Mr. 268. Marburg, Sonnabend, den 9. November.
1872.
Oberhessische Zeitung.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal bet Oberheffische« Fettung mit KrelSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 88; Sgr., durch die Postämter 87 ®gt. ß Pfg (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 18 Ggr.
Jnienionsgebüh, für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Deutsche, »eich.
#• Berlin, 7. Nov. Während in allen gemäßigt liberalen Organen hervorgehoben wird, daß die osfi» cibje Presse volle Klarheit über die Situation der Jetztzeit gegeben, kommt die radikale Presse, wie z. B. die „Rheinische", und meint, in der officiösen Presse schweige man über Alles, was die Krisis betreffe. Die „Rhein. Ztg." möge nur ein Blatt zur Hand nehmen, die „Prov.-Corresp.", und sie wird sehen, in wie zutreffender Weise die Regierungsorgane die Situation deurtheilt und wie richtig die Maßnahmen der Regierung angekündigt worden sind. Im conservativen Opposttionsiager scheint man nun auch zu der Ein- ; ficht gekommen zu sein, wenigstens versucht die „Kreuz- Ztg." in ihrem letztm Leitartikel eine Schwenkung und Umkehr zum Besseren, die Täuschung, deren man | sich bis zum letzten Augenblick hingegeben, verliert immer mehr und mehr an Consistenz und man entschließt sich auch auf dieser Seit« zu glauben, daß i den energischen Worten der Regierung auch die That folgen werde, man gibt die Hoffnung auf Barzin, - wohin man bis zum letzten Augenblicke sein Auge auf Rettung richtete, auf, man überzeugt sich, daß ein Gegensatz zwischen Fürst Bismarck und Graf Eulen- 1 bürg in keiner Weise besteht. Zu dieser Ueberzeugung 1 wird denn wohl wesentlich dazu beigetragen haben, daß die Schritte, welche man in den letzten Tagen in Barzin gemacht, um den Fürsten günstig für die Herrenhaus-Opposition zu stimmen, ohne allen Erfolg geblieben sind. Auch der Umstand, daß die Regierung erklärt hat, die ihr zugekommene Nachricht, es werde im Herrenhause ohne Pairsschub eine Majo- i ritäl für die Kreisordnung sich finden, findet keinen Glauben bei ihr, wird wohl den Heißsporn der Opposition abgekühlt haben. Was den Pairsschub selbst 4 anbelangt, so hört man, daß derselbe fest beschlossen - ist, und daß an dieser Absicht der Regierung nicht ge rüttelt werden wird, daß aber zur Zeil bestimmte Can- didaten noch nicht der Genehmigung des Königs unterbreitet worden sind; ob unter den neuen Herrenhausmitgliedern viele Finanz-Capacitäten sein werden, wie die« in Börsenblättern betont wird, ist doch wohl zweifelhaft. — Die in der „Köln. Ztg." und anderen von Hrn. Gumbinner mit Correspondenz versehenen Zeitungen gebrachte Nachricht, daß eine Aenderung in dem Oberprästdium von Posen eintreten werde, daß Herr v. Horn wieder nach Posen zurückkehren werde,
König Z-hann von Sachsen.
König Johann von Sachsen feiert am 10. No- ' dember seine goldene Hochzeit mit der Königin Amalie, -einer Fürstin aus dem baierischen Hause.
In dem sächsischen Königreiche rüsten sich alle Kreise der Bevölkerung, um den Ehrentag des ver- ehrten KönigSpaars festlich mit zu begehen und dem trefflichen Fürsten die Huldigungen aufrichtigen Dankes darzubringen.
An der Spitze zahlreicher deutscher Fürsten wird Kaiser Wilhelm mit seiner erhabenen Gemahlin und bflH Kronprinzen des deutschen Reiches an der Fest-
in Dresden theilnehmen. Nicht die herkömmlichen Rücksichten fürstlicher Nachbarschaft sind eS, die unfern ! Kaiser zum Besuche an den sächsischen Hof führen; | R folgt vor Allem dem Gefühl wahrer Freundschaft und Hochachtung für die Person des Königs Johann, einem Gefühl, welches durch die engen uud ver- ttauensvoüen Beziehungen zwifchm Sachsen und der Regierung der Kaisers an Stärke und Innigkeit gesteigert worden ist.
ES darf dem König Johann zu hoher Genug. - shuung gereichen, daß er in den bevorstehenden fest- \ Wn Tagen nicht bloS auf ein halbes Jahrhundert Ähren Familienglücks, nicht bloS auf das in stetem Wuchsen begriffene Gedeihen seine« reich gesegneten ^UdeS zurückblicken kann, sondern auch auf den ehrenden Antheil, den Sachsen an der nattonalcn Entölung des g-sammten Vaterlandes genommen hat.
