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Nlarburg, Dienstag, den 22. October.
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loren gegaiigeu, wie jetzt auch überhaupt nicht mehr eine compaklc Fortschrittspartei im Sinne der Con- fiiktszeit existirt. Diese Gemeinsamkeit war übrigens auch nur während dieser kurzen Periode vorhanden Bis 1858 waren in keinem der beiden Häuser die
verschieden abgestuften conjervativen Elemente zu einer großen conservativen Fraktion vereinigt gewesen. Selbst in den sogenannten Landrathskammern zählte die Fraktion „Gerlach" nur 30 Mitglieder. Daneben bestanden die eonservativen Fraktionen von Arnim und Gcbhardt-Bodelschwingh. Im Herrenhause war neben der Fraktion Stahl die Fraktion Jtzenplitz-Gaffere.
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Eine ähnliche Auseinandersetzung wird sich wahrscheinlich auch in der gegenwärtigen Session vollziehen. Das brüske Auftreten der „Kreuzztg." (in der Kreis- ordnungS-Frage) scheint ganz besonders geeignet, diesen Regenerationeprozeß zu fördern. Die inzwischen gebildete „neue Fraktion" ist wohl nur ein Nothbchelf und wird einer tieferen organischen Neubildung Platz machen müssen. Auf dem Boden des Reichstages hat hierzu schon das Programm der „national-monarchischen Partei" den paffenden Anstoß gegeben, der um so allseitiger wirken wird, als ja bekanntlich der größte Theil der Mitglieder dieser Reichstags-Partei auch zugleich in beiden Häusern des preußischen Landtages seinen Sitz hat. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die „national-monarchische Partei durch ein besonderes Organ ihren Bestrebungen Geltung zu verschaffen. — Der in das Cultuöministerium als Hülfsarbeiter berufene Krcisgerichls-Director Günther wird, wie man hört, wieder in den Justizdienst zurückkehren.
— 19. Octbr. Eine kaiserl. Cabinetsordre ordnet eine vierzehntägige Trauer der gesammten Armee für den Prinzen Albrecht an und legt dem litthauischen ersten Dragonerregiment für immer den Namen des Verstorbenen bei.
— Wie vorherzusehen war, hat die Ausarbeitung des neuen Gesetzentwurfes über die Erhebung der Klassensteuer, nachdem einmal der Minister die Ansichten der zwölf Vertrauensmänner gehört, keine großen Schwierigkeiten gemacht, noch ist die Sache verzögert worden. Der Entwurf soll, schreibt die „Slern'sche Correspondenz", bereits dem Staatsmini sterium zugcgangen sein und zwar in Form einer Novelle zum Gesetz vom 1. Mai 1851, betreffend die Einsührung einer Klassen- und klassifizirten Einkommensteuer. Die in dem Entwürfe vom Finanzminister zum Ausdruck gebrachten Vorschläge dürften in sehr vielen Punkten laut gewordenen Wünschen Rechnung getragen haben, aber von einer Aufhebung der Mahl ; und Schlachtsteuer soll im Entwürfe nichts stehen; dagegen wird vorgeschlagen, daß die Steuerpflichtigkeit erst mit dem 18. Lebensjahre beginne, daß die Veranlagung nicht mehr unter Berücksichtigung der bisherigen Unterscheidungsmerkmale und der Leistungs-
r,, . , außer beit Werktaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesilschr« Leitung mit Kreisblatt durch die Expedition (Koch'sche Vffl. (erd. Bestellgebühr und md- Stempelsteuer), -ür da« Ausland erd- stempel 18 •««.-
* yuiettionsgebüb; für die gespaltene Zeile 1 Egr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. .
Gerächt.
Historisch-romantische Erzählung von H. Z. lFortsetzung.)
Die Königin betheaerle, daß sie eines Mordes unfähig wäre, der Herzog aber schnitt ihr das Wort durch einen strengen Blick ab und fuhr fort:
„Wäre er in einer Gruft eingeschlossen gewesen, zu welcher sie allein den Schlüffel gehabt, so hätte ste ihn vielleicht verhungern lassen, mit Dolch oder Schwert würde sie ihn freilich nicht getroffen haben. — Zu dem trug er auf alle Fälle einen Panzer unter dem Hemde, wie ich, seht her — denn Richard fürchtete den Tod nicht, aber er fürchtete, daß ihm seine Rache entgehen könnte. Einst nun drang er bis in ihr Schlafzimmer. Der König war ausgegangen; sie war allein. Er setzte sich zu ihren Füßen nieder, wie ich hier zu Euren sitze, nahm ihre Hände, mit welchen sie ihr Gesicht bedecken wollte, zwang sie, ihm ins Antlitz zu sehen, und sagte: „Katharina! — nicht doch, Elfriede wollte ich sagen, war je ein Weib mehr gelicbr, als ich Dich liebte, sprich?"
„O, niemals!" stammelte die Königin.
