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Mllrburg) Dienstag, den 15. Ottober.b k^-1 i., ru 1872.
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Gumbinnen, 12. Octbr. In dem unweit der Grenze des Kreises Lyck gelegenen Orte Polnisch Grajewo sind mehrere Cholerafälle vorgekommen.
Schwerin, 12. Oct. Dem auf den 13. k. M. nach Malchin einberufenen mecklenburgischen Landtage werden, neben anderen Vorlagen, Propvsitioneu über bie Modifikation der bestehenden Landesverfassung, so wie betreffs des Abschlusses der Verhandlungen über den Entwurf einer Verordnung, bie Entschädigung für bie nach §. 7 der beutschen Gewerbe-Ordnung vom 1. Januar 1873 ab aufgehobenen Berechtigungen unb -bie nach §. 8 ber Gewerbeorbnung von demselben Zeitpunkte ab für ablösbar erklärten Rechte betreffend, zngchen.
Dresden, 12. Oct. Vom Dresdener Hofe wird gemeldet, baß beinahe sämmtliche deutsche Bundesfürsten die Theilnahme an der goldenen Hochzeitsfeier des sächsischen Königspaares zugesichert haben. Sollte der Kaiser dem Feste nicht anwohnen können, so wird sich jedenfalls der Kronprinz nach Dresden begeben.
Darmfiadt, 12 October. Die internationale Vereinigung, bereit Präsidium die Prinzessin Lubwig von Hessen übernommen hat, bezweckt bie Heranbildung der Frauen zur Arbeit. Eine Gemeinsamkeit mit denjenigen welche auf Erweiterung ber Frauenrrchte, inSbrfonbere ber politischen, hinarbeiten, lehnt bie Antragsstellerin, Miß Carpen ter, ausdrücklich ab. Zu Korrespondentinnen der Gesellschaft wurden ernannt: Miß Nightingale, Miß Carpenter, Miß Winkworlh, Miß Hill und Miß Mereweather.
Stuttgart, 12. Octbr. Die Ergänznngswahl zur Abgeordnetenkammer für Stuttgart, an Stelle des früheren Oberbürgermeisters v Sick, ist resultatlos geblieben unb baher Nachwahl erforderlich.
Mülhausen, 8. Oct Wer hätte es gedacht, daß die Furcht vor den „Preußen" auch noch in den Hasen der Ehe hineinschenchen könnte! Und doch ist es so. Am letzten Samstag ließen sich in hiesiger Stadt nicht weniger als 23 Paare die Hände zu dem ewigen Bunde in einander legen. Wollten sie noch kurz vor Thorschluß auswandern und ihre Pilgerschaft in bie Frembe vereint antreten ? Nein, sie bleiben alle hier, aber sie hatten sich beeilt, vor bem 1. October unter gemeinsames Dach, beziehungsweise unter die Haube zu kommen; denn nachher, hatten sie gehört, sollte daS Heirathen unter eingeborenen Elsäfsern von den Behörden so sehr als möglich erschwert werden, während für aus Alt- unb Nendeutschlanb zusammengesetzte Päärchen Prämien ausgesetzt würben! Auch noch eine Prämie zu einer Elsässerin — wäre wirklich saft zu verlockend, aber leider weist unser Landesbudget zu so edlem Zweck noch keinen Posten auf. Inzwischen wollen wir hoffen, daß diejenigen, welche am letzten Samstag für da« Hochzeitmachen optirt haben, unter allen Optanten ihren Schritt am wenigsten bereuen werben.
Ausland.
Wien, 12. Oct. Die amtliche „Wiener Zeitung" publicirt die Ernennung Dr. Kalteneggers zum Landes-
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Blattes zu reprobueiren pflegt, von derselben nicht die '2349 zeringste Mtiz genommen hat. Grade sie hatte noch in letzterer Zeit den Glauben zu erwecken versucht, als ib ein Theil der Minister weniger Werth auf das
^scheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesilschen Zeitung mit ÄrrWMatt durch die Expedition (Koch'sche vuchdruserei) bezogen M; Egr>. M»<6 die Postämter 27 Ggr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr unb incl- Stempelsteuer), für daS AuSlan" excl Stempel 22 »ar.— T>-j f;v.. Intertionsgedühr für die gespalten« Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehme« Inserate an.
