1872
JtlatBurg, Freitag, den 18. October.
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„Ihr könnt mich doch nicht verderben, ohne Euch ■it in den Abgrund zu ziehen."
„Ich habe es Euch gesagt, Katharina, mein Schicksal wird das Eure sein, im Leben wir im Tode. — Dir haben dasselbe Bett getheilt, wir werden dasselbe Blutgerüst besteigen, und in demselben Grabe schlafen."
Blatt widmet in zwei Abschnitten der Denkschrift eine Kritik und zwar wird im ersten Artikel dagegen gesprochen, daß, wie die Bischöfe angeben, die gegenwärtigen Wirren plötzlich und gegen ihre Erwartung über sie hereingebrochen seien. Beide Artikel sind in der ruhigen und würdigen Sprache abgrfaßt, welche man in den Organen der Regierung zu finden gewohnt ist. Der zweite Artikel weist nach, daß die Denkschrift dazu angethan ist, die Entschließung der Regierung gegen die Hierarchie zu beschleunigen.
Berlin, 16. Oct. Die „Provinzial-Correspon dcnz", die Denkschrift der deutschen Bischöfe besprechend, jagt: Wenn die preußische Regierung nach Erlaß der Befassung im Vertrauen auf die dermaligen Beziehungen zu den Kirchengewalten es zunächst unterließ, den Artikel 15, nach welchem die evangelische und katholische Kirche, sowie jede andere Religionsgesellschafk ihre Angelegenheiten ordnet und verwaltet, in seiner Bedeutung und Tragweite durch ausdrückliche Ausfüh- rungsgesetze festzustellen, wie solche sonst fast zu allen ähnlichen VerfassungSbestimmungen ergingen, so ist eS jetzt, nachdem die Bischöfe das Gebiet kirchlicher Angelegenheiten eigenmächtig zu bestimmen und willkürlich auszudehnen versucht haben, unerläßlich geworden, durch unzweideutige und »nantastbare Staatsgesetze diejenigen Gebiete zu regeln, welche nicht lediglich Kirchen-Angelegenheiten sind, sondern zugleich zum bürgerlichen und staatlichen Leben irgend eine Beziehung haben. Das jetzige Auftreten der Bischöfe wird unzweifelhaft das Wort des Reichskanzlers in Erfüllung gehen lassen, daß die Regierung den Ansprüchen von Personen des geistlichen Standes gegenüber, wo nach es LandcSgesetze geben könne, welche für sie nicht verbindlich seien, ihre volle und einheitliche Sou veränetät mit allen Mitteln aufrecht erhalten werde. Die Souvcränetät kann nur eine einheitliche sein und
dann führte sie der König zu seiner Schwester, und ließ den Erzbischof wegen der Trauung benachrichtigen.
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Eine Woche später trat der König unvermuthet in das Gemach, in welchem seine Gemahlin schlummernd auf einem Ruhebette lag, und zum zweiten Male seil acht Tagen verriethen ihre Träume irgend eine geheime Furcht, oder Gewissensbisie. Heinrichs scharfem Verstände entging eS nicht, daß irgend eine mächiige Ursache vorhanden sein mußte, daß der Geist auf diese Art wachte, indesien alle Sinne schliefen; daher lauschte er mit angehaltenem Athrm, als sie in abgebrochenen Sätzen folgende Rede aus stieß:
„Der König liebt mich — Hak — Nein, nein, Du nicht — Einschlafen und nicht mehr aufwachen — Dieser Schlüssel", rief sie, plötzlich die Hand auS- streckend und öffnend, als ob sie etwa» falle« ließe: „dieses Wasser — Ha!"
Ihre sonst so schönen und anmuthigen Züge waren in diesem Augenblick gräulich entstellt und verzerrt. Sich de» alten Volksglaubens entsinnend, der da sagt, daß, wenn man mit Träumenden spräche, sie hörten und antworteten, nannte der König den Namen seiner GemahUn mit lauter Stimme.
„Wer ruft?" fragte sie mit geschlossenen Auge'l, „wer ist in diese Gruft herabgestiegen? — Dieser Ring — ich will Königin sein —"
„Das bist Du ja, mein süßes Leben. WaS kannst Du noch weiter «Krischen?" sagte der König be- schwichligend.
„Eine Krone, eine Krone — weiße Haare —" fuhr Katharina in ihrem wilden Traume fort: — „Ja, ein Block — der Todesblock Anna Boleyn'S — Aus die Knie nieder — O, Gnade —"
Sie fuhr in Todesangst aus dem Schlafe empor, fühlte mit beiden Händen an ihren Hals, und atö sie, die wildrollenden Blicke umherwerfend, den König an ihrem Lager erblickte, fiel sie wie wahnsinnig vor ihm nieder, wimmerte um Gnade, und flehte ihn an, ihr das Leben zu schenken.
