1872
Marburg, Sonnabend, den 12. October.
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„Sir Thomas Cranmer."
„Der im Grund des Herzens den katholichen Klerus begünstigt, und der die Reform nur angenommen hat,
Staates Feinde sind, ist das nicht ein Beweis der Schädlichkeit des UltramontaniSmu« ? Und woher er halten die Ultramontanen ihre Information? Von der Geistlichkeit. Die Denkschrift tritt schließlich gegen die Politik des deutschen Reiches auf und straft somit ihre Erklärung, daß sie den Frieden wolle, Lügen, ja sie bahnt keinen Frieden an, sondern verschärft die Gegensätze in starker Weise und thut dieS namentlich dadurch, daß sie sich mit dem Verfahren des Bischofs von Ermland in Bezug auf die geistliche Excommu- nicalion einverstanden erklärt. — Im Hinblick aus das Herannahen der LandtagS-Session tritt in dkr Presse die Frage der Steuerreform in den Vorder-
„Ist ein junger Thor, der meine Archive mit Dekreten über den neuesten Schnitt der Kleider anfüllen würde. Nein, Mylord, zum Viceregenten meinet Reichs bedarf ich eines Mannes, der Kopf und Herz, der Muth und Klugheit besitzt; dieser Mann muß mich lieben, und mehr noch als mich muß er England lieben. — Denke nach, Mylord I — Weißt Du nicht, wer der Mann ist, der alle diese Eigenschaften vereinigt?"
„Nein, Sire ich schwöre Euch —*
„Du bist sehr bescheiden, aber sehr blind, Vetter!" „Wäre eS möglich! Ew. Gnaden hätten an mich gedacht —" rief Ethelword, von TodeSschrecken erfaßt.
Er war in der That der Mann, wie ihn der König bedurfte; vom Volke geliebt, vom Adel geachtet, würde ihn das erste mit Freuden, der andere ohne Neid in diesem wichtigen Amte gesehen haben. Za, der König ging noch weiter; im Glauben, daß der Herzog wirklich seine Wünsche bis zu der Prinzessin Margaretha erhoben habe, sagte er ihm die Hand feiner Schwester in dm gnädigsten Ausdrücken zu, und da in Anbetracht der unrechtmäßige» Geburt der Prinzessinnm Marie und Elisabeth und der schwächlichen Gesund-
informatorische war; die Ausarbeitung deS Entwurfs erfolgt nach der Entscheidung des Finanzministers, der einzelne Mitglieder dieser Commission zu der Bera- tbung herangezogen hat. — Der Rücktritt deS wirkt. Geh. Ober-Finanzraths Flieger ist nunmehr definitiv und hört man, daß an die Stelle dieses Beamten ein früher im Finanzministerium, jetzt in der Provinz thätiger Beamter treten soll. — Durch Todesfälle und Pensionirungen sink mehrfache Vakanzen im Ober- Tribunnal eingetreten, deren Wiederbesetzung in nächster Zeil bevorsteht und werden fünf Stellen zur Rem- ployirung gelangen; der Ober-Tribunalsrath Manger geht an das Appellationsgericht zu Insterburg als Vicepräsident. — Ein Berliner Correspondent der „Franks. Ztg." beschäftigt sich mit dem gegenwärtigen Verhältniß der „Norvd. Allg. Ztg." und meint, hinter 6er Actiengesillschaft stehe das Preßbureau. Das ist vollständig unrichtig; das Consortium der „Nordd. Allg. Ztg." steht durchaus unabhängig da.
— Die „Kreuz;." meldet: Die Berufung Hermanns zum Präsidenten des OberkircheiirathS gilt als gesichert. Der Amtsantritt desselben ist auf Ostern in Aussicht genommen.
Greifswald, 8. Oct. Heute früh 8 Uhr wurden unter dem Geläute sämmtlicher Kirchenglocken und unter Begleitung einer unabsehbaren Menschen menge 20 der bei der am 5. d. M., Nachmittags 3 Uhr, in der hiesigen „Baltischen Waggon und Maschinenfabrik" erfolgten Dampfkessel-Explosion bis jetzt zu Tode gekommenen 2d Arbeiter von der Univer- sitäls Klinik aus zur Ruhe bestattet. Die stattlichen, reich mit Blumen und Kränzen geschmückten Särge wurden auf 20 Leichenbahreir einzeln hinter einander getragen, vor jedem Sarge folgten die Angehörigen des Verstorbenen, unter anderen eine Mutter mit 8 Kindern. Ter Jammer der Frauen und Kinder war herzzerreißend. Kein Auge der Umstehen war thräneti- leer. Die Verstorbenen hinterlasien 52 Waisen. Nur 2 waren unverheiralhet. Die meisten hatten den Feldzug glücklich mitgemacht. • Die übrigen fünf Verstorbenen werden wahrscheinlich aus ihren Privatwohnungen beerdigt. Außer den 25 Tobten brfinden sich noch circa 20 mehr oder weniger gefährlich Beschädigte theils in der Klinik, theils in ihren Wohnungen. Die Särge wurden zu 3 resp. 4 in eine Gruft versenkt und soll den Verstorbenen seitens der Fabrik ein gemeinschaftliches Denkmal gesetzt werden. — lieber die Explosion wird der „Sträls. Ztg " ge-
„Wie das, Sire?" fragte der Herzog verwundert.
