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dessen Legitimation eine kurze Debatte stattfand. Die Regierung bracttc mehrere Gesetzentwürfe ein, darunter ein Ausführungsgesetz zum Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz.

München, 30. Oct. Die Nachricht über die Beendigung der baierisch-österreichischen Verhandlungen wegen des Eisenbahn - Anschlusses bei Eisenstein ist irrig. Allerdings sind commissionelle Verhandlungen über den Anschluß, sowie über einen zweiten bei Kuschwarda in Aussicht genommen, dieselben haben jedoch bislang weder begonnen, noch ist der Leitpunkt für ihre Eröffnung bestimmt. ... ' S;

Ausland.

Paris, 30. Octbr. General Ducrot erließ an­läßlich der Uebernahme des Kommandos des 8. Ars meecorps (Bourges) eine Proclamation, welche besagt:■ Nach schweren Prüfungen und Mißgeschicken müssen wir unS ins Gedächtniß zurückrufen, daß auf dem Schlachtfelde die Begeisterung nicht die Vorbereitung, d. h. angestrengte Arbeit, ersetzen kann. Die Armee ist die Seele der Nation. Vor Kurzem schien es, als ob man das vergessen hätte. Heute aber treten 21 (L, reich und arm, in unsere Reihen ein. Niemals wer­den unS gebieterischere Pflichten auferlegt sein. Wenn wst^unterrichtet, disciplinirt und stark werden, so wer den wir im Innern unsere Feinde bezwingen, ohne zur äußersten Strenge unsere Zuflucht zu nehmen. Diejenigen, welche wir Schritt für Schritt, vom Rhein bis zur Loire, bekämpften, werden vielleicht einmal be- dauern, unser Herz auf immer zerrissen zu haben, als sie Frankreich seine thcuersten Kinder entrissen. — Die „Rspublique Frantzaise" erinnert die Pariser Blätter, die sich mit Verfassungsfragen beschäftigen, daran, daß ste schwerlich das Land hinter sich hätten; es wäre doch seltsam, daß die Wahlen vom 20. October als erste Wirkung die Verfassungsmacher ermuthigen sollten. Eine solche Wirkung sei von den Wählern nicht be­zweckt worden; am 20. October habe man für die Republik gestimmt, aber nicht dafür, daß die Nalional- Versammlung von Versailles dieselbe gründen solle; richtiger sei cs vielmehr, daß die Wähler der National Versammlung zu verstehen gegeben, sie möge sich zu­rückziehen und neuen Mandataren das Amt überlassen, die republiranische Regierung zu gründen, die Frank­reich verlange Das Organ Gambetta's ist der An- sicht, daß hier ein Ränkespiel im Gange sei, das Land aber bleibe diesen Umtrieben fremd und wolle vor Allem von partiellen Wahlen nichts wisfen. — Die „France" meldet, daß Server Pascha gestern in Paris eingetrosfen sei und die Leitung der türkischen Gesandt­schaft übernommen habe, so wie daß Graf Arnim morgen früh erwartet werde. Der „Soir" glaubt versichern zu können, daß Admiral de Gueydon und der Deputirte von Algerien, die kürzlich eine Bera­tung mit Thiers hatten, sich vereinbart und den Augenblick zur vollständigen Abschaffung des Militär­systems in der Colonie für gekommen erachtet hätten.

Rom, 29. Octbr. Der Schaden, den die Ueber- schwemmungen im Gebiete von Mantua und Ferrara verursacht haben, ist außerordentlich beträchtlich. Meh­rere tausend Familien sind hierdurch um ihre Habe gekommen. — Wie „Giornale di Roma" wissen will, hat die französische Regierung nunmehr den Entschluß gefaßt, sich jeder Eiumischuug in die Frage betreffs der religiösen Körperschaften zu enthalten. — Der König hat der „Gazetta Italia" zufolge dem türki schen Gesandten, Pholiade^Dey, den Großcordon des MauritiusorbenS als einen Beweis seines besonderen Wohlwollens verliehen. — Der Minister des Aeußern hat den Gesandte» des Königs von Abysstnien, Me- nelek, empfangen und von demselben ein Schreiben für den König, in welchem dir Gefühle der Freundschaft Ausdruck finden, enlgegengenommen.

