Einzelbild herunterladen
 

Ur. 267*

Nlarkurg, Dienstag, den 12. November.

1872.

i OberhesMe Zeitung.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfische« Leitung mit Kreisblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 18) Sgr., durck die Postämter 17 Sgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incL Stempelsteuer), für da» Ausland excl. Stempel 11 Ggr.

Inlerlioni>gedüd' für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Deutsches «eich.

h Berlin, 9. Novbr. Gestern war einige Un­ruhe entstanden, da das Ministerconseil um eine Stunde aufgeschoben wurde. Das Staatsministerium berieth fich vorher «ährend der freigewordenen Stunde im Gebäude deS Handelsministeriums, auch hatte der Minister deS Innern noch am Morgen dem Kron­prinzen einen längeren Vortrag gehalten. Das Con­seil dauerte bis nach i/z6 Uhr. Nach den in einge- »cihten Kreisen bekannt gewordenen Andeutungen über den Verlauf desselben darf man annehmcn, daß der Kaiser den Absichten des Staatsministeriums in jeder Beziehung seine Zustimmung ertheilt hat. Es unter liegt keinem Zweiiel, daß nunmehr die Actio» der Re­gierung in der Richtung und unter den Modalitäten beginnen wird, wie diese schon früher von unterrich­teter Seite bezeichnet wurden. Es wird also die neue Vorlage ohne irgend eine grundsätzliche Aenderung der mit dem Abgeordnetenhause gewonnenen Vereinbarungen diesem unterbreitet und, wenn dasselbe den Entwurf durchberathen, der Pairsschub vorgenommcn werden. Dieser dürste, wie bereits gestern dieNordd. Allg. Zlg." anveutete, nicht nur die augenblickliche Durch­dringung der Kreis ordnung, sondern vor Allem eine organische Reform deS Herrenhauses im Auge haben. Es kann übrigens nochmals constatirt werden, daß jetzt mehrfache Kundgebungen au« Varzin vorliegen, wonach der leitende Staatsmann sich mit den Jittcn- tioneu der SlaalSregierung vollkommen im Einklänge befindet. Es werden jetzt auch die Beralhungen des Ministers des Innern mit den Parteiführern deS Abgeordnetenhauses beginnen. Präsident v. Forckenbeck ist bereits hier eingetroffen und hatte eine Besprechung mit dem Grafen Eulenburg. Die Eröffnung des Landtags wird, wie man vernimmt, wahrscheinlich Sicht durch den König in Person, sondern durch den mit der Vertretung des Ministerpräsidenten beauf­tragten Grafen Roon erfolgen. ES ist leicht erklär­lich, daß die Eröffnungsrede sich fast ausschließlich mit der obwaltenden politischen Krisis und der Kreisord- «ungSfrage beschäftigen wird. An Viehsalz sind im deutschen Zollgebiete während de« JahreS 1871 im Ganzen 1,669,146 Centner verkauft worden; davon in Preußen 546,630 Centner, in Baiern 336,665 Eentner, in Würtemberg 281,544 Centner und in Laden 209,526 Centner.

ImMilitär-Wochenblatt" lesen wir:Die Urtheil« englischer Zeilungen und Zeitschriften über die deutsche Armee, wie über deren Leistungen im letzten Kriege, find oft in einem so ungünstigen, so wenig zur Anerkennung geneigten Tone geschrieben, daß hieran« leicht ein unrichtiger Schluß auf die

Ei« Gattenmorv.

(Schluß.)

Am 27. August waren Morgens, als die Näherin Ehefrau Dicke, welche für den Tag zu Näh aebeiten in das Hau- bestellt war, dort eiutrat, die Angeklagte und deren 11 Jahre alte Tochter Ida noch ia der Schlaskammer. Der Mann kam den Söller Hemmer und erzählte der Frau Dicke, daß er seit drei Nächten allein auf dem »Söller schlafen müsse, ^>ch seine Frau ihn gestern Abend ohne Essen habe iu Bett gehen lassen. Er wollte nun gleich Futter für das Vieh holen. Die Frau Dicke sagte ihm aber " solle sich doch vorher den Kaffee machen lasten «nd tr trat darauf in die Schlaskammer, um seine ?teu zu wecken. Diese stand auch auf, wie die Frau sah, griff aber noch im Hemde nach einem alten Leile ohne Stiehl, das auf dem Boden lag und zum ^fffenhalten der Thür diente, und warf solches, ohne «n Wort zu reden, ihrem Manne »ach, wobei e» ihn ^fehlend gegen die Thür flog. Der Mann blieb S«nz ruhig und die Angeklagte that dann beim Kaffee- irinken in Gegenwart der Frau Dicke ganz freundlich ihrem Manne, als wenn nicht» pafsin wäre. Sie ingte sich segar der Frau gegenüber, als es später zu wgnen anfing, um ihren Mann besorgt, daß derselbe bielleicht in dem Regen Futter holen wolle, kam au? bft Küche in die Wohnstube und ersuchte sie, ihrem «anne, der draußen am Arbeiten war, zu fegen, daß

