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Anforderung n$t entziehen können, soll nicht diel ohnedies so mannigfach geschädigte Regierungsautorität einen Schlag erhalten, von welchem sie sich schwerlich so bald erholen dürfte. Daß das Ministerium kate­gorisch auf der Ablegung des Gelöbnisses von Seite des Innsbrucker Rector Magnificuö bestehen muß, ist selbstverständlich; fraglich kann nur sein, ob die Weige rung des Landesmarschalls, beziehungsweise des Land­tages, das Handgelöbniß entgcgenzunehmen, mit der Auflösung oder der Schließung des Landtages beant­wortet werden solle. Manche Gründe sprechen für die letztere Modalität, die eine noch schärfere Maß regelung der renitenten Körperschaft darstelleu, die Regierung aber in der Ausschreibung der birecte • Reichsraths «Wahlen für mehrere erledigte Mandate auf Grundlage des NothwahlgesetzeS nicht hindern würde. Entscheiden wird sich die ganze Angelegenheit übrigens wohl erst nach der Rückkehr des Kaisers, der in einigen Tagen hier erwartet wird; doch findet heute bereits eine vorläufige Besprechung der Minister statt, in weicher der der Krone zu stcllende Antrag form» Uri werden dürfte. Allem Anscheine nach wird dies­mal das Ministerium aus der Anwendung voller Strenge bestehen. Der Sache nach ist es so klar, so unzweideutig im Rechte, daß es nicht nachgeben kann, ohne damit zugleich ein vollständig incorrectes und rechtswidriges Vorgehen zu sanctioniren. Wenn der tyrolische Landtag in eine Prüsung der Legalität der vorgenommencu Rectorwahl eingeht, wenn er dieser vom Kaiser sanctionirten Wahi ein souveränes Veto entgegenstellt, so maßt er sich offenbar ein Eingriffs­recht hi Gebiete an, die seiner Competenz völlig ent­zogen sind. Das muß den Tyroler Herren so deutlich wie möglich gesagt werden. Geht die Regierung ent­schlossen vor, so kann sie aus dem Zwischenfalle nicht unerhebliche Vorthcile ziehen. Es handelt sich weit weniger darum, die hie und da brüchig gewordene Popularität des Ministeriums Auersperg wieder fest zuhämmern und zu srischcn (jede Regierung muß Phasen der Jmpopularität ertragen können und mit Ruhe an sich vorübergehen lassen), wohl aber darum, endlich einmal wieder und bei passender Gelegenheit ad oculos zu demonstriren, daß der Begriff der Autorität in Oesterreich noch nicht mit einer amtlichen Verschollenheitserklärung auSgestattet ist, sondern unter Umständen eine kräftige und unbeugsame Vertretung zu finden weiß.

Baris, 11. Rovbr. Die gestern in Versailles stattgesundene Versammlung von Depulirten der Rechten beschloß einstimmig, die Proclamirung der Republik zu verwerfen, dem Patt von Bordeaux treu zu bleiben und die Tagesordnung (Berathung der Iurygesetzvor- lage und dann des Budgets) der Nationalversammlung ausrecht zu erhalten. Die Versammlung beschloß ferner, sich nicht mit constitutionellen Fragen zu be schäftigen, bevor ein formeller Antrag eingebracht sei, dann aber sich mit dem rechten Centrum zur Bekämpfung der Dringlichkeit desselben zu verständigen. — Das „Journal officiell" meldet, Thiers werde.rer National­versammlung seine Botschaft erst am Mittwoch vorlesen — DaS osficielle Blatt enthält folgende Note: Da die Regierung Ihrer Maj. der Königin von England

Dir diesen Brief und eine kleine seidene Börse zu senden, die ich eigens für Dich gefertigt habe. Ich mußte die Arbeit stets vor meinem alten Vater ver­stecken, der immer noch zürnt, weil wir uns so sehr lieben und der mir immer und immer sagt, Du kehrtest niemals wieder!

Aber nicht wahr, mein Lieb, Du kehrst wieder?

