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Deutsches Reich.

i ♦♦ Berlin, 1. No». Das erste Stadium der Krisis ist schneller, als man erwartete, zürn Abschluß gelangt Heute Nachmittag 2 Uhr ist durch einfachen

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erregend, zumal bei dem Gedanken, daß der Ernährer fast einer jeglichen Familie des ganzen Fischerdorfes' demselben preisgegeben sei.

Im Osten begann eS zu dämmern, als ich wieder dem Strande zueille; undeutlich gewahrte man die offene See, auf deren schäumenden Wogen einzelne Fischeiboote den vrrzweiselten Versuch machten, das User zu gewinnen, wo sie von den Ihren anstvoll er­wartet wurden.

Hier stand ich nun unter all dem Jammer, blickte hinaus auf das Drängen und Toden der sturmgepeitschten Wogen, die wie riesenhafte Ungclhüme sich gegenseitig zu überstürzen suchten, und wie im diabolischen Spiele sicher der Opfer, die sie einem kalten und naffen Tode wie siegestrunken auf ihrem Rücken sich gegenseitig zutmgen.

Hier stand ich und spähete und blickte, im Ge fühle der cnlmuthigenden Ueberzeugung, daß da, wo Menschenhitfe möglich, die meinige unzulänglich feilt würde, denn niemals hatte mein Arm ein-Ruder er­saßt und ich war des Steuerns gänzlich unkundig. Endlich wurde mein Auge trübe, ich suchte umsonst die äußere Gestaltung des Grausens und Entsetzens um mich her frstzuhalten, als plötzlich ein durchdringen­der Schrei mein Ohr traf und mich meiner Betäubung entriß.

Eines der Boote schien stark beschädigt, schien dem Drange der rasenden Wogen nicht mehr wiedcr- stehen zu können und drohte jeden Augenblick zu ver­sinken.

Ein junges Weib, das ein weinendes Kind auf den Armen trug, während sie einen kleinen Knaben in wahnsinniger Eile an der Hand nachzog, stürzte in der höchsten Verzweiflung dem Strande entlang. Ihre Stimme, mit der sie in den Tönen der höchsten Angst um Hilfe für ihren Gatten rief, verhallte im

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*btr gegenwärtigen Präsidentschaft auf 4—5 Jahre und eine Vicepräsidentschaft in erster Linie gezählt, wodurch man eine definitive Erklärung dSL Republik zu erreichen hofft. ''.

Die Stimmung zwischen Frankreich und I t a l i e n ist fortwährend gereizt. Der französische Gesandte Fournier hat sich neuerdings über angebliche militä­rische Rüstungen Italiens, sowie über die franzosen- seindliche Sprache der italienischen Presse beklagt. Frankreich weist die Tochter und den Schwiegersohn des Königs Victor Emanuel aus, droht mit der Unter minirung des Montcenistunnels, mischt sich in die zwischen dem Papste und Italien schwebenden Streit­fragen in einem dem letzter« ungünstigen Sinne ein und wundert sich dann, wenn die unabhängige italienische Presse dem „Wohlthäter von Solftrino" ein unfreundliches Gesicht zeigt. Wär eS nicht eine alte historische Erfahrung, * daß die Machtansprüche eines Staates seine Macht immer einige Zeit zu über­leben pflegen, schon das Beispiel des jetzigen Frank­reichs würde zur Feststellung dieser These genügen.

Für die Chronik der Zeitgeschichte mag eS als eine etwas auffallende Erscheinung zu verzeichnen sein, daß gegenwärtig nicht blos in Frankreich, sondern auch in Staaten zweiten und dritten Ranges, in Italien, Belgien, Dänemark und Schweden die Armee­reorganisation eine der Hauptfragen des Tages bildet. Der italienische Kriegsminister hat schon vor längerer Zeit eine technische Commission mit der Auf­gabe betraut, die Leistungsfähigkeit der italienischen Eisenbahnen für militärische Zwecke zu studiren. Der jetzt erschienene Commisstonsbericht konstatirt, daß keine einzige der bestehenden italienischen Eisendahngesell schäfte« über das nöthige Material verfügt, um im Kriegsfälle dem Bedarf zu genügen, worauf nun ein Gesetzentwurf der Kammer vorgclegt werden soll, um diesen Uebelständen abzuhelsen. In Belgien ist gleichfalls eine militärische Commission mit der Reor­ganisation des Heeres beschäftigt, doch sind ihre Ar­beiten noch nicht vollendet; in Dänemark dagegen ist der Entwurf einer Revision des HeergesetzeS vom Kriegsministerium bereits an sämmtliche Militär- Commandos vertheilt worden, um ihr Gutachten darüber zu verlangen, und auch in Schweden wird

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Bestellungen »er und Tecember werden ,gn alle« Postanftalteu und ans de« Lande auch von den Landpostboten, sowie in Marburg angenommen von der Expedition der Oberli. Zeitung-.