„Du bist verrückt, Katharina!" sagte der König lachend. „Stehe auf, und bevor Du mich um Gnade bittest, sage mir erst, was ich Dir verzeihen soll."
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litt, litt, ritt, uni chalk
Gerächt.
Historisch-romantische Erzählung von H. Z.
(Fortsetzung.)
„Um goldene Träume zu haben, bedürft Ihr also eines Bettes, worin schon vier Königinnen geschlafen haben? Wagt eS, die Augen darin zu schließen, Ka- charina, und in acht Tagen werdet Ihr mir sagen, »as Euch diese Königinnen in die Ohren geflüstert haben, zur Stunde, in welcher die Tobten ihre Gräber verlasien. Ich werde kommen, um Euch zu fragen."
„So werte ich Euch denn wieder sehen?" rief sie »st brechenden Knieen.
„Zweifelst Du daran, Katharina?" sagte er ruhig. »Sind wir nicht vor dem Altar verbunden und trennt nicht der Tob allein, was der Priester gesegnet hat? — Za, Du wirst mich wieder sehen, denn die geheimsten Schlupfwinkel des Palastes sind mir bekannt — Königin von England geworden, bleibt Katharina Howard nach wie vor Marquise von Derby. — Meine Rechte find älter, als die des Königs, und welch treuer Unterthan ich auch bin, so kann ich doch nicht tinwilligen, ihm mehr als die Hälfte derselbe« abzu- treten."
„Aber ««» wollt Ihr dann beginnen?" fragte sie
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täalick außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal der Oserhesfische« Seitung mit ÄteWblatt durch die Expedition (Koch'schr " Auch druck er e U bezogen 22$ Egr., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), ftlrdaS Ausland excl. Stempel 22 ®gr.-
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■it steigender Seelenangst.
„Ihr seid auf einem krummen und langsamen Wege D« Throne gestiegen, Katharina I eilt Euch, das Glück, ihn erreicht zu haben, zu genießen, denn Ihr werdet Ms raschem, schlüpfrigem Wege herab kommen."
Deutsches Geich.
iu“fl ## Karli», 15. Oft. Einige Blätter wollen be- uits den Tag der Beisetzung deS Prinzen Albrecht »isien; eS ist selbstverständlich, daß alle Bestimmun- L„ über daS Lcicheubegängniß von Sr. Majestät ab» Jungen und daher vor dessen Rückkehr nach Berlin skeine Anordnungen getroffen werden können, um so »ehr, da btt Verstorbene im Testament Wünsche auS- -espr'ochen hat, deren Ausführung von der Genehmi- Mita de« Kaisers abhängig ist. -- Die Nachricht der Montags-Ztg.", daß Fürst BiSmarck seinen Arzt nach Larzin habe kommen lassen, ist von der „Nordd. Allg. ata." berichtigt mit dem Hinzufügen, daß Fürst Bis- mrck's Zurückkunst nach Berlin nicht so lange hinaus- fteichvben werde, als ursprünglich angenommen. Wenn diese Bemerkung andeuten soll, daß Fürst BiS- merd bei den Verhandlungen und Conserenzen theil- weise thätig sein werde, so wird diese Berichtigung für ziemlich richtig gehalten. — Die Berufung des Herrn GeheimeNrathS Herrmann aus Heidelberg als Präsident deS evangelischen Oberkirchenralhes hat nunmehr die Genehmigung deS Kaisers erhalten; über dm Zeitpunkt, wenn derselbe fein Amt übernimmt, ist nech nichts bestimmt. — Die durch den Tod des
Iw Geh. Ober-RegierungsrathS Pehlemann erledigte Stelle eines Vorsitzenden der verschiedenen Regierungs- Commissionen, im Munde des Volkes als Berliner Regierung bezeichnet, wird dem Consistorialrath Mühlenthal unter Verleihung des Titels als Wirkt. Geh. Reg.- rath zufallen. — Der evangelische Oberkirchenrath hat im Einverständniß mit dem CultuSminister die Stipendien des Prediger-Seminars in Wittenberg von 200 Thlr. auf 250 Thlr. erhöht. — Welche Stellung die Regierung zu der Denkschrift der deutschen Bischöfe einzunehmen gedenkt, darüber gibt die heü tize „Prvv.-Corresp." Aufklärung. Das halbamtliche
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Lberhessische Zeitung
Nahende Schritte vergönnten ihm kaum noch, schnell zmug hinter einen vorspringenden Pfeiler zu treten, et« die Thüre aufgeriffen ward und der König, in Begleitung vieler Pagen und Hcfherren, herein trat.