Doch solltest Du wirklich nicht mehr zurückkom­men , ich würbe Dich trotzdem in Ewigkeit lieben. Ich habe mich Dir ja angelobt für immer an jenem Tage, als Du mir bei dem Tanze in Arenenberg mein blaues Tuch wieder brachtest, jenes theure Ange­denken an meine gute Mutter, das ich damals ver­loren hatte, und welches Du in Nacht und Nebel mir gesucht Denkst Du noch daran? Ach, hätte ich Dich doch schon wieder! Weißt Du, was mich hoch erfreut hat? Man hat mir erzählt, daß Du so ge­achtet von Deinen Vorgesetzten und geliebt von Deinen Cameraden bist. Aber, ach, Du hast noch zwei Jahre zu dienen. Diene sie ja recht rasch ab und dann werden wir uns heirathen.

Lebe wohl, mein süßes Herz. Sei gegrüßt, sei geküßt von Deiner treuen Marie.

P. S. Schicke mir doch eine Kleinigkeit aus Frank reich als Angedenken. Nicht, daß ich Dich einen Augen blick vegeffen könnte, nur daß ich irgend Etwas von Dir bei mir trage. Was eS auch sei, küsse es und sei gewiß, daß ich die Stelle Deines Kusses finden werde.

Arnold, erzählte Jean, als der Brief verlesen war, übergab mir das Schreiben gestern Abend, gerade als die Quartierbilleis vertheilt wurden. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, immer mußte ich an meine

und die Sr. Maj. des Königs von Portugal feit I mehreren Jahren wegen gewiffer an der Ostküste I Afrikas gelegenen Territorien in Streit liegen, so sind sie überein gekommen, zu einem Schiedsrichter ihre Zuflucht zu nehmen, und haben am 25. September d. I. in L ssabon b-schlossen, den Herrn Präsidenten der französischen Republik als Schiedsrichter zu wählen Der Minister des Aeußern hat den Ministern Eng­lands und Portugals, welche ihm den Wunsch der beiden Mächte Übermacht haben, zu wissen gelhan, daß der Herr Präsident der Republik, welcher dem Vertrauen der Mächte zu entsprechen wünscht, die hohe Mission, angenommen hat, über den Streit zu entscheiden, zu dessen endgültigem Richter, gegen dessen Spruch keine Berufung eingelegt werden kann, sie ihn haben ernennen wollen. —Die „Republique sranyaise" bringt einen Artikel, in welchem eine besondere Pro-i klamirung der Republik als definitiver Staatsform, die Ernennung eines Präsidenten für dieselbe auf be­stimmte Zeit, die Bestellung eines Vicepräsidenten für durchaus überflüssig erklärt werden. Ein Vicepräsident für beu Fall der Noth ist nach Ansicht des Gam betta'schen Blattes in der Person des Vicepräsidenten des Minifterrathes bereit? vorhanden; im Uebrigrn dauert die rxecutive Gewalt des Herrn Thiers eben jo lange wie die gegenwärtige Nationalversammlung, und diese wird ihren Platz erst verlassen, wenn die vom Lande so heiß ersehnte neue Volksvertretung ver­sammelt ist. Es ist sonach kein Raum für irgend ein gefährliches Jnterimisticum; wozu also noch consti- lutionellc Äarantieen schaffen wollen durch eine Kör perschaft, welche zu conftituirender Arbeit nicht be rufen worden ist? Nein, die Aufgabe der republika­nischen Partei wird auch in Zukunft bleiben müssen: Fortsetzung der finanziellen, militärischen und avmi- ntstraliven Regeneration im Einklänge mit der Re­gierung bis zu vollzogener Befreiung des Bodens. Auf jedes weiteegehcnde Ansinnen hat sie einfach zu antworten: Non possumus. Dies die bündige Er­klärung Gambetta's. — Die Debatten im Oberkriegs­rath, welchem Herr ThierS präsidirt, scheinen immer hitziger zu werden. DaS „Siede" schreibt: „Man versichert heute, daß zwischen dem Präsidenten der Republik und dem Oberkriegsrath hinsichtlich der Ar­meereorganisation eine wesentliche Meinungsverschie­denheit obwaltet. Der Oberkriegsrath ist mit der Com­mission -der Nationalversammlung darin einverstanden, das sogeuann e gemischte Regimentssystem einzuführen, wonach die aclive Armee in der bisherigen Weise, die Reserven aber je nach Landschaften recruiirt resp. for- mirl werden sollen, während die Regierung das bis­herige System für beide Heerestheile gleichmäßig bei- behalten will." Da man im Publikum an diesen Vor gangen ein größeres Interesse zu nehmen anfängt, so müssen die Osficiösen erklären, daß, wenn die Discussion im Oberkriegsrath auch hier und da etwas lebhaft sei, die Gerüchte von principiellen Mei­nungsverschiedenheiten und Eutzweiungeu ooch aller Begründung entbehren.