Madrid, 29. Oct. In der Cortessitzung stand auf der Tagesordnung der Antrag, das Ministerium Sagasta in Anklagezustand zu versetzen. Der Minister Zorilla erklärte, daß er zwar aus der Annahme des Antrags keine Cabinetsfrage machen, aber gegen den Antrag stimmen werde, und daß er seinen Freunden rathe, dasselbe zu thun. Mit 124 gegen 104 Stimmen wurde beschlossen, den Antrag in Erwägung zu ziehen.

Brüssel, 30 Oct. Die Conferenz israelitischer Delegirter in der Angelegenheit der rumänischen Juden wurde gcstern eröffnet. Die Verhandlungen werden geheim geführt. Die Conferenz hat sich jedoch die Veröffentlichung der von ihr selbst redigirten Sitzungs- Protokolle Vorbehalten. — Thiers empfing laut Pariser Nachrichten gestern in Versailles den von Lyon zurück- gekehrten Bürgermeister Anspach von Brüssel

Rewyork, 29. Oct. Auf Ersuchen des franzö­sischen Gesandten hat der Präsident Grant die Heraus­gabe der Proclamation, durch welche ein zehnprocen- tiger Zoll auf diejenigen Waaren gelegt werden sollte, die in französischen Schiffe» aus anderen Ländern als auS Frankreich eingeführt würden, vertagt. — Die

unter den Pferden herrschende Epidemie nimmt zu, der Verkehr ist sehr gestört.

Marburg, 31. Oct. Wenn wir auch, wie den Lesern unseres Blattes zur Genüge bekannt ist, keine Freunde von persönlichem Klatsch find, und nicht wie lebende und verstorbene Organe unserer Gegner es uns zur Aufgabe machen, mit Entstellung der Wahr­heit in boshaftester Weise unsere Politiken Gegner zu verfolgen, so müffen wir — gegenüber dem bei der gestrige» Wahl von „mehreren Wahlmännern" verbreiteten gedruckten Pamphlet — doch noch einmal auf dirse Wahl zurückkommen. Die „mehreren Wahl männer" erdreisten sich, von „Verleumdungen" zu reden, deren sich unsere--Zeitung schuldig IeMHt.e^'Wir wollen ihnen darauf erwidern:' Wenn ein Profeffot. lkon"hier nach der schönsten Universität Deutschlands unter günstigeren äußeren Bedingungen befördert toirM (und sich, wie man erzählt, gleich ein schönes Hau« daselbst kauft), so mögen die Herren den Kinderif weiß machen, daß nur dem Herrn Minister zu lieft eine solche Versetzung angenommen,^' Es gibt noch; Mßhr^Herren, "relchP^Stss^Minisier diesen Gefallen erzeigen würden^, vielleichchMter den „mAiMA Wählt mäuueru^^Mir haben unS' zweimal mit Herrn Martgold beschäftigen müssen, das einemal, als er im Landtage von feinen hiesigen Freunden dupirt, gegen unsere Zeitung und das Kreis blatt, das er für ein Regierungs -Amts blatt gehalten, losgezogeii^Iuikb^'Läs zwcikMM)'"rlkS" tu "'einer Dkäbtrathssttzung die sämmtlichen Mitglieder durch |en Antrag, Herrn Mangold das Ehrenbürgerrrcht gu ertheilen, überrascht worden waren, die Sedan-Rede, Has Ehrenbürgerrecht, die Artikel der Morgenzeitung, in welchen den Geistlichen durch Herrn Mangold vichaltserhöhungen versprochen wurden Alles das «arui — Wahlmanöver. FMe^err'en^ nWht ISlche TtngF1 ist ^Sreise^setzM7'4nögen nicht glauben, daß man sie nicht durchschaue. Ein großer Theil der Bürgerschaft hat sich erstaunt gefragt, wie man Herrn Mangold unter die Zahl der Männer aufnehmen könne, welche seither durch oaS Ehrenbürgerrecht aus gezeichnet wurden, da ihnen von seinen Verdieiisten um die Stadt nichts bekannt ist. Wenn eine entgegen­gesetzte Stimme Ausnahme in die Oberh. Zeitung nicht gefunden, so hatte daS seinen einfachen Grund darin, daß der Artikel persönliche Beleidigungen gegen unfern Correspondeten enthielt, was dem Herr» 8. sofort mitgetheilt wurde. — Doch genug von dieser abgethanen Sache. — Wollen die Herren „mehrere Wahlmänner" von der Thätigkeft der „Parthei-Clique" mehr wissen, so stehn wir mit einem überreichen Ma­teriale zu Gebote!

