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losgerissene kleine Handelsschiffe, Schiffsböte, Balken von Flößen, eingerissene Brücken umher. BorauSsicht- lich wird sowohl im Marinetepot in Düsternbrook, wo die Matelialienschuppen voll Waffer stehen, wie auf der Marinewerft in Ellerbeck viel Schaden an­gerichtet sein; zumal dürflen an letzterer Stelle auch die Marinebauien gelitten haben. Um 4 Uhr heute Nachmittag begann daö Waffer etwas zurückzutreten; hoffentlich wird der Sturm, der noch gewaltig braust, es nicht auf's neue in die Höhe treiben. Nachrichten aus den an unserer Buch! gelegenen Ulerdöifern fehlen, ebenso über die sicher nicht ausgeblicbenen Unglücks- fälle, welche auf der Fahrt begriffenen Schiffen pmsirt sind Erst wenn das Wasser in seine Normalhöhe zurückgetretcn sein wird eS steht jetzt mindestens 10 bis 12 Fuß höher wird sich eine vollständige Uebersicht über die Wirkungen der Sturmfluth ergeben Die heule früh mit dem Postdampfschiff von Korsör, daS noch glück.ich einlief, angelanglen Passagiere konn- tea erst um 4 Uhr Nachmittags mit großer Mühe gelander werden.

DreSdeu, 13. Nov. DasDresd. Journ." ver- Öffentlich! heule folgende, von beiden Majestäten unter­zeichnete Danksagung des Königs und der Königin: »Die vielen Beweise herzlicher und warmer Th.il- nahme, die uns bei dem Jubelfeste unserer Serbin Lung auS allen Klaffe» des Volkes, von Einzelnen wie von ganzen Genossenschaften durch Wort und Schrisl, wie durch sinnige Gabm und Slislungen aller Art, in so reichem Maße^zugckommen sind,; haben uns innig gerührt und erfreut. Insbesondere habe» wir cs dankbar anzuerkennen, daß die Stände des Landes uns durch eine reiche Bewilligung die Mittel dargebvlen haben, um für die Zwecke der Er­ziehung und des Unterrichts in umfänglicher Weise zu forgeu. Diese allgemeine und herzliche Lheilnahme ist uns ein neuer Beweis gewesen von dem innigen und festen Bande, welches Sachsen und fein Fürsten­haus verbindet; sie hat u»S von Neuem gezeigt, daß das sächsische Volk die Freuden und Leiden seiner Füi steil als die seinigen milsühlt und milempfinbet. Wir lühleu uuS daher gedrungen, unseren Daiik dafür hierdurch öffentlich auszujprechen."

Worms, 12. Nov. DerFranks. Pr." wird von hier gefchrieben: Die Bewilligung der von der heffitchen Negierung geforderten 176,000 fl. zur Er dauung eines neuen EoUegienhaufes in Gießen durch beide Släncekammern Hal wohl in allen Theilen des GrvßherzoglhumS freudige Zust mmung gefunden. Die allgemein beklagte Veruachlälfigung unserer altehrwür­digen Universität zu Gunsten des Darmstädter Poly temilikums uuhr dem vorigen Ministerium Hal vamil hoffenilich ihr Ende erreicht, und wir dürfen das Vor- geh.» der Negielung als ein erstes Zeichen begrüßen, daß man an maßgebender Stelle entschlossen ist, unterer Hochschule die Bedeutuiig für unser Land zu rückzugebeii, welche sie vordem hatte und bei allseitiger Birückilchligung ihrer Bedürfnisse ohne Zweifel in kurzer Zeil wieder gewinnen wird. Hat sich doch die Marburger Nachbaruniversilät unter preußischer Re­gierung liliierhatd 6 Jahren dermaßen entwickelt, daß

sie in den letzten Jahren zwischen 6700 (etwas zu hoch gegriffen. Anin. d. Red.) Studenten zählte, wäh­rend sie vor 1866 kaum die Hälfte dieser Zahl er­reichte! Es wird sich nunmehr darum bandeln, die bedeutenderen Kräfte, welche gegenwärtig in Gießen insbesondere die historischen, juri,tischen, naturwissen- schäfllichen und philologischen Wiffenschaften vertreten, durch eine zeitgemäße Erhöhung der im Vergleich zu anderen Hochschulen immer noch sehr kärglichen Be­soldungen der Universität für längere Zeit zu sichern und durch weitere Berufungen zu vervollständigen. Dabei werden denn wohl auch die anderen Fakultäten, um er welchen sich Die theologische seil Jahren in einem chronischen Auflösnngsproceß zu befinden scheint, einer zweckentsprechende,' Reform entgegensehen.

