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Mr. 262. ' Marburg, Mittwoch, den 6. November. ' t,5U'T' 1872.

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Erscheint tSgl ich außer den Werktagen nach Sorm- und Feiertagen. Preis für daS Quartal bet Oberheffischr« Zeitung mit Kreisblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 221 ®gt., durch die Postämter 27 ®gt. 6 Vfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland exrl Stempel 22 Lgr. - r.i Jniertionsgebüb- für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Siimmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. an

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Nov. Wie schon gemeldet, haben

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letenhause zugestellt werden. Waö die neuen PairS anbetrifft, so dürften diese möglicherweise erst nach der Wiedereröffnung deS Landtages ernannt werde». Das Herrenhaus wird sich Anfangs mit andern Gegen, linden beschäftigen, da die Berathung der neuen Ikreisordnungsvorlage im Abgeordnetenhause jedenfalls ttnige Zeil kostet. Es verdient mit Befriedigung conttatirt zu werden, datz bei der gemäßigten Presse ich durchgehends ein richtiges Urtheil über die po- dische Lage findet. Man hat begriffen, daß die For- »nung einer radikalen Umgestaltung des Herrenhauses »der gar der Uebergang zum Einkammersystem durch.

>ie Berathungen des StaatsministeriumS über die Äuf- aben der gegenwärtigen Situation bereits ihren An denk,iig genommen. Der gestrigen Sitzung wirb wahr- ' chnnlich heute eine neue folgen. Außerdem cvnferirte graf Eulenburg gestern bis spät in die Nacht mit zeit dem Könige und suchte in Unterredungen mit hervor

ragenden Mitgliedern der parlamentarischen Kreise men sine Verständigung herbeizuführen. ES handelt sich

zunächst darum, die neue Vorlage festzustellen. Es ist . «eits hier die Anschauung zurückgewiesen, als habe bk bekannte Aeußerung des Königs zum Grafen z» Brühl, oder auch daS Verhalten de« Ministers des mi Innern nur die ursprüngliche Regierungsvorlage im "" Zuge gehabt Andererseits ist daran zu- erinnern, daß, wenn auch die dem Herrenhause zugegangene Vorlage größtemheilS auf Vereinbarungen zwischen Regierung und Abgeordnetenhaus beruht, doch erstere keineswegs eine Verpflichtung übernommen hat, für alle vom Abgeordnetenhaufe angenommenen Aenderungen einzn- 1 treten. Bekanntlich existirt so zu sagen noch eine dritte -ö<i Form, welche durch die Beschlüsse der freien Com.

Mission deS Herrenhauses gebildet wird und dürfte man sich nicht täuschen, wenn man annimmt, daß die »egiemng, falls die Opposition nicht jede -Vermitt­lung unmöglich gemacht hat, diese auf jenem Boden y erreichen gesucht haben würde. Die definitive Eitt- cheidung wird aller Wahrscheinlichkeit nach in einem Kinisterconseil nach der Rückkehr Sr. Majestät aus Hannover, jedoch vor der Reist nach Dresden statt- nbeii und der neue Entwurf alsdann dem Abgeord-

auS nicht am Platze ist. Auch betreffs des Grafen Eulenburg haben sich die Meinungen geklärt. Wenn man ihm sowohl von liberaler wie von ultraconstrva liver Seite Convenienzen gegen die gegnerischen An­schauungen vorwarf, so gab man ihm damit gewiß daS beste Zeugniß und bekundete, daß sein Bestreben sei, zwischen den Parteien einen Compromiß zu Stande zu bringen. Mit Recht aber hat Fürst Bismarck im Compromiß die Grundform des konstitutionellen Staatslebens erkannt. Das Kultusministerium hat, wie man hört, auch einen Gesetzentwurf betreffend die Vorbildung und Anstellung der katholischen Geistlich feit den MinisterialressvrtS in diesen Tagen zugehen lassen.

Bei dem gestrigen 50jährigrn Jubiläum deS Prinzen Carl als Inhaber eines russischen Regiments überreichten Deputirte des Regiments ein Handschreiben des Kaisers von Rußland nebst dem St. Georgorken 3. Klasse. DaS Ha, dschreiben betont des Kaisers Sym­pathie für die preußische Armee und die Erinnerung an die ?rwig denkwürdige Zeit, wo Preußen und Ruffen vereint für die heilige Sache kämpften. Es erinnert an die Großthaten, welche die preußischen Waffenbrüder im letzten Kriege gegen Frankreich, an denen der Prinz an dcö Kaisers Seite Theil genom­men, vollbracht. Das Schreiben schließt: Ich hoffe, daß Sie meine Absicht, die uns vereinigenden Freund schaftsbande noch festeren knüpfen, und den Wunsch erkennen, daß dieselben auch die künftigen Generationen umschlingen.