Kaisel, 29. Oct. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung des Communallandtages durch den Vorsitzenden v Milchling, ging man nach Verlesung des Proto­kolls der vorigen Sitzung zur Berathung des Etats des Landarmenverbandes über. Es sind Unterhand­lungen eingeleitet worden, um die Detentionsanstalt für Correctionelle in Breitenau zu errichtens, welche zum Abschluß gekommen sind. Die Regierung tritt die betreffenden Gebäulichkeiten für 8000 Thaler dem Communalverband ab. Der Gesammtetat ist auf 30,000 Thlr. angenommen. Einen festen Anhaltepunkt hat man, bei der Neuheit der Sache, gar nicht. Der Herr LandtagScommifsar Wiegand machte darauf aufmerksam, daß namentlich der Betrag für ärztliche Behandlung der Armen bereits zu gering angenommen worden fei, man habe für die Armenärzte gar teilte Besoldung 'ausgefetzt, die staatliche Beihülfe hierfür falle gesetzlich weg. Er wolle nur auf daS Bedürfniß aufmerksam machen. — Herr Rath Klöffler gab Erläuterungen, wie der Ausschuß zur Aufstellung des Etats gekommen sei. Zur Besoldung bestimmter Ar menärzte für einzelne Distrikte könne man nicht ge zwungen werden. Die Abgeordneten v. Hundels­hausen, Hellwig und Harnier sprachen sich für die Auffassung deS Verwaltungsausschusses aus. — Für die auS der communalständischen Schatzkaffe zu leistenden Usttcrstützungen zum Chaussee- und Land- wegebau werden überhaupt, mit Einschluß der Kosten des Landwegebaupersonals und der Unterhaltung der Landwege in Staatswaldungen für das Jahr 1873 134,430 Thlr. eingestellt. — Hr. Reg.-Comm. Kochen- d ö r | e r erklärte den Verlag von 86,600 Thlrn. für Unterstützung der Gemeinden zu Wege- und Brücken­bau nicht, mehr als ausreichend. Der communal- ständische Grundetat schließt überhaupt in Einnahme und Ausgabe mit jährlich 336,000 Thlr. ab — Abg. v. Hundelshausen vermißte eine Ueberficht über die Vorjahre, ob ein Ueberschuß vorhanden sei ober nicht, da der Grund-Etat in Einnahme und Aus gäbe Null von Null aufgehen. Mau übersehe nicht, wie z. B. die Kosten des Umbaues im Stände- hause bestritten »erben. — Herr Rath Klöffler gab darüber Auskunft, daß die Ueberschüffe aus den Zinsen, was die früheren anbelangen, dem Fonds für