München, 14. Novbr. Gestern Abend beschloß das Bezirksgericht die Einleitung drö GantverfahrenS gegen Adele Spitzeder und forderte die hiesigen Bank geschälte auf, die von derselben bei ihnen deponirten Werthe an Niemanden als an daö Gericht auszuhändigen. Auf allen Straßen, in den öffentlichen Localen in der Siadt gibt es heute nur den einzigen Gegenstand des GelprächS, das ist die gestrige Sprengung der Spitzeder'schen Bank. Schon um 4 Uhr Nachmittags benerkte man große Menschenmassen in der LudwigS- straße, die das Gerücht verbreiteten, eine Commission d'ö Bezirksgerichts München l. d. I. habe sich zur Inhaberin der genannten Bank begeben, und sei mit Rücksicht auf daö zu erwartende Resultat sogleich vom Untersuchungsrichter und von einer Abtheilung der städtischen Polizei begleitet gewesen. Diese Nachricht verhielt sich vollständig in Nichtigkeit, die betreffenden Amtspersonen waren in mehreren Wagen, denen 6 leere Wagen folgten, eingetroffen; die Straße ward an d.iden Enden durch einen militärischen Corko» abge­sperrt, während 3 Compagnien, also fast 400 Mann, zur Reserve im nahen Kriegsministerium standen. In­dessen kam trotz des großen MenschenandrangS nicht zu irgend welchen Unruhen, denn die Belheilig- ten, vor allein das Landvolk, sind ja noch zum größten Theile abwesend. Während des Besuches ward Frl. Spitzeder von einer Ohnmacht befallen, und der her beigerufene Arzt erflehte, daß die augenblickliche Ab. ftthrung derselben in die Frohnveste unmöglich sei. Nachdem sic provisorisch in ihrem eigenen Wohnhause internirt worden war, gelang es, dieselbe gegen Mittcr nacht in öffentlichen Gewahrsam zu bringen; ihre Bücher wurden mit Beschlag belegt, und sollen nach offiziellen Andeutungen Aktive» im Werth von circa einer Million ergeben; die Passiven, die bei ihrem Umfange und ihrer örtlichen Zerstreuuitg natürlich schwerer abzufchätzen sind, ließen sich bis zur Stunde nicht ermitteln.

Ausland.

Innsbruck, 13. Nov. Der LandeS-Statthalter beantwortete in der heutigen Sitzung des Landtages die Interpellation über die Wahl des Rectors der Innsbrucker Universität. Er erklärte, daß das Vor. gehen des Landtages bezüglich der Reclorwahl völlig außer der Compcienz derffelbcn liege und forderte den LalldcShauptiiiann unter Hinweis auf die zweifel­

losen gesetzlichen Vorschriften auf, dem Rector das Handgelöbniß abzunehmen Ein Antrag Dipauli's, den Schluß der Sitzung auszusprechen, um über die Erklärung der Regierung sich schlüssig machen z» können, wurde darauf angenommen. Für die 5 abgetretenen ReichstagSabgeordiieten wurden als neue Mitglieder des Reichstags Degara, Dipauli, Giovanelli, Ricabona und Bertagnoli gewählt

Pest, 13. Nov. Der zwischen dem österreichischen und rumänischen Consul über den Anschluß der un­garischen an die rumänischen Eisenbahnen abge- Ichloffene Vertrag wurde heute dem Ministerpräsidenten vorgelegt

.Lemberg, 13. Nov. Von der Fraction der Ru- thenen wurde der Antrag auf Erlaß einer Resolution, welche sich für die directe Wahl der Reichsrathsmit- glieber ausjpricht, eingebracht, die Dringlichkeit de« Antrags von der Versammlung aber abgelehnt.

