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Oberhessische Zeitung
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Deutsches «eich. .
*• Berlin, 29. Octbr. In der Presse wird setzt allgemein die Frage ventilirt, ob Fürst Bismarck Varzin verlassen und im Herrenhause persönlich einen letzten Versuch der Versöhnung machen werde. Wir halten dies für sehr unwahrscheinlich; dagegen behauptet die „D. R C.", es sei in einem Minister- rath am Sonnabend beschlossen worden, den Ministerpräsidenten um sofortige Rüittehr zu ersuchen. Wie wir hören, hat weder Sonnabend noch später eine Ministersitzung stattgefunden, in welcher von der Rückkehr des Fürsten die Rebe gewesen wäre. Uebrigens möchte eS auch sehr zu bezweifeln sein, daß selbst die persönliche Pression de« Ministerpräsidenten die Verhandlungen wieder in ein anderes Geleise bringen könnte. Die Berathung wird zu Ende gehen, wie sie begonnen hat. Erst nach der voraussichtlichen Ablehnung wird der Conflict in eine ganz neue Phase treten. Das Herrenhaus hat die Vorlage zu einer Macht und Autoritätsfrage gemacht und wird sich nicht wundern, wenn dir Regierung von einer Umstimmung der jetzigen Majorität Abstand nehmen und in einer wirklichen Majorität eine Stütze sucht. Das Schlußvotu» des Herrenhauses wird für die Haltung der Regierung entscheidend fein. Entweder stimmt die Majorität für die amendirte Vorlage; in diesem Falle geht das Gesetz an daö Abgeordnetenhaus zurück, oder sie nimmt dm Antrag des Herrn v. Below aus einfache Ablehnung an. In diesem Falle würde die Session ohne Weitere« geschlossen werden. — Man hat da« Mährchen verbreitet, daß Fürst BiSmarck mit dem Below'schen Anträge im Grunde einverstanden sei; es bedarf keiner Versicherung, daß von einem solchen Einverständniß keine Rede ist. In der Regierung herrscht vollkommene Uebereinstimmung in dieser Frage, und es hat in der That gerechtes Befremden erregt, daß der Oberpräsident v. Witzleben mit der- Opposition gegen seinen Chef gestimmt hat — In nächster Zukunft ist die Vorlage des Gesetzes über
die Provinzialfonds zu erwarten. — Die Stabt Cre selb, welche bisher mit dm umliegenden Gemeinden zu einem Gemeindekrcise vereinigt war, ist in Berücksichtigung ihrer gestiegenen Einwohnerzahl zu einem besonderen Stadtkreise constituirt worden. — Die „Germania" bringt angeblich aus Rom vom Papste selbst eine entschuldigende Erklärung hinsichtlich des bewußten „Steinchens", das den Kolstz zertrümmern werde. Was auf diese Erklärungen zu geben ist, lassen wir dahingestellt; doch kommt Eine»» dabei unwillkürlich da« Sprichwort in Erinnerung: „qui s’excuse s’accuse.“ - ■
Berlin, 29. Octbr. Die „9?orbb. Allg. Ztg.", die Berathung der Kreisordnung durch daß Herrenhaus besprechend, sagt: „Es handelt sich um einen Gesetzentwurf, welcher durchgeführt werden muß und werden wird. Dafür bürgt die einmüthige Ueber- zeugung aller RegierungSfactvren. Wenn das Herrenhaus trotzdem sich der Vorlage gegenüber negativ verhält, begibt sich dasselbe jedes thatfächlichen Einflusses auf die Gestaltung der Vorlage und wird schließlich unter ganz anderen Verhältnissen vor die Frage der Annahme gestellt sein. Der Gesammteindruck der bisherigen V.rhandlungen ist leider derart, daß das Haus seine thalsächliche Lage und daS Maß seiner Macht der Krone gegenüber durchaus verkennt. — Dasselbe Blatt meldet, daß der Kaiser in einer Sonntags statt gehabten Audienz dem Präsidium des Herrenhauses und dem Grafen Brühl gegenüber, sowie in einem Briefe an einen der höchsten Hofbeamten, welcher Herreuhausmitglied ist, aufS Bestimmteste die Nolh- wendigkeit deS Zustandekommens der Kreisordnung betont habe. Die Vorlage sei mit seiner vollsten Zustimmung eingebracht worden und eS werde Alles an deren Durchführung gesetzt werden. — Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet das Gerücht von der Vorlegung eines Gesetzentwurfs betreffs der Einführung der facul tativen Civitihe als irrthümlich. In Regierungskreisen sei von einer Aenderung in der Absicht der Regierung nichts bekannt, vielmehr gelte eS als zuverlässig, daß der commissarisch vorbereitete und vom Cultusminister ausgearbeitete Entwurf entschieden auf Einführung der obligatorischen Civilehe gerichtet sei. - --
Braunschweig, 26. Oktober. Zur hiesigen
Erbfolgefrage wird der „Schlesischen Zeitung" äus Wien gemeldet, daß sich in den letzten Wochen zu Gmunden rin Vertrauensmann der braunschweigischen Landesregierung behufs Anknüpfung von Unterhandlungen mit dem ftüheren Kronßdinzen von Hannover aufgehallen habe. Der Prinz halte die Unterhandlung indeß mit dem Bemerken abgelehnt, chei Lebzeiten seines Vaters solche Transaktionen nicht für angemessen zu erachten. Ob die Nachricht überhaupt begründet ist, ist zweifelhaft. Wenn aber der Correspondeut hiitzusetzt, daß das preußische Cabinet diesem Schritt der braunschweigischen Regierung nicht fern gestanden sei, so gibt diese gänzlich unglaubwürdige Bchauptung der gesammten Mitcheilung den Charakter der Uit- zuverlässigkeit.
