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1872

Marburg) Sonnabend, dm 19. October

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Oberhessische Zeit««-

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Se. Diajestät der Kaiser wird am Sonnabend eingetroffen sein, um persönlich der feierlichen setzung beizuwohnen.

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ist ein Gesetz für Elsaß-Lothringen zugestellt, wonach zukünftig in den Reichslanden Advocatur und Anwalt^ schäft vereinbar sein sollen.

17. October. Die Leiche des verstorbenen Prinzen Albrecht wird auf Befehl des Kaisers morgen Abend in aller Slille aus dem prinzlichen Palaiö nach dem königlichen Schlöffe übergeführt werden. Sonnabend findet das Leichenbegängnis in feierlichem Zug vom Schlöffe aus nach dem Dome statt. Die Spen. Ztg." meld« hierüber: Nach Allerhöchstem Befehl soll die Leiche^ am nächsten Sonnabend im Mausoleum zu Eharlottenburg beigesetzt werden. Der Leichentransport nach dort wird in der voraufgehenden Nacht zwischen Freitag und Sonnabend stattfinden.

!II'

Heinrich lieben zu können, weil er König war, aber ste fürchtete ihn nur. Da fie es nicht vermochte, die Augen in seinem königlichen Bette zu schließen, so hatte sie Ruhe auf dem Sopha gesucht, und nun war er da gewesen, hatte ihre Träume belauscht, wo er Alle« hören, Alles entdecken konnte. Sie hätte möglicher­weise den Namen aussprechen können, der fie verderben konnte; den Namen7 den alle Dämonen der Hölle be­ständig in ihre Ohren raunten, den sie früh oder spät selbst aussprechen mußt«, wenn Ethelword fortfuhr, sie zu verfolgen, unsichtbar für. Alle, ausgenommen für sie, die ihn an der ersten Bewegung, an dem ersten Blick erkannte. Vor vier Tagen auf der Jagd hatte jein ihr wohlbekannte« Pferd das ihrige fast gestreift, und hätte es im Vorüberrennen nicht gewiehert, so würde sie Roß und Reiter für eine geisterhafte Er­scheinung gehalten haben. Vorgestern auf der Themse war seine Gondel bis an die ihrige herangekommen. Gestern hatte sein Gewand das ihrige in einem der Palasteorridors berührt; gleich einem Geiste, war er überall, und fand wie ein solcher überall Eingang; sie fragte fich, ob er etwa den bezauberten Besoardstein gesunden, der seinen Besitzer unsichtbar macht. Plötzlich fiel ihr ein, daß er gedroht hatte, nach acht Tagen zu kommen, um Rechenschaft von ihren Träumen zu fordern. Diese acht Tage waren um; sie wagte eS nicht, den Kops herum zu drehen, auS Furcht, ihn hinter sich stehend zu finden mit seinem finstern drohenden Ge­sicht. Sie streckte die Hand nach einer Schelle auS, um ihre Edeldamen herbeizurufen, als Ethelword, der schon feit einigen Minuten geräuschlos durch eine Thüre eingetreten war, welche die Gemächer der Königin mit jenen der Prinzessin Margaretha verband, ihr mit kräftigem Druck den Arm hielt.

Großer Gott, wo seid Ihr hereingekommen?" rief ste, indem sie noch mit schneller Geistesgegenwart einen halb auSgestoßenrn Schrei unterdrückte, der ihr«

diplomatischen Postens enffprach und mit dem Umstande zusammentraf, daß die Gesandtschaft in Konstantinopel durch den Rücktritt des erkrankten Herrn v. Keyser- lingk offen geworden war. Wozu es nützen soll, wenn durch eine Vermutbungspolitik wie die bezeichnete heute die englische Presse alarmirt und morgen di« öster­reichische mißtrauisch gemacht wird, ist schwer erfindlich."

Meiningen, 15. Oct. Aus dem Rechenschafts­bericht, den das landwirthschaftliche Directorium dem jüngsten Landtage erstattet, ergibt sich auch eine in­teressante und günstige Finanzoperation; die unsere Staatscaffe mit der mitteldeutschen Kreditbank abge­schlossen. Es hatte letztere nämlich die Verpflichtung gehabt, bei der im April d. I. erfolgten neuen Emission von 8 Millionen Thalern an die StaatS- casse für 300,000 Actien al pari abzugeben. Nun hielten eS aber Regierung und landwirthschaftlichrS Directorium nicht für »ppavtnn, sich auf Rechnung der Staatscaffe in Actienkäufe einzulaffm, und des­halb wurde mit der Creditbank verhandelt, daß die­selbe eine Abfindungssumme gewähre, wenn der Staat auf sein Bezugsrecht verzichte. Man einigte sich auf eine Coursdifferenz von 30 pCt., und sonach erhielt die Staatscaffe als Abfindung 90,000 Thlr. und außerdem noch die Vergünstigung, daß die Kreditbank daö bei ihr verzinslich angelegte Kapital des Prämien- Anlehens, deffen Verzinsung in diesem Jahre aufzu­hören hätte, noch bis zum Schluß des Baues der Meiningen-Schweinfurt-Bahn zu den seitherigen Be­dingungen behält. Man erkennt, daß beide Theile gut operirt haben.