PariS, 13. Novbr. Die Botschaft de« Präsi­denten (s. gestrige Nr) besagt ferner:Die Ereignisse haben die Republik geschaffen; den Ursprung der­selben zu discutiren, wäre gefährlich und unnütz. Die Republik existirt; sie ist die gesetzliche RegierungS- sorm des Landes. Und Anderes zu wollen, würde aus« Neue die furchtbarste Nevolulio» herausführen. Ver­lieren wir nicht unsere Zeit, versuchen wir bet Re­publik das Gepräge zu geben, welche« wünschenSwenh und nothwendig für sie ist. Eine parlamentarische Commis­sion würde dieser Regierungsform die Bezeichnung conservative Republik" geben. Bemühen wir uns, zu bewirken, daß diese Bezeichnung auch verdient wirb. Die Gesellschaft würde nicht unter einer Regierung bestehen können, welche nicht conservaliv ist. Frankreich will nicht unter beständiger Beunruhigung leben; eS will Ruhe, um zu arbeiten und den ungeheueren Auf­gaben gerecht zu »erteil, die auf ihm lasten, Frank­reich würde nicht lange eine Regierung dulden können, welche ihm nicht die Aufrechterhaltung der Ruhe sichert. Eine Regierung, welche nur das Werk einer Partei wäre, würde nicht von Bestand fein; sie würde nie in früheren Zeiten, erst die Anarchie, dann den Despotismus und endlich neue UnglückSsälle heraufbeschwören. Die Republik muß die Regierung lein, der Alle sich fügen; sie darf nicht die Regie­rung einer Partei, nicht der Trinmpf einer Klaffe Der Bevölkerung fein. Zwei Jahre fast vollstän­diger Ruhe dürfen uns die Hoffnung geben, daß eS gelingen werde, die confervatiee Republik zu be­gründen; aber auch nur die Hoffnung, denn der ge­ringste Fehler würde genügen, um sie wieder ver­schwinden zu machen und trostlose Zustände an ihre Stelle zu setzen. Nicht Frankreich allein, fonbern die ganze Welt ist eS, welcher die Republik Vertrauen einflößen muß. Obgleich besiegt, zieht Frankreich die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich. Diese unruhige Aufmerksamkeit ist eine Huldigung, die man oem Einflüsse erweist, den Frankreich auf die Völker auSübt." Die Behauptung, daß Frankreich ijolirt sei, wird von dem Präsidenten der Republik zu- rüdgeroiefen; die Negierungen deS Auslandes dächten in unserer Zeit nicht mehr daran, sich in die inneren

Wimpsfen: Ich glaube, daß es in Ihrem Interesse sebst vom politischen Standpunkt betrachtet liegen müsse, uns ehrenvolle Capitulations-Be- Dingungen, auf welche die Sinnet, welche zu befehlige» ich die Ehre habe, ein Recht hat, zu gewähren.. Sie wollen de» Frieve» schließen, und ohne Zweifel wünschen Sie dieö recht bald. Mehr als j des andere Volk ist die französische Nation großniüihig und ritterlich und demzuiolge empsänglich für die ihr erwiesene Großmulh; sie ist jederz.it erkenntlich gern, feil für die Rücksichten, welche mau für sie hatte. Wenn Sie unö Be- Dmgunge» bewilligen, welche der Eigeiiliebe der Armee zu schmeicheln geeignet sind, so wird sich auch daS Land -n gleicher Weife davon geschmeichelt fühlen, und die« würde in den Augen des Volkes den Schmer; feiner Niederlage vermindern; ein unier solchen Aujpicien zu Stanoe gebrachter Friede könilte allein Chancen der Dauer haben, denn Ihre edle Verfahrungsweise roüibe oaö Thor öffnen zu euur Rückkehr gegenseitiger freund­schaftlicher Gefühle, wie sie zwischen zwei großen Nachbarvölkern befteben, und wie Sie selbst di.seloen wünschen muffen. Wenn Sie im Gegentheile an den u»ö auferlegten strengen Maßregeln festhalten, so wcroen Sie gewiß den Zorn uhd Haß im Herzen aller Soloaten entflammen und die Eigenliebe der ge- fammten Nation schwer verletzen, denn diese ist mit oer Armee solidarisch verbunden und derselben Gemüths- beroCyUng unterworfen wie sie. Ihre Verfahrungsart würde hierdurch alle durch den Fortschritt derCivilisälion eingeschlafenen bösen Jnstincte wieder erwecken, und. Sic würden riskiren, einen endlosen Krieg zwischen Frankreich undPreuße» zu entzünden.

