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Mr. LSS. ' -V X;/ . Marburg- Smnabend, den 2. November. ;;r ;v \ . 1872.

dtfiemt täglich außer den Werktagen nach Eomi- und Feiertagen. Preis str das Quartal bei vberheMcheu Leitung mit Kretsblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22 j egt., durch die Postämter 27 Sgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- stempel 22 »gr. - Jnfertionsgedühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an-

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Deutsches Reich.

# Berlin, 31. Oct. Die deutsch« Central-Com­mission für die Wiener Ausstellung hat am 24., 25., 26 und 27. October Sitzungen abgehallen, bei deren Eröffnung Se. kaiserl. und königl. Hoheit der Kron­prinz erschien. Höchstderselbe wohnte einem Thcile der Berathungen bei. Es nahmen an den Sitzungen Theil der preußische Ministerialdirektor Mosen, der preu­ßische Geh. OberregierungSrath und Vorsitzender deS LanbeS-Oekonomie Collegiums v. NathustuS, der preu­ßische Geh. Commerzienrath Ravens, der baierische Hofrath Prof. Dr. Wagner, der sächsische Regierungs­rath Wießner, der würtembergische Gesandte Frhr. v. Spitzemberg und in dessen Vertretung dar würlem- bergische Rcgierungsrath Diefenbach, der badische Mi- nisterialrath Turban, der hessische Commerzienrath Fink und der kaiserliche Regierungsrath v. Sybcl, in Vertretung des Direktors im Reichskanzleramt Herzog. In Ausführung deS Beschlusses über die Erwei­terung der deutschen Ausstellung durch Neubauten war von dem technischen Bureau der Commission eine Sub- mission für die llebernahme dieser Bauten eingeleitet worden. Der Commission wurde über den Verlaus und da« Ergcbnih dieser Submission Bericht erstattet, mit dem Anträge, dem mindest Fordernden, einem hie­sigen Zimmermeister, die Ausführung deö Baues zu übertragen. Die Commission genehmigte diesen Antrag und ermächtigte ihren Vorsitzenden, den desfallfigen Vertrag in ihrem Namen zu vollziehen. Für die spe- kielle Leitung der bezeichneten Ergänzungsbauten wurde eine geeignete Persönlichkeit in Vorschlag gebracht, mit deren Wahl sich die Commission einverstanden erklärte. ' '

DerR Ä." veröffmtlicht folgende Bekannt­machung. des Kultusministers: Die in Rußland herrschende Cholera-Epidemie ist bis in die Nahe des Regierungsbezirks Gumbinnen vorgerückt. Um im Falle deS immerhin möglichen Ausbruchs der Cholera dem dort herrschenden Mangel an Aerzten thunlichst abzuhclfen, ist die königliche Regierung zu Gumbinnen ermächtigt, denjenigen Aerzten, welche sich ihr zur Bekämpfung der dort etwa auftretenden Epidemie zur Verfügung stellen, während der Dauer der letztern außer ven ausgewendetcu Reisekosten 5 Thlr. Diäten neben freier Fuhre zu gewähren. Aerzte, welch« bereit sind, hierauf einzugehen, wollen dies schleunigst eM- weder direkt der genannten königlichen Regierung, »>pc dem Unterzeichneten Minister anzeigen.

Die Einnahme an Wechselsteuer im deutschen Reiche har vom L Januar bis zum 30. September incl d. Z die Summe von 1,732,709 Thlr. ergeben, Es kommen hiervon auf die Staaten des Gebietes der deutschen MichSpost 1,607,268 Thlr., auf Baiern 81,030 Thlr. und auf'temberg 44,111 Thlr.

-r- Nach einer amtlichen Zusammenstellung der Brauereien in dem Gebiete der norddeutschen Staaten während des Jahres 1871 waren 11.322 Brauereien vorhanden , von welchen 1104 geruht hatten. Die Brauereien waren zum Theil fixirt, zum Theil unfixirt Der höchste Betrag des Steuerfixums, welcher für die einzelnen Brauereien entrichtet wurde, belief sich auf 12,000 Thlr. und kam nur in Berlin vor. Außerdem betrug das größte Fixum 10,000 Thlr., und zwar in der Provinz Schleswig - Holstein. Die Zahl der Brauereien, welche über 2000 Ctr. Braumalz versteuer­ten, war 521. Erlaubnißscheine zur steuerfreien Hauö- tmnkbereitung wurden 27,983 ä'üSgegeben. An Bran- malzstcuer wurden 3,851,000Thlr. vereinnahmt, wovon allein aus Berlin 364,000 Thlr., also saft der zehnte Theil, kommen. Die Seelenzahl der bezeichneten Staaten war auf 29,429,501 berechnet, wovon 136,907 Person«» abgchr», für welche der Hauetrunk steuerfrei bereitet worden jst. Es kamen durchschnittlich auf bea Kops an Cvnsum 191/» Quart und an Steuer 3 Sgr. 11 Ps..«/ . . ....

