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Mr. 263.
Marburg, Donnerstag, den 7. November.
1872.
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^berhessislhe Zeitung.
betnt täalich außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal bet Oberheffische« Leitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Roch'sche Butdruclerei) bezogen 884 Sgr., durch die Postämter 87 Ggr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für daS Ausland excl- Stempel 88 Ggr. - JnfertwnSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
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Deutsches »eich.
„ Berlin, 5. Nov. Der Vorsitzende deS Central- Comile's der deutschen Pflcgevereine, Obertribunal-- rath v. Holleben, ist durch Allerhöchste Cabinetsordre rum Mitgliede der Commission berufen worden, welche zur Zeit im Kriegsministerium über die während des letzten Feldzuges auf dem Gebiete des Sanilälswesens gemachten Erfahrungen in Berathung getretm ist. — Der Vorstand deS deutschen resp. preußischen Central- Comite'S der Vereine zur Pflege im Felde verwundeter Krieger ist in der letzten Comite-Sitzung durch bov» genommene Wahlen dergestalt ergänzt worden, daß derselbe zur Zeit aus dem Obertribunalsraih v. Hol- leben als Vorsitzenden, dem RegierungSrath Haß als ersten stellvertretenden Vorsitzenden, dem General und Gesandten a. D. v. Wildenbruch als zweiten stellvertretenden Vorsitzenden, dem Geh. RegierungSrath v. Böttcher alS ersten Schriftführer, dem Geh. Finanzrath Koch als zweiten Schriftführer und dem Geh. Commerzienrath v. Bleichröder als Schatzmeister besteht. — Die Salzsteuer hat im deutschen Zollgebiete während der drei ersten Quartale dieses Jahres gegen den gleichen Zeitraum im Vorjahre ein Mehr von 238,817 Thlr. ergeben. Es ist aber unter den Einnahmen des laufenden Jahres diejenige von Elsaß- Lolhringen mit 260,465 Thlr. einbegriffen. Die Branntweinsteuer und UebergangSabgabe von Branntwein hat in den drei ersten Quartalen dieses JahreS einen Ausfall von 698,574 Thlr. gegen den gleichen Zeitraum 1871 gehabt. Dagegen hat die Braumalzsteuer und UebergangSabgabe von Bier in dem bezeichneten Quartalen ein Mehr von 521,578 Thlr. in diesem Jahre gegen deS Vorjahr gebracht. Obschon die Rübenzuckersteuer, die Branntweinsteuer und wahrscheinlich auch die Salzsteuer in diesem Jahre bisher
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Erzählt von P. W.
(Fortsetzung.)
Am nächsten Morgm war der Doctor entzückt über die Veränderung, die mit Arthurs Befinden vor- gegangen, und nannte Arabella scherzweise seinen Assistenzarzt, ein Titel, der ein schmerzliches Lächeln bei ihr hcrvorrief. Allerdings schim Arabella das Mittel gekannt zu haben, mit dem das heimtückische Leiden zu. bannen, das sich wie eine Schlange au Arthurs Herz gelegt. Aber dennoch war eS zu spät gekommen, dieses köstliche Mittel, denn lange Zeit »och schwankte die Waage zwischen Arthur- Leben unv Tod. Doch endlich, endlich war er genesen, er, um den so viele Thränen der Seinen geflossen, an dessen Lager sein Vater so bange Nächte verbracht; endlich durfte sich Arthur ganz der Fülle eines Glückes hingeben, da ihm mit dem wonnigen Gefühle eines Genesenden die Gewißheit geworden, daß Arabella tyt Herz ihm schenken werde.
ES war im Frühsommer des vorigm JahreS, als b'e ganze Familie zu W. vereint war. TagS darauf sollte Davison's Geburtstag gefeiert »erben. Auf Arabella'- Zügen lag jedoch nicht da- sonnige Eicheln kstker frohen Braut, ernst und still war sie, wie sie es von der ersten Stunde an gewesen, in der sie zu de« Ihrigen wieder zurückkehrte, ernst und still war ste, da Alle in stürmischer Weise sie als Arthur- Bram begrüßte», ernst und still gegenüber dem seligen Glücke BnhurS. Doch gewohnt, sie immer anders zu scheu, als die meisten Menschen, hatten sich die Ihrigen bald in ihr neues und fremde- Wesen gefunden, war gleich dadurch eine gewisse Befangenheit über alle gekommen, der sich in ihrer Nähe auch Niemand ganz emschlagen konnte. Nur Arthur schien diese Empfin düngen nicht zu theilen, ihm schim sein Glück groß genug; war ja jetzt auch eine größere Harmonie in beider Wesen gekommm. Arthur selbst verbarg sein Aück, seine Seligkeit unter dem Anschein einer ruhigen «npfindung, unter einem, man hätte sagen können, schamhaften Wesen, dem ein jeglicher Ausdruck seiner Befühle wie eine Entheiligung erschien.