- L" Z Deutsches Reich. ■
•» Berlin, 12. Oktbr. Das StaatSnnntsterium hielt heute um 12 Uhr im Gebäude des Kriegsmini steriumS eine Sitzung; auf der Tagesordnung standen, wie man hört, Etatsangelegenheiten. — Alle detail lirten Nachrichten über das Gesetz , die Civilehe be- treffenb, sind mit der größten Vorsicht aufznnehmen. Erst jetzt sanden cornmissarische Berathungen von Der tretem der bei ber Eheschließungsfrage am Meisten beteiligten Ressorts statt. — Auch die über verschiedene Personalien deS Ministeriums tourftrenben Ge rüchte bürsten bis jetzt ber Begründung entbehren. WaS jpedeö den Posten des Wirkl. Geh. Ober Regierungs- rathes Wehrmann betrifft, so scheidet genannter Herr rrft am 1. Januar auS seinem Amte. Man sollte aber auch in sonst unterrichteten Kreisen wissen, daß es sich hierbei nicht nur um eine Bacanz, sondern möglicherweise um eine anderweitige Regulirung der bisher von Herrn Wehrmann wahrgenommenen Geschäfte handelt. — Die Erklärung der „Provinzial-Corre- spondenz", baß daS Ministerium in feiner Gesammtheit für bie KreiSorbnungSreform eintrete, hat, wie cott- statirt werben kann, überall beruhigt. Um so mehr ällt es auf, baß die „Kreuzzeilung", welche sonst iets die wichtigsten Mittheilungen des halboffiziellen
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ft unb Zustandekommen ber Reform lege und wäre es deß- '»cht alb eine einfache Pflicht der Loyalität gewesen, die 2237 wtoritative Erklärung der „Provinzial Correspondenz" ke. er Kenntniß ihrer Leser zu bringen. — Der Toast irs Polizeipräsidenten von Breslau bei dem zu Ehren MBft" fcti neuen Bürgermeisters abgehaltenen Festmahle hat *u<7? große Sensation gemacht. Man konnte sich von vorn- en ist, ^rejn darauf gefaßt machen, daß gewiffe gedankenlos ,-i polernistrenbe Scribenten zwischen biefer Kundgebung vl, । imb andern Polizeivorftänden unliebsame Parallelen
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Historisch-romantische Erzählung von H. Z. (Fortsetzung.)
.„Ethelword! Eihelword!" rief Katharina, „das
Er fühlte bereits die Wirkung des Schlaftrunkts ober, "ud beeilte sich, feine letzten Verfügungen zu treffen. 'T toar der Letzte feine« Stammes, ohne Familie vnd Verwandte, mit seinem Tode erlosch fein Name, find» sein Vermögen fiel an den König--doch
nuf» ihm noch ein Schatz an Gold und Edelsteinen,
lrt hinreichend war, sich in einem fremden Lande ein ttbere« Herzogthum zu kaufen. So wie er aber im ’ ^abgewölbe beigesetzt war, so stand zu erwarten, 'oß er auch der Vergesienheit anheim fiel; nur Ka- ’ jtoina, so glaubte er, würbe sich allein unter allen tt Aschen an Denjenigen erinnern, ber in der Gruft ’ "jSeschlosi n war, beren Thür nur mit zwei Schlüsseln Öffnet werden konnte, beren einer dem König, als tonn Erben, zu übergeben war, unb beren anbern r W die Hände seines Weibes legte, auf daß sie ihm rechten Zeit das schauerliche Gefängniß öffne, in
cheS er um ihretwillen stieg.
»ls er mit diesen Anordnungm fertig war, fiel »or Katharina auf die Kniee nieder.
»Jetzt, liebe Seele," sagte er, „jetzt umringe meine " Ven Augenblicke mit Liebkosungen und süßen Worten;
< Jetzt theilte er ihr mit, daß er die andere Hälfte de» Schlaftrunks geleert habe, denn die Umstände er heischten, daß er nun für die Welt und für die Men schen ft erben müßte, um nur für Katharina wieder M erstehen. Sie erschrak heftig; sie wollte nach Hülfe tujen, allein er gebot ihr Schweigen, denn eS war keine Tiinute zu verlieren, da seine Augenblicke ge- [ zählt waren. DaS Pergament enthielt die Erklärung, ; daß er, den Zorn deS Königs fürchtend, und um dem ' ^tutgernfte zu entgehen, sich vergiftet habe: Sein Tod j. u>ußte wahrscheinlich sein für Alle, Niemand konnte ml daran zweifeln, denn es war ein augenscheinlicher Grund
noch zu sehen vermag, so lange ich noch hören kann, sage mir mit Deiner melodischen Stimme, daß Du mich liebst; nicht wahr, Du wirst in meinen Schlummer bei mir fein, wirst meine Wiederkehr zum Leben belauschen, bie Augen auf meine Augen gerichtet, Deine Hand auf mein Herz gelegt? —"
Er fuhr zusammen, denn sein Blick war auf den Ring bes Königs gefallen. Er verlangte den Ring.