„Mylords, hier stelle ich Euch die Königin vor! begrüßt sie!" sagte er, indem er auf Katharina zeigte, sich so gut als möglich gefaßt hatte.
Die Höflinge brachten ihr ihrt Huldigung dar,
muß eS bleiben: die Souveränetät der Gesetzgebung. — Der „Reichsanzeiger" meldet die Verleihung des Charakters eines wirklichen geheimen Ober-RegierungS- raths an Dr. Stiehl bei dessen Entlastung auS dem Amte.
— Der Lasker'sche Antrag wegen Ausdehnung der Reichscompetenz auf weitere Rechtsgebiete, hat seit dem letzlen Reichstagsbeschluß geruht und es liegt nichts vor, als die ausgesprochene Absicht, durch Minister- berathungen eine Verständigung herbeizuführen und auf Grund der Resultate derselben sich im Bu'ndeS- rath über Zustimmung oder Ablehnung deS Antrages schlüssig zu machen. Daß Preußen für die Annahme des Antrages ist, darf wohl als bekannt angesehen werden. Die übrigen sonstigen Anhänger PreußenS fiud gethcilter Ansicht; Württemberg ist geneigt, dem Anträge in einer oder der anderen modificirten Form beizutreten; Bayern hielt sich bekanntlich ganz zurück; Sachsen endlich gehört zu den entschiedensten Gegnern und es verlautet, daß man in Dresden eigentlich der Bildung einer gegnerischen Gruppe mit Gewißheit entgegcnsah, um sich derselben anzuschließen. — Von sonst gut unterrichteter Seite wird jetzt bekannt, daß die Stellung der Reichsregierung zu den kirchenrechtlichen Fragen einen Gegenstand der Berathung der Justizminister von Bayern und Württemberg bilde und daß die ultramontane Agitation, wie sie in der letzten Zeit in den Wandervcrsammlungen, Vereinsgründungen und bischöflichen Erlassen hervorgetreten sei, den Standpunkt der süddeutschen Regierungen dem Laskerschen Anträge gegenüber wesentlich verändert und günstiger gestaltet habe. Diit um so größerer Spannung darf man dem Beginn der BundesrathS- thätigkett entgegensehen.
— Im CultuSministerium ist man gegenwärtig eifrig mit der Frage der Errichtung von FortbildungS-
Zu sich selber kommend, warf sie jetzt die Blicke um sich, und rief erröthend:
„Es war ein Traum — O, ein abscheulicher Traum! — Und Ihr seid hier gewesen, Sire? Glaubt nicht» von Dem, was man im Traume spricht; Ihr wißt, Heinrich, Träume sind Kinder des Schlafs und der Nacht, die Brüder des Wahnsinns — man sagt zuweilen sonderbare Dinge im Traume."
„Beruhige Dich, Katharina, Du hast Nichts gesagt", versicherte sie der König, in besten Seele Mißtrauen erwachte, „Nichts, als einige Worte ohne Zusammenhang."
„Was hätte ich auch sagen können?" sagte sie, fictoar erleichtert durch die Versicherung des König«. „Mhk, gnädiger Herr, einem armen Kinde, das, wie ich, in der Einsamkeit erzogen worden ist, muß es sonderbar Vorkommen, sich plötzlich in einen Palast, mitten in die Herrlichkeit des Hoss, versetzt zu sehen, und einer Welt von Höflingen zu gebieten." Beide Arme um den Hals ihres Gemahl« werfend, fuhr sie mit Innigkeit fort: „Bin ich doch von einem König geliebt, und von welch einem König! von Heinrich von Lancaster, dem Löwen von England, der von mir gezähmt worden ist." w
„Deine Arme, mein holdes Weib", sagte der König, indem er sie fest an seine Brust drückte, „sind mir eine so sanfte Kette, daß ich niemals versuchen werde, sie zu brechen. Dennoch muß ich mich ihr für einige Augenblicke entziehen, denn man erwartet mich im Staatörath."
(Fortsetzung folgt.) '
Prinz Albrecht mn Preuße«.
DaS königliche Haus von Preußen hat einen schweren Verlust erlitten. Seine königliche Hoheit Prinz , Albrecht (Vater) von Preußen ist am 15. d. M. , Abends nach 11 Uhr, nach fünswöchentlichem schwerem i Krankenlager an der Lungenlähmung entschlafen. Der i verewigte Prinz war als jüngstes Kind König Friedrich : Wilhelms III. und der Königin Louise am 4. Oktbr.
1809 zu Königsberg geboren und hat also eben da« I 63. Lebensjahr vollendet. Der Prinz erhielt zum Er- : zieh er den Geh. Ralh Nienstädt, zum Militärgouver-
rttur, Nachdem er nach dem in der königlichen Familie