„Olivier Sinclair und Maxwel sind an der Spitze von fünfzehntausend Mann auf das englische Gebiet gekommen; im Westen steht Alles in Flammen, und ich kann ihnen von dieser Seite nur Thomas Dacre und John Musgrave mit vier oder fünf hundert Rittern und Mannen entgegen stellen."
„Sire, Englands ganzer Adel wird aufstehen wie Ein Mann und dem gemeinschaftlichen Feind entgegen ziehen."
„Ja, Mylord", sagte der König, mit dem Kopse nickend, „ich selbst werde dm Adel anführen; aber ein Krieg in Schottland, ein Ausrottungskrieg, wie ich ihn führen will, ist nicht das Werk weniger Tage, und während meiner Abweienheit bleibt London den Ränken Karls V. und Pauls III. preisgegeben. Meine Strenge gegen die Katholiken, die in der Zukunft ihre Früchte tragen wird, hat Unzufriedenheit und Haß unter der hohen Geistlichkeit erregt; ich kann daher London nur verlassen, indem ich meine königliche Macht in starke und sichere Hände niederlege."
„Sire, Ihr habt den Herzog von Norfolk", sägte Ethelword nach einigem Nachdenken.
„Der ist nur ein Kriegsmann, weiter Nichts; er hat einen Arm, aber keinen Kopf."
daß die Entlastung der untersten Klassensteuerstufe viel für sich hat und zum Ausgangspunkt einer weiteren Steuerreform dienen könne. Die Ansicht hat für die Finanzpolitik jedenfalls viel Bedeutung, zumal dieselbe bekundet, daß die Opposition an Jntensiiäl verloren hat, und eine Verständigung über die Steuer frage jetzt eher in Aussicht steht, als in dem verflossenen Theil der Landtags-Session. Wenn in einigen Aättern gesagt wird, daß die Finanz Commission, welche im Finanzministerium zusammengetreten war, zur Zufriedenheit des Finanzministers ihre Arbeiten vollendet hat, so ist dies eine unrichtige Auffassung,
Stt auf das vierte Quartal
eOCirvUllnutll werden von allen Postanstalten noch fortwährend angenommen.
heit de- Prinzen Eduard ihn das Gesetz ermächtigt hatte, sich aus eigener Autorität einen Nachfolger zu ernennen, so wollte er auf dm Fall, daß er in einer Schlacht bliebe, durch ein Testament dem Herzog, der fein Schwager werden sollte, seine Nachfolge sichern.
Zu seinem unaussprechlichen Erstaunen schlug
schrieben: „Ob und in wie weit Jemand eine Verschuldung treffe, ist noch' nicht nicht abzusehen, die Untersuchung wird ergeben, was an umlaufendem Gerede Wahres oder Falsches sei.
Bückeburg, 3. Octbr. Der Fürst von Reuß- Greiz wird sich am 8. Oktober mit der Prinzessin Ida von Schaumburg-Lippe in Bückeburg vermählen. Wie mitgeiheilt wird, hält das neuvermählte Paar am 12. October seinen Einzug in die Landes-Hauptstadt Greiz.
Darmstadt, 10. Octbr. Ministertalrath Neid- Hardt ist an Stelle Ewald's zum Vertreter Hessen» beim Bundesrathe ernannt worden. — Prinzessin Ludwig wohnte heute den Verhandlungen des Frauentages bei, dessen sämmtliche Mitglieder heute bei ihr eingeladen sind. Zum Präsidenten der Versammlung, welche sehr zahlreich auch durch Ausländer (u. A. Miß Carpmlin, England) beschickt ist, wurde Lammers aus Bremen gewählt.
