gen und zur Wahl eines Mitgliedes für die Matrikel- I Commission. Präsident Graf zu Stolberg theüt das Resultat der gestrigen Schrisiführerwahl mit Es sind gewählt die Herren Frhr. c. Romberg, v. d. Marwitz, Beyer, Graf v. d. Schulenburg. Beetzendorf, Graf Lehndorf, v. Asseburg, v Rochow, v. Gutzmarow, v. Gasfron, Graf v Rothkirch-Trach, Graf von Carmer und Theune. Aus einem Schreiben des Ministers des Innern über Personal - Veränderungen des Hauses, welches zur Verlesung kommt, ist zu bemerken, daß die Herren v. FaciuS für Königsberg, Richter für Memel und Hobrecht für Berlin in'S HauS ein- getreten sind. Die Abtheilungen und Commissionen haben sich constituirt. Nach Wahl eines Mitgliedes der Matrikel-Commission, welche auf Hrn. Wilkens fällt, wird die Sitzung auf unbestimmte Zeit vertagt.
DaS Haus der Abgeordneten wählte in seiner heutigen Sitzung zum ersten Präsidenten Herrn v. F o r ck e n b c ck mit 247 Stimmen (17 Zettel waren uu gültig, 5 Stimmen zersplitterten sich) Zum ersten Vicepräsidenten wurde geaädlt Herr 6. Köller mit 263 von 270 Stimmen. Zum zweiten Vicepräsiden ten wurde der Herr v. Bennigsen mit 146 Stirn wen gegen 50 gewählt, welche auf Reichensperger- Colberg fielen. Vom Staatsministerium wird ein Schreiben mitgetheilt, in welchem ausgefnhrt wird, daß die bisherige Praxis, wonach die Regierungsvor lagen von den betreffenden Ressort-Chefs eingebracht werden müssen, sich einer raschen GeschäflSsörderung als hinderlich erwiesen hätte. Die Staatsregierung macht deshalb den Vorschlag, die bereits beim Reichs tage in dieser Beziehung eingeführte Praxis zu adop tiren, nach welcher die Regierungsvorlagen mittelst Schreibens der Landesvertretung zugestellt werden. Rur wenn besondere Gründe dafür sprächen, wie bei Einbringung des Etats, behalte sich die Staatsregierung vor, das bisherige Verjähren zu beobachten. Dem Hause werden schließlich zwei Gesetzentwürfe vorgelegt; der eiste betrifft die Tagegelder und Reisekosten für Staatsbeamte, der zweite die Abänderung des Gesetzes vom 1. Mai 1851 betreffend die Klassen und klajsi- ficirte Einkommensteuer. 'Nächste Sitzung Sonnabend.
Parlamentarische Rachrichte«.
L. C. In der gestern Abend stattgehabten Sitzung der Fraktion der Nationalliberalen erstattete der Abg Lasker Bericht über die vertraulichen Konferenzen, die betreffs der Kreisordnung zwischen Regierung und einzelnen Vertrauensmännern des Abgeordnetenhauses in den letzlen Tagen statt- gesunden haben. Der Redner ging die Punkte durch, welche eiHt Abänderung des früheren Entwurfes involvirten, und erklärte sich mit särnnulichen Abänterungen einverstanden. Nur betreffs eines Punktes machten sich der ihm Bedenken geltend • derselbe betraf eine Abänderung in der Abgrenzung der Gemeinden und ihrer Einwohnerzahl Aber auch hierin glaubte er nachgeben zu muffen. Die nationalliberale jrattton wird im Plenum in demselben Sinne für den von der Regierung vorzulegenden Entwurf eiutreten, so daß die Erledigung der Kreisordnung im Abgeordnetenhause in kürzester Frist zu gewärtigen ist.
L. C. Der Führer des Centrums, Abg. Dr. Windthorst (Meppen) ist bis jetzt noch nicht im Hause anwesend. Wie Verlautei dürste seine Ankunft überhaupt noch mcht für die nächste Zeit zu erwarten sein, da er an dem Krankenlager seines Lohnes zurüclgehalten wird.
Vermischte«.
