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Auf der Fahrt nach dem heiligen Lande wurde Ludwig in Otianto von einer heftigen Krankheit befallen, der er erlag. Elisabeth, seine 20jährige Witwe, mußte nun die Wartburg verlassen und nach 'Diarburg, das ihr von ihren Schwägern als Wilthum verliehen worden war, überziehen. Dorthin begleitete sie Konrad, der dort fortsuhr, sie zu den schmerzlichsten und wahrhaft empörenden Bußüdunzen anzuhalten und nun auch seine Thätigkeit wider die Ketzer mit erneutem Eifer aufnahm.

Ztalienische, französische und deutsche Annalisten erzählen hiervon und wie er durch seinen Fanatismus die Anerkennung der Päpste erworben. Gregor IX nennt ihn seinen lieben Sohn und übertrug ihm in einem Breve die Verfolgung der K-tzer in ganz Deutsch­land. (Haereticae pravitatis per Germaniam Inqui­sitor nennt er ihn)

Dieses Amt verwaltete Konrad mit einer Glau- bcnswuth, die weder Hoch noch Niedrig, weder Priester noch Laien, weder Stand noch Geschlecht schonte. Auf einem kleinen Biaulthier reitend, durchzog er mit seinen Helfershelfern Konrad Tors, einem Elsässer, Jo­hannes „einem jungen lecker" und einem frechen Weibe AläidiS (femina vaga) halb Deutschland. Sein' Famuli TorS und Johannes sollen selbst früher Ketzer gewesen sein. Johannes halte nur ein Auge und eine Hand, er behauptete, er erkenne die Ketzer am Gesicht. Tie Procedur gegen die Ketzer war eine sehr summarische. Von Dorf zu Dorf, von Stadl zu Städt zog der Haufe, dem sich manch nichtsnutziges Gesindel anschloß, die Sturmglocke wurde gezogen und rief die Gläubi gen zusammen. Auf freiem Felde wurde die Kanzel errichtet, von der nun Konrad herabdonnerte und jeden

gläubigen Christen aufforderte, die Namen der Ketzer, die er kenne, zu nennen und solche vorzuführen. Haß, Neid und Mißgunst fanden dabei willkommene Gelegen­heit, unbequeme Persönlichkeiten durch eine gut ange brachte Denuncialion zu beseitigen. Denn wer der Ketzerei auch nur als verdächtig galt, der sollte ja nach den Kctzergesctzen Friedrichs Ü. als infam, geächtet und verbannt angesehen werden, und wenn er innerhalb eines Jahres dem Ketzergericht gegenüber seine Unschuld nicht erwies, alle Strafen, mit denen die Häretiker bedroht waren, verwirkt haben.

Tas Gerichtsverfahren entbehrte dabei aller For­men, die zum Schutze des Angeschuldigten dienen, das Zeugenverhör war geheim, Vertheidigung wurde nickt zugelassen, Appellation war ausgeschlossen. Durch päpstliche Vollmachten erhielt Konrad die Befugniß, bezüglich des Verfahrens noch weiter und zwar nach Gutdünken vorzugehen.

Damit sodann die Juquisitionsrichler einen Rück­halt an der weltlichen Macht hätten, wurden die Güter der Hingerichteten zwischen den weltlichen Herren und der Kwche getheilt. „Damit hat ihr Schelmenwerk ein groß Ansehen", sagen die Wormser Annalen. Die Ketzcrverfolgung erhielt ja dadurch auch eine lukrative Seite. Es fanden sich Taugenichtse und Speculanten, die sich deshalb der Ketzerjagd auschlossen. Der erste, beste Reiche, aus dessen Lebensweise, Umgang oder Aussehen ein Verdachtsgrund der Ketzerei hergeleitet werden konnte, wurde denuncirt, vorgcführt, inqnirirl und verurthcilt. Die Art des Verhörs war einzig und allein daraus eingerichtet, aus der auch noch so unverdächtigen Antwort auf eine Suggestivfrage den Schluß zu ziehen: also bist du ein Ketzer! (ergo

trum rechnet darauf, daß nur 250—280 Mitglieder der Versammlung gegen seine constitutionellen Anträge stimmen würden. Wahrscheinlich wird Picard an General Chanzy's Stelle Führer des linken Centrums werden. Er ist ein intimer Freund von Tbiers, und dieser wünscht cs. Heute hatten beide eine lange Unterredung mit einander.