Dresden, 30. Ott. I« der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Bildung von Bezirksvertretungcn angenommen. Dieselben sollen zu je einem Drittel aus den Höcbst- besleuerteu des Bezirks, aus Abgeordneten der Stadt­bezirke und solchen aus den Landbezirkm bestehen.

Die Debatte wurde darauf vertagt. In der ersten Kammer wird am Freitag- die Berathung über die Städteordnung beginnen

Darmstadt, 31. Oct. Die erste Kammer hat bezüglich des Wahlgesetzes Beiftimmung zu den Be­schlüssen der Abgeordnetenkammer beschlossen, aber die Zahl der vom Großherzoge zu ernennenden Mitglieder von 12 auf 10 herabgesetzt. Gegen Erneuerung der Kammer zur Hälfte nach 3 Jahren sprach sich Prinz Ludwig aus. Derselbe hält eine dreijährige Wahl- Periode für angemessener. Gegen 3 Stimmen erfolgte jedoch auch hier Annahme der Regierungsprvpostlion.

Heidelberg, 25. Oct. Geh. Rath Kuno Fischer, der seine Laufbahn als Lehrer der Philosophie früher hier begonnen, aber wegen Vorwurfs des Atheismus' von hier vertrieben wurde, ist nunmehr als Nach­folger Zeller'S hierher zurückgekehrt. Einer seiner ersten Gänge war zu dem Profeffor der Theologie, welcher den Anlaß zu seiner Entfernung gegeben, um in ein freundliches Verhältniß mit ihm zu treten, was felbstverständlich vollständig gelang. Bei der Eröffnung seiner Vorlesungen sprach er sich in gleicher Weise auf das Erfreulichste über die Gesinnungen, womit er hierher zurückkehre, aus, mit dem Zusatz, er sei überzeugt, keinen Feind hier zu haben. Er liest vor einem sehr stark besetzten Auditorium über Geschichte der neueren Philosophie.

Stuttgart, 31. Oct. Die Abgeordnetenkammer wählte heule drei Candidaten für das durch Sick's Kammer-Austritt erledigte Amt eines Vice-Präsidenten, nämlich: Hölder, v. Schad und Schmid, alle Drei der nationalen Richtung angehörig. AuS diesen Dreien hat der König Einen zu ernennen. <-'

Ausland.

Wien, 30. Oct. Der Krikgsminister Frhr. v. Kuhn ist außer der Tour zum Range eines Feldzcug- meifters erhoben und Commodore Stcrneck, der die österreichische Nordpol - Expedition auf dem Schiffe Jsbjoern" begleitete, zum Contreadmiral befördert worden.

Pari-, 30. Oct. Thier« wird heute den Grafen Arnim empfangen. Der Vice - Admiral Gueydon geht am Sonnabend nach Algier zurück. Die Ge­rüchte von dem Rücktritt des Kriegsministers und des Sein-präfecten erhalten sich. DasJournal offi cid* veröffentlicht heute eine Protestalion aller bei dem bekannten Diner in Lasset anwesend gewesenen Offiziere gegen die Darstellung, wie fle von derJn- dependance beige" gebracht wurde Die Offiziere geben den hämischen Unterstellungen und den Ver- läumdungen, die von dem Verfasser der Darstdlung erfunden seien, ein formelles Dementi.

Raucy, 30. Octbr. Gestern hat die officielle llebernahme der für die deutschen OccupationStruppen erbauten Baracken durch die preußische Intendantur stattgefunden. Di« vollständige Räumung der Haute- Marne soll bis zum 4. November erfolgt sein.

London, 30. Oct. Gestern ist ein Todesfgll durch Cholera in Wexsord (Irland) vorgekommen. Die nach London gesandte Deputation der Handels­kammer von Manchester hat über ihre am 23. d. ge­pflogene Unterredung mit Lord Granville einen Bericht erstattet. Der Abschluß deS Handelsvertrages mit Frankreich sei virtuel beschloffen. Der neue Vertrag bestimme, daß der Tarif deS Vertrages von 1860 iiu Kraft bleibe unter Aufschlag einer Compensations- steuer, welche der den französischen Producenten auf erlegten Rohftoffsteuer gleichkomme. Für englische Schiffe in Frankreich ist das Gesetz vom 19. April 1866 wieder hergesteüt. England verlangt volle Frei­heit der Zoübestimmung für Wein, Kohlen und andere Einfuhr- wie AuSfuhrartikd; Frankreich fakultative Zollerhühung für jeden Industriezweig vermittels vor­hergegangener sechsmvnatlicher Anzeige und unter Zu­stimmung der anderen Vertragsmächte. Die Dauer deS Vertrages ist bis zum 31. Dec. 1876 festgesetzt. Brasilianische Nachrichten sprechen von einer fried lichen Beilegung des Zwistes zwifchen Brasilien und der argentinischen Republik. Der brasilianische Mi nister des Auswärtigen benachrichtigte am 2. October den argentinischen Minister, er sei befriedigt durch die

Versicherung, daß in den früheren Noten keine Be­leidigung beabsichtigt gewesen; Brasilien theile den Wunsch der argentinischen Republik, daß die Allianz sortdauern möge.