§§. Laasphe, 13. No». Aus New-Aork ist folgende Nachricht hier eingetroffen: Der Dampfer „Rhein', Capt. Meyer, welcher am 19. October Bremen verlaffen hatte, traf am 2. November in New-Aork ein, mit der Trauernachricht, drei Tage vorher sei am Bord der Paffagier Prinz Adolph von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, aus Schloß Wittgenstein bei Laasphe, 33 Jahr alt, in Folge eines durch Erbrechen erlangten Leibschadens, an Herzschlag verstorben und in See versenkt worden “ Der Prinz besaß nicht nur ein großes Talent für die Malerei, sondern auch eine der stärksten und metallreichsten Tenorstimmen mit vollkommen künstlerischer Ausbildung. Derselbe hatte die Reise nach Amerika angetreten, um sich dort ganz der Kunst zu widmen, als der Tod ihn so plötzlich ereilte.
Wien, 9! Novbr. Em grauenhafter Selbstmord, wie er nicht leicht gräßlicher gedacht werden kann, hat sich vor- gestern hier in der Burgbartgaffe (Brigittenau, zugetragen. Ein Streit, der zwischen dem bei der Nordwestbahi, bediensteten Aufseher Gamperl und seinem Weibe aus eifer» ucht entstanden war, riß den Mann soweit hin, daß er sich vie raiend geberdete und — nachdem er die Thüre seines Zimmers versperrt und mit einem Bette verbarrikadirt hatte — sich an seinem jungen Weibe vergriff, dasselbe zu Boden schleuderte, mit den Fäusten schlug und auf das Bett warf, wärend dieser Mißhandlungen aber immerwährend die Drohung ausstieß, er müsse sich erschießen. Wahrend das Weib weinend im Bette lag, nahm er hierauf ein Kruzifix, stellte es auf den Tisch, daneben zwei Leuchter und zündete eine Kerze an. Auf dem Tische lag auch ein aufgeschlagenes Traumbuch und bei diesem stand ein kleines Fläschchen, halb mit Wasser gefüllt. Gamperl setzte sich zum Tische und lud die beiden Läuse einer Toppelpistole mit Wasser. Als sein Weib diese fürchterliche Vorbereitung fad, sprang es aus dem Belte, rang mit dem Manne und suchte ihm das Mordin- firument zu entwinden. Gamperl jedoch schleuderte sie mit der einem Wahnsinnigen eigenen Kraft von sich und während die Frau in höchster Verzweiflung zum Fenster lief und um Hilfe schrie, krachte der Schuß und Gamperl stürzte mit zer- Idimettertem Schädel zu Boden. Man kann sich das Entsetzen und die Verzweiflung des armen Weibes denken.
Telegraphisch- Depeschen der Oder« hessische« Zeitung.
Hamburg, 13. Nov. Meldungen aus Kiel, Eck-mförce und Flensburg zufolge haben dort große Ucberfiuthungen ftattgefunden. Die Nachrichten sind wegen der Störung der telegraphischen Leitungen bis jetzt noch unvollständig. Von vielen Leiten wird juveß ein sehr heftiger Nordoststurm mit Schneefall gemeldet.
Lübeck, 13. Novbr. Die Trave ist ausgetreten. Mehrere Stadttheile sind übe,fluchet. Das Hauptzollamt, die Eilenbahn, eine Zeitungsdruckerei und mehrere Waarendäuscr stehen vvUsländig inner Wasser. Kähne, Bal, er flöße nnd Bretter treiben stromabwärts. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Aus Travemünde wird ebenfalls von einer großen Ueberfchwemmung gemeldet.
TlraHburg, 13. Nov. Eine Bekanntmachung des ObeipiLsidenten fordert zur Abgabe von Kauf- geboten auf die kaiserliche Tabaksmanusactur auf. Der Termin der Einreichung der Kaufgebote ist auf den 5. December festgesetzt, der Zujchlag erfolgt am 16. December. Die zu ft, Uende Cantion beträgt 20 000 Thlr.