Versailles, 12. Novbr. Die Elsässer und Lothringer, welche geglaubt haben, ihr Land verlassen und sich in Frankreich niedcrlassen zu müssen, haben gestern von der National Versammlung keine bessere Behandlung erfahren, als die nach Algier ausgewan- derlen von den dortigen Behörden. Einige Depulirte aus den östlichen Departements, die Herren Bam­berger, Keller, Varroy, George u. s. w., hatten einen Antrag vorbereitet, welchen sie sofort angenommen zu seh<n wünschten. Folgendes ist der Wortlaut des Antrages: „Von den Creditcn, die für die Zahlung der Kriegsschäden votirt sind, soll eine Summe ver­wandt werden von gleichem Betrage, wie die der frei willigen Einzahlungen zum selben Zwecke. und ver wandt werden zur Unterstützung der Elsässer und Lothringer, welche ihre Qualität als Franzosen behal­ten haben." Einer der Unterzeichner dieses Antrages, Herr WolvwSki, bestieg die Tribüne und hielt eine be wegliche und pathetische Rede. Im akademischen Style sprach dieses Mitglied des Instituts von der großen Pflicht, die Frankreich zu erfüllen habe; er schilderte die Leide» dieser Emigranten, deren Zahl er auf 150,000 schätzt, ihre Bedürftigkeit, welche überaus groß sei. Die Linke spendete der Rede des Tepulir- ten der Seine einen schwachen Beifall, aber die Rechte bewahrte ein eisiges Schweigen. Herr Grevy wollte die T ringlichkeit zur Abstimmung bringen, als Herr Dahirel das Wort verlangte. Dieser legitirnistische Depulirte hat sich sehr bestimmt gegen die Dringlich, keil ausgesprochen. Nur die Herren Keller und Scheurer-Kestner rührten sich auf ihren Bänken, die Ucbrigen bliebep kalt. Herr Dahirel hat an einen Ar­tikel der Geschäftsordnung erinnert, wonach die Kam mer sich über die Dringlichkeitsfrage nicht eher aus­sprechen kann, als nach Berathung der Bureaux. Herr Greoy bemerkte dagegen, daß die Kammer seit zwei Jahren ein entgegengesetztes Verfahren beobachte. Um sonst, Herr Dahirel besteht auf seiner Ansicht und die Kammer schließt sich derselben an; darauf zieht Herr Wolowöki seinen Dringlichkeitsantrag zurück und die Elsässer und Lothringer mögen warten, wenn sie können. Diese armen Emigranten sind meistens ohne Brod, chne Unlerkommen und ohne Schule für ihre Kinder. Viele leben von der Wohlthätigkeit des Publicums und haben beim Herannahen des Winters nnverzng. liche Hülfe sehr nöthig, aber diese Erwägungen haben die Majorität der Versailler Versammlung nicht be­wegen tönnen. Das ist die Folge alstr der hohlen Phrasen der chauvinistischen französischen Presse. Herr Dahirel, welcher der wahre Typus des kleinen fron zösiichen Bürgers ist, egoistisch, beschränkt in seinen Jceen und geizig mit dem Gelde, denkt, Worte kosten weniger als Thaten, und die gestrige Haltung der Versammlung wird den unüberlegten Enthusiasmus der armen Leute gewaltig abkühlen, welche den Wohl­

stand, dessen sic in ihrer Heimath genossen, aufgegeben haben.

Madrid, 11. Nov. Tie Maschiumarbeiter der Eisenbahn Tarragona Lerida hoben Strike gemacht, in Folge dessen mußte die Bahn ihren Betrieb einstellen.