Karlsruhe, 29 Oct. Die Kaiserin Augustci, zum Besuche deck großherzoglichen Hofes um il Uhr Vormittags hier angekommen, ist um 2,/2 Uhr Nachmittags nach Koblenz wcktergereist. — Der Präsident des Handelsministeriums v. Dusch, ist auf sein Ansuchen, wegen seiner leidenden Gesundheit, unter besonderer Anerkennung seiner ausgezeichneten Dienste, in Ruhestand versetzt worden. Mmisteriak- ralh Turban wurde zu seinem NNhfolger ernannt.
München, 29. Octbr. Das Ministerium de« Innern Hal den Districlö- unb Orts-Polizeibehörden aufgetragen, die Bezirks-Angehörigen zu warnen, ihre Kapitalien den sogenannlen Dachauer Banken und ähnlichen hohe Zinsen versprechenden Müdchener Schwindel-Instituten der Adele Spitzedcr und Anderer anzuvertrauen. Weitere Maßregeln folgen.
Auslnuv.
P-ft, 27. Oct. Die Bankverhandlüirgen zwischen den beiden Regierungen sind beendigt. Ein daS Ver- handlungsrcsultat umfassendes Protokoll ist aufgesetzt und von den beiderseitigen Ministern unterzeichnet worden Daffelbe enthält drei Punkte: 1) Es wird die Einheit der Währung für beide ReichStheiie anerkannt; es wird jede Einrichtung, die diese-Einheit stört oder mit der österreichischen Nationalbatck über die Bedingungen der Verlängerung des Privilegiums, gültig für die beiden ReichStheile, Verhandlungen ein- zulenen hindert, ausgeschlossen; eS find diese Verhandlungen vorerst mit der Wiener österreichischen
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j Arabella. ‘ (
Erzählt von P. W.
Meinen Wünschen gemäß verlebte ich meine Stu- btenzeit auf der Universität zu H. Der Reiz der Gegend und das Zusammenleben mit vielen munteren Genossen ließen mich, wie manchen meiner Freunde, den Ernst unserer Ausgabe bei Seite fetzen und als solche ein fröhliche« und ungebundenes Studentenleben betrachten.
So verfloffen mehrere Jahre, welche, so freund-- bchr Erinnerung sie mir auch hinterlassen, mich in »einen Studien wenig förderten, bis der heranrückende Zeitpunkt de« Examens zu ernstem Fleiße mahnte, mit »elch.m ich nun im Uebermaße da« Versäumte nach- Mhvlen suchte. Ich erreichte dieses zwar, jedoch auf Kosten meiner Gesundheit So begann ich die Zeit, in welcher ich mir Weisheit sammeln sollte, mit einer unverzeihlichen Schwäche und beschloß sie mit der folge-1 buckligsten Thorheit. Daß diese meine Wejse eine sehr vnginelle gewesen, will ich mit diesem Bekenntnisse nicht behauptet haben, im Gegentheil finde ich mein Leben und Treiben in jener Zeit nur als getreues Konterfei desjenigen vieler, von denen, die in stillschweigender Uebereinkunst, einer in des anderen Fußtapfen tritt. i
dort eine Familie zu treffen hoffte, deren Bekanntschaft ich in H. gemacht und deren Liebenswürdigkeit mir es unmöglich machen sollte, Reflexionen über die Langweile anzustellen, die in S. als epidemisch bezeichnet wurde. Leider hatte ich mich in meinet Voraus setzUiig getäuscht. Ich sand in S. keines von denen, welche ich zu finden hoffte, wohl aber eine Menge unlikbcnSwürdiger und langweiliger Menschen, deren Beispiel so nachtheilig auf mich einwirkte, daß beide Eigenschaften auch sehr bald bei mir vorzufinden waren, so schr ich mich vorher vom Gegentheil überzeugt hielt Al« ich vierzehn Tage vergeblich gewartet und die Fremdenlifte cm einem jeden Morgen mit mehr Interesse gelesen, als diese Leclüre sonst einzuflößeu im Stande ist, wollte ich kein anderes Bad mehr aussuchen und blieb, krank, verstimmt.
