fährt dasselbe Blatt, daß der 7. und 8. November zur Entgegennahme der Glückwünsche bestimmt fei. Den 9. November werden die Majestäten, die Mitglieder deS königlichen Hauses und die fürstlichen Gäste im Familienkreise verbringen. Am 10. November soll die kirchliche Einsegnung deS Jubelpaares im Eckparadesaal des Residenzschlosses, darauf Gottesdienst in der Hofkirche stattfinden und Abends Vorstellung im Hoftheater gegeben werden. Ein Hofball am 11. November soll die Festlichkeiten beschließen.
Eisenach, 8. Octbr. In der gestrigen Abend - sitzung der Versammlung zur Besprechung der socialen Frage wurde ein ständiger Ausschuß, bestehend aus den Mitgliedern des diesmaligen Einladungscomites, constituirt. Demselben steht das Recht der Cooptation zu. Zum Sitz deS Ausschusses wurde Berlin bestimmt. Engel hielt einen Vortrag über die WohnungSnoth. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Prof. Gneist hielt die Schlußrede.
München, 7. Oct. Während man allgemein verstcherte, wir seien jetzt aus der Krisis heraus, war es in der That nicht der Fall, denn Se. Maj. der König schlug Herrn von Pfretzfchner bei der Audienz, die er beim Antritt deS Präsidiums in Berg hatte, eine andere Persönlichkeit statt deS Herrn von Lutz als Cultusminister vor. Herr Pfretzschncr soll aber daS königliche Offert zwar nicht abgeschlagen, aber erklärt haben, er müsse die Sache vor einen Ministerconseil bringen, und der soll nun stattgefunden haben. Da über das Resultat desselben gar nichts verlautet, ist anzunehmen, es bleibt beim Alten, d. h. die Minister wollen entweder alle bleiben, oder alle gehen. Diese Solioarität würde ihnen zur Ehre gereichen, was man auch sonst von Herrn von Lutz denken mag. Derselbe scheint übrigens die königliche Ungnade durch seine reichöfreundliche Gesinnung sich zugezogen zu haben. (Fr. Pr.)
Straßburg, 8. Octbr. Auch die „Straßburger Zeitung" erfährt, daß die Einführung des Paßzwanges mit dem deutschen Visum an der französischen Grenze demnächst bevorstehe. Die Maßregel werde dadurch motivirt, daß Frankreichs Paßmaßregeln nur gegen Deutschland noch mit voller Schärfe oufrechterhalten würden.
Ausland.
P-st, 8. Octbr. Die auf heute anberaumte Sitzung der ReichSrathsdelegation, in welcher die Be- rathung über das Kriegsbudget beginnen sollte, wurde wegen der Abwesenheit der gemeinsamen Minister, welche einem anläßlich der Ankunft des Kaisers in Ofen stattfindeuden Ministerralhe beiwohnten, von dem Präsidenten mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des Be- rathungSgegenstandes auf morgen Vormittag vertagt. — In welchem Sinne übrigens die Herren Abgeordneten im Pester Unterhause ihre Aufgabe als Volksvertreter auffassen, dürfte daraus zur Genüge erhellen, daß sich zwei und zwanzig Redner, welche, sich für die Adreßdebatte einschreiben ließen, bereits wieder haben streichen lasten, um — die Weinleseferien zu
prüfender in seinen Combinationen, und als der König Oscar heim Ausbruch des Krieges zwischen Rußland und dm Westmächten mit seiner Wahl zögerte, gab eö ziemlich heftige Auftritte zwischen Vater und Sohn. Ta Oscar I. einst bemerkte, daß seine Dynastie in dem Familientraktat mit Rußland doch eine Garantie hätte, brach Carl auf seine gewöhnliche gerade Weise aus: „O, zum Teufel mit den Papieren, Vater, die beste Garantie ist die Liebe zwischen König und Volk!" DaS Gerücht verbreitete Carls Eifer in diesem Falle, von dem man wohl eigentlich seine Popularität daliren kann; denn bei dem Volk fand sich damals noch Haß gegen Rußland. Man hatte eine zu frische Erinnerung an den Verlust Finnlands, der übrigens noch heute als ein Nationalunglück betrachtet wird.