Paris, 13. Nov. Präsident ThierS hat heute seine Botschaft verlesen. Dieselbe constatirt, daß daS Land fick der Ruhe erfreut, daß die Regierung bemüht ist, der nationalen Vertretung des Landes die ihr gebührende Achtung zu verschaffen, und erinnert
an den ungeheuren Erfolg deS letzten AnlehenS, auf welches die Einzahlungen gegenwärtig die Höhe von 1750 Millionen Francs erreichen. Die Botschaft spricht sodann von den Vorsichtsmaßregeln, welche die Regierung getroffen hat, um einer Vertheuerung der Wechsel vorzubeugen. Sie sagt: Wir haben für 1500 Millionen Tratten auf Deutschland. Wir haben an Preußen bereits 800 Millionen bezahlt, werden im Monat December noch 200 Millionen bezahlen und dann verbleiben uns noch Tratte» im Betrage von 500 bis 600 Millionen zu späteren Zahlungen. Die Botschaft constatirt ferner die gute Lage der Bank von Frankreich, deren Baarvorrath 900 Millionen betrage, und thut dar, in welch' ausgezeichneter Lage sich der französische Handel bifinde, diffen Gesammtum- jatz im Jahre 1872 die Summe die Stimme von 7 Milliarden übersteigen werde. Die Botschaft wendet sich hierauf zu dem Budget. Sie führt die vorübergehenden Ursachen an, welche in dem Eingänge der Steuern ein Deficit von 132 Millionen verursacht haben und erinnert an die verlangte größere Summe — im Ber hälkniß zu den Ausgaben — da dies Deficit vorausgeschehen war. Im Jahre 1873 werde aber daS Budgetgleichgewicht erreicht und vielleicht im Jahre 1874 ein Einftahme-Ueberschuß erzielt sein Die Botschaft sagt ferner: Die Liquidationsrechnung wird verschiedne Ausgaben Nachweisen, von denen mehrere hundert Millionen zur Wiederherstellung des Kriegsmaterials nöthig waren. Diese Ausgaben werken etwa 700 Millionen betragen. Aber nut Hülse von Annullirungen deS Credits auf andere Einnahmequellen haben wir bereits ein Activum von 639 Millionen zu deren Deckung. Die Botschaft wünscht sich Glück zu dem Abschlüsse deS Handelsvertrages mit England, ohne welchen jede Übereinkunft mit den anderen HaudelSmächten unmöglich gewesen wäre. Nachdem ferner die Botschaft vor Augen geführt hat, wie der Credit Frankreichs sich gehoben und welche andere große Resultate seit 2 Jahren erreicht , weist sie nach, daß dies die Folgen der Aufrechterhaltung der Ordnung sind. Die Botschaft betont lebhaft die Aufrechterhaltung der O>dnu»z. Indem sie sich fpeciell an die Republikaner wendet, jagt sie: „Von Ihnen besonders muß die Ordnung auf ras Lebhafteste gewünscht werden. Wenn die Republik diesesmal überhaupt gelingt, so werden Sie eS der Ordnung zu verdanken haben." Die Botschaft iäth den Republikanern an, sich die Aufrechthaltung der Ordnung angelegen fein zu lassen und für ten Augenblick der Sicherheit der Republ k die Ausübung gewisser Rechte zu opfern, weiche freien Bö kern zu- stehen. Die Ordnung sei ei» wesentliches Jntereffe der Republ Liner. (Fortsetzung wird folgen).________
Telegraphische CourS - und Marktberichte.
Frankfurt a. M-, 14 Novbr. iSchluß der Börfe). Staalsbabn-Actieu 35t$, Elnabetb 265, Gali sie-. 245, Lombarden 217%. Rordwestbahn 235, Creditactien 366, Silberrente 65, Papierrente —, 186<>r 2oofe 951. National» ->ank >065. Spanier 29, 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank —, Effectenbank —. Fest.
Berlin, 14 Novbr. (AnfanaScourse). Srehitactien 207;, Staatsbahn 205^. Lombarden 125, Amerik. 96).
Wien, 14 Novbr (Ansangsconrse). Creditactien 336.25, Lombarden 202.75, Napoleons 8 65.
seine Begegnung mit einem Weibe gegeben haben, das er wohl einst geliebt und verlassen, das nun ober völlig herabgekommcn war. Heiße Reue erfaßte ihn, et suchte die Versöhnung mit der Kirche, die auch Konrad vermittelte, nachdem der Landgraf barhäuptig und barfüßig von Marburg nach Gladenbach in die dortige Kirche gewallsahrtet war. Der Landgraf trat hierauf mit 24 Rittern in den ^deutschen Orden ein und wurde nach Hermann von Salzas Tod Deutsch ordensmeistet. In der Marburger Elisabethenkirche eröffnet sein Denkmal die Reihe der dort begrabenen hessischen Landgrafen Er ist in Ordenstracht bärge stellt, in feiner Rechten ruht die Geißel, auf daß die Nachwelt noch fehe, daß dereinst fo kühne Feind der Kirche als reuiger Sünder in den Schooß der Kirche zurückgekehtt sei.
