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Nr. 266.

3Hflr6utg, Sonntag, den KX November.

1872

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Oterhessische Zeitung.

^einttäaHd. außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhtsfischen Aeituug «11 «rrUblatt durch die Srvedition Buchdruckerei, bezogen 88, ®gt durch ore lostümter 87 »gr. 8 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für dar Ausland erd. Stempel 88 »ar - jmtrtnHk-gebi.tr tüt die gespaltene Zeil« 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen'Büreaus nehmen Inserate an. * "

Politische Wochep-Urberstcht

Noch immer sind die Kreisordnungsfrage und die von der Regierung zu erwartenden Mittel zur Durch­führung des Gesetzes der erste Gegenstand der politi­schen Tagesordnung. In Betreff der Abänderungen in dem Entwurf wegenerheblicher praktischer Be­denken", fehlen noch die genaueren Angaben, doch haben bereits die Verhandlungen des Grafen Eulen- bürg mit den Vertrauensmännern der großen Fractio- nen des Abgeordnetenhauses begonnen und werden die Absichten der Negierung deßhalb bald in die Oeffent lichkeit gelangen. Gestern fand eine Minister-Conseils- Sitzung unter dem Vorsitz des Kaisers, der auch der Kronprinz anwohnte, start. Daß die zu erwartenden Regierungsmaßnahmen in derselben berathen und be schlossen worden, ist anzunehmen. In Sachsen und Württemberg tagen die Landtage wieder. Der sächsische beräth gegenwärtig eine Communal- und Kreisordnung und der württembergische eine Steuerreform. Der hessische Landtag ist, nachdem eine Uebereinstimmung zwischen beiden Kammern über ein neues Wahlgesetz zu Stande gebracht ist, geschlossen worden.

In Oesterreich ist am 5. Nov. die Eröffnung der Landtags-Session erfolgt, eine besondere Wirksam feit ist wohl nicht zu erwarten. Im Tyroler Land­tag hat die ultramontane Partei wegen der Rectors- wchl an der Universität Innsbruck eine Anfrage an die Regierung gestellt ({. gestriges Telegramm aus Innsbruck) und die Beantwortung an eine Präclusiv- srist von 8 Tagen gestellt, andernfalls mit Austritt gedroht. Dieses dreiste Auftreten der Ultramontanen in Tyrol läßt sowenig ein gütliches Beilegen ves Streitfalles hoffen, als dieses bei der Regierungsvor­lage, die Schulgesetze betreffend, der Fall sein wird. Auch der ungarische Reichstag ist wieder versammelt und beschäftigt sich zunächst mit einer Gemeindeord­nung für die Doppelhauptstadt Pest-Ofen.

Die Wahlen zum Nationalrath der Schweiz sind beendet und haben unter den 135 Gewählten 86 für eine Verfassungsrevision und 42 gegen eine solche Geneigte ergeben. Die Regierung des Cantons So­lothurn hat die vom Bischof von Basel verfügte Ab­setzung des altkatholischen Pfarrers Gschwind vom Pfarramt für ungültig erklärt.

Frankreich lebt noch immer in keiner gesunden Haut und je näher die Wiedereröffnung der Session

rückt, desto mehr zeigt sich der Aussatz des Partei­getriebes und bittersten Hasses über das, was ist und das, was werden soll. Das Provisorium ist kaum noch haltbar, das Definitivum aber von schwarzen Wetterwolken verhangen. Thiers will jedoch seinen Stuhl nicht länger auf Sand gestellt wissen; aber um zu etwas zu kommen, wird er, wenn seine berühmte Pfiffigkeit ihn etwa einmal im Stiche lassen sollte, viel, wo nicht seinen ganzen bisherigen Erfolg auf's Spiel setzen. Am Montag wird die Session eröffnet und Thiers arbeitet an seiner Botschaft. Er kann sich darin auf den erfreulichen Eingang der Steuern, auf die gegen Mitte dieses Monats beendigte Räumung der zweiten zwei Departements von den sechs besetzt gewesenen, sowie auf den mit England abgeschlossenen und am 5. November unterzeichneten neuen Handels­vertrag berufen.

Das italienische Ministerium hat den Gesetz­entwurf über die religiösen Körperschaften und ihre Güter in der Stadt und Provinz Rom zum Abschluß gebracht und wird ihn sofort bei Eröffnung des Parlaments demselben vorlegen. Die Verheerungen, welche die Ueberschwemmungen in Oberitalien angerichtet haben» sind sehr groß. Der König hat auS seiner Privatkasse 40,000 Lire für die dadurch Beschädigten angewiesen; das Ministerium des Innern hat zu dem­selben Zwecke ebensalls 40,000 Lire hergegeben und weitere 30,000 Lire wurden unter die von der Ueber- schweiumung betroffenen Provinzen vertheilt. Auch in ©teilten haben Ueberschwemmungen große Verwüstung angerichtet. In Syracus sind 28 Menschen in den Fluchen umgekommen, und in Palazzolo hat ein ge wattiger Orkan zwei Ouartiere der Stadt zerstört, wobei 32 Menschen ihren Tod fanden.