London, 12 Novbr. Eine Feuersbrunst, wie sie seit vielen Jahren in London nickt stattgefunden hat, brach am Sonntag in cer Upper Thames Street aus und vernichtete fast gänzlich die großartigen, im Jahre 1852 ei richten City Flour Mills (Getreide­mühlen) der Herren I. I. Hadley. Wie bedeutend der Schaden ist, hat noch nicht kestgestellt werden können. Fabelhafte Summen werden genannt; dock man wird sich einen Begriff dort der Größe desselben machen können, wenn hier gesagt wird, daß die Ge­bäude sieben Stockwerke und 400 Fenster hatten und eine Fläche von 16,250 Quadratfuß einnahmen. Diese Gebäude mit allen ihren sehr bedeutenden Getreide- und Mchlvorräthen sind ein Opfer der Flammen ge­worden. Obwohl das Feuer bereits um 7 Uhr deö Morgens gesehen und bald darauf von 2 gewaltigen Feuerspritzen und 12 Feuerwehrmännern angegriffen wurde, konnte man doch beffdben nicht Herr werden, ja, die Flammen wütheten noch lange, als selbst 30 Feuerspritzen und 200 Feuerwehrmänner sie mit aller Energie bekämpften. Wasier war in Fülle vorhanden, doch trotzdem wurde der Brand erst spät in der Nacht bewältigt und noch jetzt ist eine große Anzahl mit dem Löschen beschäftigt. Ein Feuerwehrmann kam um, zwei andere wurden schwer verletzt. Diese Feuersbrunst dürste zu einer Vergrößerung der Feuerwehr führen, da es sich herausgestellt hat, daß dieselbe in ihrer jetzigen Größc einer andern, wenn auch nicht so großen, Feuersbrunst, die zu derselben Zeit an einer andern Stelle Lonoonö auSbräche, nicht kräftig genug ent- gegcntrelen könnte.

Brüssel, 13. Nov. Nach dem „Etoile" tritt der Kriegsuiinister, General Guillaume, ab, weil die Regierung beschlossen hat, den augenblicklichen Stand der Milltärfrage aufrecht zu erhalten.

Newyork, 12. Nov. Hiesigen Btätleru zufolge sind bei dem Brandschaden in Boston von englischen FeuerveZicheruiigs - Gesellschaften der Liverpool- und London-Globc mit l’/2, die Royal mit 11/4, die Imperial-Gesellschaft mit 1 Million, die North British- Feuerversicherung mit 600,000 und die Commercial Union mit 375,000 Dollars Versicherungssummen bethciligt.

Boston, 13. Nov. Ucber den, vorigen Sonn­abend in Boston ausgebrockenen großen Brand gehl der „Times" ein ausführliches Telegramm auS Phi­ladelphia zu, dem wir das Nachstehende entnehmen: „Das Feuer brach am Sonnabend gegen 7>/s Uhr in einem an der Ecke der Summer- und Kingstouc- ftreet gelegenen großen Granilgebäude aus. Es ist dies i n Herzen des Gcschäftötheiles von Boston, der hauptsächlich Granitgebäude enthält. Anfangs w-hte der Wind nicht heftig, aber bald stellte sich ein starker West- und Nortwestwind ein. Der Granit zerbröckelte und da die Gebäude mit Waaren angefüllt waren, griffen nun die Flammen um sich. Das Feuer dehnte sich in nordwestlicher und südöstlicher Richtung längs

