Marburg, Mittwoch, den 16. October.
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1872.
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Oterhessische Zeitung
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7 ruhige und besonnene Unheil« in der Presse gefällt hnunz anb namentlich findet man solche Uriheile in der ^ou* national-liberalen Presse; eS muß daher um so mehr bf ? «uffallen, daß die „Weser-Ztg." in einem scharfen
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und biNern Ton über die Berhandlungen des Con-
kaum vorher einnahm, sie hätten aber auch in Hessen,
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man die Promnzialblätter liest; man wird al«-- sofort erkenne», daß diese ein ganz andere« Ur- sällen, daß sic sich in eingehender Weise mit
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Augen, und fuhr verzweifelnd mit den Händen Haare.
„Und wenn ich dann einst erfahren hätte
anb daß eben diese Besprechung den Schluß ziehen läßt, daß man in der Bevölkerung doch großen An- tfjfH an den Berathungen der Provinziallandlag« nimmt; besonders in den Provinzen Hannover und Schleswig Holstein widmet man den Provinziallandlagen große Aufmerksamkeit, die Blätter dieser Pro- «inzen geben ausführliche Bericht«, erörtern die Be- schiüssr und Abstimmungen. Uebrigen« sind die Be- rathungen in der Provinz auch von großem Werth rür Kreise über die Provinzen hinaus, da ein großer Theil der in den Landtagen der Provinzen zur Beratung stehenden Gegenstände auch im preußischen Landtage Vorlagen bilden werden. Was die Gewährung von ProvinzialfondS anbelangt, so wird bestimmt berichtet, daß diese für die alten Provinzen nicht allein im Budget figuriren werden, sondern Gegenstand einer besonderen Vorlage sein werden. — üeder den Eisenacher Congreß werden im Allgemeinen
gresies losfährt und die „Prvv.-Corresp." mit in ihre Erörterung hineinzieht. Die „Weser-Ztg." meint, daß dir „Prvo -Corresp." die Bundesgenossin der Eongreß Männer geworden sei und daher müßte diese den Aerger über ihr Treiben aussprechen. Demgegenüber ist mit zu bemerken, daß die „Prov.-Corresp." in vb- jckiver Weise über di« Verhandlungen de« Congresses berichtet hat, daß di« „Prov.-Corresp." weder Neuerung«, noch so lange sie besteht, irgend Aeußerungen gcthan hat, welche sie als Anhängerin Lassalle's do- cumentirl Daß die „Prov.-Eorrefp." mit dem Geh. Dber-Regierungsrath Wagner in keiner Beziehung steht, wie die „Weser Zig." meint, ist wohl nicht «st nöthig zu demcnliren, da diese Angabe zu absurd
dem Augenblick an leben, wo ich das Grab verließ, und meine Erinnerungen gehen nicht weiter zurück." „Aber, geliebte Katharina, wie bist Du auS dem Grabe gekommen?" fragte rr mit zärtlicher Theilnahme.
ist. — Nach einer Uebersicht über Anpflanzung, Ertrag und Preis des Tabak« in Preußen für 1870 wurden in 14,050 Gemeinden Tabak gebaut, in wel chen 22,995 Morgen mit Tabak bepflanzt waren; auf diesen wurdrn 184,683 Etr. Tabak geerntet. Was die Qualität betrifft, so ist der schlesische Tabak der vorzüglichste gewesen, da dort eine Sorte mit 18 Thlr. bezahlt worden ist, in Hessen-Nassau wurden, wie es scheint, die schlechtesten Sorten von Tabak gebaut, da dort nur 111/2 Thlr. bezahlt wurde.
— 14. Oct. Nach einem heute ausgegebenen Bulletin ist der Krankheitszustand des Prinzen Albrecht ein zunehmend bedenklicher. Durch die Steigerung aller Krankheits-Erscheinungen ist die Lebenskraft sehr geschwächt. — Bei der im 3. Berliner Wahlbezirk stattgehabten Ersatzwahl zum Landtage wurde an Stelle Schulze-Delitzsch' der Candidat der vereinigten liberalen Partei, Geh. Regierungsrath Kerst, mit 463 Stimmen zum Abgeordneten gewählt. Erschienen waren 482 Wahlmänner. — Die heule abgehaltene, aus ganz Deutschland äußerst zahlreich besuchte Ge- neralvelsammlung des deutschen Tabaksvereins sprach sich fast einstimmig gegen jede Erhöhung des Tabakszolles, sowie gegen die Einführung einer Tabakssteuer aus und beschloß die Einreichung einer bezüglichen Petition und Denkschrift an den Bunderath und Reichstag.