Die finanziellen Gesetzentwürfe der spanischen Regierung sind von den Kongreß - Ausschüssen ange­nommen worden und können nun auch unzweifelhaft auf die Genehmigung der Cortes rechnen. Das Militär - Contingentgesetz erhielt nach längerer Bera­tung, aber mit großer Mehrheit die Zustimmung des Kongresses. Mehr noch als diese ruhigen, gesetz­geberischen Arbeiten zieht der Antrag, das weiland Ministerium Sagasta in Anklagestand zu versetzen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich; die Bureaux des Congresses haben bereits den Ausschuß ernannt, welcher mit der Berichterstattung beauftragt ist. Inzwischen

haben Serrano, Topete und andere frühere Minister der conservaliven Partei ein Manifest veröffentlicht, worin sie sich mit dem Cabinet Sagasta solidarisch erklären und gegen die letzte Auflösung der CorteS, mithin auch gegen die darauf gefolgten Wahlen und die Rechtsbeständigkeit der jetzigen Kammern protestiren

Die niederländische Regierung Hal der Kammer einen Gesetzentwurf vorgelegt zur Herabsetzung des Census bei den Wahlen; nach diesem Projekte wird der Census für die größten Gemeinden 50 st. und für die kleinsten 20 st. an direkten Staatssteuern fein. Die Zahl der Wähler in den Städten wird dadurch beträchtlich steigen.

Der belgische Kriegs-Minister hat die Kohlen­arbeiter, welche diesen Herbst als Recruten in die Armee einzutreten hatten, auf unbestimmte Zeit ent­lassen, um dem herrschenden Arbeitermangel in den Kohlenbezirken abzuhelfen

Der neue englisch - französische Handelsvertrag ist am Dienstag in London von Lord Granville im Namen Ihrer britischen Majestät und von Herrn Charles Gavard, französischem Geschäftsträger, und Herrn Ozenn« im Namen des Präsidenten der fran­zösischen Republik unterzeichnet worden. Die Zollbe­stimmungen bleiben bis zum 1. Januar 1877, die Schifffahrtsbestimmungen bis zum 15. Juli 1879 in Äraft. In England ist mott mit dem neuen Taris nicht sehr gufrieben und mehrere Handelskammern haben sich bis zum letzten Augenblick energisch gegen denselben ausgesprochen.

Der Kaiser von Rußland hat die Krim wieder verlasse« und wird nach Petersburg zurückkehren. Die Kaiserin wird ihm erst gegen Ende dieses Monats folgen. Großfürst Alexis befindet sich zur Zeit in Japan. Prinz Karl von Preußen, der feit dem 4. November 1822 Chef, eines russischen Regiments ist, hat bei diesem 50jährigen Jubiläum den St. Georgsorden nebst einem Handschreiben erhalten, in welchem der Kaiser Alexanver seiner Sympathie für die preußische Armee Ausdruck gibt, an die preußisch - russische Waffenbrüderschaft von 1813 -1815 und an die Großthaten von 187071 erinnert und den Wunsch ausspricht, daßdie uns vereinigenden Freundschafts­bande noch fester geknüpft werden und auch die künftigen Generationen umschlingen mögen".

In der Laurion-Frage soll das griechische Mi-

Geschichte der Biene».

(Schluß.)

Die Einführung des Christenthums bildet überall «neu Wendepunkt in der Cultur der Völker. In Deutschland wirkte es, wie auf Ackerbau und Vieh jucht überhaupt, so auch auf die Bienenzucht förder- «ch. Dieselbe trat in den Dienst der Kirche, welche *** Wachses,der göttlichen Fettigkeit", bedurfte und «n Honig als lautere HimmelSspeise ansah welche Johannes in der Wüste und Christus nach seiner Auferstehung genoßen hatte. Der Honig war außer­dem ein Mittel, um den.herben Landwein, den die üetstlichen Herren keineswegs verachteten, zu versüßen. Augenscheinlich war also schon vor mehr als tausend Jahren ein ähnliches Verfahren der Weinverbesserung

Gebrauche, wie heutzutage beim sogenannten ^allissiren, wo durch Zusatz von Zucker dem sauren «achenputzer aufgeholfen werden soll. Meth, da» heißt $cn,8 mi! am Feuer gekocht und durch Zusatz vn Gewürzstoffen pikant gemacht, war schon ben| anhetdnischm Germanen ein beliebtes Getränk I