Der General - Lieutenant und Inspekteur der 1. Artillerie-Inspektion von Decker ist am 2 d. Mts. in Berlin an den Folgen einer Operation im Gesicht verstorben. Als Privatmittheilung meldet die Spen. Ztg.", daß der Privat - Docent Dr. Richard Schöne in Halle zum Nachfolger des verstorbenen Professors Eggers ists Cultusministeriuin berufen fei.

Gumbinnen, 4. Nov. Der Ausbruch der Cho­lera wird nicht nur aus polnisch Augustowo (fünf Meilen von dem diesseitigen Kreise Oletzko), sondern von der ganzen polnischen Grenze gemeldet.

Arolsen, 30. Oktober. Der auf Erlaß des Königs von Preußen zur ordentlichen Sitzung einbe rufene Landtag der Fürstenthümer Waldeck und Pyr­

mont ist gestern dahier durch den LandeSbirector v. Sommerfeld eröffnet. In Aussicht gest.llt sind dem Landtage u. A. ein Gesetz über die Dicinalwege, ein solches über die staatliche Zustimmung zu der Synodal- Ordnung für die evangelische Kirche in Walbeck, die Staatscassen-Rechnung für 1870 u. s. w

Darmstadt, 4. Nov. Beide Kammern einigten sich beute über das Wahlgesetz. Der Schluß des Land­tags erfolgt Donnerstag ' '!t:

Friedberg, 2. Nov. Heute wurde der zweite JahrescourS der von dem - ob.rhessischen landwirth- schaftlichen Verein dahier gegründeten Ackerbasifchule durch den Präsidenten deS Vereins, Freiherrn A. von Rabenau, und unter Anwesenheit der Ausschußmit-- qlieder und vieler sonstigen Interessenten in feierliches Weise eröffnet. Es sind bis jetzt 45 Schüler, meistens Söhne unserer mittleren Landwirthe, in die Ackerbau- schule eingetreten. Wie toir vernehmen, hat der hiesige Stadtvorstand auf die Nachricht, daß zu dein in Gießen garnisonirenden hessischen Regimente 116 ein drittes Bataillon gebildet werven soll, abermalige Schritte um Wiedererlangung einer Garnison gethan. Wenn nun auch die Erfahrung von zwei Jahren ge­zeigt hat, daß eine Garnison gerade keineLebensfrage" für unsere Stadt ist, so ist in vielen Kreisen unserer Einwohnerschaft der Mißmuth über die durch die Garnifonverlegung erfolgte Benachtheiligung Friedbergs .immer noch so lebhaft, daß den erneuerten Versuchen des Stadtvorstandes der beste Erfolg zu wünschen ist. (D. Pr.)

München, 4. Nov Der Minffter des Innern warnt durch Erlaß vom 3. d. M. wiederholt vor der Betheiligung an den Dachauer Banken und fordert die Districis- und Ortspolizeibehörden auf, diese War­nung möglichst eindringlich zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, damit, soviel an der Siaatsregierung liege, Niemand ungewarnt länger Geld in den Händen jener Banken lasse oder gar denselben neues anver­traue. Die Staatsregierung hat an sämmtliche Kreisregierungen eine Entschließung erlassen , welche sich auf die Beaufsichtigung der Bauernvereine bezieht.

Bayreuth, 2. November. Der Magistrat hat gestern Richard Wagner das Ehrenbürgerrecht in hiesiger Stadt verliehen.

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(Fortsetzung.) '

Davison'S Gesundheit, die früher schwankend ze- »ksrn, befestigte sich jetzt in erfreulicher Weise. Die Melancholie, die ihn früher bedrohlich umfangen, »ar verschwunden und aus dem finstern verschlossenen Manne war der aufmerksamste Hausherr, der liebens

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»erließ, um sich dem Marinedienst zu widmen, für den . * eine unbezwingliche Neigung besaß, so heiß auch

ntie Mutter gewünscht, daß er einen minder gesähr- ichen Beruf wählen möchte. Richt daß Georg St.

tenarb ein Knabe gewesen, ber nicht auch die wärmste sagt stneizung' verdient hätte, denn er war ebenso lie-

^kswürbig als schön und talentvoll. Davison konnte >bkr nicht ein Schmerzgefühl vermeiden bei dem An- t 2 deS Sohnes eines Mannes, der ihn an den iand der Verzweiflung gebracht, um dann das Glück 262 u ".''Achten, was ihm selbst als der Gipfel aller »rnschlichen Glückseligkeit erschien. Diese Abneigung egen den Sohn feiner Gattin, die eine ktankhaste mannt werben mußte, war eS auch, welche einen iefen Schatten auf deren Leben warf, ihr tiefes Weh «reitete, während um sie her alles nur Glütü zu Hmen, daS Leben Ihrer Kinder nur ber Freude ge- l'iht schien.