Bor der Hitze de- Tage- hatte sich die ganze yamilie unter den Schatten der hohen Bäume ge- Mhtet und dort weilte sie noch, als die Dämmerung
einen Ausfall gegen das Vorjahr gehabt haben, so ist doch das Mehr deS Ein- und Ausgangszolls so be- deutmd gestiegen, daß der Ausfall der genannten Steuern mehr al- gedeckt ist. Auch ist anzunehmen, daß sich die Minder-Einnahme von Rübenzucker noch in den letzten drei Monaten dieses JahreS, wo die Fabrikation des Rübenzuckers in Folge der vorzüglichen Rübenernte eine sehr umfangreiche und rege geworden ist, sehr ausgleichen wird.
— AuS dem Etat deS CultuSministeriumS theilt die „Epen. Ztg." noch folgende Einzelheitm mit. Für einen großen Theil der Beamten ist eine Erhöhung der Besoldung in Aussicht genommen. So sollen die technischen Räthe der Abtheilung für die Medizinalange- legenheiten im Ministerium mit den Vortragenden Rächen bei den übrigen Abtheilungen gleichgestellt werden; die Remunerationen der 11 Mitglieder der wissenschaftlichen Deputation für daS Medizinalwesen werden erhöht, die Besoldungen der neunzehn Provin- zialschulräihe nach den Sätzen von 1700 Thlr. bis 2000 Thlr. (im Durchschnitt 1850 Thlr.) verbessert. Zur Gleichstellung der Besoldungen der Mebizinalräthe mit denen der Regierungsräthe sind 11,600 Thlr., zu Befoldungszulagen für 387 Kreisphysiker 38,700 Thlr., also 100 für die Stelle, ausgeworfen. Zur Ausführung des neuen Normal-BesolvungsetatS bei den aus Staatsfonds zu unterhaltenden Gymnasien werden 100,000 Thlr., zur Verbesserung deS Diensteinkommens der Elementar-Lehrerinnen und zur Erleichterung der Gründung neuer Schulen und Lehrerstellen 750,000 Thaler verlangt. In Folge der fortdauernden Steigerung der Preise aller Lebensbedürfnisse ist auch eine Erhöhung der bisher für Lohnschreibereien gewährten Vergütigung eingetreten. — Die seit Erweiterung des Staatsgebiets gemachten Erfahrungen haben ferner schon langst hereingebrochen, ihrm Schleier über eine Welt voll Blumen und Blüthen ausbreitend, lieber der weiten Ebene lag tiefe Stille, feierliche Ruhe und ein Jedes der kleinen Gesellschaft schien sich den Empfindungen von süßer Wehmuth und unbestimmter Sehnsucht hinzugeben, welche uns die Erhabenheit der Natur in solchen Stunden einflößt, jenem sehnsüchtigen Gefühle, daS unserer Seele gleichsam Flügel verleihen möchte, um ste weit fortzutragen nach einem fernen, unbekannten Lande, nach einer ewigen Heimath.
Jetzt begann in den Zweigen deS jungen Grüns die Nachtigall ihre Klagen und schien mit denselben ihr Leben ausströmen zu wollen. Lang gezogene Töne bebten durch die Luft, mit der Süßigkeit des Wohllauts, die nur in der Natur lebt, der unerreichbaren, ewig wahren. Bald aber schielt die kleine Sängerin ihren Schmerz zu vergessen und ihre Klagen ver- roanbflte« sich in einen Hellen Jubelten, der schmetternd vurch die Abendlüfte hallte; — doch ach, die Klage begann wieder und mifchte sich mit dem Geflüster der Zweige, dem Rauschen der Blätter, di« jetzt ihr ge- heimnißvolleS Zwiegespräch begannen, das so wunderbar daS Ohr deS Lauschenden trifft.
Anna bat jetzt Arabella, daS kleine Gedicht mit- zutheilen, welches sie neulich in ihrem ArbeitSkorbe hatte liegen sehen. Jene, die längst Deinem Wunsche ter Ihrigen mehr einen Widerspruch entgegenlteUte, die fast willenlos, wie es schien, that, was andere von ihr wünschten, erfüllte auch sogleich Anna'S Bitte und begann:
Sagt mir, Büsche, dunkle Weiden Saget, Blätter, grünes Reis, Warum nach des Tages Scheiden 1 Flüstert ihr so leis, so leis.
Warum, streut die Sonne Funken Weithin über Wald und Flur, Steht ihr wie im Traum versunken, Und im Dunkel flüsternd nur?
Traumhaft hat's auch mich umfangen, Euer Lispeln, euer Kosen, Als ich so dahin gegangen An dem Hag von wilden Rosen.