Frankfurt a. M., 14. Octbr. Dr. Barren- trapp dahier und Professor Hirsch in Berlin sind auf gefordert worden, sich gutachtlich in Betreff der Institution eines Reichsaimes für öffentliche Gesundheitspflege zu äußern. Es ist den Herren ein System von Fragen vorgelegt worden, welche sich auf den Umfang der künftigen Wirksamkeit de« Gesundheitsamtes be zichen. Durch diesen Schritt ist >ie weitere Befragung der wisfenschaftlicden, bezw. technischen Abtheilungen der Ministerien des Handels und der-Medizmal-Ange- legenheitcn nicht ausgeschlossen.
Darmstadt, 14 Oft. Abgeordnetenkammer. Mi- nisterpräsivent Hoffmann verliest «ine Erklärung, worin derselbe dir von dem Großherzog ausdrücklich gutgeheißenen Grundsätze, nach welchen die Regierung die Verwaltung de« Landes führen wolle, kundthut. Ueber die Stellung zum Reiche sagt die Erklärung: Die großen Ereignisse von 1870 und 4871 hätten Deutschland eine Machtstellung verschafft, wie eS sie
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Haupt an dem Marmor der Grabmäler zu zerschellen gesucht, indem es Gott verfluchte —"
Ihrer inneren Bewegung nicht mehr länger widerstehend, sank Katharina vor den Füßen de« König« ohnmächtig zusammen. In der Meinung, daß die Erinnerung ihrer auSgestandenen Leiden das zarte Mädchen allzuheftig ergriffen habe, trug sie Heinrich an das offene Fenster, und suchte sie mit den zärtlichsten Liebesworte» in da« Leben zurück zu rufen. Endlich schlug sie die Augen auf, aber ihr Blick blieb starr, ihr Körper bewegungslos.
„Endlich I" rief der König, und ein tiefer Seufzer erleichterte seine Brust. „Siehst Du, hörst Du mich, mein süße« Leben?" fuhr er fort, sie in einen Sessel niederlassend. '3
„Ja", erwiederte sie. ------ . - a-
„Aber wie ist es mit Deinem Gedächtniß?"
„Ich befinde mich im Palast zu Whitehall; dort ist der Thron, Ihr seid der König, und an meiner Hand fehlt ein Ring."
Der König überreichte ihr dmstlben, und beschwor sie, ihn zu behalten, um ihn nie mehr abzu legen.
„Also erneuert ihr der lebenden Katharina die Versprechungen, die Ihr der tobten gemacht habt?" fragte sie mit dem schnellen Aufblitz stolzer Freude. Und als der König ihre Frage bejaht hatte, heftete sie die Augen wieder fest auf den Schlüffe! und fuhr fort: „O, wiederholt Alle» noch einmal, denn ich habe Eure Gelöbnisse nicht gehört, und e« thut mir noch, sic zu hören. Sprecht, Sire! sagt mir die Zauberworte, welche die Erinnerung einschläsern, den Geist entzücken, da«iH<rz berauschen. — sprecht — sprecht —"
„wie
„Entsetzlich! entsetzlich!" rief Katharina mit starren
„Auf Nichts", erwiederte sie eintönig.
„Aber die Vergangenhest?" W
„Ich habe sie vergessen"
„Ganz?"
„Ja", bethenerte sie feierlich. „Ich will nur
Deutsches »eich.
•• Berlin, 14. Oktbr. Demokratische Blätter sprechen mit großer Geringschätzung über die Thätig- feit der Provinziallandtage und über die Theilnahms
«eracht.
Historisch-romantische Erzähluug von H. Z.
^Fortsetzung.)
„Katharina Howard!" rief er mit einem fast wilden Aufschrei de« Erstaunens. „Wie ist es möglich, mein ®etl! — Ist es ein Schatten? ist e« Wirklichkeit?"
Er nahm sie in seine Arme und hob sie hoch k»pvr.
„Lebend! Lebend!" rief er au«. „Oh! ich sah Dich ja im Sarge in ein Leichentuch gehüllt — bleich kalt, wie ein Marmorbild. Wie kommt es, daß dem Grabe entstiegen bist? O sprich! sprich! Deine stimme nur kann mich überzeugen, daß Du kein @e- lprnst bist."
„Sire", erwiederte sie mit bebender Stimme, „ich nicht das erste Mädchen, das man für tobt hielt, 6^renb es nur ohnmächtig war unb in bem Sarge ®ttbtt erwachte."
„Aber wenn daS wahr ist, so sprich mit einer atu Stimme, mit einem anbern Ton zu mir; laß in ®tine Augen wieder Leben, auf Deine Wangen wieder ?öthe erscheinen, sonst kann ich Dir nicht glauben.
weißt Du denn, baß ich Dich liebte?"