Sobald als Carl Regent wurde, und beständig seit der Zeit gab er Beweise einer an einem consti- tutionellen König rühmlichen Eigenschaft, indem er sich stets mit guten und verständigen Räthen umgab. Oft kam er nicht gut mit ihnen überein, und in den letzten Jahren gehörten seine persönlichen Sympathien nicht den Männern, die seinen Rath bildeten. Wenn er aber sah, daß sie das Verträum des Landes ge nosten, ließ er sich herbei sie zu behalten. Während des letzten Krieges zwischen Dänemark und Deutsch land kam es zu warmen Kämpfm zwischen dem König und seinen Ministern. Er sah sich durch seine Ehre gebunden, gewiste Versprechen zu erfüllen, die er seinem Freunde Frederik VII. gegeben, und er wollte nicht die Gründe hören, welche die StaatSräthe vortmgen, um darzuthun, daß Schweden sich nicht in diesen Krieg stürzen könnte. Namentlich trat der damalige Finanzminister Frhr. Gri- penstedt hier auf, und da der König nicht nachgeben, fonbern sich seines verfassungsmäßigen Rechtes bedienen und selbst einen Entschluß fassen wollte, nahmen die zwei ersten Minister De Geer (Justiz) und Mander-
ermöglichen, und nur die Hauptredner Lonyay, Ker- kapolyi vom Miniftertische und Sennyey und Somstich (der Präsident während der vorjährigen Session) haben zum Schluß der Adreßdebatte ihre Reden von Stapel gekästen. — Sehr unbequem ist jetzt hier der Conflict zwischen der Türkei und Montenegro, und wie groß die Verlegenheit sein muß, ist am besten aus dem tiefen Schweigen der maßgebenden Blättsr zu ersehen. Kaum hat die Dreikaiserentrevue in Berlin stattgefunden, kaum haben Kaiser Franz Joseph und Kaiser Alexander sich freundlich die Hand geschüttelt, und schon zwingt ein Conflict im Balkangebiet den russischen Botschafter in Konstantinopel, beiden Parteien, sowohl der Türkei wie Montenegro, Mäßigung anzuempfehlen. Als ob die Türkei einem renitenten Vasallen gegenüber ein anderes Mittel als Gewält anwenden könnte! Wer die Türkei unter seine speciellc Obhut nimmt, kann schwer mit Rußland volles Ein- verständniß bewahren, aber von einer Mißstimmung bis zum Kriege ist doch noch ein weiter Schritt, das hat die Vergangenheit feit zehn Jahren zur Genüge bewiesen.
Lemberg, 6. Oct. In Winiki bei Lemberg haben Bauern - Exceste stattgefunden wegen eines zum Judenthume übertretenden Christen. Die Juden wurden überfallen und geschlagen. Es mußte Militär nach Miniki dirigirt werden, welches die Ruhe wieder herstellte unv die Excedenten verhaftete.
Zürich, 6. Oct. In vergangener Nacht wurden hier und in der Umgegend große rothe Placate an den Straßenecken angeschlagen mit einem „Aufruf an das schweizerische Volk." Zn demselbem wird pro- teftirt im Namen aller socialdemolratischeii polnischen Vereine gegen die allfällige Auslieferung Netschajeff's. Zum Schlüsse sagt das Placal wörtlich, nachdem es versucht hatte, Netschajeff als politischen Flüchtling darzustellen: „Wenn daö Unmöglichscheinende geschehen sollte, wenn der Züricherische Regierungsrath in dieser Frage der Auslieferung Netschajeff's mit dem Bundes- rathe, der sich für dieselbe ausgesprochen haben soll, einig wäre, so erklären wir, ohne Furcht vor dm Folgen, vor aller Welt, daß die Züricherische Regierung mit dem Volke nicht solidarisch ist. Deßhalb wenden wir uns an das Schweizer Volk selbst, und ersuchen es die heiligen Rechte der Republik unantastbar zu behaupten und die Regierung von einem Verbrechen gegen die republikanischen Institutionen abzuhalten." Die Polizei riß das Placat ab und Übermächte es dem Staatsanwalt.