Stuttgart, 10. Octbr. Justiz-Minister Mitt- ' nacht wird, einer Meldung des „Staats-Anzeigers" zufolge, heute nach Nürnberg abreifen, um mit dem baierqdjen Justizminister zu confetiren. (Der „StaatS- Aiizeiger" bestätigt zugleich die von Nürnberg gemach- teistMittheilungen über den Zweck der Conserenzen)
Nürnberg, 10. Octbr. Die Ende der Woche hier ftattfinbenoen Konferenzen deS baierifchm und bet würtenibergischen Justizminifters sind, dem Vernehmen nach, durch das Reichsgeseh über die Gewährung der RechtShülfe veranlaßt und bezwecken die Abänderung resp. Beseitigung der in den bezüglichen JurisdictionS- verträgm beider Staaten dem Reichsgesetze entgegen- stehenven Bestimmungen
Augsburg, 10. Octbr. Eine Münchener Corre- iponbenz der „Allgemeinm Zeitung" erklärt auf bat Bestimmteste, baß bem Jesuitenpater Löffler zu Regensburg bie ministerielle Entscheidung auf fein Gesuch um Gestattung seines ferneren Aufenthaltes in Baiern noch nicht zugegangeit fei, eben so fei bie Nachricht von der bem Jesuitenpater Grafen Fugger erteilten Aufenthaltserlaubniß unrichtig. Derselbe sei auf seine Beschwerde über seine Ausweisung mit Ministerialent- scheidung noch nicht versehen.
Auslaut.
Paris, 9. Oct. Das osficiöse Bien Public sagt in Betreff der Abreise des Grasen Arnim: „Während seiner Abwesenheit wird Graf Wesbehlen oie Geschäfte der Botschaft besorgen. Wir sagen
Gerücht.
Historisch-romantische Erzählung von H. Z.
(Fortsetzung.)
„Gott zum Gruße", rief dieser dem Herzog zu, brr ihm entgegen ging, und sich, vor Erwartung bebend, vor dem Monarchen neigte.
„Ich muß Dich wohl in Deinem Schlöffe Dier- ham aufsuchen", fuhr der König fort, „da Du nicht «ehr in meinem Palast zu Whitehal erscheinst."
„Es bedurfte nur eines Befehls von Ew. Gnaden,
Deutsches Strich.
«# Berlin, 10. Okt. Die „Germania" ver- zsskntlicht nun den Schluß der Denkschrift der deutschen Bischöfe, und auch dieser Theil der bischöflichen Kundgebung bestätigt das Urtheil, welches wir gestern an dieser Stelle gefällt haben. Die Bischöfe kommen immer wieder darauf zurück, daß die tadellose Haltung der katholischen Geistlichkeit und selbst des Bischofs keinerlei Veranlassung zu dem Auftreten der Regierung geboten habe; eö erhellt aber das Unwahre solcher Anklagen für Jeden, der die Verhältnisse mit llarem Blick betrachtet: das ultramontane Bündntß mit den Partikularisten, mit der Socialdemokratie und
____ da die Entscheidung über die Finanzfrage dem Finanz- -d. 95,, Minister zusteht und die Commission nur eine rein
vhne zu bemerken, daß Katharina die Thüre, bie nach Ihren Gemächern führte, wieber geöffnet hatte, und daß ihr schönes Gesicht von Zeit zu Zeit lauschend Wischen den Spalten des schweren Teppichvorhangs rrschim.
T. Ethelword fand es schicklich, ben König zu fragen, -i d>ie er den tiefen Kummer ertragen, von welchem er A. 'hu vor wenig Tagen so schmerzlich ergriffen gesehen. „Mylord", erwiederte Heinrich ackselzuckend, „unser »tanb als König ist der Art, daß Nichts unser ist, "icht einmal der Schmerz. Ja, ja, die Wunde ist da,
um fein Bisthum 2)ort und fein Erzbislhum Cantor! Ethelword alle ihm angebotene Gnadenbezeigungen auS.
bnry zu erhalten." | (Fortsetzung felgt.)
„Der Graf von Suffex —" J .... ---------- , „
srfidnt täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal der Oberhessische» Heitnng mit Kretsblatt durch die Expedition (Kochffche Buch druck er ei) bezogen 22j ®gr., durch die Postämter 27 ®gr. « Psg. (erd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für da» Ausland erd. Stempel 22 •gt.- Jmertionsgebübr für iie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoneen-BüreauS nehmen Inserate an.
Srund, so namentlich die „Schles. Ztg." und die Kall „Nat.-Ztg.", welche beiden Blätter gleichzeitig Seit» , «rtifel über diesen Gegenstand bringen, in denen ein aaretl Punkt in einer gemeinsamen Ansicht ausgeführt toiro,
1 48'' -7- v.i.uiu. - -0- nj~' >~l ••• l|l VU,
42-- ’nen und blutig; aber das trostlose England zeigt 2bt' wir auch eine offene blutige Wunde, und ich muß
—an es, als an mich denken."
j Und sogleich würde ich mich —*
.| »Ja, aber ich hatte von dringenden und geheimen 4 Dingen mit Dir zu sprechen, und dort haben die | Dände so viele offene Ohren, daß ich eS vorzog, sie ä Dir in Deinen vier Pfählen zu vertrauen."
, Ethelword rückte dem König einen Lehnstuhl zn- i recht, in welchem dieser Platz nahm; er selbst blieb in .i chrfurchtsvoller Stellung vor dem Monarchen stehen,