Stimmung der englischen Regierung, der Armee, ja deS ganzen Volkes gezogen werden könnte. Um das Verhältniß klar zu stellen, in dem die englischen Jour­nale zur Regierung stehen, und zu zeigen, daß keinerlei Art von Solidarität zwischen ihnen besteht, mag zu­erst erwähnt werden, daß eS überall keine officielle oder von der Regierung subventionirte militärische Zeitung oder Zeitschrift in England gibt. Weder die Naval military gazette,United service gazette, Anny and navy gazette, nochBroad arrow,1 werden von der Regierung beeinflußt, sie bringen militärische Aufsätze über TageSfragen und Nachrichten über die Armee und Flotte und beobachten im Ganzen auch dem deutschen Heere gegenüber eine objective Haltung. ColburnsUnited service magazine wird in England wenig gelesen und von den meisten Re­gimentern nicht gehalten; kaum dürfte ein Offizier im Dienste zu seinen Mitarbeitern gehören, mithin dürfte der Ton dieses Magazines am wenigsten ein Bild der Meinungen fein, die in den englischen Offiziercorps herrschen, und ihrer Urtheile über das deutsche Heer, wie über dessen siegreiche Feldzüge. Die militärische Gesellschaft Royal United service Institution, deren Patron Ihre Majestät die Königin, deren Vice- Patrone die Prinzen von Wales und Edinburgh, der Herzog von Cambridge, Feldmarschall, und andere Prinzen sind, veröffentlicht die dort abgehaltenen, sehr werthvollen Vorträge meist militärischen Inhalts: diese allein dürften als der wahre Ausdruck der mili lärisch politischen Anschauungen deS englischen Heeres und der Marine gelten. Schließlich mag noch erwähnt werden, daß dieTimes" in den Nummern vom 22., 23. und 25. Oktober d. I. eine sehr eingehende und anerkennende Besprechung der ersten Lieferung der von der historischen Abtheilung deS Generalstabes bearbei teten Geschichte des Felvzuges 1870/71 enthält, deren Uebersetzung ins Englische durch Capitän Clarke des topographischen Departements soeben erschienen ist."

Der Chef des Generalstabes der Armee, General. Fe^dmarschall Graf Moltke, macht bekannt, daß, nachdem der Druck des zweiten Heftes des vom großen Generalstabe bearbeiteten Werkes:Der deutsch­französische Krieg von 1870/72" begonnen hat, Sub­skriptionen auf dies Werk ferner nicht mehr berücksichtigt werden können, dasselbe vielmehr nur noch auf dem Wege des Buchhandels zu beziehen ist.

DieN. A. Ztg." schreibt:Die hier er­öffneten Conferenzen üver die sociale Frage tragen den Charakter vertraulicher Besprechungen an sich, über deren Ergeb» die beiderseitigen Herren Bevollmächtigten demnäebft an ihre hohen Regierungen Bericht zu er­statten haben werden. Selbstverständlich ist daher

er nicht durch den Regen gehen möge. Auch gab Bock, der inzwischen dennoch das Futter holen gegangen war und solches nun in den Stall brachte, von dort aus seiner Frau, als dieselbe späterhin ihrer Tochter zurief, sie solle zu dem Nachbar Henkels gehen und dort nach der Uhr sehen, freundlich zur Antwort, daß er seine Taschenuhr den Morgen bei Henkels gestellt habe und daß es darauf 10 Minuten nach 11 sei. Bald da rauf ging die Ida aus der Wohnstube von bet. Ehe­frau IDicke weg in die Küche. Das Kind fand da­selbst die Mutter nicht vor, sah aber auf dem Trepp chcn, das aus der Küche in den etwas niedriger ge legenen Stall führt, abgequellles Kohlgemüse liegen und dachte schon, daß der Mutter, welche zuweilen an Epilepsie litt, ein derartiger Zufall zugestoßen sei, als dieselbe im Stall rufen hörte:Du Donnerkeil, sitzt sollst Du aber verrecken." Daraus hi» trat die Iva in den Slall und sah nun in dem dort herrschenden Halbdunkel, daß der Vater auf der Erde lag und die Mutter auf demselben knieete Sie rief der Angeklagten zu:Mutter! Mutter! was ihust Du?" erhielt aber keine Antwort und lief nun zu der Frau Dicke zurück mit dem Rufe:Die Mutter ist im Stalle und macht den Vater toDt!" Diese eilt mit ihr durch die Küche in den Stall, sie reißen die aus dem Stalle nach außen führende Thür offen, um Licht zu bekommen, und sehen nun, wie die Angeklagte auf ihrem Manne tnieet und beide Hände an deffen

