Haus, sagte er, eher wird es hier nicht hell und freundlich in meiner Seele."
(Fortsetzung folgt.) O _________