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der Provinz Oberhefsen in motivirten Eingaben bei dem Großherzoglichen Ministerium der Justiz um eine entsprechende Erhöhung der Anwaltgebührcn nachge­sucht haben, hat das gedachte Ministerium im Hinblick auf die Zeitverhältnisse die Bedürfnißsrage in be­jahendem Sinne entschieden und die Hofgerichte der Provinzen Starkenburg und Obechrfseis zum thun- lichft zu beschleunigenden Berichte über die Art und Weise der Ausführung aufgefordert. v <»

Ausland.

Wien, 19. Nov. Bis jetzt fehlen hier noch die näheren Details des wahrhaft unerhörten Skandals, der sich in den Räumen 'des Pester Landtagshauses vollzogen. Die persönlichen Jnvcctiven, mit welchen sich Ministerpräsident Graf Lonyay und einer der Führer der Linken, Herr Csernatony, überhäuften, scheinen aber in der That alles Denkbare überschritten zu haben. Nur in einem einzigen Punkte legte sich wetiigstens der Erstere einige Zurückhaltung auf: die Erklärung des Grafen Lonyay, die Vergangenheit Csernatony's nicht erörtern zu wollen, enthielt wirklich den Verzicht auf ein äußerst dankbares Thema. Jeder­mann weiß, daß Herr Csernatony kurz vor dem Jahre 1848 wegen Banknotenfälschung rechtskräftig verurtheilt worden ist, und wenn dieser Umstand nach der unga­rischen Gesetzgebung kein Grund ist, von der passiven Wahlfähigkeit ausgeschlosien zu sein, so .ist es doch ein mehr als ausreichender Grund, Herrn Csernatony zpr äußersten Vorsicht in der Berührung persönlicher Fragen zu bestimmen. Ein tadellofeS Nachleben konnte die öffentliche Meinung dazu bringen, Hrn. Csernatony zu amnestiren. Ader er selbst durfte sich dieje Amnestie nur mit aller Reserve erlhcilen. Er hatte um so mehr die Verpflichtung dazu, als- auch sonst sein öffentliches Leben keineswegs ohne Flecken geblieben ist. n-Nicht bloß seine Feinde klagen ihn der Herbeiführung des unglückseligen Zwischenfalles an, in welchem er im Jahre 1848 den Ministerpräsidenten Grafen Louis Battyanyi zu jenen Aeußerungen drängte, die nachmals entscheidend wurden für das Urtheil des Militärgerichtes. Und wenn er sich auch von dem Verdachte der Spionage, der seine Ausschließung aus dem Pariser Emigranten­club zur Folge hatte, zu reinigen wußte, so konnte darin gewiß nur eine Aufforderung mehr für ihn liegen, nicht auf vage Vermuthungen und schwankende Gerüchte hin die öffentliche Thätigkeit seiner Gegner zu ver­dächtigen. Eine weniger zum Zionswächter staatlicher Moral berufene Persönlichkeit alS Herr Csernatony kann kaum gedacht werden. Ohne Zweifel hätte übrigens der Skandal vermieden werden können, wenn der Präsident des Hauses mit mehr Tact und gutem Willen seines Amtes gewaltet hätte. Jetzt bleibt der Deakpanei nur übrig, durch eine förmliche Erklärung im Protocoll das rohe und unangemessene Auftreten Cseruütonys, der Würde des Hauses entsprechend wieder gut zu machen. AuS Pest wird heute telegraphisch berichtet, daß die sämmtlichen Minister, welche sich solidarisch mit Lonyay verbunden haben, eine derartige Satisfaction energisch fordern werden. Ob damit der,