Katharina, bie in einen Lehnstuhl gesunken war, reichte ihm den Ring hin.
„Wie liebe ich Dich," rief er freudetrunken über diese Opferwilligkeit; wie glücklich macht mich Deine Liebe! O, sprich doch, sage mir, daß Du mich liebst, daß Du mein bist — O, reiche mir Deine Lippen — Deine angebet eien Lippen — *
Sie wußte nicht, was sie sagen sollte, aber sie schloß ihn konvulsivisch in die Arme unb küßte ihn.
Er versuchte es, aufzustehen; Katharina's heißer Athem entflammte sein Blut, bie Lust ging ihm auS — ihm war, als müsse er ersticken, unb von plötzlichem Schwindel erfaßt, stürzte er zur Erbe. Katharina ließ sich auf ein Knie nieber unb stützte fein Haupt auf das anbere. Schon sah und hörte er nichts mehr, doch suchte er noch ihre Hand, die er mit bem letzten Aufwand seiner Kräfte drückte; dann glitt sein Haupt von ihrem Knie herab zur Erde. Katharina betrachtete einen Augenblick den vor ihr liegenden Körper; ihre Lippen zitterten heftig, als sie sich über ihn beugte, um ihm die Hand auf daS Herz zu legen. Als sie sich überzeugt hatte, daß es zu schlagen aufgehört, zog sie ihm den Ring des Königs vom Finger und steckte ihn wieder an.
V.
Im Palast zu Whitehall lag Prinzessin Margaretha zu den Füßen ihres königlichen Bruders hinge- fauert, den Kopf auf besten Knie gestützt, und weinte heiße, schmerzliche Thränen, denn er allein wußte, daß sie den Tod des Mannes beweinte, an dem ihr Her; schon feit langer Zeit mit der Gluth bet ersten Liebe gehangen hatte.
Er suchte sie zu triften, denn er fühlte jetzt, daß
er fast eben so viel, als sie selbst verloren hatte, da unter allen Höflingen, die dem Könige schmeichelten, Ethelword der einzige gewesen war, der den Menschen Heinrich geliebt hatte. Jetzt hätte er gerne Scepter und Krone fammt seinem ganzen königlichen Schatz in bie Themse geworfen, um keine ber Drohungen ausgesprochen zu haben, bie den Herzog bewogen hatten, sich den Tod zu geben.
Bald nachher kamen die Mitglieder des Oberhauses von ber Leichenfeier zurück, unb ließen sich bei dem König melden. Margaretha wischte ihre Thrännen ab, aber sie entfernte sich nicht, beim sie wollte noch einmal von bem Manne sprechen hören, der bald genug, von Allen, nur nicht von ihr vergessen fein würde. Heinrich bestieg seinen Thron, als bie Parlamentsmit- glieber eintraten; ber Graf von Sussex, als ber jüngste unter ihnen, war gewählt worben, um bem König nach oer Vorschrift des Gesetzes, als dem Erben deS erloschenen Hauses, den Schlüssel zu dem Grabgewölbe zu überreichen, in welches der Herzog von Dierham beigesetzt worden war.
Der König ließ den Schlüssel, fammt dem Kissen,' worauf er lag, auf einen Tisch legen, dankte den Lorps, unb entließ sie sodann.
* „Margaretha", sagte er zu seiner Schwester, sobald er wieber allein mit ihr war, „bie Männer, bie sich hier entfernen, bilden bie Vereinigung von Allem, was England Edles, Tapferes und Mächtiges besitzt. Wohlan! wähle unter ihnen, und ich schwöre Dir, welches auch der Mann Deiner Wahl sei, baß er seinen Titeln jene des Marquis von Derby, Herzog« von Dierham beifügen soll, nebst ber Ehre, Schwager de« König« von England zu werden."
Margaretha schüttelte wehmüthig lächelnd den Kopf. Das Herz, da« Ethelword geliebt hatte, konnte Nichts mehr lieben al« Gott — unb von allen Gütern ber Welt verlangte sie Nichts als den Schlüssel zu feinem Grabe, den sie denn auch mitnahm in ihr stilles Gemach, wo si?sich ber ganzen Gewalt ihres Schmerze« überließ, bevor sie handelte.
Im Lauft beff-Iben Tage« erschien ein junges Mäd '