bestehni bleiben. Daß Mahmud Pascha wieder ans Ruder kommt, daran ist gar nicht zu denken. Die neuesten Minister-Ernennungen sind ganz im Sinuc der Reformen erfolgt.
Ter Fürst von Rumänien hat den neuen Vertreter deö Deutschen Reiches, General konsul v. Piurl, amtlich empfangen und dem wieder ins Ministerium eingeteelenen Epureano das Iuflizwefcn übertragen
Die serbische Skuptschina wurde am 6. d. M geschlossen; am 11. traf Fürst Milan mit seinen Ministern von Kragujevacz wieder in Belgrad ein,
Deutsches Reich.
** Berlin, 15. Novbr. Bei dem bedeutenden Interesse, welches die europäische Landwirthschait an einer Veränderung der peruanischen StaatSoerdältnisse wegen des dadurch auf das Peruguano-Geschäft ent staudenen Einflusses hat, dürste eS im Allgemeinen von Wichtigkeit sein , die Landwirthe auf die gegen waeligen Stimmungen und Strömungen in Peru aufmerksam zu machen, weil allgemeiner Erwartung zufolge der Peruguano - Export in einer veränderten Art geordnet werden wird. Bekanntlich hat ein Pariser HauS mit der peruanischen Regierung einen Kauf-Eontract auf 2 Millionen Tonnen (ä 2000 Pfd ) Guano abgeschlossen und dagegen die Einräumung ercha.ten, nur Guano in der Qualität ccö besten Chmcha Guanos zu empfangen oder berechtigt zu jein, bd Lieferung geringhaltigerer Waare entspre^t eure Abzüge zu machen. Da nun nach vollständiger Räumung der Chrncha-Znseln die Exportaiion von den Guannaxa- unv Macabi-Jnseln elne beträchtlich schlechtere Qualität alS von den Chincha-Juseln, so sind die Bezüge, zu welchen das Pariser Haus berechtigt ist, außeroidcnttich groß und allem Anscheine nach so bedeutend, daß es den SiaalSfinanzen Peru S auf die Dauer nicht möglich sein wird, sich im Gleichgewichte zu erhalten. Die frühere Negierung des Präsidenten Balta, welcher diesen für die Wohlfahrt Peru's so verhängnißvollen Contract abgeschlossen hatte, ist vollständig genürzt und Balta sctbst eimordet. Der neue Präsident, Na m.ns Parbo, ein Mann von europäischer Bildung und Anstauung, gilt für einen ebenso fähige» als ehrlichen Charocter und eS wird und mutz sein Be streben sein, den Contract mit dem Pariser Hause zu regpliren, um die Finanzen Peru's im Gleichgewicht zu erhallen Bon kundiger Seite wird deshalb unter diesen Uinsländcu gerathcn, die Entwickelung der jetzt slaufindenoen Krisis abzuwarten, bevor man zu »tuen Unternehmungen uno Abschlüssen bei dem Bezug des neuen Guanos schreitet.
PiUau, 15. Rov. Der russische Schooner „Ale xander" i|t im Haff auf den Grund gerathen _unc> schwer abzubringen. Ein Lichter deS Dampfers „Essex" ist im Elblnger Haff aus den Giund gerathen. Ltchror' und Ladung sind vedenn. Der Dampfer „Anglodane," welaer 'Montag Kopenhaaen verlassen Hal, ist ausge- blleben Mau sürchtet, daß er unlcrgegangcn ist.