zunächst aus Stralsund vom 16. d. M: „Nachdem gestern Morgen bereits Leute aus Witte auf Hiddensee hier eingetroffen waren, die die neulich mitgetheilten Nachrichten von dem nördlichen Theile der Insel hier­hergebracht hatten, langten hier Nachmittags auf dem letzten geretteten Boote mehrere Fischer an aus dem auf dem südlichen Theile von Hiddensee (telegenen Plogshagen. Nach ihren Mittheilungen sind auch dort keine Menschenleben zu beklagen, da es sämmtlichen Bewohnern gelang, auf dem Boden ihrer Häuser dem Wassertove zu entgehen. Sämmtliches Vieh war in die am höchsten gelegenen Wohnungen gebracht worden und ist, bis auf ein Schwein, gerettet. Auf beit Wunsch des ait dem Durchbruch wohnenden Wächters waren einige Männer aus Plogshagen am Abend des 12. bei ihm geblieben, nachdem er Frau und Kinder nach dem Dorfe gebracht hatte. In der Nacht drang das Wasser so rasch in seine Wohnung ein, daß er und seine Gefährten dieselbe verlassen mußten und PlogS Hagen nicht mehr erreichen konnten; sie hielten nun aus einer immer mehr verschwindenden kleinen Anhöhe den übrigen Theil der Nacht und beit folgenben Tag bis zum Nachmittag inmitten ber Fluchen aus, jeher zeit bes Tobes gewärtig, bis bas Waffer zu sinken begann. Nachmittags um 4 Uhr ftronbete eine größere Bark bei Plogshagen, unb würbe die aus 11 Mann bestehende Besatzung von den selbst eben dem Tode entronnenen Plogshageneru gerettet. Die Bewohner Dort Plogshagen haben schwer gelitten, ihre Häuser find fast unbewohnbar geworden, eins derselben ist eingestürzt, ihre Böte bis auf eins verloren, die Fischereigeräthe fortgespült, ihre Habe theils verdorben, cheilS weggeschwemmt, das urbare Land versandet, so sehen sie mit bangem Herzen der Zukunft entgegen. Neben dem allen Durchbruch, bei sich gehalten hat,

Zwischenfall als erledigt aitzusehen sein wird, muß freilich bei der leidenschafflichen Aufregung welche sich der gesammten Linken bemächtigt hat, noch dahinge­stellt bleiben

Pest, 21. Nov. Der Club ber Deakpartei be I schloß, eine Revision ber Geschästsorbnung deS Unter­hauses zu beantragen, um ähnliche Zwischenfälle, Pie ben am 18. b., künftig zu verhüten.

Paris, 20. Nov. Die Aufregung, welche in Paris herrscht, steigt. Man spricht nur von den Er­eignissen von Versailles. Die Buben ber Journalver­käufer sinb förmlich belagert, obgleich ber Regen sich in Strömen ergießt. Die Stimmung bes großen Pu blikumS schlägt um unb fängt an, für Thiers keine günstige mehr zu sein. Von Versailles aus bemüht man sich zwar, ben Justizminister Dusauri als den- jenigen darzustellen, ber Thiers verleitet habe, bic Tagesordnung von Jaures, bie jedenfalls angenommen worden wäre, zu mißbilligen. In der Handelswelt haben die Versailler Ereignisse große Bestürzung her­vorgerufen. Eine Masse Aufträge, welche ben hiesigen englischen Agenten gegeben worden waren, um noch die alten Zollsätze zu benutzen, wurden abbestellt. Der Termin, bis zu welchem die Declarationen, um nicht nach ben neuen Zollsätzen bezahlen zu muffen, gemacht werden können, läuft morgen ab. Die Leute zogen eö aber vor, später mehr Eingangszoll zu bezahlen, als sich Angesichts der Krisis auf weitere Geschäfte ein­zulassen. Die Geschäftswelt ist natürlich nicht zufrieden, unb bie Stimmung, welche bie Versailler Vorfälle er­zeugten, wirb von den bonapartistischen Agenten, welche seil gestern mit erneuter Thätigkeit aiiftreten, mit Er­folg ausgebeutet. Heute Morgen fanb roieber Minister- ralh in Versailles statt. Es sollten die endgültigen Beschlüsse gefaßt werden. Die gestern für die Adreß Commission in ben Abteilungen ftattgefunbenen Er­nennungen werben alS nicht ungünstig betrachtet. Ueber bie neuen Anträge sind verschiebenc Versionen verbreitet. Rach ben einen will bie Regierung nach wie vor von ber Versammlung ein Vertrauensvotum verlangen unb bie Bildung einer Commission in Vor­schlag bringen, welche die constitutionellen Vorschläge prüfen soll, nach ben Anbern soll sic aber ben Aus­gang der DiScussion über ben Kerdrel'scheu Antrag abwarten wollen. Man will Verlängerung ber Ge walten bes Präsibenten _auf vier Jahre beantragen, zugleich ober auch bestimmen, baß ber Präsident sich bei ben gewöhnlichen Kammerdebatten nicht betheiligen darf, jedoch bei den Angelegeicheiten, in denen er nicht mit ber Kammer gleicher Ansicht ist, ein SuSpensiv Veto erhält unb bann in der Versammlung das Wort ergreifen kann, um dasselbe zu erklären. Die oer- jchiekenen parlamentarischen Vereine hielten gestern und heute wieder Versammlung. Der größte Theil der Mitglieder ber Rechten ist noch fonwährend in höchster Wuth. Die Linke unb die äußerste Linke sprachen sich natürlich für den Präsidenten mit großer Entschlossenheit aus. Das Hauptorgan der letzteren, die „Siepublqtie Franyaise", will Herrn Thiers nicht zurücktreten lassen, da er durch die Constitution-Rivet