,iJt'..jnn JHnrßutg, Sonntag, den 3. November.

Sturme, während wir, die wir am Ufer standen, kaum um uns zu blicken vermochten, so schleuderteil die Wogen uns ihren salzigen Gischt in das Angesicht.

Umsonst doch verhallte der Hilferuf des armsn Weibes im Brausen der Wasser, im Heulen der Winde und niemand war da, der Kraft, Geschicklich­keit und Erfahrung genug gehabt hätte, um Helsen zu können.

Da sah ich plötzlich Davison daher eilen, der nicht, sobald daö nächste Boot bestiege«, als es auch schon dahinflog, um durch die Wasserberge sich eine Bahn zu brechen.

Ha, wie jetzt die gigantischen Wogen daS kleine zerbrechliche Fahrzeug emporhoben zur schwindelndem Höhe, um eS dann wieder zur bodenlosen Tiefe hinabzu­schleudern, ylS solle kein menschlicher Auge ff je wieder erblicken!

Doch näher, immer näher kam die Hife dem so schwer bedrängten Boote. Davison so rüstig darauf zusteuern zu sehen, flößte uns allen ein Gesühl voll Sicherheit und Beruhigung ei« und wir waren eine-' glücklichen AuSgang gewiß.

Schweigend und in fieberhafter Aufregung stand ich auf dem von hereinstürzenden W'ellcn bespülten Uferstrande, viele Frauen waren auf ihre Knie gesunien und hoben flehend ihre Arme zu dem wolkenschweren Himmel empor. Da mit einem Male kam hoch und gewaltig eine dunkle Woge, die jenseits des bedrohten Fahrzeuges sich heranwälzte, nicht rasend nicht sturm- gepeiischt — langsam aber sicher — wie der Tod — und verschwunden waren die, die mit den Elementen kämpften, hinabgezogen zur Tiefe, verschwunden für immer.

j (Fortsetzung folgt.)

Politische Wochen-Ueberficht. ...^

Die parlamentarische Geschichte Preußens hat in der abgelaufenen Woche einen denkwürdigen Ab­schluß erhalten. Der Landtag ist in Folge der Ab­stimmung des Herrenhauses über die KreiSordnungs Vorlage geschloffen und zu einer neuen Session auf den 12. November einberufen worden. Mit welchen Mlteln die Regierung denselben Entwurf in dem neu zujammentretenden Landtag durchführen wird, läßt sich noch nicht angeben. — Im Cultusministerium ist der Gesetzentwurf zur Einführung der obligatorischen Civil- ehe zur Vorlage an daS Staatsministerium fertig ge­worden. — In dem San-Juaustreite hat der Kaiser al« Schiedsrichter seinen Spruch zu Gunsten Amerikas gefällt.

Obgleich man jn Oesterreich noch immer mit Aufklärungen und Versicherungen über die Dauerhaftig­keit des Cabinets Auersperg beschäftigt ist, meldete der Telegraph die Demission des Kriegsministers Kuhn. Nach einer andern Nachricht sollen die Angaben von einem Vorherrschen der conservativen Strömungen in den osficiellen Kreisen und einer partiellen Minister- krisiö unbegründet sein und zwar weil die Mitglieder des ciSleithanischen Cabinets solidarisch verbunden seien. DaS Ministerium sei mehr als je gekräftigt.

Inder Schweiz haben am vergangenen Sonntag die Neuwahlen zum Nationalrath stattgefunden, die Freunde der Bersaffungsrevision haben überwiegend gesiegt.

In Frankreich haben die Pläne der Monarchisten weniger Aussicht als je. Thiers ist mit den Ver- faffungSreformcn, die der Wintersaison der National- dersammlung unterbreitet werden sollen, beschäftigt und im Lande befestigt sich die Ansicht, die Republik sei die einzig mögliche Regierungsform für das jetzige Frankreich, wenn man auch wiederum eine lebensläng­liche Präsidentschaft Thiers' nicht will. Zu den zu mvanenden Verfassungsbestimmungen wird die Dauer

«eschesttt täglich «Mßer den Werttagen «ach Sonn- «nd Feiertagen. Preis für das Quartal bet Oberhesfische« Fettung mit KreiSblatt durch die Expedition (Kochffcha". Buchdruckerei) bezogen 88j Ggr., durch die Postämter 87 ®gr. 6 Pfg (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland exel. Stempel 88 Ggr. - Jnlertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annonren-Büreaus nehmen Inserate an.

gegenwärtig an einem umfassenden Plane zur Reorgani­sation deS LandeSvertheidigungSwesen« gearbeitet.

