$8/ Marburg, Freitag, den NovembA-^ - 187$
Oterhessische ^eitunM
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Deutsches Keich.
** Berlin, 30. Oct. Gestern hat, wie bereit- die heutigen Morgenblätter gemeldet, eine Sitzung des Staatsministeriums stattgesunden. ES unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die SlaatSregierung sich über die Stellung, welche sie ferner zur KreiSordnung einzu- nehmen gedenkt, schlüfsig gemacht hat. Wenn verschiedene Correspondenten diese Staatsministerial - Sitzung bereits vor einigen Tagen abgehalten berichteten, so ist das irrthümlich, und namentlich die von diesen Correspondenten gemeldete Thatsache, daß das Staatö- ministerium den Wunsch zu erkennen gegeben habe, der Minister Präsident möge hierher kommen. — In dem Leitartikel der heutigen „Prov.-Corresp." ist der Gang über die Kreisordnung und die an daS Schicksal dieses wichtigen Reformwerks geknüpften Hoffnungen genau rcgistrirt und wendet sich derselbe, wie zu erwarien, vorzugsweise gegen die Opposition im Herrenhause. WaS die Regierung nun weiter zu thun gedenkt, wird abzuwarten sein, da, bevor daS entscheidende Votum über die KreiSordnung im Herrenhause nicht gefallen ist, wohl 'weitere Maßnahmen nicht zu erwarten sind; nur soviel scheint sicher, daß in dem Falle, in welchem die KreiSordnung abgelehnt wird, der Landtag geschlossen und sofort eine neue Session einberufen wird, der es dann unter Herbeiführung einer Majoritäl im Herrcnhauje gelingen wird, daS Werk zu Ende zu führen. — Wenn die „Kreuz-Zeitung" aus einer Rede deS Fürsten Bismarck im Jahre 1865, welche gegen die Zweckmäßigkeit von PairSschuben gerichtet war, den Schluß zieht, daß der leitende Staatsmann sich überhaupt gegen die Berufung von Mitgliedern des Herrenhauses Seitens der Krone ausgesprochen, so ist daS Blatt in einem großen Jrr- thum und wird Jeder, der mit unbefangenem Blick den Zusammenhang der Aeußerung deS Fürsten mit
Die Gebeine her Elisabeth. * *)
Weißt du's, o Stadt, wer gab dir Leben? Wer hat dir Ruhm und Glanz verschafft?
Wer ließ dich aus zum Himmel streben, J Bon wem empfingst dn Säst und Kraft? . „ Gar weit entfernt von jeh'ger Größe
Warst du im Wald ei» Heiner Ort, Du gäbest jedem Feinde Blöße, Richt schirmte Thurm und Mauerhort.
Richt einmal war für deine Todtev -i, ;
In dir die ird'sche Ruhestatt. jm; j
1 . Ein fester Brauch hat so geboten, ,
Der streng und lmig gewaltet hat:- Müßt sie nach Oberweimak tragen ‘
Durch Berg und Thai den weiten Weg, -ü Und dort der Pfarrer, hör' ich sagen,
Eachfing sie an dem Pfaffensteg.
3a; Marburg, du hast viel zu danken
-... Der Landgräfin Elisabeth,
Sie pflegte hier die Armen, Kranken 3m Haus, wo jetzt die Kirche steht.
Bon ihren Schwägeren vertrieben, Bon Heinrich Raspe und Konrad,
*) Aus dem vor Kurzem erschienenen Merkchen:
der Vorzeit Warburg» unb feiner Umgegend. Denkwürdige Sagen und Geschichten erzählt von G. Th. Dithmar. Mit der Photographie des Frei- Herrn von Spiegel zum Desenberg. Marburg, 1872. Commissions-Berlag von W. Braun.
Dem sinnigen Menschen genügt es nicht nur die Dinge
*u betrachten, wie sie gegenwärtig sind, vielmehr treibt es ihn, ihre Vergangenhe t zu durchforschen oder mit ahnendem Blick ihre Zukunst zu schauen; um dann in ansprechender Form zu schildern, waS er erfahren und gesehen. Aus diese Weise mag das vorstehend genannte Schristchen entstanden fein, deffen Berfaffer durch einige andere Werke, sowie durch manches ftische Gelegenheitsgedicht allen Marburgern bekannt ist. Darum bedarf es keiner besonderen Empfehlung, und eS wird sich von selbst einen Weg in die Herzen und Häuser der ehrwütttigen Musenstadt bahnen, aber auch namentlich Denen, welche einst stvhe 3ahre aus der alma mater verlebt haben, wird dieses Büchlein, auf das wir hiermit aufmerksam mindestens gemacht haben wollen, ein liebes Angedenken sein.