München, 13. Novbr. Ueber die letzten Sinn den cer Sp-tzeocr'scheu Bank erfährt man noch, daß dieselbe am Montag und Dienstag fleißig, aber meist waS sich inzwischen ereignen kann! Vielleicht bildet sich bei euch eine jener Regie» uugen, die nichts achtet, welche Gesttze nach eigenem Geiallen macht unv die von Ihnen abgeschlossene Capitulation nicht anerkennt, — w.lche die Offiziere ihrer uuS gegenüber eingegangenen Verbindlichkeiten enthebt, da man sich ohne Zweifel um jeden Preis wirb vertheiblgen wollen. Wir wissen wohl, baß man in Frankreich äußerst schnell Soldaten bilBit; roch die jungen Soldaten besitzen nicht den W>rth der Veteranen, und überdies läßt sich ein Offiziers- und Unteroffiziers. Eorpö nicht improvinren. Wir wollen den Frieden, jedoch einen dauerhaften Frieden, und pm diesen zu erreichen, erscheint es nvih wendig, Frankreich in die Unu-öglichkeit zu versitzen, unS zu widersteheu. Tas Schickjal der Schlachten hat unS die besten Soldaten und Offiziere der sran zösischen Armee in die Hände geliefert; eS wäre Toll beit, denselben ohne Entgelt die tzreihei, zu schenken und sich daduich der Möglichkeit auSzusetzen, sie wieder gegen unS marlchiren zu sehen. Ein solcher Ao» würde nur die Verlängerung des Krieges jein, gegen welche sich das Interesse unseres Volkes sträubt. Nein, General, jo groß auch das Interesse ist, welches sich an Ihre Stellung knüpft, jo schmeichelhaft auch die Meinung sti, die wir von Ihrer Armee haben, so können wir doch auf Ihre Forderungen nicht eingehen und die Zhiten ursprünglich gestellten Bedingungen ändern.
Wimpffen: Zn diesem Falle wäre eS mir un möglich, eine (Kapitulation überhaupt zu unterzeichne», und wir müßten dann die Schlacht wieder beginnen
Caste Inan: Zch halte den Augenblick für gekommen, die Botfchaft des Kaisers mitzutheiteu. Der Kaiser hat mich beauftragt, Sr. Majestät dem König
vergeblich, von den betrogenen Darlehern bestürmt! wurde. Tie mannigfachen Klauseln, mit welche» die! Wechsel größieniheilö versehen waren, thaten jetzt ihre Wirkung. Unversallene Wechsel, von Advokaten mit Klageaudrohnng präseiitirt, wurden mehrfach bezahlt verfallene blieben in den Händen von Bauern um anderen wenig zu befürchtenden Leuten uneingelöst Als maßgebende Rechts'reuiide standen der Spitzeder in oen letzten Stunden ihrer Wirksamkeit die Herren Zander, Redaclenr des „Volksboten", und Dr Karl Barth, ultramontaner baieriseder Landtagsabgeordneter und seinerzeit particularislischeS Mitglied des Zoll- parlamentS, zur Seite. Znzwischen melden bei dem Bezirksgericht die Gläubiger der Dachauer Bank ihre Forderungen so außerordentlich massenhaft an, daß die ©euoarmen Ruhe und Ordnung erhalten müssen. Vkhr neue AnmeldungSbureauS sind deshalb eilige richtet worden. — Zur Schadloshaltung für die Kriegsleiftungen der einzelnen, namentlich der rhein- psalzischen Gemeinden, aus dem baierischen Antheil an der Kriegökosten-Enlschädignng, ist von dem Mi- nisterium des Innern, unter dem Vorsitze des Ober RegierungSrathes Frhr. v. Feilitzsch, eine eigene „Kriegs- entfchädignngS Commission" gebildet worden.
Auslanv.
Wien, 15 Nov. Die „Neue Freie Presse" hört, daß die Südbahn beabsichtige, neuerdings zu einer Emission von Prioritäten im Betrage von 30 Millionen netto zu sä reiten. Sie wolle den breipreceutigen Zinsfuß festhallen, so daß nominell Obligationen für 60 Millionen emütirt werden müßten. Als Verwendung für den Ertrag des Anlehens wird die Con- solidirnllg der schwebenden Schuld bezeichnet. Nebenbei soll auch der Vervollständigung der Betriebsmittel ein Theil des Ertrages zugewendet werden. — Die Tinge tu Galizien werden hier ziemlich gleichmüthig aufgefaßt Von der Resolution als solcher ist nie ernsthaft die Rede gewesen; kein