die Irrenanstalt zugeführt worden. Die Kosten des Ständehauses habe man mit 4500 Thaler dem Dispo­sitionsfonds entnommen. — Abg. v. Trott wollte wisse«, warum diese nicht auf den Etat gestellt worden seien, so dringend sei die Ausgabe nicht gewesen. — Ob der Verwaltungs-Ausschuß auf diese Interpella­tion demnächst Antwort ertheilen mufft, wurde von mehreren Mitgliedern bestritten. ES habe dieses nur auf Kammerbeschluß zu geschehen. Ein dahin gerich­teter Mntrag ward zum Beschluß erhoben. — Die etwaige Mehreinuahme als die vorgesehene von 326,000 Thlr. soll dem Reservefonds ztigeführt wer­den. — Die Kosten für den Bau der Jrrenheilanstalt zu Marburg ohne Grund und Boden belaufen sich aus 330,000 Thlr. Zur Unterstützung von LandeS- meliorationen wurden 5000 Thaler zur Verfügung ge­stellt. — Als Kosten des CommunaüandtageS selbst wurden zwar 3860 Thlr. in den Voranschlag der Finanzperiode ausgenommen, jedoch in der Voraus­setzung , daß derselbe nicht' jährlich zusammenkomme. — Abg. Zuschlag berichtet Namens des Haupt- ausschusses über den Antrag der Schulen zu Fulda und Hanau, den seither bezogenen Zuschuß auS den Ueberschüssen auch ferner zu gewähren. Der Aus­schuß ist der Ansicht, daß die RechtSverbindlichkest nach dem dermaligen Standpunkte der dahin einschla­genden Verhältnisse höchst zweifelhaft sei. ES fei nirgends ersichtlich, daß die Leistung für immer zu geschehen habe. Jedoch schlägt derselbe vor, auS Bil- lligkeitsgründen den betreffenden Städten die seither bezogene Unterstützung, für Fulda 800 Thlr. und für Hanau 1000 Thlr., ohne Anerkennung des Rechts zu gewähren, insofern die Ueberschüffe der betreffen- Ken Leihhäuser diese gewähren. Die Versammlung ge- ztehmigle dieses. Man nahm hierauf die Wahlen zur Ergänzung des Verwaltungsausschusses für die auS- geloosten und ausgetretenen Mitglieder vor. Aus dem Stande deS Adels wurden gewählt: Graf v. Ber­lepsch mit 39, und von Hundelshausen mit 46 Stimmen. Die übrigen Stimmen von überhaupt 51 anwesenden Mitgliedern der Kammer waren zer­splittert Zu Stellvertretern derselben wurdet; gewählt: Hans von der MalSburg mit 45 und von Trott mit 44 Stimmen. Aus dem Stand der Städte wurde der ausgeloosle Abg. Zuschlag mit 40 Stimmen wieder gewählt. Als beffett Stell­vertreter wählte man den Abg Ran g-Fulba mit 35 Stimmen. Aus dem Stande der Landgemeinden wurde gewählt: der Abg. Pri nz Niederorke mit 39 Stimmen und zu besten Stellvertreter der Abg. Knobel-Ehlen mit 30 Stimmen. — Von den Ab­geordneten Wiskemann und Consorten wurde ein An­trag eingebracht, die Staatsregierung um eine zeitge­mäße Aufbesserung der Gehalte der Volksschullehrer zu ersuchen und da, wo ein erhöhtes Schulgeld nicht ausreicht, die Mittel aus der Staatscaste zu ge­währen. — Nach einer Erörterung über die Erwä­gungsfrage, an welcher sich die Abgeordneten Herrlein, Hellwig, Hantier, v. Hundelshausen, Wiskemann be- theiligen, beschloß man: denselben heute nicht in Er- wäguug zu ziehen, sondern morgen begründen zu lasten. — Die Sitzung wurde geschlossen und die folgende auf morgen anberaumt._______________(N. C. A.)

Bo» Landtage. Herrenhaus.

Sitzung am 30. October.

DaS HauS fährt in der Specialdebatte über die Kreisordnung fort und genehmigt ohne DiScussion die

83 und 84, die in beiden Vorlagen identisch sind. §. 85 handelt von J»er Vcrtheilung der Kreistagsab­geordneten auf die einzelnen Wahlverbände. — Herr Dr. Baumstark und Genosten beantragen dem Com­missionsbericht gegenüber die Wieberherstelluitg der Ab­geordnetenvorlage nebst einem Zusatz -- ,Herr von Kleist-Retzow: Wir haben im §. 82 eineGrund- lage für die Kreisvertretung hergestellt. ES besteht noch viel Furcht, als fei die ständische Giundlage etwas Ungeheuerliches. ES hat mir große Freude gemacht, daß sich gestern herauSstellte, wie unsere Verhandlungen bei der allgemeinen Diskussion über die Stände einen unzweifelhaften Erfolg in diesem Hause gehabt haben. Herr Hastelbach sagte einmal, Stände ep flirten gar nicht, unsere gegenwärtigen Stände seien keine solche, weil wir keinen politisch berechtigten Adel mehr haben; jetzt sagt er schon, die gegenwärtigen Stände sind ganz andere wie die früheren. — Herr Gobbin erblickt in der Rede des Herrn von Kleist-Retzow die Intention der Majorität des HaufeS, mit welcher in Folge der gestrigen Beschlüsse die Möglichkeit einer Vereinigung nicht mehr vorhanden sei. Man fühlte sich zu der Annahme versucht, daß die Herren der Majorität den verfassungsmäßigen inneren Ausbau des Staates nicht wollen. Eine solche Bestimmung, wie die von der Zusammensetzung des Kreistage« habe nicht von ideellen Gesichtspunkten, sondern von der Verfassung auszugehen, wüste also