So kam es, daß ich einem jungen Manne aus- wich, der gleich mir den öden und einsamen Weg durch die Dünen wählte, die ich häufig um ihrer interessanten Flora willen durchstrich; bieten sie ja außerdem nur einen mühsamen und melancholischen Spaziergang. Ohne es selbst zu bemerken, war ich in kurzer Zeit ein gutes Stück in meiner Genesung vorgeschritten und die Einsamkeit, in welche ich wider Willen gerieth, wurde mir zur heilsamen Arznei. Meine Verstimmung «ich einem heiteren Umblicke in
Nachdem mein Examen glücklich absolvirt war, sollte ein Seebad in wenigen Wochen wieder gut wachen, wozu ich vorher so langer Zeit bedurfte, um « zu verderben. Ich wählte daö Bad S. unb ging ; bin mit der Muse eines Mannes, der weiß, daß er ! sich nicht zu übereilen braucht, wenn er bis zum Zeit- totfte einer möglichen Anstellung wieder gesund fein leide er auch an dem hartnäckigsten aller chro- j^sihen Leiden. Ich hatte S. gerade nicht aus Vor- ”*e gewählt, sondern weil ich in diesem Sommer
Natur unv Welt und nun machte ich es mir zum Vonvurf, in meinem Egoismus die Möglichkeit von ter Hand gewiesen zu haben, einem ei -samen Kranken, denn dieses schien mir der junge Mann, meine Theil nähme gänzlich entzogen zu haben. Ich begann Interesse an ihm zu nehmen, und als er bei nächstem Begegnen meinen Gruß freundlich erwiderte, wechselten wir bald wenige Worte, hervorgerufen durch unsere beiderseitige Vorliebe für die Botanik. ES dauerte nicht lange, so machten wir unsere Exkursionen gemein
schaftlich und schloffen uns einander mit dem gegett- feitigen Genügen an, uns zu verstehen. .
Daß eine tiefe Melancholie auf dem Gemüthe meines neuen Freundes lastete, war unverkennbar, mir aber blieb der Grund hkrzu unbef-nnt, wie auch eine jede feiner Beziehungen zu der Welt; ich wußte nur fc viel, daß er der Sohn eines Gutsbesitzers aus OstfrieSland war, daß sein Name Davison sei und daß er eine größere Reise beabsichtigt hatte, in S. aber erkrankt war und da erst seine volle Genesung abwarten wolle.
So unerträglich mir anfangs mein Aufenthalt ist S. war, so sehr ich die Zeit herbcisehnte, die mich wieder in die Heimath führen sollte, so schmerzlich war mir jetzt der Gedanke, Davison wieder so einsam zu wiffen, wie gering ich auch daS Interesse, welches ihm meine Gesellschaft einflößen könnte, anschlug.
Ich hatte Briefe von Hause erhalten, dick Mich bestimmten, meine Abreise zu beschleunigen, da meiner Schwester Hochzeit gefeiert werden sollte. Diesen Entschluß nun Davison mitzutheilen, erschien mir kaum ausführbar und erfüllte mich mit einer Art von Beklommenheit. ! ■*'' r£ ’' ;1,
E« war an einem der schwülen Herbstabende, wie wir sie in jenem Jahre so häufig halten; wir gingen einsam am Strande des Meeres dahin, und nur daS Rauschen der Wogen, der melancholische Schrei der Möve unterbrach eine Stille, der nack unverkennbaren Anzeichen ein Sturm folgen mußte. So lautlos auch die Luft, so stürmisch war die See, die hastig ihre schäumenden Wellen dahin warf, einem menschlichen Gemüthe vergleichbar, von dem man noch nicht weiß, in welcher Art eS Empfindungen einen AnSdruck geben wird, Ne wie Flammen in seiner Brust lodern.
Fortsetzung folgt.) b n ,
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