der damaligen und gegenwärtigen Situation beurtheilt, erkennen, daß derselbe der Krone das verfaffungS- mäßige Recht, Berufungen für daS Herrenhaus aus- zuführcn, nicht bestritten hat, dieselben jedoch nicht dazu benutzt wiffen wollte, eine Umgestaltung des Herrenhauses herbeizuführen, die dem StaatS-Jntereffe entgegenliefe. — Alle Gerüchte über diplomatische Verhandlungen in Betreff der nordschleSwig'schen Frage sind unbegründet und ebenso die Nachricht von hierher gesandten Agenten Dänemarks.
t — Die „Prov.-Corresp." bespricht die Berathung der KreiSordnung durch daS Herrenhaus. An die bekannte Aeußerung eines Herrenhausmitgliedes: „Mr hoffen noch recht viele Beschlüsse zu fassen, welche dem Minister des Innern inacceptabe! erscheinen" anknüpfend, sagt das Blatt: DaS ist nicht die Stel lung, nicht der Ton, in welchen die Conservativen Preußens mit der Regierung verhandeln dürfen. Sol chem Auftreten und entsprechenden Beschlüffen gegenüber ist die Hoffnung, daß die durch die jetzigen Verhandlungen beabsichtigte Reform zum Abschluß gebracht werden könne, aufs Tiefste gesunken, ja auf gegeben. Dagegen ist der feste Wille der Regierung bezüglich der unerläßlichen und unverweilten Durchführung des unternommenen Werkes unerschüttert. Die Regierung ist entschlossen, alle Kraft, alle ver- faffungsmäßigen Mittel daranzusetzen, daß die zu einer befriedigenden Lösung bereits erreichten Ergebnisse nicht wieder verloren gehen. Es handelt sich bei den Beschlüssen zu solchem Zweck nicht mehr bloS um die Kreisordnungsfrage, eS handelt sich um Fortgang oder Stillstand der Gesetzgebung überhaupt, um Ansehen und Macht der Krone und der von ihr berufenen Regierung.
— Die „Spen. Ztg." schreibt: Man nimmt im Herrenhause an, daß die Berathungen über die KreiSordnung bis zum Donnerstag, spätesten- bis zum Freitag, zu Ende sein werden. ES scheint nicht, daß bis dahin die von officiöser Seite in Aussicht gestellten „entscheidenden Maßregeln" zu erwarten sein werden. Daraus ergibt sich, daß die Regierung die
Weil sie ihr Gut hat aufgerieben,
,i Verwendet hat für gute That,
Kam sie hierher, des Gatten Brüder - Besaßen an dem Strand der Lahn ’-d3"1’
,i. Von Ahnen her geerbte Güter, Die wiesen sie der Witwe an.
Wo hoch empor die Kirche strebet, Wenn's Ange hm gen Norden blickt, . : i
Hat vor ihr still im Hain gelebet . . . Von Franziskanern ein Convitt.
Das Haus war eng, man schuf ihr Räum«, So lange blieb sie in Wehrda;
Inzwischen fällte man die Bäume, Üud's Hospital von Stein stand da.
Magister Konrad, ihr Berather, Legt Pflichten auf sie bart und schwer, Zur Beichte saß sie ihm, dem Vater, Der strenge Mönch, — sie geifelt er.
Bon ihren Kinderen geschieden,
Von zweien Töchtern, einem Sohn, Hat sie geffrebt nach Seelenfrieden, AlS Lebende gestorben schon. ,
Frau Zutte und die Isentrude,
Der alten Wienerinnen zwei,
j Rahm man von ihr, und sie, die Gute, Schweigt still, meint, daß es recht so sei.
Sie wollte hier entbehren, dulden.
Gewinnen dort das Himmelreich, Sie wollte tilgen all Verschulden,
‘ Dem Aennsten auf der Erde gleich.
So pflegte sie die schlimmsten Kranken Bis zu der allerletzten Roth, Da fing sie an, noch jung zu wanken, Und bald nahm sie ein sel'ger Tod.
Und ihr Gebein zuerst man stellte Fn's Hospitals Kapell' hinein, ,. d
Den Sarg ein mattes Licht erhellte, Die Seele lebt in hellem Schein.
Und Konrad, jener böse Schwager, Bereute, was et ihr gethan, Aus feinen Knieen weinend lag er Und klagte sich der Boshett an.