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hat sich ein neuer Durchbruch von 17 Fuß Tiefe gebildet, der aber jetzt von dem Wasser nicht mehr vurchfpült wird."

Die beiden am 15. früh nach Zingst und Sun bische Wiese abgegangenen Negierungsdampfer kehrten am 16. Mittags nach Stralsund zurück. Tas Wasser stand dort noch mehrere Fuß hoch, die Gebäude sind durchweg stark beschädigt, die Bewohner sitzen in den Dachgeschossen, obgleich auch diese durch den Sturm gelitten-haben. Ein Theil ber Expedition ist noch mit dem Dampfer „Möwe" nach Prerow gegangen. Der Pastor zu Zingst hat 75 Personen bei sich im Hause. Die Expedition hat ben mitgenommenen Proviant zur Veithcilung abgegeben. Bei ben Babe­orten Saßnitz unb Crampas auf Rügen sollen bie Ufer sehr gelitten haben unb ben meisten Fischern bie Boote weggetriebcn ober zerschlagen worden sein. Die Landungsbrücke bei Lauterbach ist gänzlich fortgerissen und in ben bortigen Casperschen Gasthof ist man rettenb zu Boot hineingefahren. In allen Walbungen, befonbers in ben Kiefern- unb Fichtenholzungen, hat der Sturm in hohem Grabe verheerend gewirkt. An verschiedenen Stellen sind Mühlen unb Gebäude um- geworfen. Von ber Hasper'schen Kreioesabrik zu Blandow, unmittelbar an bet Ostsee gelegen, soll nur noch baS«Wohnhaus als Ruine stehen, alles Uebtige zerstört worben sein. Ueber bie Zerstörungen bes Elementes in Saßnitz wirb ber „Straff. Ztg." von dort unter bem 13. November Mittags noch besonders geschrieben: „Die ganze, mit vieler Mühe unb Kosten feit Jahren gehegte, gepflegte und dadurch geschaffene Uferprcmenabe, fast sämmtlichc Fischer - und die ben beiden hier wohnenden Fabrikanten gehörigen 6 Boote, sowie die am Ufer lagernden Schlemmkreibefäffet, bie Anlage ber Herren - unb Damenbäber, Vetlabungs-

gebunben sei unb seine Ausgabe, die Befreiung des Territoriums und die Gründung der Republik beenden müsse. — Ein hierher gesandtes Telegramm von Lesseps, d. d. Konstantinopel, «18. Novbr.meldet: In bet Suezcanal-Zollfrage ist zwischewder Pforte und dem Khedive volle Uebereinstirnmung erzielt worden, so zwar, daß von beiden Seiten bie Ansprüche ber Suez- canal-Gesellschaft unterstützt werden sollen.

Versailles, 21. Nov Die „Agence Havas" meldet: Man glaubt, daß Kerdrel sich heute mit Thiers verständigen werde. Aus ben Aeußeruitgen mehrerer Mitglieber bet Commission unb aus Demjenigen, was über bie Gesinnungen beS Präsidenten bekannt ist, läßt sich auf eine baldige günstige Lösung der Krisis schließen. Vollkommene Ruhe überall.

