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Marburg, Dienstag, den 29, Oktober. T*

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Eonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Dberdessischen Jettuna mit Kretsblatt burifc hi. Srn.hi»;»» »uchdrucker.i) bezogen »| MM> 87 »gt.) < (tret ®eM(Äurt

JnserNonSgebüdr ttir btt g«; palten« Ze,le 1 Sgr. Säutmtliche Annoncen-Lüreaus nehmen Inserate an. ? **

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Dte LaudtagSwahl.

Bei der letzten LaudtagSwahl haben wir geschwiegen, nicht, weil dieselbe kein Interesse für uns hatte, auch nicht deßhalb, weil wir die in der Stadt Marburg herrschende Gleichgültigkeit für diese wichtige Ange- legrnheit gebilligt hätten bekanntlich erschienen so wenig Urwähler bei der Wahl der Wahlmänner, daß kaum die erforderliche Zahl der letzterm gewählt werden konnte, sondern aus ganz anderen Gründen.

Wir wollten gegen den Professor Mangold trotz vielfacher Bedenken keine Opposition machen. Wir hofften von einer Vertretung de« Kreises durch ein Mitglied der Universität mindestens einen Vortheil für diese« hochwichtige Institut, auf dessen Gedeihen wir einen so hohen Werth legen, wir hofften einen gün­stigen Einfluß Seitens der übrigen Lehrer der Uni­versität in ihrer Gesammtheit und dadurch eine allseitige und gerechte Vertretung mindestens der Universität-- intereffen.

Leider haben wir un» bitter getäuscht; wir haben keine sachgemäße, wohlwollende Vertretung der Uni versität, der Stadt, des Kreises erhalten, sondern die einseitige Verfolgung persönlicher Zwecke einer kleinen Pnrchei'Es'IIf, - ---iffr--

Nachdem jetzt der seitherige Vertreter des Kreises das erwünschte Ziel erreicht und für sich eine Be- fördcrung an die große Universität Bonn durchgesetzt^. damit aber jede Verbindungmtt^er Universität und dein Kreffe aufgehörl hat, so ist für uns die Pflicht erwachsen, auf das Entschiedenste von einer Wiederwahl de« seitherigen Abgeordneten abzu- rathen. Wir sind überhaupt der Ansicht, daß ein jeder Abgeordnete seinem Wahlkreise angehören und mit demselben eng verbunden sein muß, weil er nur dann im Stande ist, denselben in großen und kleinen, in allgemeinen und speriellen Fragen richtig zu ver­treten; unser Abgeordnetenhaus muß viel mehr noch,

wie seither, au« tüchtigen Vertretern der Kreis-In­teressen zusammengesetzt sein. ,

Was soll nns tim» aber ein Prosefsor der Theologie in Bonn? Wer steht mit demselben hier in Verbindung außer seinen wenigen Partheige- nofsen. Was können wir für die Stadt Marburg-, was für den Kreis, was für die gewerblichen und ländlichen Interessen erwarten ?

sind aber auf dem diesjährigen Landtage sehr wichtige Dinge, welche voraussichtlich zur Entscheidung kommen. Wir wollen nur folgende hervorheben.

Die beabsichtigte Steuerreform erfordert einm Vertreter, welcher genau mit den Beschwerden des Grundeigenthums und de« kleine» Gewerbes vertraut ist und den guten Willen und die Einsicht hat, den­selben abzuhelfen. Die Eisenbahn von Altenhundem nach Marburg wird Gegenstand einer Vorlage sein und hierbei find mit Geschick die Intereffen des Kreises zu wahren. Bei dem Gesetz über das Gesammtcon sistorium wird rt u. A. von großer Bedeutung sein, daß der Sitz desselben, welchen die König!. Verordnung nach Marburg bestimmt, daselbst erhalten werde. Es muß hier daran erinnert werden, daß gerade die Morgenzeitungs-Parthei, welche jetzt Herrn Mangold recommandirt, den Vorschlag gemacht hat, Kassel zum Sitz des Consistoriums zu machen. Endlich be­darf die Regierung zur Durchführung der KreiSord- nung, welche demnächst auch bei unS eingeführt wer­den wird, einer kräftigen Unterstützung, damit die Selbstverwaltung und das Selbstbestimmungsrecht der Kreise und damit die wahre gesetzliche Freiheit der selben ihren Anfang und ihre feste Begründung erhalte.

Alle diese Dinge erfordern einen Mann von großer GeschäftSkenntniß ' autenz Willen und bester Einficht, nicht einen einseitigen, mit persönlichen Interessen be­schäftigten Parteimann.

