1872
Markurg, Mittwoch, den 13. November.
268.
Oberhessische Leitung
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Ich folgte also dem Hauptmann, der mich Nähe placirie.--
Das Regiment war im Carrs aufgestellt, dem letzten Glied, am Rand des Gehölzes, einige Soldaten unter dem Commando eines
Ich ging in tiefem Sinnen dahin, als ich, aus kütcm Seitenweg auf die Landstraße tretend, durch Me TroinpetrnklLnge aus meinen Träumen geweckt ***rbe. Vor mir, denselben Weg wie ich, marschirte
Regiment der Fremdenlegion, und ich beschleunigte •tinen Schritt, um mehr in die Nähe dieser kriege- ^ichen Musik zu gelangen, die ich so sehr liebe. Aber Wb verstummten die Trompeten und nur dumpfe ^vuimrlschläge töute» noch zu mir herüber, kräftig
Takt zu dem festen Tritt der Soldaten schlagend.
Rach einem halbstündigen Marsch schwenkte das ^giment links in den Wald ab und stellte sich da- Nbst auf einer kleinen, von dunklen Tannen um- Tanten Lichtung auf. Ich fragte einen mir bekannten Hauptmann, ob hier manövrirt würde? Rein, ant-
lieutenantS ein Grab auf. AUeS diSciplinarifch — selbst das Graben einer letzten Ruhestätte!
Inmitten deS Carre S saßen acht Osfiziere in einem Halbkreis auf Trommeln, ein Neunter saß etwas abseits und schrieb einige Worte auf seinen Knieen — ruhig — gleichgültig — man sah, daß eben nur die
Das blaue Tuch.
Frei nach dem Französischen von Fritz Brentano.
Als ich heute unter alten vergilbten Papieren ^rumstöberte, fiel mir ein kleiner zerknitterter Bries in die Hände. Wie Blut dünkten mich die dunklen Decken, die an demselben hafteten und eine trübe Er- öutrung zog ihre beengenden Kreise um mein Herz
Es sind jetzt lang? Jahre, als ich Ende October Orleans nach Schloß Bardy zurückkehrie. Es
un ind- fen, »en, che us, oder heil- chen, tgl. Ut: Enn., ver. >gr.) von Zins, nco cheN urg 949
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Deutsche» «eich.
•• Berti», 11. Novbr. Die hier bereits über den Verlauf deS Ministerconsrils gegebenen Andeutungen können durchaus bestätigt werden. Derselbe beschäftigte sich übrigens und allein mit den großen principiellen Fragen der gegenwärtigen Krisis. Daß auch die Civilehe, oder gar die Beschaffung eines Nachfolgers für den Geheimen Rath Wchrmann auf der Tagesordnung gestanden habe, ist eine müssige Erfindung. Die Eröffnung des Landtages wird morgen, wie ebenfalls bereits mitgctheilt, durch den Grafen Roen tri eigen. Die Eröffnungsrede dürfte hauptsächlich Miltheilungen über die Lage bringen, inbeffen sich nicht aus weitläufige AuSführmrgen einlassen, sondern nur in aller Kürze die Auffassung der Regierung in Bezug auf KreiSorduung und Herrenhaus signalistren — Die Besprechungen des Ministers des Innern mit den Vertrauensmännern des Abgeordnetenhauses und den Mitglieder» der früheren Kreisordnungscommission haben, wie verlautet, gestern begonnen und werten heute fortgesetzt. Wie cs scheint, werden dieselben zu einem günstigen Abschluß führen und eine vollkommene Verständigung ermöglichen, so daß dann die Berathung im Hause selbst nur kurze Zeit erfordere. — An eine Auistellung von neuen Pairslisten ist selbstverständlich noch nicht gedacht, noch viel weniger aber sind dieselben schon Sr Majestät zur Vollziehung unterbreitet. Es leuchtet ein, daß erst eine längere Correspondenz erforderlich sein wird, ehe dies geschehen kann, da sonst em Ende wenig Bürgschaft gegeben werde, daß die Berufungen ihren Zweck erreichten. Dagegen haben, »ie man hört, dir beiden jüngst Seitens der Städte Berlin unv Memel piäsentirten Herrcnhausmitglieder Hobrecht und Richter die Bestätigung des Königs sofort erhalten.