Summerstreet aus, und rückte dann von dieser Straße auö in nordöstlicher Richtung weiter vor. Sonntag Morgen um 4 Uhr waren bereits 22 Häusergevierte eingeäfchert; der abgebrannte District bedeckte zu dieser Zeit ungefähr 50 Acres. Im Südwesten waren Summerstreei, im Südosten Big Broadstreet, im Norcosten Pearlstreet, im Norden Milkstcect und im Nordwesten Wajhingtonstreet die äußersten Grenzen des Feuers. Der vcknx diesen Straßen begrenzte, mit werthvollen Gebälchd»- und Waarew bedeckte Flächen raum war zu dieser stunde bereits ein Raub der Flammen. Von Summerstreet rückte später die Feuer­linie über eine Drittel-Meile längs der Bay Front, in Broadstreet bis zu einem Häusergeviert von Boston- Commd» vor. Nacheinander ereilte das Feuer das Winthrop-square, Franklin-square, BrebeS-block, Frank­lin arch, Otis, Chauncey-, Hawley- und die benach­barten Straßen und äscherten dieselbe ein. Brebes-block allein besaß einen Werth von 2 Millionen Dollars. Die Bostoner Feuerwehr war dadurch lahm gelegt, daß die meisten Pferde an der Epidemie gefallen waren. Dies verhinderte auch in hohem Grade die Wegschaffung der Waaren. AuS Worcester, Provi- bence, Newyork, Fall River, Lovcll, Lyan und andern Ltädten war mittlerweile Hülse requirirt worden und aufS rascheste eingetroffen. Die Feuecwchr schien jedoch außer Stande zu sein, viel auSzurichtcn, zumal sich der Einwohnerschaft eine große Panik bemächtigte. Da die Polizei außer Stande ist, die Ordnung auf­recht zu halten, sind die in Boston staiiouirten Ver. Staaten Truppen und Seesoloaten dazu aufgeboten worden. Während der Vcrwirrrung wurde, wie nicht anders zu erwarten war, viel geplündert; allein 200 Diebe, darunter mehrere Frauen, wurden arretirt. Der Verlust von Menschenleben soll sehr erheblich fein, doch war es bis jetzt unmöglich, die genaue Zahl der Umgekommenen zu ermitteln. Kein Gebäude schien feuerfest zu fein, alle unterlagen den Flammen. Heute (Sonntag) um 7 Uhr Morgens griff das Feuer im Norden der oben angegebenen Grenzen noch immer um sich. Die Flammen hatten sich längs der De­vonshire- und Congreß-street nach Waterstreet und von da querüber nach Siate-street verbreitet. Das Post­amt schwebte in Gefahr, da die anstoßenden Häuser brannten. Die Banken und andere Etablissements in State-strect schafften ihre Werthfachen nach einem sicheren Orte. Um 9 Uhr wurden in Congreß-street Gebäude in die Lust gesprengt, um einigermaßen das Weilerjchrcilen der Flammen zu hemmen. Um 1/4 nach 1 Uhr wurde man endlich des Feuers Herr." Tie späteren Telegramme bestätigen dies, indem daS in der Nacht noch einmal auSgebrocheue Feuer, bald glücklich gelöscht wurde. Der Gesammtverlust wird der „Times" auf 200 Millionen Dollars angegeben, dürfte diese Summe aber möglicherweise noch über-- st-igen. Die letzten Telegramme sprechen nur von 80 Mill Doll. Verlust.

Sem Landtage.

Berlin, 13. November.

Das Herrenhaus versammelte sich heute 12 Uhr zur Entgegennahme von geschäftlichen Mittheilun« —-- ■ ------ .... ■ ----------- ■ ■■ "

haereticus es.) Damit der Pöbel seine Augenweide habe, wurden die Gefangenen in rothen Röcken, mit Stricken um den Hals ober Fackeln in der Hand vor ihrer Hinrichtung durch die Gassen geschleppt und, damit Gelegenhett sich finde, derartige Schauspiele baldigst wieder in Scene zu setzen, wurden die Un­glückliche» vor ihrem Ende noch auf Namen ihrer Mitschuldigen inquirirt. Genug, wenn nur ein Name genannt ober ber Behauptung, daß der ober juier auch ein Ketzer sei, Stillschweigen entgegengesetzt wurde, er wurde auf die Ketzerliste gesetzt. Ma» sieht, wie bei di-sem Verfahren die höchsten Güter des Menschen von der Willkür schlechter Menschen und der Laune eines Zufalls oft abhuigen. Nur e i n Mute!, sagt der Chronist, that seine Wirkung — Gcldl „In der Todesfurcht zeigte der Bruver den Bruder, der Knecht den Herrn an, die Gescheutesten aber gaben den Mönchen ein Stück Geld", um keinen Zweifel an ihrer Rechtgläubigkeit auffommen zu lassen. Konrad ließ allein in Marburg 80 Personen „Ritter, Priester und andere treffliche Leute" öffentlich verbrennen. Eine Gräfin von Lotz, ein Graf von Solms, ein Graf von Henneberg mußten sich als Ketzer von ihm die Locken abicheeren lassen. An dem Landgrafen Konrad von Thüringen, der lange ein grimmiger Feind der Kirche gewesen, der den Erzbischof Siegfried von Mainz (einen Herrn von Eppstein) in der Domkrrche zu Erfurt thätlich mißhandelt, dessen Stadt Fritzlar er­obert und niedergebrannt und den Bischof von Worms und eine große Zahl Domherrn gefangen mit sich ge­führt hatte, gewann er schließlich einen Anhänger, der ihn bei der Verfolgung der Ketzer getreulich unter­stützte Den Anlaß zu des Landgrafen Bekehrung soll