Das Vertrauen, welches König Wilhelm dem Könige Johann bei dem Eintritt Sachsens in den i Norddeutschen Bund freudig entgegenbrachte, hat sich ersten Tage an in der erfreulichsten und wirk-
ist «ine total unglaubwürdige, die nirgends einen Anhalt bietet. — Nach einer mit der obersten Postbehörde Oesterreich-Ungarns getroffenen Verständigung sollen fortan auch im Wechselverkehr mit den österreichisch-ungarischen Postanstalten von ein- und zwei monatliche Abonnements aufZeitungen zugelassen werden.
— Im Reichskanzleramt sind jetzt vörzugSweise zwei Commissionen thätig. Der Zoll- und Steuer Ausschuß des Bundesrathes Hal sich in einer Reihe von Sitzungen mit den Ausführungs - Bestimmungen zum Brausteuer-Gesetz beschäftigt. Diese Beraihungen nähern sich ihrem Ende, ihre Resultate wird das Plenum des Bundesrathes gut zu heißen haben. Der Reichstag wird nicht damit befaßt, da eS sich nur um eine Verwaltungs - Angelegenheit handelt. Die Mitglieder des Ausschusses, die zumeist direct wegen dieser Arbeiten hierher gekommen sind, kehren in den nächsten Tagen in die Heimath zurück. — Eine zweite Com Mission ist seit dem 4. d. Mts. wegen Aufhebung der salzsteuer re. in Berathung getreten, den Vorsitz in derselben führt der Geheime Rath Burghart vom preußischen Finanzministerium. Hier handelt es sich nun nicht um einen BundeSrathsauSschuß, 'sondern um eine Reichscommisston aus Sachverständigen verschiedener Bundesstaaten, welche dem Bundesrathe ihre Vorschläge zu unterbreiten hat. Bisher hat es sich in der Commission nur um einen Meinungsaustausch gehandelt und es scheint, daß die Berathungen einen ziemlich weiten Umfang gewinnen werden. Angesichts der Verzögerung, welche die preußischen Landtagsarbeiten jetzt erfahren, ist eine Einberufung des ge sammteu Bundesrathes, für dessen Thätigkeit äugen blicklich noch kein Material vorliegt, frühestens in den letzten Tagen dieses Monats, möglicherweise aber auch erst zu Anfang des nächsten Jahres zu erwarten. — Der Bundesrath hat vor etwa Jahresfrist eine Reihe von Bestimmungen über die Statistik deS Bestandes und der Bestandsverinderungen der deutschen Seeschiffe (Kauffahrteischiffe) getroffen, welche vom 1. Januar künftigen Jahres ab Geltung gewinnen sollten und in denen u. A. der Begriff der Seeschiffe fixirt war, Nun wird indeffen beabsichtigt, dem nächsten Reichstag einen Gesetzentwurf über die gleichmäßige Verpflichtung aller Bundesstaaten, die Einttagung in das Schiffsregister zu bewirken, vorzulegen. Aus diesem Grunde hat der Reichskanzler bei dem Bundesrathe beantragt, das jetzige Verfahren bei Aufstellung
der BestandSverzeichiiiffe der Schiffe vorläufig beizubehalten.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." demeutirt die Nachricht von einem durch die Regierung beabsichtigten Ankauf der Rhein-Nahebahn aus das Entschiedenste, hinzufügend, daß der Bahnbetrieb durch den Vertrag vom 16. Juni 1856 der Regierung überlassen worden sei, bei eingeräumter, fast unbeschränkter Verwaltung, der Erwerb der Bahn als Eigenthum also zwecklos wäre.
— Die Berliner Abendzeitungen melden den heute stattgefundenen Beginn der Conferenzeu über die sociale Frage, in welchen Geheimerath Wagener wahrscheinlich als Alterspräsident den Vorsitz führen wird. — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge, wird der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Herr v. Witzleben, zur Disposition gestellt.
Schleswig, 5. Nov. In der Provinz Schleswig-Holstein ist höherer Anordnung zufolge der Gebrauch dänischer Fahnen, mit Ausnahme derjenigen, welche auf dem Königreich Dänemark angehörigen Schiffen geführt werden, von Neuem in einer Verfügung der k. Regierung vom 18. d. M. untersagt worden.