Stuttgart, 17. Oct. Das heutigeDeutsche Bolksblatt" enthält eine Erklärung des Bischofs Hesel« von Rottcnburg bezüglich seines in derAachener Zeitung" veröffentlichten Briefes.Er habe so herßt es in der Erklärung jenen Brief geschrieben zu einer Zeit eigenen inneren Kampfes, da er ein Schisma für daö größte Unglück hielt, und anderer­seits glaubte, das Vatikanum nicht mit innerer Zu­stimmung verkünden, wohl aber dieser Lage durch Resig­nation entgehen zu können. Der Kampf habe noch fünf Monate gedauert, bis es ihm gelungen sei, in aufrichtiger Unterwerfung seiner Subjectivität unter

DentfcheS »eich.

w Berlin, 17. Oki. Es kann jetzt mit Zuver­sicht bestäugt werden, daß die vom Finanzminister vorbereitete Steuerreformvorlage ein« wesentlich v«r- inbertc Fassung erhalten wird, al» die im vorigen Winter eingebrachte. Wie man vernimmt, handelt es fich nicht nur um eine Entlastung betreffs der Klaffen- fieuer, sondern nm eine Regelung im Zusammenhänge mit der Einkommensteuer. Die Frage wegen Aufhe jung der Schlacht- und Mahlsteuer, welche bekannt- lich zu heftigen Differenzen im Landtage Anlaß gab, ist diesmal ganz in Wegfall gekommen. Trotz der verschiedenen Dementi'S halten einige Correspondenten mit großer Hartnäckigkeit daran fest, daß bereits eine Berathung der Specialetats im Staatsministerium ftaUgefunden habe. Dabei wird weiter erzählt, daß die Forderungen de« CultusministerS von dem Finanz­minister zurückgewiesen seien. ES muß noch einmal bestritten werden, daß die Ausstellung der Etats be­reit» so weit gediehen ist; bis jetzt sind eben erst pnncipielle Vorfragen erledigt. Eine ähnliche Hartnäckigkeit offenbaren die Berliner Correspondenten terAugSb. Allg. Ztg." in Bezug auf das Gerücht von den zwischen dem Fürsten Bismarck und Herrn Dt. Falk entstandenen Differenzen, indem sie sich gegenseitig mit ihren Berichten zu stützen suchen. Allen neueren Variationen gegenüber kann auf das Be­stimmteste erklärt werden, daß in unterrichteten Kreisen nicht» von solchen Vorgängen bekannt ist. Bereits kurz nach dem Schluffe deS Landtags war die Rede davon, daß die Krone beabsichtige, einige neue Mit glieber des Herrenhauses zu berufen. Die Angelegen­heit hat seitdem geruht, indessen ist es sehr wahr­scheinlich, daß noch vor dem Wiederzusammentritt der Kammern die beabsichtigte Berufung zur Wirklichkeit werden wird. Die Artikel der jüngstenProv.- Corresp." über die Fuldaer Erklärung haben einen großen Eindruck gemacht; fast alle Blätter öffnen den­selben ihre Spalten. Aus den Aeußerungen, mit wel­chen sie dieselben begleiten, geht klar hervor, daß di« Regierung der Unterstützung aller maßgebenden Par­teien bei der Regelung deS Verhältnisses zwischen Staat und Kirche sicher ist.- Dem Bundesrathe

Der »ranl tat Es citri al.

Ueber den Brand im Escurial wird derTimeS" von einem ihrer spanischen Correspondenten, der die Brandstätte persönlich besuchte, geschrieben:Der aus­gebrannte Flächenraum ist groß und umfaßt die ge- sammten oberen Stockwerke deS Collegio oder Semr-