— Dem Landtage wird auch ein sehr umfassendes Fifchereigesetz für den preußischen Staat zugehen, welches die gesammte Materie in 50 Paragraphen be handelt. DaS Gesetz ist mit interessanten Motiven »ersehen und erstreckt sich auf die See- (Küsten-) und Biuucnfischerei und verfolgt das Ziel dem Fischerei- Betriebe in zusammenhängenden und von einander ebhängigen Gewässern so weit Schutz und Förderung ju verleihen, als andere höhere Interessen es gestatten. Demnach bekämpft es die schonungslose und regellose Ausübung der Fischerei, verbietet schädliche Fangarten und Fangmittel, bereitet Schonzeiten vor, jucht der
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die Schleppe getragen. Die kirchliche Einsegnung wurde durch den von 8 Geistlichen umgebenen Bischof For- werk vollzogen. In seiner Altarrede wieö der Bischof auf die für daS hohe Jubelpaar so ehrenvolle Anwesenheit deS deutschen KaiserpaareS und der anderen hohen fürstlichen Gäste, der Schwestern der könig- lickcn Jubelbraut und der beiden Schwiegersöhne deS Jubelpaares hin, er erinnerte auch an die vom Kaiser des deutschen Reiches anerkannte ruhmreiche Führung der beiden sächsischen Prinzen im letzten Kriege und schloß seine Rede mit den an daS königliche Jubelpaar gerichteten Fragen: „Versprechen Ihre königliche» Majestäten vor dem Angesichte Gottes dem unauflöslichen Bunde, den Allerhöchstdieselben vor 50 Jahren geschloffen haben, bis an daS Ende ihre» Lebens treu zu bleiben und in ehelicher Eintracht und wechselseitiger Hülfeleistung gemeinschaftlich Gott zu cienen, bis Gott Sie scheidet?" Beide Majestäten antworteten mit lautem „Ja!" und reichten sich die Hände, worauf ihnm der priesterliche Segen ertheilt wurde. Unmittelbar nach der Einsegnung begab sich oas hohe Jubelpaar mit den Gliedern der königlichen Familie nach der königlichen Hofkirche, wohin denselben die kaiserlichen Majestäten und die übrigen hohen Gäste nachfolgten. Hier wurde das Tedeum gesungen, während dessen außerhalb Geschütz- und Gewehrsalven ertönten. — Der Kaiser Wilhelm hat heute dem sächsischen Slaatsminister v. Friesen höchst- eigenhändig den Schwarze» Adlerorden verliehe».
— 11. Nov. Bei der gestrige» Vorstellung im Hoftheater wurde das Jubelpaar sowie das deutsche Kaiserpaar mit je dreimaligem Hoch von der Festversammlung begrüßt. Der gestrigen Galasoiree bei dem Kriegsminister wohnten der Kaiser, die Kaiserin, der veutsche Kronprinz, der König von Sachsen, das sächsische Kronprinzenpaar, Prinz und Prinzessin Georg und sämmtliche hier anwesende Fürste» bei. Die Abreise der kaiserlichen Gäste erfolgt heute Abend um 6 Uhr, vorher ist Familiendiner bei der Königin Witwe Marie.
AttSlau».
Wie», 8. Nov. Die herausfordernde und das Ansehen der Regierung geradezu verhöhnende Interpellation der Majorität deS tyrolischen Landtages ist das Ereigniß deS Tages. Die öffentliche Meinung fordert diesmal eine rasche und energische That deS Ministeriums. In der That wird sich letzteres dieser kurzen Förmlichkeiten erfüllt werden sollten, ohne die der Ang,klagte doch nicht sterben konnte.
Militärische Gesetze!
Man rief den Schuldigen vor das Gericht. Er war ein junger hochgewacksener Mann, von melancholisch gutmüthigem Aussehen. Mit ihm kam eine Frau — die einzige Zeugin in dieser traurige» Verhandlung.
Als der Vorsitzende sie befragen wollte, unterbrach ihn der Soldat: Es ist unnütz, mein Offizier, ich will Alles gestehen. Ich habe dieser Frau em Tuch gestohlen.
— Wirklich, Jean? Ihr galtet immer für einen so wackeren Jungen?
— Ja mein Offizier, eS ist wahr, ich gab mir stets alle Mühe, meine Vorgesetzten zufrieden zu stellen. Aber ich stahl — o mein Gott — doch ich stahl ja nicht für mich — es geschah für sie — für Marie I
— Wer ist Marie?
— Marie, die da drüben wohnt, jenseits der Berge — in meiner Heimath, der Schweiz, drüben neben bet alten Linde — o Gott, ich werde sie niemals Wiedersehen!
— Ich verstehe Euch nicht, Jean! Erklärt Euch deutlicher.
— Nun wohl, so lesen Sie diesen Brief.
Und der arme Schweizer übergab dem Hauptmann den Brief, welchen ich mir als Angedenken an diese düstere Stunde erbat, und der also lautete:
Mein guter Jean!