London, 11. Nov. Durch eine große Feuers­brunst , die 24 Stunden gedauert hat, sind in der City mehrere Mühlen in Upper Thames Street gänz

Heimath — an Marie beuten. Ich sollte ihr Etwas aus Frankreich schicken, aber ich hatte kein Geld. Meinen ganzen Sold der letzten drei Monate hatte ich wenige Tage vorher meinem Bruder, der in die Hei malh zurückgekehrt war, für unseren armen Vater mit­gegeben. Als ich diesen Morgen zum Abmarsch fertig war, öffnete ich das Fenster meiner Schlafkamm-r, vor demselben über einer Schnur hing ein blaues sei deneS Tuch, welches täuschend dem von Marie glich und dieselbe Farbe, dieselben weißen Streifen hatte. Da kam es über mich, ich weiß nicht wie; halb im Traume streckte ich die Hand darnach aus, nahm es und verbarg es in meiner Tasche. Aber kaum auf der Straße angekommen, erfaßte mich bittere Reue und Scham über mein Vergehen und gerade war ich im Begriff, in das Haus zurückzukehren, als diese Frau mit großem Geschrei mir nachgestürzt kam und mich des Diebstahls bezichtigte. Man fand das Tuch bei mir — und Alles war zu Ende! Das Gesetz erkennt den Tod über mich. Nun wohl, man erschieße — aber verachte mich nicht.

Wohl konnten die Richter ihre Rührung bei dieser einfachen Darstellung deS Falles nicht verbergen — aber, als die Stimmen gesammelt wurden , lauteten sie einstimmig auf Tod.

Militärische Gesetze!

Der arme Jean hörte den Spruch ohne mit einer Wimper zu zucken an. Dann trat er aus einen Offi­zier aus seiner Heimath zu und bat ihn, ihm vier Franken zu leihen.

Wunderbare Naivetät — der Sterbende erborgte Geld!

Als sein Wunsch erfüllt war, näherte er sich der

sich zerstört worden. Man glaubt, daß ein Mitglied der Feuerwehr in den Flammen umgekommen ist- mehrere sind verletzt. — Der Dampfer Mauritius ist Angesichts von Port Patrick in Irland gescheitert 23 Menschen kamen dabei um.

Brüssel, 11. Novbr. Die Generalversammlung der katholischen Wahlvereine hat sich gegen jede Mehrausgabe für das Militär ausgesprochen und hofft, daß die Legislatur gegen eine Rückkehr der November-Manifestation sichergestellt werde.

Athen, 9. Nov. Der Minister des Auswärti­gen, Spiliotakis, ist nun wirklich abgetreten, und Deligeorgis, als Haupt des Ministeriums, wird einst­weilen dessen Geschäfte besorgen

Konstantinopel, 9. Nov. Der „Levaut Herald' darf wieder einmal zwei Monate lang nicht erscheine«, weil er sich über den von der Regierung verschuldete« Wassermangel lustig gemacht, nach Anderen, weil er die Familie des Großherrn scharf angegriffen hat.

Bukarest, 11. Nov. Zur Vervollständigung des Cabinels wird das bisher von Costa-Forn interiwi- stisch mitverwaltete Justizministerium von Epureane übernommen.