Die Wahlmäimer von Stadt und Land nehmen eine schwere Verantwortlichkeit auf sich, wenn sie die Wahl auf eine Person lenken, Welche dieser ihrer aroßen Aufgabe nicht gewachsen ist. Weil nun der seitherige Abgeordnete die erforderliche umfangreiche Geschäftskenntniß nicht hat und vermöge seines Berufes

auch gar nicht haben kann, weil ihm der unbefangene Blick und die Unparteilichkeit abgeht, muffen wir un­entschieden gegen eine Wahl des Prof. Mangold erklären. Wir können auch denjenigen Candidaten, welche aus den «reisen unserer Landbewohner sich eben geneigt zeigen könnten, die schwierige Stelle zu übernehmen, in ihrem eigenen Interesse nicht rathen, für diese kurze Sitzungsperiode in die überaus schwie­rigen Fragen sich einzuarbeiten. Es würde für sie bei dem besten Willen nicht möglich sei», für ihren Kreis etwas zu leisten.

Dagegen sind wir der Ansicht, daß der frühere Bertreier des Kreises, Landrath Mayer, für diese Periode wieder zu wählen ist, weil er durch fein Auftreten in dem vorigen Landtage bewiesen hat, daß er gerade in den obenerwähnten Fragen die Interessen deS ganzen Landes und unseres Kreises und der Stadt am besten zu vertreten im Stande ist. Das ist die Ansicht nicht allein vieler Bewohner der Stadt und des Landes, sondern auch vieler Wahlmänner, auf deren ausdrücklichen Wunsch sich in den letzten Tagen Landrath Mayer bereit erklärt hat, eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen.

Deuffches Reich.

Berlin, 26. Octbr. Die Verhandlungen im Herrenhause nehmen unausgesetzt die Aufmerksam­keit aller Kreise in Anspruch; das Ergebniß der jüngsten Verhandlungen ist mit Bedauern zu registriren und hat die Erwartung über die neue Fraktion des Herren­hauses vollständig schwinden lassen; denn e« unterliegt feinem Zweifel, daß die bisherige Niederlage der Preisreform dem Umstande zuznschreiben ist, daß der neuen Fraction jedwede Zusammengehörigkeit fehlt. Dieser Ansicht wird in der gesammlen Presse Ausdruck gegeben und es ist denn auch wohl nicht zu leugnen daß man die Erwartung hegen mußte, daß hinter den Beschlüssen der freien Commission auch die neue Fraktion stehen würde DieS ist aber nicht der Fall und man kann daher nur dem, wie eS scheint, mit dm Verhältnissen vertrauten Gewährsmann derSchief Ztg." zustimmm, wenn er in entschiedenem Tone die

richtigen Zäger - ei soll sich um sein Bürgercasino kümmern, der Herr Vorstand o, es gibt doch böse Menschen!" '

Mit diesem Stoßseufzer schloß Herr Zipfelberger jedes Mal, wenn er der unglücklichen Vorstandswahl gedachte, bei welcher er so schändlich durchgefallen und deren Erinnernng der einzige Wurm war, der an seinem friedlich gemüthlichen a. D.-Dasein nagte.

Die Karline aber, welche sich ebenfalls der Jagd einladung ihre- Gatten baß erfreute, rüstete ihrem Hieronymus dieses Vornamens rühmte sich der Herr Finanzrath a. D. waidlich au« und eS gewährte in der That einen stattlichen Anblick, als er am Mor gen des ersehnten Tages stolz durch die Straßen deS StädtleinS dem Bahnhofe zuschritt. Liebend schmiegte sich die graue Schützenjoppe dem sanft gerundeten Bäuchlein an, das Herr Zipfelberger sich angepflegt, seit er den beschwerlichen Staatsdienst quittirt; die geräumige Jagdtasche, Pulverhorn und ein Waidmesser, Alles war in der schönsten Ordnung, und während die Erstere sich in lieblichen Träumen erging, waB sie AlleS heute noch verschlingen wollte, guckte die blanke Flinte mordlüstern in die Welt hinaus, jeden Augen­blick bereit, allem Leben in Wald und Feld ein rasches Ende zu machen.

Aber daS schönste am Herrn Finanzrath war der Hut. Er war zur Feier des heutigen TageS neu an geschafft und eS lag etwa« Kühnes, Verwegenes in dem schwarzen Gesellen, der so keck auf dem Haupte seines Besitzers saß, während die ihn zierende Spiel hahnseder sich im frischen Morgenwinde wiegte und jedem Vorübergehenden freundschaftlich zunickle.