Ich benutze die Abreise deS Rekruten Arnold, der sich in Deinem Regimert« hat anwerben lasten, um
Verunreinigung der Gewässer entgegenzutreten und überweist endlich die Aufsicht über die Fischerei solchen Organen, in deren eigenem Interesse die Erhaltung und Verbeffening der Fischerei liegt.
Dresden, 10. Nov. Zur Theilnahme an dem Vermählungsjubelfeste der königlichen Majestäten sind außer den bereits gemeldeten allerhöchsten Gästen im Lause deS gestrigen TageS »och angekommen der Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich, Prinz Karl Theodor von Baiern, der Graf von Flandern, beide Großherzoge von Mecklenburg, die Herzoge von Sachfen-Meiningen, Sachfen-Coburg-Gotha, Sachfen- Altenburg und Anhalt, Prinz Alexander von Hessen, dre Fürsten Lippe, Schwarzburg Rudolstadt, Reuß, Prinz Ehristian von Schleswig Holstein-Augustenburg, Prinz Hermann von Sackien Weimar. Tie heutige Jubelfeier wurde der Residenz am frühen Morgen durch Glockeiigeläute von den Thürmen verkündet; die Stadt prangte im reichsten Flaggenschmucke, die öffentlichen und Militär-Gebäude zeichneten sich durch befonders reiche und geschmackvolle Decorirung aus. Die kirchliche Einsegnung des hohen Jubelpaares fand in dem Eckparadesaale des königlichen Schlosses und in Anwesenheit sämmtlicher Mitglieder der königlichen Familie und dec hier anwesenden hohen fürstlichen Gäste statt. Vor dem dort errichteten Altäre hatte unter einem Baldachin das hohe Jubelpaar Platz genommen; zur Seite desselben befanden sich die Glieder der königlichen Familie, unter ihnen die Königin Witwe Elisabeth von Preußen, der Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich, der Prinz Karl Theodor in Baier», sowie drei Enkel des Königs, Kinder des Prinzen Georg, besten älteste Tochter, Prinzessin Mathilde, ihrer königlichen Großmutter die Schleppe trug. Der Kaiser Wilhelm, die Kaiserin Augusta unv der Kronprinz des deutschen Reiches hatten unmitul- bar hinter dem hohen Jubelpaare ihren Sitz genommen. An sie reihten sich die übrigen evangelischen Fürsten an, während die katholischen füistlichen Gäste links vom Altäre Platz genommen hatten. Der Brautzug war befonders glänzend. Dem hohen Jubelpaare folgten zunächst die kaiserlichen Majestäten. Der Kaiser Wilhelm und der König Johann trugen die große Generalsuniform, die Königin von Sachse» war mit einem goldenen Myrtenkranz, besetzt mit Diamanten, sowie mit dem weißen Brautschleier geschmückt. Allen fürstlichen Damen wurde von Pagen »ortete er, man richtet und erschießt wahrscheinlich auch gleich einen Soldaten meiner Compagnie, der de» Bürger bestohlen hat, bei welchem er einquartiert war.
Wie, sagte ich erstaunt, man verhört, verunheilt und erschießt ihn, in ein und demselben Augenblick?
Ja, entgegnete er mit einer eisernen Ruhe, so bestimmen es unfere militärischen Gesetze.
Militärische Gesetze! dies Wo« war für Alles — gegen dieses Wo« gab es keinen Widerspruch — daS Leben lag in ihm begraben und Alles war darin vorgesehen: Vergehe» und Strafe--auch die
Menschlichkeit?
Wenn Sie übrigen« neugierig sind, fügte mein Hauptmann hinzu, und sich die Geschichte mitansehen wollen, so will ich Ihne» einen Platz anweisen. Die Sache ist schnell abgemacht.
Ich muß gesteh'», ddß derlei traurige Schauspiele stets einen gewissen Reiz für mich hatten. Ich habe mich immer bestrebt, mit dem Tode vertraut zu werden und wo kann man dies besser, als Angesichts eines Sterbenden?
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Btt einer jener melancholischen Herbsttage, wo die stehÄ 2®tut in stummer und doch so gewaltig beredter chlikf ^°chr die Vergänglichkeit alles Irdischen predigt, rrau» r® 618 fallende Laub un« wehmülhig stimmt und wo «a t» der goldene Sonnenstrahl, der über die rolh [257* Torbenen Blätter huscht, daß sie noch einmal blitzen 1 ' aflb leuchten in Heller Pracht, uns daran erinnert, M auch diese letzte Zierde balv unter dem rauhen Hauch« des Wintersturmes verschwunden sein wird.
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