Boston, 10. Nov. Eine große Feuersbrunst, welche 20 Stunden währte, hat alle Gebäude aus einem Raume von 70 Morgen eingeäschert. DaS Innere der Börse, des Postamtes ist ausgebrannt, die Trinitykirche gänzlich zerstört. Außerdem wurden vor­zugsweise Geschäftshäuser und Speicher mit Wolle, Leder und Trockenwaaren von dem Unglück betroffen. Man hofft, daß der Schaden 100 Millionen Dollar« nicht übersteigen werde. Mehrere Personen sind unu gekommen, viele verletzt. Schatzjecretär Bouthweü zeigte telegraphisch an, daß er, um finanziellen Schwie­rigkeiten vorzubeugen, jede in seiner Macht stehende Hülfe leisten werde, und man sich zur Zeit keinerlei unbegründeten Besorgniffen hinzugeben brauche. - 11. Nov., Morgens 4 Uhr. Das Feuer hat um Mitternacht abermals heftig um sich zu greifen ange- fangeii. Man hofft jedoch, dasselbe begrenzen z« können. Aus Chicago und anderen Stätten ist Hülst angeboten worden. Aller Orten sind Meetings jut Unterstützung zusamrnenberufeu. Mittags 11 Uhr Das zweite Feuer ist ebenfalls bewältigt wordu. Dasselbe war durch eine Eas-Cxplvsivn veranlaß! und hat sechs weitere große Speicher verzehrt.

G. Marburg, 11. Novbr. Wir haben w einigen Tagen unseren Lesern die Geschichte des Col- legienhauseö erzählt und zwar aus Veranlassung einet recht häßlichen Verleumdung der „Deutschen Presse' Da die Sache eine lokale Bedeutung hat, die genannt Zeitung aber nur wenigen Einwohnern des Kreiset zugänglich ist, so theilen wir den wesentlichen Jnhad jenes Artikels mit. Derselbe erzählt, eine Anzahl hie­siger Bürger, zu deren Organ sich der Herr Justiz rath Dr. Grimm gemacht, habe eine Petition an dat CultuSministerium gerichtet, um das Collegiengebändt an den Schloßberg auf den Renthof verlegt zu et= halten. Da die Wohnuiigen der Petentei gleichfalls am Schloßberge lägen, fo sei sie Entstehung der Bittschrift leicht tr Bestohlenen und sprach: Hier, liebe Frau, sind vis Franken, laßt mir das Tuch. Vielleicht, fügte er B einem trüben Lächeln hinzu, ist es mehr werth, dot bezahle ich es ja ohnehin so theuer, daß Ihr mir cd Rest ja wohl erlassen könnt.

Stumm reichte ihm das Weib das Tuch. ® küßte es und übergab eö dann dem Offizier: „A zwei Jahren kehren auch Sie in unsere Heirnaih zurüi Wenn Sie durch Arenenberg kommen, erkundigen sich nach Marie und geben Sie ihr dieses Tuch, ab« sagen Sie ihr niemals, wie ich eS bezahlt habe." " Dann kniete er nieder, sprach ein kurzes Gebet ns trat festen Schrittes zur Richtstälte.

Ich fühlte, wie heiße Thränen mein Auge ud störten und ging tiefer in den Wald, um das dieses entsetzlichen Trauerspiels nicht mit ansehen J* müssen. Einen Augenblick war Alles still, tau* krachten einige Schüsse, und ein dumpfer Tromn^ wirbel verkündete mir, daß Alles vorüber war.

Eine Stunde später kehrte ich zurück. Das giment war abmarschitt — die Gegend lag still u»1 friedlich im Glanze der Herbstsonne und von de* nahen Büschen läute der Gesang der Waldvögel. M erschien das Geschehene wie rin dunkler Traum > aber einige dunkle, feuchte Flecken auf dem biebtt* Moos und ein frischausgewotfener Hügel belehrt^ mich, daß Alles furchtbare Wirklichkeit gewesen 3“ nahm einige Tanneuzweige und pflanzte sie als rchs Kreuz aus das Grab des atmen Schweizers, der hi^ von den Bäumen umrauscht, den ewigen Schi" schlief — vergessen von aller Welt, nur nicht mir und — vielleicht von Marie,

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