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1872.
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ti- Deutsches Reich.
*» Berlt«, 6. Nov. Es bestätigt sich, daß morgen die Conferenzen in Betreff einer Lösung der socialen Frage ihren Anfang nehmen. Von der preußischen Regierung sind als Commisiarien deputirt: Geh. Ober- RegierungSrath Wagener vom Staatsministerium, Geh. Ober Regierungsrath Jacobi vom Handelsministerium, desjenigen Ministeriums, welche« in diesen Conferenzen als eigentliches Ressort-Ministerium fungirt, Geh. Ober-Justizrath v. Schelling vom Justizministerium und RegierungSrath Golz vom Polizei Präsidium. — Der Handelsminister hat sämmtlichen Staatseisenbahnen ein Circular zugesmdet, in welchem hervorgehoben wird, daß die Gesuche der Beamten wegen Gehaltserhöhung zwar mit Vorsicht, jedoch unter Berücksichtigung der Theuerungsverhältnisie und des Umstandes, daß Beamte von Privat-Eisenbahn-Gesellschasten theil- weise höhere Bezüge erhalten, zu behandeln seien. — Die heutige „Prov.-Corresp." macht in ihrem Leitartikel „Conservative Politik" all den Gereden von Schwenkungen der Regierung in Bezug auf die Maß. nahmen gegen daS Herrenhaus ein Ende; denn das halbamtliche Blatt läßt namentlich in den Schlußsätzen deö angeführten Artikels keinen Zweifel au dem Ernst der Regierungsmaßregcln; es bestätigt, daß innerhalb der Regierung einschließlich deö Minister- Präsidenten Nolle Uebereinstimmung in Betreff der KreisordnungSvortage herrscht, daß alle Maßnahmen des Grasen Eulenburg die voll« Zustimmung der Krone und des Ministerpräsidenten haben. Ob aber die Frage der Candivaten für daS Herrenhaus bestimmte Vereinbarungen erreicht hat, ist doch zu beanstanden, da die Regierung an die Personenfrage wohl noch nicht Zeit gehabt hat heranzugehen, zuerst mußte die neue Faffung der KreisordnungSvortage sestgestcllt sein und die Maßnahmen gegen da« Herrenhaus principielle Erörterung erhalten. — Die Nachricht einiger Blätter, daß der Gesetzentwurf über die Civitehe bereit« aus dem Staatsministecium an das Cabinet deS Königs abgegebm sei, eilt jetzt den lhat- sächlichen Verhältnissen voraus; die Berathungen im Staatsministerium haben noch keinen Abschluß erlangt. -- Die Kritik einzelner liberaler Blätter über die Aeußerungen der „Prov.-Corresp." in Betreff bcr Haltung der neuen Fraktion des Herrenhauses, welche
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Anna hatte schon früh einige Zeilen von Arthur erhalten, worin er ihr mittheilte, daß er sie alle ver- laffen habe, verkästen, weil feine Gegenwart unter ihnen eben unmöglich sei. Anna solle den Vater aus ihres BruderS räthselhaftes Verschwinden vorbereiten „Traget keine Sorge Um mich", hatte er geschrieben, „ich bin weder ein Knabe, noch werde ich meinem Schick sal gegenüber feig stin, droht cs auch gleich mich zu vernichten. Ich trenne mich von Euch, um jene Reise anzntreten, die ja schon so lange daS Ziel meiner Sehnsucht war." Doch auch Georg war am frühen Morgen wieder abgereist, indem er seinen Diener be (m[tragt halte, ihn zu entschuldigen, daß er ohne fit zu verabschieden, wieder abgegangeu; er sei bei einem frühen Morgengang einem Bolen begegnet, der ihn eilends auf fein Schiff beschiedeu, da ein unver mutheter Befehl zur sofortigen Abfahrt einzetroffen. Der Bediente glaubte auch schon am Abend einen versiegelten Bries in des CapilänS Zimmer gesehen zu Haden, unter besten Adreste, der gewiß schon in Beziehung zu seiner unvorhergesehenen Abreise gestanden habe.
„Jetzt, mein Freund", schloß Lothar seine Erzählung, „jetzt verweise ich Sie auf daS Tagebuch, das Arthur seiner Schwester bestimmt, ihr aber erst nach seinem Tode durch ihre Fürsorge zukam Einen wahren Freundesdienst würden Sie mir erweisen, wollten Sie den Aufschluß über meines Schwagers Schicksal dort suchen. Wie schmerzlich, wie doppelt schmerzlich ge rade mir die unglückliche Verwicklung jener Verhält- niste war und bleiben wird, mögen Sie dann selbst daraus ersehen. Sie haben Arthur in S. kennen ge
in ihrem ersten Auftreten etwas gereizt gegen die Re- gierung war, hat einer die Verhältnisse besser beur- lheikenden Ansicht Platz gemacht, indem man anerkennt, daß die neue Fraktion ihrer Aufgabe zur Zeit nicht gewachsen sei. — Das Central - Comite der deutschen Pflegevereine hat bei Beginn des. Wirkens abermals die Errichtung von Freistellen in klimatischen Kurorten angeordnet und sind bereits mehrere aus dem letzten Kriege erkrankte Soldaten der Kurstelle Gabcrell zu Clärens überwiesen worden.