einziger Percy hat sich in Lemberg gefunden, sie jetzt zu lancireii! Die Adresse aber, die unter anderen Umständen vielleicht Verlegen heilen bereitet haben könnte, wird so zahm oder, wie die Landesorgane sich ausdrücken, „lilienbleich" aus- fallen, daß man die etwa erregter sich gestaltende Adreß-Debatte allenfalls mit in den Kauf nehmen kann. ES wird noch niemals und in keiner parla rnenlarischen Versammlung vorgekommen sein, daß in den für die Berathrrng eines Antrags niedergesetzien Ausschuß der Antragsteller nicht gewählt wurde Fürst CzalorYSky aber, der Vater des AdreßantragS, ist vollständig übergangen. Tie Herren Polen haben es nicht für angezeigt erachtet, in diefem Augenblick föderalistischer Neigungen verdächtig zu werden, und Fürst Ezartoryski ist ein notorifcher, aus verschiedenen periölllichen Gründen sreilich sehr,ungefährlicher Mitarbeiter im Weinberge des Föderalisinus. Die Grafen Potocki und Wovzicki werden den Ausschuß schon in Die richtige Bahn der harmlofen Phrasen zu lenken verstehen; der ehemalige Präsident des Ministerraths hat die polnischen Bäume nie in den Htminel wachsen lassen, und Wodztcki wird sich möglich zu erhalten suchen, der Zukunjts Minister für Galizien zu von Preußen zu bemerken, daß er demselben seinen Degen ohne Bedingung übersandt und sich für seine Person dessen Gewalt gänzlich überliefert hat; er lhal dieö jedoch nur iu der Hoffnung, daß ein solcher Act vollständiger Hingebung den König rühren und daß er in Würdigung die er Handlungsweise der französischen Armee eine ehrenvollere, überhaupt eine Capitu lation gewähren würde, auf die sie vermöge ihres Mnthes ein Recht hat.
Bismarck: Zft dies Alles, was Sie unS zu sagen Haden?
ß allein au: 3 a.
Bismarck: Wem gehört aber der Degen, welchen der Kaiser Napoleon III. übergeben hat? Gehört dieser Degen Frankreich, oder ist eS sein eigener Degen? Wenn dies der Degen Frankreichs ist, so können die Bedingungen merklich moBificiit werden, und Zhre Botschaft würbe dann einen ernsthafteren Character haben.
Castelli au: Dieser Degen gehört nur dem Kaiser allein.
M otke: Zn diesem Falle (sagte er in Eile und fast mit Freuden) kann au den Bedingungen nichts geändert werden; der Kaiser wird für feine Person Alles das erhalten, waS ihm zu verlangen beliebt *)
Wimpffen: Wir werden die Schlacht wieder aufnehmen.
*) Den anwesenden französischen Offizieren kam es vor als ob über diesen Punkt zwischen dem Grasen Bismarck und dem General Monte eine geheime Meinungsverschiedenheit obgewaltet hätte, und als ob Ersterer un Grunde nicht böse gewelen wäre, den Krieg beendigt, während General Moltke im Gegenthcile wünschte, denselben verlängert zu sehen. Anm. der „Oesterr. Militär. Zeitschrift".
sein; zum Ueberfluß ist dem etwa Überschlagenden Polenthum in der Person LawroiiSki'S ein rmhenijcht Dämpfer aufgesetzt. Ter Tyroler Landtag konnte es auf eine Auflösung ankommeu lassen, er konnte sogar daraus hinsteuern; die Majotitat wußte, daß sie bei eventuellen Neuwahlen keinen Zoll Terrain verlieren werde. Aber der galizische Landtag weiß sehr genau daß die Regierung die Mittel in Händen hat, die Präponderanz deö exclusiv polnischen Rechts zu brechen, daß es ihr ein Leichtes wäre, der prioilegirten Kaste, welche seither das große Wort in Lemberg führte, und welche, nebenbei bemerkt, nicht zu kurz kam, nicht blos die ruihenische Bevölkerung, sondern auch misera plebs der eigenen polnischen Massen an den Hals zu Hetzen; er wird also gewisse Grenzen nicht überschreiten und die Regierung nicht reizen, auch ihrerseits gewisse Rücksichten bei Seile zu setzen und Gelegenheit zu nehmen, in dem Augiasstall der autonomen polnischen Mißwirthschaft einmal zu einer gründlichen Reinigung zu schreiten.