(Schluß folgt.)

mitten der Schlacht ein Commatido, und ich werde vethäugnißvollerweise hierdurch gezwungen, meinen Stauten unter eine unglückliche Kapitulation zu setzen unb für dieselbe alle Verantwortlichkeit zu übernehmen, ohne die Schlacht selbst, von der diese Kapitulation nur die Folge ist, eingeleitct zu haben. Sie, der Sie gleichfalls General sind, wie ich es bin, müssen besser als irgend Jemand die ganze Bitterkeit meiner Lage begreifen; Ihnen ist cs gegeben, diesen Schmerz zu milDcrn, sobald Sie mir ehrenvollere Bedingungen ge­währen; warum thun Sie nicht dergleichen? Ich weiß wohl, daß die Gruncursache unferer vollständigen Siiebeilage in dem bei Beginn der Schlacht eingetre ten.il Unfall deö tapferen Marschalls, welcher vor mir ccmmanoirt hatte, liegt. Er würde vielleicht nicht Sieger geblieben sein, aber er hätte mindestens einen glücklichen Rückzug bewirken können Was mich be­trifft, so wütde ich, wenn ich einen Tag zuvor com- manoirt hätte, einen Rückzug vorbereitet oder wenig­stens unfeie Truppen, die ich besser kannte, zu einer letzten äußersten Anstrengung vereinigt unb mit den­selben einen Durchbruch erzwungen haben. Damit soll jedoch nicht gejagt fein, daß ich cS bester als der Marschall Mac Mahon gemacht oder gar die Schlacht gen'onn.n haben würbe. Statt dessen legte man mir bas Ober-Commanko der Armee in der Milte der Action auf, ohne daß ich die Situation und die Stel­lungen der von mir befehligten Truppen gekannt hätte. To»>e es mir vielleicht gelungen, bei Vermeidung eines persönlichen Zwischen falls eine Lücke zu öffnen oder aber de» Rückzug zu bewerkstelligen *). Sollten Sie übrigens mir keine besseren Bedingungen gewäh-

*) Anspielung auf den CommanboweLsel unb das Ren­contre mit Dem General Ducrot. Amn.d. «Oest.Milit. Zeitschr."

ren körnten, als biejenigen, bie mir zuvor geboten wurden, so muß ich dieselben zurückweisen. Ich werde an meine Armee einen Appell erlassen uud einen Durchbruch erzwingen, ober aber in Sedan mich ver- theidigen."

Moltke: Ich hege wohl eine große Achtung für Sie unb toürbige Ihre Sage vollkommen, boch muß ich bedauern, von d.m nichts thun zu können, was Sie verlangen. I» Betreff des Ausfalles habe ich eiuzuwenden, daß dieser ebenso eine Unmöglichkeit ist, als die VertheiDigung in Sedan setbft. Gewiß v.r fügen Sie über Truppen, -die wirklich auSgezeichnei sind; Ihre Elite-Jufanterie (Juavrn, Jäger, Turcos, Marine) ist außeiorden.lich gut, Ihre Kavallerie in tollkühn und unerschrocken, Ihre Artillerie ist bewunde- rungewürdig, und hat uns viel Uebles gethan; doch ist ein großer Theil Ihrer Infanterie demoralisirt, da wir heute mehr als 20,000 nicht verwundete Ge­fangene gciuacht haben. . . .

Es bl.iben Ihnen nicht mehr als 80,000 Mann Unter ähnlichen Bedingungen durchbricht man nicht nufere Lttiien; Sie müssen wissen, daß ich gegenwärtig um Ihre Armee herum noch 240,000 Mann und 500 GesPÜtze habe, von weich' letzteren schon 300 in Position liehen, um Sedan zu beschießen; Die übrigen 200 Kanonen werden aber morg.» bei Tagesanbruch in derselben Sage sich befinden. Wenn Sie sich hier von überzeugen wollen, so lasse ich cimn Ihrer Olfiziere in die verschiedenen, von meinen Truppen besetzten Stellungen führen, und er wird die Richtigkeit dessen bezeugen lönnen, was ich hier eben gejagt habe. Die Veitheidigung Sedans, von der Sie gesprochen, ist eine reine Unmöglichkeit; Sie haben nicht für 48 Stunben Lebensmitteln, Sie haben auch keine Munition.