— Die „Pzov. Corresp." schreibt in ihrem Leitartikel „Conservative Politit": Zum zweiten Male in drei Jahren ist die Reform, welche zugleich der Grundstein aller weiteren inneren Neugestaltungen werden soll, nach sorgfältiger, besonnener Vorbereitung schließlich au dem Widerstreben des Herrenhauses gescheitert. Diesem hartnäckigen Widerstände gegenüber, übt die Regierung eine entschieden konservative Pflicht, indem sie die als nothwcndig erkannte Reform und die Frucht der gewonnenen grundsätzlichen Vereinbarung mit dem Abgeordnetenhause nicht preiSgebcu will. Die Regierung täuscht sich nicht darüber, daß durch ein wirkliches Scheitern der angebahnten Reform das gejammte innere Parteiwesen unaufhaltsam zu der früheren Leidenschaftlichkeit und Heftigkeit zurückgeführt und eine rabicale Strömung erzeugt würde, welche das Staatswohl auf das Schweifte gefährden könnte. Schon jetzt hat die schroffe Ablehnung Seitens des Herrenhauses die Parteileidenschaften zu einer Bitterkeit gereizt, wie sie seit Jahren im politischen Leben nicht vorhanden war, und die leidenschaftlichen Stimmungen würden sich unfehlbar immer mehr steigern, wenn die Regierung des Königs nicht mit starker Hand die drohenden Gefahren abzuwenden entschlossen wäre. Es ist die Ausgabe einer ächt cvnservativen Politik , zunächst dafür zu sorgen, daß das Ansehen der Krone und die gesammte innere Entwickelung nicht durch das Scheitern einer als dringend erkannten Reform tiefen Schaden erleide. Bei der Errichtung des Herrenhauses ist Vorkehrung getroffen worben, baß Sr. Majestät dem Könige in Fällen von mtscheiben- 6er Wichtigkeit die Macht nicht fehle, einen hartnäcki gen Widerstand der augenblicklichen Mehrheit des Hauses zu brechen. Wenn die Regierung des Königs von dieser Machtbesugniß im gegenwärtigen Falle Ge
lernt, waren Augenzeuge seiner edelmüthigen Aufopferung, bie wie ein Strahlenglanz über feinem kurzen Dasein schwebt. Ist es doch, als wolle bet Herois mus, mit bem er sich bem Tode weihte, den Eindruck ni>n Schwäche verwischen, den er dadurch Hervorrufen mnßte, daß er in einem Besitze fein Glück suchte, welches ihm gleich einem Almosen geboten wurde. Arthurs Wesen war uns gerade hierin ein Räthsel, ein Räthsel, das niemand anders zu lösen vermochte, als in einem Uebermaße von Liebe, die wohl selten so heiß in bem Herzen eines Mannes glühte, der zu früh endete, um die Früchte eines Kampfes zu ernten, der seinem Herzen gewiß noch gelungen sein würde, seinem Herzen, da« stet« nur für ba« Gute, das Er habene unb sittlich Reine glühte."
Nur wenige Tage noch unb wir kehrten zurück von unserem Ausfluge nach ber Stätte, wo meine Gedanken ihr Ziel sanden, meine heißen Wünsche'ihre Erfüllung.