„Thal je ein Mann mehr für ein Weib, als ich für Dich gethan?"
„Nie, nie!"
„Und ward je ein Man» grausamer belohnt, als ich es ward?" rief er wild aufspringend.
Die Königin fand keine Worte, nur ein leiser, fast unhörbarer Jammerruf glitt über ihre heftig zitternden Lippen, und Ethelword stellte ihr nun voll Ver zweiflung ihre ganze Treulosigkeit vor die Seele; er sagte ihr, wie er ihr dennoch Alles vergeben haben würde, ihr Vergeffen, ihren Undank, selbst seinen Tod — aber daß sie in die Arme eines Andern über- gegangen war, das konnte er ihr nicht verzeihen, das wußte ihren beiderseittgen Tod nach sich ziehen.
Indem verkündete daS Schmettern der Trompeten,
fähigkeit (§. 7 des Gesetzes vom 1. Mai 1851) geschehe , sondern nur nach Maßgabe des Einkommens, welches von 140 Thlr. jährlich an zur Veranlagung kommt und bis 1000 Thlr. Einkommen in 12 Stufen (1 Thlr., 2 Thlr., 3 Thlr., 4 Thlr., 5 Thlr., 6 Thlr., 8 Thlr., 10 Thlr , 12 Thlr., 16 Thlr., 20 Thlr. und 24 Thlr.) jährlich erhoben wird. Neu vorgeschlagen soll dann auch die Errichtung einer Centralcommission als Rekursinstanz gegen dje Entscheidungen der Bezirks-Commissionen sein. Der zweite Theil der Novelle betrifft die klassifizirte Einkommensteuer von über 1000 Thlr. und da soll der Maximalsatz wegfallen , die Steuer vielmehr dem Einkomnien folgen.
Dresden, 19. Octbr. Das „Dresdner Journal" dementirt die Zeitungsnachricht von Unterhandlungen der Berliner Disconlo Gesellschaft mit der sächsischen Regierung wegen Ankaufs der sächsischen StaatSeisen- bahnen. Das „Dresdner Journal" erklärt sich zu der Mittheilung ermächtigt, daß die sächsische Regierung nicht beabsichtige, die StaatSeisenbahnen zu verkaufen. — In den Räumen deS Kultusministeriums trat hier eine von sämmtlichen deutschen Regierungen, mit Ausnahme derer von Waldeck, Reuß ä. L. und Lippe, beschickte Conferenz höherer Schulbeamten zusammen Preußen war vertreten durch die Geh. Ober- regicrungsräthe Dr. Wiese und Dr. Stiebe, Baiern durch den Regierungsrath Zeitlmann und den Gymnasialrector Professor Heerwagen-Nürnberg, Sachsen durch den Geh. Kirchen- und Schulrath Dr. Gilbert, Würtemberg durch den Ablheilnngsdirector für Gelehrten- und Realschulen Dr. v. Binder rc. Unter den Vertretern der übrigen Staaten ist besonders der Oberconsistorialrath Dr. Schwarz aus Gotha weit über die Grenzen seines Ländchens bekannt. Interessant ist, daß ein besonderer Vertreter für Elsaß- Lothringen anwesend ist: Regierungs- und Schulrath Dr. Baumeister aus Straßburg. Die aus 26 Mitgliedern bestehende Versammlung wählte den preußischen Geh. Oberregierungsrath Dr. Wiese zu ihrem Vorsitzenden. Der Zweck der Versammlung ist, der Reichsregierung Vorschläge zu gemeinsamen und einheitlichen Einrichtungen in Betreff des höher» Schulwesens zu machen. In erster Linie gelten diese Be-
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daß der König aus dem Staatsrathe zurückgekehrt war. Katharina sprang voll Entetzen auf; sie beschwor den Herzog, zu fliehen, aber dieser blieb unbeweglich wie eine Bildsäule und weigerte sich mit laut erhobener Stimme, ihrem Willen Genüge zu leisten. Schon vernahm man die Schritte des Königs, schon rüttelte er an der verschlossenen Thüre und forderte seine Gemahlin auf, zu öffnen, denn er hatte nur allzuwohl eine Männerstimme in ihrem Gemache gehört. Katharina war vor dem Herzog auf die Kniee gesunken und flehte ihn an, sie lieber gleich zu tödten; dieser aber stieß sie so heftig von sich, daß sie aus die Erde fiel, und erst, als die Thüre bereits unter den Streichen des Königs wankte, zog er sich in die Gemächer der Prinzessin Margaretha zurück, indem er der Königin noch ein spöttisches: „Auf Wiedersehen, KaMrinal" zurief.