Schlußabstimmung im Herrenhause abwarteu will, um je nach dem Ausfall derselben die Session zu schließen und die neue sofort beginnen zu lasten, oder aber den Faden im Abgeordnetenhause weiter zu spinnen. In beiden Fällen würden die „entscheidenden Maßregeln" in die Zwischenzeit zwischen der Schlußabstimmung im Herrenhause und der neuen Berathung im Abgeordnetenhause fallen muffen.
Frankfurt, 30. Oct Der Regierungsrath Hergenhahn ist jetzt definitiv durch allerhöchste Cabinets- erbte zum Polizeipräsidenten der Stadt Frankfurt ernannt worden und wird demnächst in seinen hiesigen Poften eingesührt werden.
Hamburg, 29. Oct. In der gestrigen Sitzung der Bürgerschaft wurde als einziger auf der Tagesordnung stehender Gegenstand die Erwiderung deS Senats auf die Mittheilung der Bürgerschaft vom 12. Juli d. I. und der Antrag, betreffend die Umwandlung der hamburgischen Bankvaluta verhandelt. Die Fortsetzung der am vorigen Sonnabend begonnenen Berathung führte schließlich zur Annahme des Antrags von Riege und Genossen, mit einem Amcnde- ment von Rolffsen zu §. 1, wonach die Schließung der Silberconten nach 3 Monaten eintreten soll, unv wurden die gefaßten Beschlüsse in der Gesammtabstim- mung definitiv genebmigt.
Darmstadt, 30. Octbr. Die Abgeordnetenkammer ermächtigle mit allen gegen drei Stimmen die Regierung zur Gewährung eines dreiprocentigen Anlehens von 1,500,000 Gulden behufs der Stadt-Erweiterung an die Stadt Mainz.
Ttuttgart, 30. Oct. Der „Staatsanzeiger" meldet: Der König hat der heutigen Ministerraths- sitzung präsivirt. — Der Gesandte in Wien, Freiherr v. Thumb Neuburg wurde aus Gesundheitsrücksichten seiner Stelle entbunden; derselbe wird demnächst durch Ernennung eines Nachfolgers ersetzt werden. — Die Abgeordnetenkammer ist heute nach sechsmonatlicher Vertagung wieder eröffnet worden. Eine Anzahl Neuwahlen wirb für gültig erklärt, darunter die Wahl Wächter'«, deS Abgeordneten für Stuttgart, über
Er trat bann in den Deutschen Orden, Dem schenkt' er Güter an der Lahn, Nicht ließ er es bei frommen Worten, Die Kirche fing zu bann er an.
Durch ihn ward heilig auch gesprochen
Vom Papst die Frau Elisabeth, )!; ; .
Durch ihn der Leiche Sarg erbrochen .-Ä
Und das Gebein aus ihm erhöht.
Da legte ab die Kaiserkrone Der mächt'ge Friedrich, ging barfuß, Bon ihren Töchtern, ihrem Sohne, Stieg auf zum Himmel Freudengruß.
Und Tausende aus fernen Landen Sahn still, wie das Gebein man trug; 3a, auf die Schaaren, die rings stauben, -i :$A Ergoß von ihm üch Wohlgeruch. :ie-;
Da waris, wo mitten in dem Hänfen Der zweite Kaiser Friederich, . L
Der edle Sohn der Hohenstaufen, -• a Die Heil'ge krönte demüthig.
Sie stand schon längst vor Gotte- Throne Wo sie die lichtre Krone trägt, Jndeß hier ward die goldne Krone Um ihre morsche Stirn gelegt.
Und wo der Sarg stand in dem Ehore, Da strömten Pilger fort und fort, ,
teil zogen sie hinaus zum Thore, on großen Wundem klang ihr Wort:
,Da wo die Heil'ge liegt begraben.
Da wurden wir von Uebeln rein", ",
Reich spendeten sie Gold und Gaben, Hell glänzt der Sarg von Edelstein.
Wohin so viele Pilger zogen. Da gründtte man Hof und Herd; Zu Kirchen wölbte man die Bogen, Für Klöster ward der Raum gewährt-
Da hielt man Hammer, Richtscheit, Wage, Die Armbrust spannte wohl die Hand;
Da feierte man frohe Tage,
Ein frommet, fleiß'ger Bütgerstand.
Elisabeth gab dir das Leben, ,.
Sie hat dir, Marburg, Ruhm verschafft, Sie ließ dich auf zum Himmel streben ynd ist die Wurzel deiner Kraft, 1«*