Als ich in des Thaues Blinken, Sah der Knospe scheu Entfalten, Ihrer Blätter lautlos Sinken, Wettend nach dem ew’gen Walten
gezeigt, daß die früher genehmigte Verstärkung der Arbeitskräfte im Ministerium nicht genügt. Im Jn- tereffe deS Dienstes soll deshalb die Zahl der etatt-- mäßigen Rathsstellen (ä 2900 Thaler im Durchschnitt) um drei erhöht werden. In gleicher Weise ist zur Vermehrung der Schulauffichtskräfte eine erheblich größere Summe ausgesetzt. Die Zuschüffe, die den Universitäten zugewenvet werden, sollen zum großen Theil zur Verstärkung der Lehrkräfte dienen. So sind für Berlin in Aussicht genommen: zwei ordentliche Professoren der Rechte, ein Profeffor der slavischen Sprachen, ein Professor der historischen Hilsswiffen- schaflen, ein außerordentlicher Professor der Pflanzen- Physiologie, ein außerordentlicher Professor der Archäologie und ein ordentlicher Profeffor der neueren Kunstgeschichte; für die Lektoren der italienischen und englischen Sprache und der Stenographie sind Besol« dungszuschüffe gewährt. In gleicher Weise ist für eint Vermehrung der Lehrkräfte an den meisten übrigen Universitäten Sorge getragen. Für Neuerrichtung und Erweiterung von Schullehrer-Seminarien sind — wie bereits mitgetheilt — bedeutende Summen zur Verfügung gestellt, darunter 20,000 Thlr. für vier in Oberschlesien zu errichtende interimistische katholische Schullehrer-Seminare nebst Präparanden-Anstalten.
Hannover, 5. Nov. Gestern Abend nach 7 Uhr ist der Kaiser hier eingetroffen und alsbald ohne die Stadt zu berühren nach Springe weiter gefahren. Aus dem noch nicht vollendeten Altenbekener Güter- bahnhof war eine Empfangsstelle improvistrt, auf welcher sich der Stadtdirector, die Spitzen der Eivil- behörden, die Generalität zur Begrüßung eingefunben hatten.
Dresden, 4. Nov. DaS „Dresdener Journal* veröffentlicht die Liste der zum goldenen Ehe-Jubiläum l- TSJ-LdLBSFa,"'• — ■ — T~ i
Grüne Zweige, dunkle Weiden, Weiß jetzt, was ihr so mir saget, 's ist das alte Lied vorn Scheiden, Das ihr hier allnächtlich klaget.
Kaum war Arabella- Stimme verhallt, die selbst wie die Klage deS Haines klang, als ein Diener kam, um einen Fremden bei Davison zu melden, der ihn in dringlicher Angelegenheit zu sprechen wünsche.
Nicht lang darauf und Davison trat wieder unter die Bäume, einen jungen hochgewachsenen Mann an der Hand führend, den Arthur nicht so bald in der Abenddämmerung gewahrte, als er ihm auch schon mit dem AuSruf: „Mein Bruder, mein theurer Bruder Georg", in die Arme stürzte. Wirklich war eS Georg St. Renard, der nach so langer Abwesenheit wieder in das elterliche Haus zurückkehrte, und dessen Aehn- lichkeit mit feiner Mutter eine ganz außerordentliche war. Georg sah in der Uniform eines englischen MarinecapitänS so stattlich auS, seine Freude, die Seinen nach so langer Zeit wieder zu sehen, war so groß, sein Schmerz um die geliebte Mutter, die er nicht mehr finden durfte, war so tief, daß ein jedes augenblicklich des Kummers vergaß, den seine heimliche Entfernung den ©einigen bereitet, wie dessen unglückseligen Einfluß auf der Mutter Leben und Gesundheit. Als die erste Bewegung des unverhofften Wiedersehens vorüber war, bemerkte Arthur, daß Arabella aus ihrem Kreise verschwunden und sich entfernt hatte. Schnell ging er dem Hause zu, sich nach dem Grunde ihrer plötzlichen Entfernung zu erkundigen, als ihm auch schon ArabellenS Dienerin mit der Nachricht entgegen kam, das Fräulein habe sich in ihr Zimmer zurückgezogen, da sie der Ruhe und Stille beefirfe.
Bestürzt kehrte Arthur zu der Gesellschaft zurück, bestürzt und beunruhigt, und konnte dort niemand einen andern Grund für Arabellens auffallendes Benehmen finden, als in ihrer Eigenthümlichkeit überhaupt.
Die Sonne, die am nächsten Morgen die HeiknathS- gefilde Georgs mit ihrem strahlenden Glanz übergossen, konnte zwar den Nebel zerstreuen, der einen Augenblick gewagt, sie zu trüben, nicht ober die Verwirrung lichten, welche über die Bewohner deS Vaterhauses gekommen.
(Schluß folgt.) . v