Den verdoppelten Schlägen mit einem Streitkolben war die Thüre endlich gewichen. Der König stürmte in Begleitung seines Gefolges herein, schritt gerade auf die Königin zu, und verlangte zu wiffen, wer bei ihr eingeschloffen gewesen. Sie befeuerte, allein ge wesen zu sein; aber sein mißtrauisch umhcrirrendes Auge halte bald Ethelwords absichtlich zurückgelaffenes Barett entdeckt, und mit wuthbebe^der Stimme verlangte er zu wiffen, wer dessen Eigenthümer sei. Als aber Katharina noch immer schwieg, rannte er grimmig auf die Thüre zu, die in die Gemächer seiner Schwester führte, denn nur auf diesem Wege konnte der kecke Waghals entkommen sein. Die Thüre war verschloffen, und als endlich auf vielfaches Drängen die Königin den Schlüffel herbeigeschafft, den sie selbst besaß, so sand es sich, daß eine Dolchspitze in dem Schlosse zerbrochen worden war. Der Flüchtling hatte seine Maßregeln gut getroffen, um nicht verfolgt zu werden — aber die Königin war in den Händen ihres erbitterten Gemahls zurückgeblieben, deffen Wuth in
dem Grade stieg, als sie sich weigerte, den Namen ihres Mitschuldigen zu nennen. Bitten und Flehen waren vergebens. Anna Boleyn hatte auch den Namen ihres heimlich Geliebten nicht nennen wollen, aber Heinrich hatte Mittel gefunden, ihr Schweigen zu brechen, und der Schmerz der Folterqualen preßte Norri'S Namen über ihre ehebrecherischen Lippen.
So unentschuldigbar Katharina'« bisheriges Benehme» auch gewesen war, so hörte sie doch in diesem Augenblick auf die Stimme ihres innere Richters, die ihr zuflüsterte, daß ste Ethelword um keinen Prei» verrathen dürfe. Sie ergab sich daher in ihr Schicksal, und sich unter die Hand der strafenden Nemesis beugend, sagte sie zu ihrem Gemahle:
„Ich bin in Eurer Gewalt, Sire; macht mit mir, was Ihr wollt."
Diese Rede empörte den König, der ihr Inneres nicht durchschauen konnte. Da sie kein Wort zu Ihrer Veriheidigung, zu ihrer Rechtfertigung sprach, so hielt er ihr Benehmen für starrköpfigen Trotz. Er liebte Katharina wirklich, und hätte gerne seine eigenen Augen und Ohren Lüge» gestraft, hätte sich gerne überredet, daß das Uebermaß seiner Liebe ihn zum Unsinn verleitet hätte — aber sie schwieg, und so gab er denn mit dem schmerzlichsten Gefühl, das er jemals empfunden hatte, den Befehl, die Königin gefangen zu nehmen und vor die Lords deS Oberhauses zu führen.
(Fortsetzung folgt.)
Rl»t«r»iffknschaftliche Skizze».
Von Dr. I. L.
(Fortsetzung.)
Ferner ist eS unverkennbar, daß bisweilen viele Jahre hindurch nie ein Polarlicht sichtbar wird, wäh* rend zu anderen Zeiten eine Epoche eintritt, wo eine Reihe von Monaten hindurch die Erscheinung in der prächtigsten Weise fast allabendlich, und selbst in der
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** Berlin, 19. Oct. DaS „Deutsche Wochen- I blatt“ enthält in seiner neuesten Nummer einen sehr ! beachtenswerthen Aufsatz über die Partei-Verhältnisse i rrot gegenwärtigen Landtage. Mit großem Rechte wird ! barin ausgeführt, daß namentlich in der conservativen i Partei eine anderweitige Gliederung eintreten müsse i unb werde. Schon bei den Kämpfen über das Schul- i aufstchtsgesetz und bei den Debatten über die Kreis- orbnung war zu constatire», daß die gegenwärtige Gestaltung der Parteiverhältniffe ganz unhaltbar geworden seien. Es ist nicht zu verkennen, daß schon bei s diesen Debatten der conservativen Partei in beiden i Häusern der innere principielle Zusammenhang ver- i’lottn gegangen War und daß Parteien, die bei so ■ kapitalen Fragen in zwei Lager auseinander fallen konnten, zu einer politischen Action völlig unfähig geworden sei. Als eine zuverlässige Stütze der Regie rung können sie keinesfalls mehr betrachtet werden. Die ietzige Partei-Gruppirung ist in ihrem Fortbe-^ I, well stände wesentlich erschüttert worden und kann nicht in 0 Th gleicher Weise sortbestehen, wenn die Partei nicht überhaupt beabsichtigen sollte — was sie doch nimmermehr chun wird — von dem politischen Kampfplatze gänz- lüh zurückzutreten. In dieser Partei sind gegenwärtig, noch äußerlich verbunden, innerlich mehr oder minder ► ••aJ widerstrebende und sich gegenseitig ausschließende Ele- mente. Ein großer Theil derselbe» ist aus der Con- M fliktszeit mit herübergenommen werben und die Be- rechngung dieser gesammten konservativen Partei der sreitaEÄorlschrittSpartei gegenüber ist in gleicher Weise ver-