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Hier einige Blätter aus Arthur« Tagebuch:--
Wie und in welcher Weise Dich, meine Schwester, diese Blätter erreichen werde», weiß ich nicht. Dennoch habe ich mir Dein Herz erkoren, bem ich bas meinige- vertrauen möchte mit feiner ganzen Schwäche, seiner ganzen Kraft an treuer Liebe. Klagen, meine Anna, sollst Du nicht hören, ich habe kein Recht dazu. .Konnte mich einst ein Glück beseligen, von dem ich wußte, daß e« mir nur bie Großmuth verlieh, so muß ich jetzt auch schweigend mein Geschick mit seinen Folgen tragen, bis bie Stunde kommt, wo ich mein Leben von mir werfen darf wie eine Bürde. Als ich Arabella einst Herz und Hand bpt, sagte sie mir frei unb offen, baß sie mich nicht Heben könne. Al« ich dem Tobe nahe war, reichte sie mir bie rettenbe
brauch macht, so wirb es zugleich mit ber Absicht und Wirkung geschehen müffcn, daß das Herrenhaus in Zukunft vor ähnlicher Verleugnung seiner Stellung und seines Berufs und damit zugleich vor der Noch-, roenbigfeit erneuter äußerer Einwirkung bewahrt bleibe.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt: Es könne nie vergessen werden, daß das Herrenhaus eine Gesetzvorlage wesentlich amenbirt habe, nicht um sie in dieser Gestalt anzunehmen, sondern zu berroer :fen. Das Blatt bezeichnet die Kreisordnungsfrage als eine erste Etappe und schließt folgendermaßen: Es wird nylhwenbigerwcise die Befürchtung, diesem Hindernisse auf jeder weiteren Station vielleicht noch in verstärktem Maße und zu noch schwererer Benachthei- ligung zu Siaats-Jnteressen zu begegnen, in« Gewicht fallen und läge es nür in der Logik der Thatsachen, wenn bie Erwägungen auf die innere Natur bieseS Hemmnisses sich richten sollten, anstatt nur die Mittel zu dessen momentaner Beseitigung ins Auge zu fassen.
y-' Die vertraulichen Verhandlungen zwischen ber Regierung unb Mitgliedern des Abgeordnetenhauses, durch welche eine Verständigung über die neue, in dem Hause einzubringende Kreisvorlage erzielt werden soll, werden in den nächsten Tagen beginnen, schreibt die „Epen. Ztg.". Man nimmt an, daß sämmtliche Mitglieder der früheren KreiSorduungS - Commission, soweit dieselben für das im Frühjahr gewonnene Compromiß thätig waren, dazu eingelaben werden, außerdem ber Präsident des Hauses, Hr. v. Forckenbeck. Wie ans jenen Verhandlungen kein G-heimuiß gemacht ist, so wird auch das Resultat derselben offen vor bem Lande, um dessen wichtigste Jntercflen eS sich handelt, verkündet werden muffen. Die Regierung hat, wie. ihre officiellen Organe bereitwillig hervorheben, im Abgeordnetenhaus für das Reformwerk eine große unb allseitige Hingebung gefunden. Alle große Parteien, die entschieden Couservativen zur guten Hälfte, die Freiconservativen in ihrer Gesammtheil, bie Alt- liberalen und die Nationalliberalen unb selbst der größte Theil ber Fortschrittspartei haben sich all den Beschlüssen beiheiligt, welche zuletzt mit 2ö6 gegen >61 Stimmen zur Gesammtverelnbamng führten. Wenn nicht Alles in bie Lust gestellt unb ber Sieg der feudal-klerikal polnischen Opposition herbeigeführt werden soll, so muß jene gewonnene Grundlage be
Hand, um mich von dem Rande des Grabes hiuweg- zuzichen. Die Gefahr, in der ich damals schwebte, ließ sie ihr eigenes Glück vergessen, das sie schweigend opferte, um die Schaff.rin des meinigen zu Werve».
Getragen von einer beseligenden Ahnung kehrte ich wieder zu einem Leben zurück, von dem ich mich vorher hoffnungslos abgewendet. »
Blick' ich jetzt zurück auf jene Tage, die ich Glück nannte, ich kann e« nur mit Beschämung thun, da ich in ein Opfer zu willigen vermochte, dessen Größe mir in einem entsetzlichen Augenblick klar wurde. Mir ist teilte Erinnerung geblieben, die mich froh machen könnte, Anna, keine, — auch nicht aus den Tagen unserer glücklichen Kindheit; doch jenen Augenblick hält mein Gedächtuitz 7 mit einer grausamen Klarheit und Stärke fest/ '
Als ich nach jenem Abend, an dem ich von euch geschieden, auf meinem Zimmer angekommen, mar ich einem Gefühle von Schwerrnuth anheimgefallen, badrückend auf mir lastete. Doch als am frühen Morgen die Sonne so hell und klar zu mir drang, so blendend, als wolle ste einen jeglichen Schatten verscheuchen, da überkam mich auch bald wieder das entiaftenoe Gefühl, welches der werdende Tag auf jene au«übt,. bie von ber Sorge wach gehalten wurden. Mir war eS jetzt, als hätte daS Licht des Tages auch alle Schatten meiner trübe» Gedanken gelichtet, und. mit frohem Muthe rief ich:
„Blick Sonne schön x
Bon deinen Höh'» —
Rächt und die mit dir kamen Hinab in Gottes Romen."
Doch welche Schwüle, welche Stille, keine erquickende Morgenluft -umfing mich, nicht der Lerche Morgenlied begrüßte mich, unb da in ber Nacht kein Thau ge--