„Man hat e« mir gesagt"
. „Weißt Du, daß ich trostlv« in Deine Gruft geigen bin? daß ich felbst diesen Ring an Deinen owger steckte?"
„Auch da« hat man mir erzählt, und ich bringe v* auch zurück, Sire."
„War denn Dein Schlaf so tief, daß Du Dich 'M Nichts besinnen kannst, wa« während seiner Dauer Sing?"
stand beseitigt, der ein absolut unhaltbarer gewesen sei. Schon deshalb sei es natürlich, daß in Hessen die lebhaftesten Sympathien für Kaiser und Reich vorhanden seien. „Die Regierung weiß, daß st« mit den Gesinnungen der überwiegenden Mehrheit be« Landes übereinstimmt und daß sie zugleich das Interesse de« großherzoglicben Hauses und des Lande« am besten wahrnimmt, wenn sie ihre Pflichten gegen da« Reich mit voller, freudiger Hingebung an die großen nationalen Aufgaben des deutschen Gemeinwesens erfüllt und wenn sie in diesem Geiste ihr Recht zur Mitwirkung bei den gemeinsamen deutschen Angelegenheiten ausübt." Ueber die inneren Angelegenheiten sagt die Erklärung u. A., daß man sich bestreben werde, Einrichtungen zu treffen, durch welch« die Bevölkerung zur Theilnahme an der Verwaltung in größerem Maße, al« bisher geschehen war, herangezogen würde. Sie enthält Zusicherungen bezüglich de« Volksschulwesens und der Industrie. Was katholische Kirche betrifft, sagt der Minister weitdch so wird es vor allen Dingen darauf ankommen, den Rechtsboden für das Verhättniß zwischen Staat und Kirche wieder klar und sicher zu stellen. Der Minister schließt: „Es ist keine Parteiregierung, die Ihnen gegenübersteht; es ist eine Regierung, die kein anderes Programm kennt, als das Wohl be« ßanbe«, und sie zählt aus die Unterstützung aller Derjenigen, welchen diese« Wohl am Herzen liegt und die gleich ihr wünschen, mit Gotte« Hülse die reichen Keime der Wohlfahrt, die unser Land in sich birgt, zur vollen Entwicklung zu bringen und Hesfen zu einem kräftigen und deshalb angesehenen und geehrten Mitglied« der deutschen Staatenfamilie zu mache«. Auf dies« Erklärung erwidert der Präsident der Kammer Namens der letzteren, daß die Kammer Alle« aufbieten
während ich mich hier in meinem Palaste im licht berauschte, ein geliebte« Wesen, die Hälfte Herzens, solche Qualen erduldet, sich trostlos Rächt des Grabes gewälzt, und sich verzweifelnd daSj
lcsigkeit der Bevölkerung für die Prvvinzialvertretun- Dies ist eine sehr billige Polemik, deren fälsch- Deduciren aber sofort in die Augen springt,
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Katharina warf einen schnellen Blick auf den Schlüssel, den ihre Hand krampfhaft umklammert hielt.
„Jede ©ruft hat einen Schlüssel, der sie schließt und öffnet", murmelte fte dumpf vor sich hin. '
„Mein Gott!" rief der König, „wie entsetzt mich der Gedanke, daß Du in dem Grabe eingeschloffen bleiben konntest, lebend unter all' den Tobten, ohne daß Jemand wußte, daß Du da warst." i
DaS Mädchen schauderte zusammen, und noch blaffer als zuvor..
„Stelle Dir nur vor", fuhr Heinrich fort, Dem zu Mulhe sein muß, der plötzlich im Sarge aufwacht, sich allein sieht, vergebens Hülse ermattet, die nicht erscheint; Minuten, Stunden vergehen — endlich kommt der Hunger —"
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werde, um die Durchführung des vom Ministerpräsidenten entwickelten Programms zu unterstützen.
München, 14. Octbr. Kultusminister v. Lutz hat baburcb, daß er seiner Zeit Herrn Gasser gegenüber eine Solidaritätserklärung des gelammten Ministeriums veranlaßte, die allerhöchste Mißstimmung hervorgerufen. Sein baldiger Rücktritt gilt für wahrscheinlich. (D. Pr.)
Nürnberg, 14. Octbr. Die Justizminister Baiern« und Würlernbergs sind gestern Abend wieder abgereist. Es ist jetzt zweifellos, daß die Conferenz neben bem . .. . offiziell angegebenen Zwecke, dessen Erledigung ein vaS durch die Mainlinie gespalten gewesen, einen Zu- persönliches Eingreifen der Minister selbst keineswegs
GrfchemtMtz4ich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhefstscheu Leitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22} Egr., durch die Postämter 27 Ggr. 8 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für da« Ausland exel. Stempel 22 Eigr. — Jntertionsgedühr für Me gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate au.