^ie Mönche beschäftigten sich in den Klostergärten e«rtg mit Bienenzucht, lange bevor Karl der Große geordnet hatte, daß auf jedem seiner Güter ein be- I Iberer Zeidler (Imker) sein müsse. Nach Karl'S egterung hob sie sich immer mehr, und die ihretwegen Offenen Gesetze wurden schärfer als früher. Das achsische Recht setzte auf den Diebstahl eines einge­lassenen Bienenstockes die Todesstrafe, auf die Entwendung eine» freistehenden den neunfachen Werth- (,flt68- Im Mittelalter war der Honig ein starker Handelsartikel, durch die allgemeine Verbreitung des Äckers hat er viel von seiner Bedeutung verloren.

roße Quantitäten von Wachs gingen früher aus

Deutschland über Hamburg nach Spanien und Portugal, wo die Klöster, jeder anderen Erleuchtung und Auf­hellung feind, eine schwere Menge Wachslichter brauchten. Weltberühmt sind heute noch die Nürnberger Lebkuchen, ein Backwerk, bei welchem Honig den Hauptbcstand- theil bildet. Es gab im alten Nürnberg eine eigene Zeivlerzunft, und schon Kaiser Kaiser Karl VI. (ge- Itorben im Jahre 1378) ertheilte den Zeidlern im Nürnbergerwalde betreffs der Honiggewinnung eigene Privilegien; bereits damals machten die prächtigen Honigkuchen, namentlich zur Weihnachtszeit, ihre Wanderung durch ganz Deutschland und darüber hinaus

Ein schönes Beispiel, wie die Bienenzucht mit der Cultur auch in neuerer Zeit gleichen Schritt gehalten hat, tritt uns in Amerika entgegen. Die europäische Honigbiene war im Jahre 1675 dorthin gebracht worden. Ein amerikanischer Schriftsteller sagt:Die Jnd aner betrachten die Bienen als Vorboten der weißen Männer und behaupten, in dem Verhältnisse, wie sie vorrückten, weiche der Indianer und der Büffel zurück." Die Biene war also in dem von Wilden bewohnten Lande der Herold der Civilisation, der sie von den Gestaden des atlantischen Oceans aus immer weiter in den Westen hinein voranschritt Wodie Fliege der Engländer", wie sie die Indianer nannten, sich zeigte, wurden die Rothhäute verdrängt, und mit Erstaunen fanden diese plötzlich die verreib retten Stämme ihrer Urwälder mit himmlischer Süßigkeit erfüllt. 115 Jahre nach Einführung der Bienen in Amerika hatten sie sich dort so außerordentlich vermehrt, daß 1790 aus Nord und Mittel-Amerika 236,000 Pfund Wachs ausgeführt werden konnten.

Der Vergleich des geselligen Zusammenlebens der Bienen mit einem geordneten Staatswesen geht zurück

bis ins graue Alterthum. Freilich waren manche falsche Anschauungen damit verbunden. Das Ober­haupt des Stockes hieß der Fürst, Herzog, König, gemeiniglich aber der Weiser, d. h. der Führer. Daß der Weiser männlichen, die Arbeitsbienen weiblichen Geschlechtes seien, war herrschende Ansicht. Der Weiser galt als der einzige Mann im Stocke, der angethan mit Macht, Ansehen [unb Majestät, für das Volk der Arbeiter und Drohnen denkt und handelt und in dem militärisch organifirten kleinen Staate Recht und Ordnung handhabt. Offenbar weist die Bezeichnung der Weisel dasselbe Wort wie Weiser die heute noch für die Bienenkönigin vielfach im Gebrauch ist, auf diese alte Anschauung ^in. Eingehende und schöne Schilderungen des Bienen­staates finden sich bei den Schriftstellern und Dichtern ~ aller Culturvölker. Bei den alten Deutschen, die trotz ihrer vielfach rauhen Sitten und Gewohnheiten sich von jeher vor anderen Völkern durch tiefes und sin­niges Gemüth ausgezeichttet haben, galt die Biene al$ ein unverletzliches, beinahe heiliges Thicrlein, und die Vorstellungen, welche unsere Altvordern über sie unterhielten, klingen in manchen Gegenden jetzt noch nach, wo sich leise, vom Volke geschonte Spuren einer Verehrung der Bienen erhalten haben. Eine Biene todtzuschlagen gilt al« Unrecht, als sittliche Rohheit; man traut ihr ein Gefühl für Schlecht unb Rrcht unb die Fähigkeit zu, Gute unb Böse, Bekannte unb Unbekannte zu unterscheiben. Nicht Jeder barf ZU ihnen hintreten, die Nähe mancher Leute ängstigt sie. Gegen Kinber sanft unb schonend, lassen sie sich selbst deren nahes Spiel gefallen; geschmünkten unb parfümirten Mädchen find sie außerordentlich feind, ebenso Apothekern und Todtengräbern.