jede vorherige Veröffentlichung über den Inhalt dieses Gedankenaustausches unstatthaft. Was daher in der Presse darüber verlautet, ist von vornherein als müßige Erfindung anzusehen. Diese ausdrückliche Versicherung, welche dem größten Theil der Tagespreffe überflüssig erscheinen könnte, ist dadurch nölhig geworden, daß von einer bestimmten Seite her, die weder in Berlin noch in WienVerbindungen" hat, in Betreff der socialen Conferenzen eine Vertrautheit zur Schau ge­tragen ist, welche bereits, z. B. in derMagdeburger Zeitung", eine völlige Verkennung der Tendenzen dieser amtlichen Besprechungen über die wichtige Frage ver­anlaßt hat.

Leipzig, 9. Nov. Ihre Majestät die Kaiserin Augusta besuchte heute Vormittag das neue Hospital, nahm unter Begleitung deS Geheimerath Wunderlich alle Einrichtungen desselben mit sichtlichem Jntereffe in Augenschein und unterhielt sich in huldvollster Weise mit den Kranken. Nach etwa einstündigem Aufenthalte verließ Ihre Majestät das Hospital mit dem Ausdrucke der größten Befriedigung, indem sie zugleich zur Erinnerung an ihren Besuch ein Altarbild für die Hospitalkirche stiftete. Um I21/z Uhr Mittag« reifte die Kaiserin, von dem zahlreich versammelten Publikum enthusiastisch begrüßt, nach Röderau weiter, von wo aus sie mit dem Kaiser Wilhelm zusammen die Reise nach Dresden lortsetzen wollte.

Dresden, 9. Novbr. II. MM. der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Augusta, sowie der Kron­prinz deS deutschen Reichs trafen um 3 Uhr hier ein. Der preußische Gesandte und die von dem sächsischen Hofe zum Ehrendienst commandirte» Offiziere und Hofstaaten waren den Allerhöchsten Herrschaften bis Röderau entgegengefahren, wo die Kaiserin Augusta mit des Kaisers Majestät zusammengetroffen war und von wo sie mit demselben vereint die Fahrt fortgesetzt hatte. Auf dem hiesigen Bahnhose hatten der König, die verwillwete Königin von Sachsen, die königl. Prinzen und Prinzessinnen, der Großherzog von Sachsen-Weimar und andere hohe fürstliche Gäste zur Begrüßung sich eingefunden. Auch die Minister von Friesen und von Fabrice, die sich hier aufhaltenden hohen preußischen Militärs, die Spitzen der hiesigen kaiserlichen Telegraphen- und Post-Directionen, der Ober-Bürgermeister Pfotenhauer, der Polizeidirector waren auf dem Perron des Bahnhofes anwesend. Die Begrüßung der Allerhöchsten Gäste mit dem Könige von Sachsen und den übrigen Gliedern des könig­lichen Hauses war eine überaus herzliche und als die Allerhöchsten Herrschaften au« dem königlichen Salon heraustraten, wurden dieselben von nicht endenwollen­den Hochrufen einer unübersehbaren Menschenmenge Hals und Gurgel hat. Die Frau Dicke ruft der An­geklagten zu:Was thut Ihr? Wollt Ihr Euren Mann tobt mache»?" und versucht, sie unter bem Mitbemühen beS KindeS von dem Manne wegzureißen. Die Angeklagte läßt aber nur bie linke Hanb vom Halse loS und greift damit nach einer neben ihr an der Wand stehenden Mistgabel mit den Worten: Macht Euch fort, sonst stech' ich Euch mit der Mistgabel. Er soll jetzt dran." Darauf weichen sie zurück und die Angeklagte ruft dem Kinde noch zu: Thu' die Körbe weg!" Dieses wie die Ehefrau Dicke laufen aber weg und sehen nur noch, wie die Ange­klagte von ihrem Manne aufspringt, die Körbe, hie ihr im Wege stehen, aus die Seite wirft und sich dann gleich wieder an ihn macht. Die Ehefrau Dicke und bas Kind rufen nun sofort die Nachbar­schaft zusammen. Als unter den Ersten der Zeuge Henkels herbeikam, sah derselbe bie Angeklagte noch «ie vorher auf ihrem Manne. Derselbe lag hinter einer Schneidebank auf bet Erbe, und zwar auf der rechten Seite mit dem Gesichte dicht an der Mauer, so daß er sich nicht helfen konnte. Die Frau tuieete ihm mit beiden Knieen auf dem Leibe und hielt feinen Hals umklammert. Sie war ganz ruhig, ließ aber nicht los. Henkels trat hinzu und bemerkte, daß der Mann braun und blau und angeschwollen im Gesichte war und röchelte, wich bann aber, als die Angeklagte die linke Hand von dem Manne los ließ und nach