Pari-, 7. Octbr. Die ultramontanen und derb calen Blätter, deren Zahl nicht gering ist, bringen Depeschen über die gestrigen Feierlichkeiten in Lourdes Die tm „Univers" lautet: „Die Processton kam gegen 6 Uhr Abends zurück, der Vorbeimarsch dauerte zwei Stunden. Acht Bischöfe und Erzbischöfe waren zugegen. Stillschweigen war gebotm. Es wurde kein Ruf laut, es wurde nur gebetet. Der Erzbischof von Auch hielt eine herrliche Bußpredigt. Das Wetter war prachtvoll, die Menge zahllos, alle Berge mit
ström (Aeußeres) ihre Zuflucht zu der Taktik der englischen Minister. Sie ließen sich zu einem Besuche in Göteborg einladen, wo die Börse ihnen ein großes Festmahl gab, und wo sie die Stellung der Regierung zu der äußeren Politik entwickelte», indem sie wesentlich den Umstand betonten, daß Schweden-Norwegen Dänemark nicht beistehen könnte, ohne daß eine der Vertragsmächte, England oder Frankreich, sich anschlöste. Den Beifall, der dieser Ansicht gespendet wurde, benutzte das Ministerium später als Waffe gegen den König, weshalb er sich genöthigt sah, nachzugeben.
Seiner Gemahlin war Carl von Herzen ergeben. Sie war eine sanfte, gute Natur, welche ganz von der Erfüllung der zwei schönen weiblichen Aufgaben durch- brungen war: eine würdige Mutter zu fein und den Armen wohl zu thun. Sie wandte sich nicht häufig mit einem Wunsche an den König, aber wenn sie es that, war ihr die Erfüllung gewiß. Einst hatte ein Verleumder sich erfrecht, dem König und der Königin Böses nachzusagen. Carl, der Umwege nicht liebte, ließ die betreffende Person zu sich rufen. „Du hast", sagte er zu ihm, „meine Gemahlin angegeifert; das war verflucht niederträchtig von Dir. Was Du von mir gesagt, rührt mich nicht, aber hüte Dich, Böses von meiner „Lova" (Kosewort) zu sprechen". Damit gab er ihm eine derbe Maulschelle und entließ ihn. Hundert Anekdoten werden nun von dem dahingeschie- benen Monarchen wiederholt. Einst reifte er mit Gefolge durch Warmland nach Christiania. Des vornehmen Fahrens im Wagen müde, sprang er auf den Bock, ergriff die Zügel und fuhr selbst. Seine Fahrt war schnell, und bald war er den anderen Wagen weit voraus. An dem Orte, wo die Pferde gewechselt wurde», hatte sich eine Menge Volk versammelt, um den König zu sehen. Carl sprang vom Bocke und half beim Umspannen. Die Leute versam-
tnieenbem Volke bedeckt Unter den anwesenden D«- putirten bemerkte man Franclieu, Belcästel, Rcfseauier Rovez, Haoier Dufaur, CheSnelong la Rouillerik Vernay Feligonde la Grange, Bonald, Abbatie bt Gavarbie. Im Ganze» waren es 19. Des Abends von 8 bis 10 Uhr waren die Grotte, die Capelle, d« kleine Stadt LourdeS und die Umgegend iUuminitt Nach dem Abbeten deS Rosenkranzes fand die Pr,- cession mit Fackeln statt." Nach dem Korrespondenten des „Franyais" betrug die Zahl der Pilger 20,000 Trotz des Gebotes, keine Rufe ertönen zu iafftn, wurde, als daS Banner von Elsaß-Lothringen j, Trauerflor erschien: „Vivo Metz! Vive la Lorraine! Vive l’Alsace!" geschrieen. Wie andere Depesche, melden, wurden auch die Rufe: „Es lebe Frankreich! Es lebe der Papst! ES lebe Pius IX.!" sehr vili gehört. Die Zahl der Banner, welche von den Pch gern mitgebracht worden und die in Lourdes bleib« werden, beträgt 300, die einen Werth von 200,000 Fi. habe»; darunter befinden sich vier auS Elsaß-Lothringen. Der Erzbischof von Auch sprach in feinet Rede auch von Elsaß-Lothringen, dessen Rückkehr zi Frankreich er vom Himmel erflehte. Nach den bit jetzt eingegangenen Nachrichten fiel keine Ruhcstöruq vor. — Graf Wesdehlen ist hier eingetroffen. Gr« Arnim reifte Abends nach Baden ab. — Gambetta isi wieder angekommen und hatte bereits eine Unterreduq mit dem Secretär ThierS'. — ES heißt mit Bestimm- heit, die conservativen Mitglieder der Permanenz Commission beabsichtigten in der nächsten Sitzung w Donnerstag zu beantragen, daß die Nationatversam» lung zusammenberufen werde. Sämmtlichc offiziös! Blätter veröffentlichen heftige Artikel gegen die Cm- Mission. — Au der Börse waren die Madrider Nachrichten von einem neuen Attentat gegen König Am deuS verbreitet. Derselbe soll auf der Promenade mi Steinen beworfen und leicht verletzt worben sein. - „Tcmps" veröffentlicht bie erste Subskriptionsliste st bie Elsaß-Lothringer. Henri Bamberger, Direktor da Banque de Paris, figurirt auf derselben mit 5000 FH ebenso finden sich dort bie Namen anderer Banqnieri deutscher Abstammung.