Pest, 14. Nov. Tie mit Rumänien vereinbarten Eisenbahn -Anschlußpunkte sind: Ztzkanj, Vereicova, Vulkan, OjtoS und Tömoesk ober Boozs Tie an diese Punkte anschließenden im Bau befindlichen in Ztzkanj zusammeiitreffenden Linien sind: 1) Temesvar- Orsova Vereicova Turuuieverin, 2) Petrosseny, Vulkan, Filiasch. 3) Ungarische Ojkbahn Oslos, Arjub. Galaez, 4) Kronstadt-TömoeSi-Plosest. — Minister Andrassy stürzte bei der gestrigen Fuchsjagd am Rakos vom Pferde und verletzte sich leicht am Halse. — Der Hof trifft Vorbereitungen zu feiner Abreise von Ofen.
Paris, 14. Novbr. Die republikanische» und tabicalen Blätter zollen der Botfchaft deS Herrn ThierS ihren vollen Beifall. An der Spitze derselben steht die „Nspublique Frantziise " Thiers, so meint dieselbe, habe gestern erklärt, daß die Republik die einzig mögliche Regierung sei. ES sei wichtig, daß die Republik über die Monarchie von dem Manne gestellt worbe» sei, der noch vor 20 Monaten die festeste Stütze der letzteren gewesen. Thiers habe ihr Todcs- u>theil ausgesprochen; er habe überhaupt gestern die besten Werte gesprochen, die man seit den Unglücksfällen gehört, und man könne sagen, daß er giftern die junge französische Republik dem alten Europa vorgestellt habe. Die Royalisten hätten durchgeiühlt, daß ihre letzte Hoffnung vernichtet worben, unb feien bes- hatb durch bie Botschaft in so ungeheure Wuth verletzt worden. Tie Kammer selbst sei heute in zwei Lager unversöhnlicher Feinde geteilt; Die Rechte habe sofort den Kampf beginnen wollen und den Krieg er- k.ärt. den sie ohne Waffenstillstand dis zum Ende der Versammlung, d. h. bis zur Auflösung, fortsetzen werte, die gestern in fast jeder Phrase der Botschaft als drohe,»des Gespenst erschienen sei. Mit vielen Tinge», welche ThierS in seiner Botschaft sagte, ist das Garn- betia'sche Blatt freilich nicht eiuvetftanben; es habe aber nie verlangt, daß Herr Thiers auf der Tribüne seine Doctnnen venheidige. Daß Thiers noch lange Zeit mit der j> tzigen Versammlung regieren kann, glaubt daS „S eele", welches dem Präsidenten die schmeichelhaftesten Worte fpentet, eben so wenig wie
Moltke: Der Waffenstillstand läuft morgen 4 Uhr früh ab; Schlag 4 Uhr werbe ich baS Feuer eröffnen lassen.
Alles war von ben Sitzen aufgeftanben, bie französischen Ojfisiere verlangten »ach ihren Pferben. Rach den zuletzt gewechselte» Worte» sprach man keine Syibe mehr; lautlose Stille herrschte im Saale.
Graf Bismarck ergriff wieder das Wort und sagte zum General Wimpfen: General, Sie haben wohl tapfere und heroische Soldaten und ich bezweifle »richt, baß sie moigen jßuuber von Tapferkeit verrichten unb uns ernste Verluste beibringen würden. Zu was |vll aber dies Alles biemn? Morgen Abend'werden Sie nicht weiter vorgerückt sein als heute, und Sie werden nur Ihr Gewissen mit dem Blute Zhrer und unserer Soldaten belastet haben, welches Sie unnütz haben vergießen lassen; ein Augenblick des AergerS darf bie Conserenz nicht zum Scheitern bringen; bem General Sollte wird es hoffentlich gelingen, Ihnen die Ueberzeugung beizubringen, baß der Versuch eines ferneren Wiberstanbes Zhrerfeits ein Widersinn wäre.
Man setzte sich wieder nieder.
Moltke: Ich distätige es Zhnen neuetbingS, baß ein Durchbruch niemals gelingen kann, — selbst bann nicht, wenn Ihre Truppen in ben bestmöglichen Bedingungen sich befänden; beim abgesehen von bet großen numerischen Uederlegenheit meiner Armee unb besonders deren Artillerie, halte ich noch die Posiiitionen befetzi, von weiche» ans Sedan in einigen Stunden in Brand geschossen werden kann. Diese Positionen beherrschen alle Aus und Zugänge, mittelst deren ein Ausfall aus dem Sie einschließendeu Kreise unternommen werden könnte, und sind Überdies so stark, daß es nicht möglich ist, sich ihrer zu bemächtigest.