Rom, 20. Nov. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer theilte Ministerpräsident Lanza bie Maßregeln mit, welche bie Regierung zu Gunsten ber burch die Ueberschwemmungen Heimgesuchten getroffen habe. Auf eine Interpellation Olliöa's eonftatirle bei Ministerpräsident, baß bie öffentliche Sicherheit im Zu- nehisten begriffen sei. Der Justizminifter brachte einen Gesetzentwurf über bie religiösen Körperschaften ein. Nach der „Jtalie" bestimmt ber Entwurf die Anwendung ber Gesetze wegen Aushebung der religiösen Körper­schaften unb ber Güterconvertitung auf die Stabt Rom. Die Generalatshäuser bleiben jedoch aufrecht. Die Stiftnngshäufer bleiben erhalten, bürfen abp nicht vermehrt werden. Diese Häuser genießen nicht die Rechte einer Civilperson. Die eingejegeneu Güter werden bem wohlthätigen Stiftungszwecke erhalten. Die PeNfionSliqtttdation erfolgt binnen Jahresfrist. Die Güter der religiösen Körperschaften ber Stadt Rom werben in unveräußerliche Rente convenirt.

Rewyork, 20. Nov. Die Tabaksdepots von New-Jersey wurden durch Feuer eingeäschert. Der Vee- fftst beläuft sich auf eine Million Doll.

Brooklyn, 19. Nov. Das gestern in einem hie­sigen Getretdemagazin ausgebrochene Feuer, durch welches dieses in Asche gelegt und auch die Haupt­straße bedroht wurde, ist gelöscht. Der entstandene Verlust wird auf etwa 800,000 Doll, geschätzt.

Boston, 20. Nov. Eine abermalige Feuersbrunst verursachte einen Schaden von 350,000 Doll.

Marburg, 23. Nov. Aus zuverlässiger Quelle können wir den Kunstfreunden hiesiger Stadt bie er­freuliche Mittheilnng machen, baß zu mehreren größeren in diesem Winter hier stattfindenden Concerten bereits auswärtige Künstler ersten Ranges ihre Mitwir­kung fest zngesichert haben, So wird, wie wir hören, Anfang December ein Concert stattfiuden, in welchem Frau Soll ans, erste Sängerin der Königl. Hofbübm zu Kassel auftritt. Daß aber zu dergleichen Genüssen die allgemeinste Betheiligung Mörderlich ist, ist selbst­redend und hoffentlich wird dieselbe, wie bereits in engeren Kreisen, so in. den weitesten eine solche {ein, bie überhaupt derartiges in Marburg ermöglicht.

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brücken unb ber alle Babegäste stets unter seinen Schatten einladende Wallnußbaum am User sind von den beinahe bis an ben höchsten Uferraub gehenben Wellen bereits »eggeriffen und spurlos verschwunden. Das anscheinend auS feinen Fugen getretene, tobende Element unterminirt noch fortwährend bie Ufer unb zwei bemjelbcn am nächsten stehenben Häuter, bie roarmen Bäder unb bie zur Schlemmkreideverladuug angelegten beiben Eisenbahnen. Unzählige unerkenn­bare Trümmer, große unb kleine Bäume aus ben früher malerischen Ufern treiben in wilder Hast an unseren thränenfeuchten Blicken vorüber. Möge die Vorsehung bem Orkan, zur Verhütung größeren Un­glücks, Haff gebieten, ba die unbeschreibliche furchtbare Brandung jede menschliche Hilfe unmöglich macht."

In Wolgast richtete bas Unwetter ebenfalls großen Schaben an. Der Schießplatz stand gänzlich unter Wasser; ber Verkehr in den Straßen wurde durch Boote vermittelt. Die Fährbrücke für die Ueberfabrt nach der Insel Usedom ist vollständig weggespült; mehrere Häuser und Ställe in ber Nähe des Peenc- ufers sinb eingestürzt. Aus Barth, 15. November, melbet baö „Barth. Wochenbl.": „Vom Kirr theilt ber Gutspächter Horst mit, baß mit einem Kathen fünf Menschen, Vater, Mutter unb brei Äinber fortgespült seien unb bas Loben verloren hätten; er selbst habe 40 Kühe, 200 Schafe und zwei Füllen verloren." Auf dem Stuben sinb die Häuser isämmtiich erhalten; auch wirb über bett Verlust von Meuschenleben nicht berichtet. Die Insel Usebom ist bei Damerow durch- brochen. Bei Freest unb Grünschwabe sinb eine Menge verschiebener Gegenstände, als Bettstellen, Betten, Kisten, 1 tobte« Pferb unb mehrere Schweine von Peenemünde aus, von wo die Nachrichten noch fehle«, ans Land getrieben. - * •••: .• \ ;