Konrad zeigte seine Macht lieber gegen die Mäcb tigen der Erve, als gegen die Schwachen, lieber nach oben als nach unten, er wollte auch den Mächtigen dieser Welt fühlbar machen, welche Gewalt ihm die geistlliche Macht des Papstes verliehen habe. An dem Grasen Heinrich von Sayn sand er aber seinen Gegner. Graf Sayn, aus altem, hochangcsehenen Geschlechte, reichbegütert, bekannt durch seine Theilnahme an einem Kreuzzug und deshalb vir christianissimus genannt, weigerte dem Prcdigermönch den Zutritt in seine rheinischen Burgen und zog sich deshalb deffcn Zorn zu Konrad lud ihn vor fein Forum unter der Anklage, daß der Graf bei einer Ketzerversammlung auf einem großen Jtrebfe geritten habe.
Graf Sayn wie« die Ladung zurück, vermuthlich Unter nicht sehr höflichem Hinweis auf Konrads Be
gleiter und Begleiterinnen, denn dieser ließ ihm zurück- sagen, er werde ihm „mit seinen alten Vetteln" schon cie Schlösser auSzui Lumen wissen. Der Graf erkannte oie ihm drohende Getahr und unterschätzte sie nicht. Er begab sich nach Mainz, wohin der Erzbischof im Juli 1233 eine Synode wegen Berathung einer neuen Ketzerordnung berufen halte. Dort waren viele Fürsten Uno Herren, unter andern auch der Sohn Kaiser Friecri.lS II., König Heinrich, erschienen. Natürlich lehlte auch Konrad mit seinem Anhang nicht, der die Anklage wegen Ketzerei gegen den Grafen vortrug, und als dieser seine Rechtgläubigkeit durch Zeugen zu b.weisen suchte, auch seinerseits fein Beweismaterial vorführte. Konrads Zeugen erwiefen sich aber gar bald als nicht beweioiüchtiß. Sie bekannten unter Weinen, daß sie auS Furcht vor dem Scheiterhaufen von Konrad gedrängt, früher gegen den Grafen gezeugt hätten; dies genügte, die Versammlung dem Grasen günstig zu stimmen; den Bischöfen war an und für sich Konrads felbstständigeS, anmaßendes Treiben, feine Einmischung in die geistliche Justiz, die sie für sich vineicirten, verhaßt. Da auch König Heinrich die Verhandlung gegen den Grafen vertagt zu wissen wünschte, half Konrad seine Hartnäckigkeit und 'eine Anmaßung nichts. Er mußte sein Opfer fahren lasten. Der Erzbischof von Trier (du Gras von Wied) rief: „Mein Herr und König will, daß die Sache vertagt werde, wiffet, daß der Graf als guter Christ von hinnen geht und nichts weniger als überführt."
„Wäre er überführt," erwieberte Konrab, auf feine" päpstlichen Vollmachten pochenb, „dann würde die Sache anders stehn." Der Graf war frei, Konrab
aber suchte in Gemeinschaft mit seinem Freunbe Konrad, Bischof von Hildesheim (einem Herrn von Steiffenberg aus dem Taunus) Schritte zu chun, um ein Kreuzheer zusammen zu bringen, mit dem er vermuthlich deS Grafen Schlösser berennen wollte. Zunächst wollte er nach Marburg zurückk.hren. Ehe er mit seinem Anhang diese Stabt erreichte, überfielen ihn am Löhnberg nicht weit von dem Dorfe Cappcl mehrere Ritter (bei der Kap-lle unterhalb des Frauenbergs. 21 nm. d. Red.) Gar kläglich bat Konrad um sein Leben, da foll eine Stimme aus dem Walde gerufen haben: „Schont ihn nicht, er schonte auch Niemandes!" und diesem Mahnrufe folgte der Ritter von Dernbach indem er ihn mit dem Schwert niederstieß. (1233 im Juli) Die Ketzerverfolgung in Marburg und in Deutschland erreichte damit ihr Ende.
Als ich nach Besichtigung der Elifabethkirche wieder in's Freie trat, strahlte der blaue Himmel über den nahen Bergen, frisches Leben wogte auf den Gasten, in einer benachb >rteu Straße, die von den Kctzerver- ceibrennungen Konrads her die Ketzerbach heißt, wurden die Häuser mit Kränzen geschmückt, dent che, preußische und hessische Fahnen flatterten im Winde, Oie Bewohner der Straße, wollten an tiefem Tage ein Fest zur Erinnerung an die vor etlichen Jahren au8 städtischen Mitteln ausgeführte Ueberwölbung deS Ketzerbachs feiern.
Ich begrüßte die grünen Zweige deutscher Eichen, die freundlichen Farben des Vaterlandes an der ehemaligen Stätte des Fanatismus und de« Leidens.
„Omen aedpiol“