Durch den Schiedsspruch deS deutschen Kaisers in der Sckn-Juanfrage ist eine von bett seit Jahren zwi­schen den Bereinigten Staaten Nordamerikas und England schwebenden Streitfragen entschieden worden. Im Anschluß an diese Entscheidung bespricht die „TirncS" die Eventualität einer Trennung Cana- daS von Großbritannien. Mit Recht, meint baV Blatt, werden die Bewohner voll Canada behaupten, daß man in England nach einander die vitalsten In­teressen CanadaS, ja sogar seinen Besitzstand gefährde. Die „Times* befürchtet, daß Canada, außer der Fischerei-, Alabama- und Juansrage noch weitere Klagen zu erheben habe und schließt ihre Abhandlung mit dem Hinweis darauf, daß die politischen Interessen Canä- daS und Englands schon lange nicht mehr dieselben sind, beide Länder sich zu einander in einer falschen Lage befinden und eine Lösung der staatlichen Verbindung unausbleiblich ist. „Nehmt Euren Freibrief auf, Eure Lehrzeit ist vorüber*, so schließt das leitende englisches Blatt einen Leitartikel, in welchem es ■— cs ist dieS' ein sehr bemerkenSwerthes Moment — zUm ersten Male offen eine Trennung CanadaS von Großbritannien befürwortet.

Der Conflikt zwischen Brasilien und der argen­tinischen Conföderation, welche durch die Ent­sendung des argentinischen Generals Mitre nach Rio­de Janeiro seiner Zeit noch verschärft zu sein schien, ist, wir jetzt über London aus Rio gemeldet wird, gütlich beigelegt. Der brasilianische Minister deS Auswärtigen hat nämlich unter« 2. October dem Präsidenten bet argentinischen Republik bie Mitthei­lung zugehen lassen, baß durch des letzteren Eiklärung, „er habe durch seine früheren Noten eine Beleidigung der brasilianischen Regierung nicht beabsichtigt," diese letztere sich für befriedigt halte und den Wunsch theile, die Allianz mit der argentinischen Republik sortzü- setzen.

Arabella.

Erzählt von P. W. ..

(Fortsetzung.)

Nach und nach wurde unser stiller Weg belebt durch angstvolle Frauen und Kinder der Fischer, deren ®ecte man am fernen Horizont gewahrte, durch Gruppen alter Seeleute, die sich bald unruhvoll be rietheu, bald angstvoll nach dem Himmel aufblickten.

Schweigend waren wir neben einander dahin ge­schritten , ein jeder feinen eigenen Empfindungen hin Scheden. Mein Sinnen versetzte mich in bie Heimath "üb die lieblichen Bilder, die mir dadurch vor die Seele geführt wurden, erschienen eS mir in erhöhter Weise durch den Contraft, der mich umgab. -

Unwillkürlich drängle es mich jetzt, Davison meine baldige Abreise initzutheilen, und nicht lange, so verfiel ich in jene fatale Stimmung der befangenen Geschwätzig- kat, die so oft dem mangelnden Entschlüsse folgt, ich killte Davison mein Vorhaben in jener schwerfälligen Weitläufigkeit mit, bie an sich schon bes Peinigenden genug h<u, besonberS einem Menschen gegenüber, bem alle Verhältnisse sremd, folglich unintereffant sein mußten.

Bald svllle ich jedoch gewahren, wie thöricht ich ytanbdt; zwar setzte Davison meiner Mittheilung «ne äußere Ruhe entgegen, doch an bem Beben seiner •stimme, ber Marmorblässe seiner Züge gewahrte ich ü« zu sehr bie Erregung seines Innern, unb halb bw.er mir die Hand, um gute Nacht zu sagen.

Auch ich wollte nicht länger mehr da verweilen, w» mich nur Angst unb Bangen umgab, unb eilte "«tum meiner Wohnung zu. Dort angekommen, warb H jeboch der peinlichsten Selbstanklage zum Raub u»d eilte zurück inS Freie.

Der Sturm, der bie ganze Nacht getobt, würbe 8*gen Morgen, nachdem er eine kleine Weile beschwich- ch« schien, noch viel heftiger und wahrhaft Grausen