Rewyork, 30. Oct. Eine Proclamation Grant's in Betreff der Einführung verschiedener Differential­zölle ist heute veröffentlicht worden. Die Rew- t)ortet Central-Eisenbahn ist zu einer Ausgabe von sechsprocentigen Obligationen im -Betrage von 40 Millionen Dollars ermächtigt worden. Das Schiff Missouri, von New - Dort nach der Havannah, ist während eines Sturmes auf der Höhe von Abaco (Bahama-Inseln) in Brand gerathe»; 12 Menschen wurden gerettet, 80 kamen um, unter letzteren alle Offiziere und 25 Passagiere.

Kassel, 30. Octbr. Nach einer vorangegangenen vertraulichen Sitzung wurde die heutige öffentliche Sitzung des Landtags mit Verlesung deS Protokolls um 1/211 Uhr eröffnet. Namen« deS ZwölferauS- schuffeö brachte der Abg. Rang den Antrag ein, den Verwaltungsausschuß zu beauftragen, falls der Com- munallandtag nicht innerhalb Jahresfrist wieder ein- berusm werde, nöthigenfallS auch eine Gehaltsaufbesse­rung der Beamten und Diener eintreten zu lassen, wenn es das Wohl des Communalverbandes erheische und die Vorlage der dabei inne zu haltenden Grund« sätze der Art vorzubereiten, daß dem nächsten Cvm- munallandtag dieselbe gemacht werbe, um alsdann eine Normirung ein treten lassen zu können. Graf von Berlepsch machte darauf aufmerksam, wie man gedrungen sei, nach jeder Seite hin die größte Sparsamkeit eintreten zu lassen, weil schließlich die Einnahmen nicht hinreichten, den Anforderungen ge­recht zu werden, zu welchen man verpflichtet sei. Die ganze Verwaltung müsse reformirt werden, um sie mehr zu vereinfachen und dadurch zu ermöglichen, daß das Personal vermindert werden könne. Man werde sonst dahin gelangen, zu Steuern schreiten zu müssen,, Es sei geboten, der Ansicht entgegenzutreten und zu berichtigen, als besitze man unerschöpfliche Mittel. Abg. Harnier theilte die düstere Auffassung des Vor­redners nicht. Er beurtheile die Sachlage nicht so ungünstig. Die Gefahr, Steuern erheben zu müssen.- sei nicht so nahe. Er sei auch für Sparsamkeit, nicht aber zunächst auf Kosten der Beamten. Hr. Landes- Director v. Bischosfshauseu wünschte, haß der Hr. Landtagscomissar Notiz von diesen Ausführungen nehme, damit von Seiten der Regierung nicht Anfor­derungen an den Cvmmunallandtag gestellt werde», welche die Kräfte deffelben übersteigen. Der Herr Landtagscommissar Wiegand hob hervor, daß die- Verhältnisse nicht so schlecht seien, al« man sie schildere, indem man bis jetzt alle Ausgaben auS "ben Einnahmen bestritten habe, wozu man anderwärts habe Kapitalien aufnehmen müssen und außer diesem noch einen Reservefonds gebildet habe. Nach einigen Erörterungen, an welche» sich noch außer den Ge­nannten Abg. Weigel beteiligte, wurde der An­trag des ZwölserauSschusses genehmigt. Ein Antrag des Graten Berlepsch ging dqhin, ben Verwal- tungsausschuß zu beauftragen, ein Regulativ der Dienst­anweisung für sämmtliche Beamte bes Verbanbes zu entwerfen und dem nächsten Landtag vorzulegen. v. Bisch offSHaufen machte darauf aufmerksam, daß daS Erforderliche bereits geordnet sei. - Har» nier wollte den Antrag nur zur etwaigen Berück­sichtigung dem Ausschuß überwiesen habey. Der Herr Landtagscommissar bemerkte, daß dieses Regle­ment nut aus die Discipliuarverhältnisfe sich erstrecken könne. Der Antrag wird genehmigt. Abg. Zuschlag berichtete über die Verwendung zum Aus­bau des Ständehauses. Der Bau sei nothwendig ge­worden, um Geschäftsräume zu gewinn«» und mau habe den Zusammentritt des Landtages nicht für so nahe geglaubt. Man ließ sich dieses zur Nachricht dienen. Der Herr LandeSdirector v. BischoffShausen berichtete über die Angelegenheit deS Landkrankenhauses zu Marburg mit bem Anträge: unter ausdrücklicher Anerkennung der auSgeführten Rechtsverhältnisse den VerwaltungSauSschuß zu ermächtigen, zur Feststellung