»nl Davison'S Frau, die eine hohe Gabe besaß, allem, sie umgab, einen unnachahmlichen Zauber zu Leihen, bereu äußere Erscheinung als die der vollen- strn Anmnth gelten konnte, war das Ideal ihres ' hltn' sie wurde von ihren Kindern mit seltener 1 Sittlichkeit geliebt, und so früh sie ihnen auch ent- W wurde, so blieb ihr Bild ihrem Andenken in den idinzfrischesten Farben.

würdigste Gatte geworden Besonders ungetrübt wurde in Kavison's Leben, als sein Stiefsohn daS elterliche Haus

Arabella.

Erzählt von P. »

Plötzlich kam die Nachricht, daß Georg St. Renard die Schule heimlich verlassen, noch vor Beendigung seiner Studienzeit, weil er dem Drange, zur See zu gehen, nicht mehr widerstanden. Diese Nachricht traf feine Mutter unvorbereitet und erschütterte ihre Ge sundheit dermaßen, daß die Aerzte nach und nach an- fingen, für ihr Leben besorgt zu werden. Nun wurden ihr auch noch zwei blühende Kinder durch das Schar­lachfieber hinweggerafft und mit diesem neuen Schlage auch ihrem Leben ein Ziel gesetzt; der nicht vol­lendete Zeitraum eines Jahres war kurz genug, um die Stätte des Glückes in die der Oede und Trauer zu verwandel«.

Weit entfernt nun, daß die Kinder ein Band ge­wesen, ihren gebeugten Vater an das Leben zu fesseln, war ber Anblick seiner mutterlosen Waisen ihm ein völlig unerträglicher. ®alb wurden sie auch aus dem väterlichen Hanse entfernt und ihre weitere Erziehung' entsprechenden Instituten anvertraut und somit war ber Traum ber frohen Kinbheit und deS wolkenlosen Freitbenhimmels ausgeträuml. Besonders tief hatte Arthur feiner Mutter frühes Hinscheiden empfunden, zumal er ohnehin schon seit seiner frühesten Kindheit eine in seinem Akter glücklicherweise seltene Neigung zum Trübsinn verrieth, welche die Aerzte als von dem Vater ererbt bezeichneten. Später gesellte sich hierzu noch eine ihn fast nie verlassende Sehnsucht, mit seiner Heimgegangenen Mutter vereint zu fein, und so war er für sein Schicksal vorbereitet und von ihm auch konnte unser greiser Dichter jagen:

«Herz Du hast es vorempfunben, ' " ' i All das Leid, das später traf, ' '

Wie ein Glied mit alten Wunden: s Voraus fühlt den trüben Tag/ i

Ein Jahr nach dem andern verfloß, selten erhielten die Kinder die Aufforderung, wav Haufe zu kehren,!

um da ihre Ferien zu verbringen. Die Nachrichten von bort waren immer gleich betrübend, die Gesund­heit deS Vaters immer gleich leidend. Endlich bestand Anna, Davison'S älteste Tochter, darauf, nach Hause zurückzukehren und ihren Vater zu pflegen, wie es die Pflicht eines KinbeS sei, ihn zu erheitern , auch' gegen seinen Willen. ' "

Anfangs war man besorgt;- die außerordentliche Aehnllchkeit, bie Anna mit ihrer Mutter hatte, werde auf ihres Vaters Stimmung noch nachtheiliger wirkest, doch gerade die liebliche Weise, wodurch er selbst art' feine Jugend erinnert wurde, führte das Gegenlheik veS Gefürchteten herbei, und gegen Erwarten begann eS wieder licht zu werden in dem düstern Schatten feiner Häuslichkeit. . - "

Anna war noch nicht lange zu Haust, als sie sich verlobte, ein Ereigniß, das ihr Vater mit Freuden begrüßte, da er sein Kind in nächster Nähe behalten durfte, indem seines Schwiegersohnes Gut an das seinige grenzte. Jetzt sand sich Davison'S Familie- nach und nach zusammen, da Anna'S Hochzeitsfest ist Bälde gefeiert werden sollte. Atthur, der bereits seine Studie» beendet hatte, wollte später eine größere Reist .antreten, ein von ihm schon längst gehegter Wunsch? Die tüchtigen Kenntnisst, die er sich erworben, fein swackercs, ehrenhaftes Betragen hatten ihm die allge­meine Achtung erworben. Auch Lothar, Anna's Bräu­tigam, war bald der Liebling der ganzen Familie, rntb besonders Arthur fühlte sich sehr zu ihm hingezogtti und suchte jede Gelegenheit, mit ihm vereint zu sein. Richt so erging es ihm mit Arabellen, Lothars Schwester, welche ihn durch ein eigmthümliches unharmonisches Wesen im höchsten Grade abstieß. Arabella, deren Leben durch das ihrer Mutter erkauft wurde, war in England erzogen worden und vsn da zurückgekehrt, !ihrer eigenen Familie, her sie imtinlich e^tfrem'ct, ein-