Dresden, 6. Novbr. Der Rath hat heute das Programm der Festlichkeiten veröffentlicht, rpelche aus Anlaß des bevorstehenden Ehe-Jubiläums der König lichen Majestäten von Seiten der Stadt Dresden vorbereitet werden: Am 7. November Mittags werden dem Königlichen Jubelpaare durch eine Deputation die Glückwünsche der Residenzstadt und eine Urkunde über die Allerhöchstdemselben von der Sladtgemeinde gewidmete milde Stiftung überbracht. — Am Morgen des 9. November findet eine Vorfeier deS Jubelfesttages in den städtischen höheren Bildungsanstalten und den Volksschulen statt. — An den Abenden deSv9, 10., 11. und 12. November werden die das König liche Restdenzschloß umgebenden Straßen, die zu Ehren des Jubel-PaareS auf dem Schloßplatze errichteter beiden Obelisken und die öffentlichen Plätze der Stadt festlich beleuchtet. — Sonntag, den 10. November, früh 6 Uhr, wird der Jubelfesttag mit den Kirchenglockcn feierlich eingeleitet. Hieran schließen sich Mustkauffüh. rungen auf den Thürmen der Kreuz- und der Neustädter Kirchen. Dies Läuten der Glocken wird bei der kirchlichen Mitfeier deS Jubeltages und bei Absingung des Ambrosianischen LobgesangeS in den Kirchen wiederholt. DaS Rathhaus und die städtischen öffentlichen
für die nationale Sache gefunden
Kaiser Wilhelm zugleich ein Her
seiner Hingebung haben
Wenn eS dem zensbedürfniß und politischen Pflicht
Inzwischen ist der Norddeutsche Bund durch den Hinzututritt der süddeutschen Staaten zum Deutschen Reiche erweitert worden, und das neue Staatswesen ist in ein nahes FreundschaftS-Verhältniß zu der öfter reichisch ungarischen Monarchie getreten. König Jo Hann wird in dieser weiteren Entwickelung, welche seinem politischen Denken und Streben gewiß eine besondere Genugthuung gewährt hat, zugleich den schönsten Erfolg ferner aufrichtigen Bundestreue und
fischen Bundesgenoffkn auch von Seiten des preußischen Volkes anerkannt wurden.
die Erfüllung einer willkommenen ist, durch fein Erscheinen bei der Jubelfeier in Dresden dem König Johann den Aus
druck der Hochfchätzunz und des Dankes für seine Verdienste um die Sache des Vaterlandes darzuhringen, so wird diese ehrende Kundgebung für den edlen Mo narchen gewiß weit über die Grenzen SachseuS hinaus freudigen Wiederhall finden. (Prov. Correfp.)
Grschichtr »er Biene».
Bon dem zahllosen Heere der Jnsecten find die Bienen die einzigen, welche der Mensch, soweit in der Geschichte die Anfänge seiner Cultur erkennbar sind, zu Lust und Nutz in seine Nähe zu ziehen suchte, und man darf wohl sagen, daß die Bienenzucht so alt tft, als die Culturgeschichte de« Menschengeschlechtes.
Im ersten Buche Moses wird uns in der Ge schichte von Joseph und seinen Brüdern erzählt, daß
des Norddeutschen Bundes ist vom Anbeginn eine der kräftigsten Stützen für die BundeSpolttik gewesen. In den verttauenSvollen Beziehungen zwischen der leitende» Macht Deutschlands und dem sSchsischen Königreiche lag zugleich ein vollgültiges Zeugniß, daß die deutsche Einheitsbewegung unter Preußens Führung nicht den Boden der geschichtlichen Entwickelung verlassen habe, sondern lediglich darauf gerichtet sei, alle vaterländischen Kräfte, unter Erhaltung ihrer Eigenart, für die höchsten gemeinsamen Ziele zu verbinden.
So kam das Jahr 1870 heran; der patriotische Eifer Sachsms und die Bundestreue seiner Regierung traten vom erste» Augenblick in voller Kraft hervor. Unter Führung des Kronprinzen von Sachsen zogm die sächsischen Truppen begeistert in de» Kampf für die Unabhängigkeit und die Ehre deS Vaterlandes, und von fachkundiger Seite ist ihnen daS Zeugniß geworden, daß sie in Tapferkeit, Ausdauer und MannS- zucht mit den ausgezeichnetsten Bestandtheileu des deutschen HeereS wetteiferten. An den Gefahren und Siegen de« ruhmreichen Feldzuges ward ihnen ein voller Antheil. Die Schlachttage von Gravelotte und von Sedan, so entscheidend für de» Erfolg des Krieges und so glanzvoll in der deutschen Geschichte, dürfen besonders auch als Ehrentage für die sächsischen Truppen und deren ruhmvoll bero ihrten Führer gelten. Derselbe ging aus dem Feldzuge mit dem Range eines deutschen FeldmarschallS hervor und der Empfang, der ihm jüngst bei der Truppenmusterung in Schlesien bereitet ward, Hai bewiesen, wie aufrichtig
samsteu Weise bewährt, und die rückhaltlose, loyale,und herzlich der Werth und die Leistungen der säch. Hingebung der sächsischen Regierung an die Interessen f" ~ ~ ' *