Als die Ernennung deS Herrn v. Keudell zum Gesandten in Konstantinopel bekannt wurde, knüpfte man daran Conjecturen über die orientalische Frage, die sehr allarmirend waren. Die Wahl desVer­trauten" des Herrn v. Bismarck für jenen Posten sollte beweisen, daß man in Berlin auf die orientali­schen Dinge jetzt besonderes Gewicht lege, daß es dort also bald Verwickelungen geben werde. Wir haben jene Conjecturen nicht berücksichtigt, weil fte der tat­sächlichen Lage der Dinge völlig widersprachen. Die Dreikaiserzusammenkunft ist der beste Beweis dafür, daß Rußland auf eine agitatorische Politik in der Türkei vor der Hand wenigstens verzichtet, daß also der Ge­gensatz der russischen und österreichisch-englischen In­teressen dort gegenwärtig weniger als früher hervor- trete« Wird, und waS die Folge davon ist daß auch der deutsche Gesandte bei der Pforte heute we­niger als j« in die Lage kommen wird nach der einen oder der anderen Seite hin ein« besondere Action zu entfallen. Zu bedauern ist nur, daß durch jene müßige Combination die auswärtige Presse unnützer Weise gegen uns in Bewegung gesetzt wird.Es wurde schon oft bemerkt", schreibt in dieser Beziehung ein wohlunterrichteter Korrespondent derK. Ztg ",daß die Ernennung des Herrn v. Keudell seinen seit län­gerer Zeit gehegten persönlichen Wünschen wegen eines

O, thut das, mein königlicher Herr", erwiederte Re in dem Tone inständiger Bitte. Aber kaum war Heinrich fort, als ste Kopf und Arme sinken ließ und fich erschöpft auf da» Ruhebett warf. Sie fühlte, baß ihre Stirne sich schnell furchen würde unter dem bestrebe«, eine heitere Maske zu tragen, indessen ihr Herz mit Betrübniß erfüllt war. Sie hatte geglaubt,

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Gerächt.

Historisch-romantische Erzählung von H. Z.

(Fortsetzung.)

Roch einen Augenblick", flehte sie schmeichelnd. Ich habe eine Nebenbuhlerin, über die ich fürchterlich eifersüchtig bin, Heinrich, denn sie beschäftigt Euere Bedanken mehr als ich selbst; f« stiehlt mir Stunden, töt mir angehören sollten . . , diese Nebenbuhlerin ist fejglanb."

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Ich liebe Euch so sehr, Heinrich, daß ich Euch leme Minute zu vergessen vermag. Doch bin ich Königin, so wie Ihr König seid. Ich sollte mich Ach um England, um die Interessen meiner Krone, «n meine Unterthanen bekümmern. Nehmt mich mit

* den Staatsrath."

Thörin l" schalt der König, indem er die gefähr­liche Zauberin mit liebevollem Lächeln ansah.

Bin ich nicht Königin", sagte ste ein wenig verletzt, »und habe ich in dieser Eigenschaft nicht das Recht k» Vorsitzes? . . . Sprecht ausrichtig, traut Ihr Air nicht eben so viel Verstand zu, als dem Herzog bon Sussex."

Damen leicht aus dem Nebenzimmer hätte herbeiziehm können.

Er deutete schweigend auf die Thüre, die zu ihre» BetteS Häupten war.

So seid ihr denn ein Zauberer," sagte Katharina, ihm einen Schlüssel zeigend,daß sich diese Thür« vor Euch öffnet, indem ich selbst den Schlüssel abge­zogen hatte." #

Du vergißt stets, daß eS Thüren gibt, die mit zwei Schlüsseln verschlossen und geöffnet werden."

Sie eilte schnell an die Thüre des Vorzimmer» und verschloß sie mit einem starken Querholz, um fich von dieser Seite vor jeder Ueberraschung zu sichern.

Arme Katharina!" sagte er hierauf, indem er sich mit gekreuzten Armen vor sie hinstellte, fo bist Du beim jetzt in dem Palast zu Whitehall in derselben Lage, in welcher ich im Schlosse zu Dierham war, und wendest nun eben fo viele Sorgfalt an, mich vor Aller Augen zu verbergen, al6 ich anwandte, um Dich den Blicken deS Königs zu entziehen."

Wenn Dich der König hier jähe, so wären wir verloren beide verloren", stammelte fie in drängen­der Hast. - - -

Das sagte ich Dir dort auch." '* *'»*

Aber waS willst Du nun von mir? Spricht" Dich Wiedersehen will ich; hören will ich, ob Du glücklich bist in Deiner neuen Würde, und Dich fragen, was Du während des Tages ihust, und während der Nacht träumst."

(Fortsetzung folgt.) - M

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Bonn- und Feiertagen. Preis für baS Quartal der Oberhesstsche« Leitung mit Kreisblatt durch di« Expedition (Koch'sche Buchbruckerei) bezogen 21; »gr., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Psg. (excl. Bestellgebühr und ind- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 12 «gr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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i [Doch", versetzte er laut auflachend,ihr beide zusammen werdet etwa halb so viel Verstand besitzen, «ls mein Starr für sich allein hat. Auf Wiedersehen, Katharina; sobald ich einen freien Augenblick habe, »erbe ich mich an» bem StaatSrathe fortstehlen, um Dich zu fragen, ob Du an mich denkst."

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