London, 8. Octbr. Der von Gladstone beab sichtigte Besuch Irlands wird in diesem Jahre »ich! erfolgen. — In Morley hat gestern eine Grub« Explosion ftattgefunben, wobei 20 bis 30 Person« umS Leben kamen.
Rom, 5. Octbr. Die „Italienischen Nachrichten^ theile» „unter allem Vorbehalt" mit, die Cardinid hätten vor einigen Tagen im Valican eine Zusammen kunft gehabt, um sich über bie künftige'Papstwahl zu besprechen; die Majorität habe sich dabei für bei Cardinal Panebianco erklärt, doch habe er das Versprechen abgeben müssen, in die Fußtapfen feind Vorgängers Pius IX. treten zu wollen. — Es bestätigt sich, daß Pio IX. vor einigen Tagen wirkte den Vatikan seit zwei Jahren zum ersten Mal wieda verlassen habe, um in einer Gießerei beim Vaticai die Bronze - Statue des heiligen Paulus in Augen
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fluge in den Gasthof zurückkehrte, fand sie ein größeres wohlausgeführtes photographisches Porträt, untf welchem geschrieben stand: Von Carl XV., König vo» Schweden.
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gewährte dem König Carl ein besonderes Vergnügen- auf seinen Schlössern selbst Fremdenführer za fein- Dies vergnügte ihn namentlich auf Ulriksdal, wo d seinen Schatz von Geschichtskenntniffen beim Vorzeigd eines seiner Sammlungen entwickeln konnte. Einst ton eine ausländische Familie dort an unv traf den Könij eben im Parke. Ohne ihn zu kennen, fragten sie ihk dem ! ob es erlaubt wäre, das Schloß zu sehen. „Gewiß', 0"TP'*‘ antwortete Carl, „kommen Sie nur mit mir". D» eeitun^ Familie war intelligent, und ihre Gesellschaft zog be* £fte i König an. Er zog seinerseits die Besuchenden an, J ' s' und als diese sich entfernen wollten, fragten sie, mit ®«ftei sie ihm ihre Dankbarkeit zeigen könnten. „Ich sammle «ein , gern Photographien, geben Sie mir Ihre Porträts, und ich werde Ihnen das meinige dagegen sendest antwortete der König. Man versprach die Porträts zu senden, und als bann bie Familie von einem Aus'
Bock. Gleichzeitig kam der Adjutantenwageu any Christ gefahren. Das Volk ließ seine Hochs durch Beq Withc und Thal erschallen, während der König mit bd tflüg Peitsche knallend und herzlich lachend unbemerkt davot Holz fuhr. Ein anderes Rial, als er auf Reisen bd ^ilhe Frühstück in einem großen Dorfe entnehmen so UN Chefin beeilten sich die Honoratioren des Ortes an den £>oF Echux inteubanten zu schreiben, um zu fragen, ob Se. M4 Dng s etwas Besonderes wünsche. Der Intendant zeig« 3® L dem König den Brief, und der König antwortete selb schriftlich: „Häringe und Kartoffeln. Carl." E
wortete Carl, „bringt ihm nur ein ordentliches Hoch denn daS liebt et". Darauf bestieg er wieder be« «in