Und er war gar nicht stolz, der Herr Finanzrath a. D. Warum auch? WaS konnte denn die übrige Menschheit dafür, daß sie nicht auch zu der Jagd des Herrn Baron von Schnabelpeter eingeladen war? DeS- halb grüßte er auch leutselig nach allen Seiten und that, al« ob er die Lobsprüche, welche ihm hie und da

Das Zagdvergnugen »es Herr« Zipfelderger.

6ine kleinstädtische Geschichte von Fritz Brentano*).

Es gibt böse Menschen.

So mag sich der Herr Finanzrath a. D. Zipfel­berger gedacht haben, al« er jüngst von der Jagd au« dem Schwäbischen wiederkehrte, wohin ihn sein Gönner, der Herr Baron v. Schnabelpeter eingeladen hatte, welche Einladung der Herr Finanzrath a. D., hochbeglückt über diese unerwartete und unverdiente Ehre, allen Verwaisten, Bekannten rc. mit großer Be geifterung vorgelesen und Wunders viel von dem Vergnügen erzählt hatte, da« ihn auf der Schnabel- peter'ichen Jagd erwartete.

Freilich war seine Freude dadurch in etwa« ge­schmälert worben, daß auch sein alter Widersacher, bet Vicefanzleivorsteher Hubserle, eine gleiche Einladung von dem alten Baron erhalten hatte allein dem war nun einmal nicht Abzuhelfen, abgelehnt hätte er darum bie hohe Ehre um keinen Preis uud bie Sache halte auch ibieber ihre gute Seite. Konnte er doch dem Herrn Dicekanzleivorsteher, der ihn seiner Zeit um die Vorstandsstelle im Bürgercastno durch seine schändlichen Wahlumtriebe gebracht, jetzt zeigen, daß er wenigstens die gleiche Stelle im Schützenvereine nicht unwürdig bekleide und welch gewaltiger Jäger eor dem Herrn er fei.

Karline," sagte er zu seiner grau,ich jage Dir, den Menschen, den Hubserle, blamire ich gründlich auf dieser Jagd. Du weißt, was ich für ein Schütze bin, denke uur an das letzte Gesellschaftsschießen, wo mir Keiner beikam. Der aber trifft keinen Schwanz was gilt die Wette? Kann er doch kaum die Flinte richtig halten und die Angst, wenn er losdrückt, gucki ihm a»S allen Knopflöchern. Ja, ja, da« sind mir die

*) Mit Genehmigung de« Herrn Verfassers ausAllerlei

Pech". Zweite verändert« Auslage. Leipztg, Luckhardl'sche Buchhandlung.

ein Bekannter über sein Jagdcostüm spendete, gar nicht bemerke.

Auf dem Bahnhofe hatte er einen kleinen Aerger. Da traf er den Vicekanzleivorsteher Hubserle. Freilich sah derselbe nicht so schönjagdmäßig" wie er au«, aber doch war ihm der Gedanke äußerst bitter, mit müssen""^" ^"schen den ganzen Tag zubringen zu

Jndeß er mußte doch in den sauren Apfel beißen und sogar den Gruß des Verhaßten, AnstandS halber erwidern. '

Der aber sah durchaus nicht so mürrisch drein.

Der Herr Hubserle war ein freundliche«, rund- licheS Männchen, welche« an« kleinen vergnügten Aeua- lein fröhlich in die Welt guckte und sich verdammt wemg aus dem Grimme be« Herrn Zipfelberger tu machen schien. 0

Seine Jagdjuppe war durchaus nicht so schön, als diejenige des Herrn SchützenvereinSvorsteherS, seine Flliite zeigte einigen Rost und sein Haupt zierte ein alter verwitterter Filz, der augenscheinlich schon man­chen 'Sturm erlebt hatte. Wie gejagt, er konnte sich mit dem Finanzrath a D. nicht messen, was ihm aber loloffalSchnuppe" war.

Selbstverständlich bestiegen die beiden Gegner ge­trennte Coups«. Keuchend fetzte sich der Dampfgaul in Bewegung und trug sie ihrem Waidvergnügen entgegen.

Der Jäger uud der Hund Die fressen alle Stund.

heißt ein alte« Jägerfprüchwott, welches auch die Jagd­gesellschaft be« Herrn Baron v. Schnabelpeter wahr zu machen gedachte, al« sie nach mehrstündigem Jagen sich an einem splendiden Jägermahl ergötzte, welches d«e Fran Baronin Schnabelpeter eigenhändig berge- richtet hatte. °

Es ist etwas eigentümlich Schönes um so ein Jägermahl im Herbst!ich-rothen Wald.