1872
Marburg, Donnerstag, den 10. Octöber
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sandten deS Königs gestern kamen, um Dich zu der Prinzessin Margaretha zu begleiten, welche Dich unter
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die letzte formelle Hand daran gelegt zu werden braucht. Danach würden sie also noch vor Eröffnung deS Landtags publicirt werden.
Essen, 5. Okt. Gestern Nachmittag erfolgte hier die Verhaftung deö Geschäftsführers (G ) der Essener Bolksbank, eingetragenen Genossenschaft, und heute Morgen auch die deS Gehülfen (9t.), nachdem gestern vergeblich nach demselben geforscht worden war. Letzterer stellte sich freiwillig. Als Grund dieser Maßnahmen hören wir, daß eine Anzahl falscher Wechsel von dort in Circnlation gesetzt sind; weiterem Vernehmen nach soll sich die Summe auf annähernd 80,000 Thlr. belaufen. Selbstverständlich lassen sich nähere Mitthci- lungen über dieses hier großes Aufsehen erregende Vorkommniß noch nicht machen. Wie wir nachträglich vernehmen, wird den Spareinlegern der Volksbank ein Deficit nicht erwachsen, indem Effekten für die Höhe der Einlagen vorhanden sein sollen und für den Rest die Mitglieder der Genossenschaft ja solidarisch haftbar sind. — Ein gräßlicher Mord ist hier vorgestern Abend vorgekommen, die Entdeckung desselben indeß erst gestern Nachmittag erfolgt. Man fand nämlich in einem im Erdgeschoß gelegenen Raume eines Hauses an der Steelerstraße den Lcichmann eines alten Mannes, N, der in jenem Raume, wo er die Bretter, Stangen rc. von den Fieischerbuden auf dem Marktplatze unterbrachte, häufig zu schlafen pflegte. Der Schädel trug drei klaffende Wunden, von Beil- hieben herrührend. Die Frau des Ermordeten machte zuerst die Entdeckung und ist dieselbe, als der schrecklichen That verdächtig, verhaftet. Auch der Sohn derselben ist mit verhaftet. Näheres über dieses Verbrechen kann noch nicht angegeben werden.
Dresden, 8. Ott. Das „DreSd. Jonrn." veröffentlicht eine Bekanntmachung des Finanzministeriums, welche an Stelle der nächsten fälligen Schatzanwei» jungen vom Jahre 1872 wiederum die Ausgabe neuer sächsischer Schatz-Anweisungen im Betrage von 2Vz Millionen Tbalern, zu 3*/2 pCt. verzinslich und bis November 1873 lautend, verfügt. Die Begebung der neuen Schatzanweisungcn bewirkt die Berliner See- Handlungs-Societät. — lieber das Programm zu den bei Gelegenheit der goldenen Hochzeitsfeier deS säch- sischen KönigSpaareS stattfindenden Hoffestlichkeiten er*
ihre Ehrendamen aufnehmen wollte, fanden sie Deine Amme in Thränen neben der vermeinten Tobten, die aber nur eingeschlafen war.*
(Fortsetzung folgt.)
respondenten radicaler Blätter zugegeben, welche ihre Erkundigungen nicht auS amtlichen Quellen zu beziehen pflegen. Heute ist auch die letzte Baracke ohne irgend welche Störung abgebrochen worden. WaS von einigen Seiten über den erfolgten Neubau von Baracken gemeldet wird, entbehrt jeder Begründung.
— Die „B. Nat.-Ztg." schreibt: „Die französische Regierung hat bekanntlich den seit Beendigung des Krieges an den französischen Grenzen eingeführten Paßzwang zuerst zu Gunsten der in Calais oder Boulogne u. s. w. landenden Engländer, dann an der belgischen, spanischen und italienischen und schließlich auch an der Schweizer Grenze wieder aufgehoben. Dagegen hat aber die Regierung deS Herrn ThierS es für gut befunden, diesen Paßzwang in ganzer Strenge ausschließlich an der jetzigen deutsch-französischen Grenze aufrecht zu erhalten. In Folge dessen hat sich die deutsche Regierung veranlaßt gesehen, auch ihrerseits an der deutsch-französischen Grenze den bei uns bekanntlich längst abgeschafften Paßzwang wieder ein zuführen. Der französische Minister des Auswärtigen ist, wie wir zuverlässig erfahren, am vorigen Freilag durch den deutschen Botschafter in Paris benachrich tigt worden, daß vom 1. November ab die französischen Staatsangehörigen nur dann in die deutschen Reichsprovinzen zugelassen werden, wenn sie sich im Besitze eine» gültigen und mit dem Visum einer zuständigen deutschen Behörde versehenen PasseS befinden. Vielleicht wird diese Notification auf das Verhalten der französischen Regierung in der Paßfrage einigen Eindruck machen ."
— AuS dem Cultusministerium wird berichtet, daß der Etat des Unterrichts diesmal ungewöhnlich reich ausgestattel sein wird, und zwar nicht nur in Bezug aus den niederen Unterricht, sondern auch auf die höheren Lehranstalten, speciell auf dir mit den Universitäten verbundenen Institute. Die Verhand lungen mit dem Prof. Dr. Herrmann in Heidelberg wegen Uebernahme deS Präsidiums deS Oberkirchen raths sollen jetzt so weit gediehen sein, daß wohl schon in den nächsten Tagen ein günstiger Abschluß zu erwarten steht. Die „Schulverfügungen*, welche an Stelle der Regulative treten sollen, sind, wie die „Sp. Ztg." hört, so weit gefördert, daß nur noch
Deutsches Reich.
•• Berlin, 8. Okt. In Folge eines Artikels der Spm. Ztg." sind überall Gerüchte über eine dem- «ächstige Erledigung der nordschleSwigschen Frage aufgetaucht. Wie auS zuverlässigster Quelle versichert werben kann, ist diese Frage in jüngster Zeit durchaus nicht besprochen worden. — Die „Deutsche Reichs wrrcspondenz" berichtet, daß der St-atshauShaltsetat in der letzten Sitzung deS Staatsministeriums zur definitiven Feststellung gelangt sein dürfte. Jedem einigermaßen mit dem Geschäftsgänge Vertrauten muß H indessen klar fein, daß der Etat unmöglich in zwei Sitzungen des Staatsministeriums erledigt werden kann. Es ist nur so viel wahr, daß bereits wichtige privcipielle Vorfragen entschieden sind; nunmehr erst wirb der Finanzminister den Etat definitiv aufstellen und dem Gesammtministerium zur Genehmigung vorlegen. — Trotz aller gegen eine annoncirte Verän derung im Ministerium gerichteten Dementi'» der „Nordd. Allg. Ztg.* kommt die heutige „Volksztg." mit einer neuen Version. Danach würde Minister Leonhardt sein Portefeuille niederlegen, Dr. Falk das Justizministerium, dem die bisherigen speciellen Cul- lusangelegenheiten unterstellt worden, abnehmen, der Ministerialdirector Sydow aber den Rest der dem Ministerium der geistlichen Angelegenheiten zukom- menben Materien als Minister verwalten. Rnterstaats- secretär Dr. Achenbach werde den Grafen Jtzenplitz ersetzen. Auch diese neue Wendung kann als durchaus
Dir mein Herz gab? Bin ich nicht bereit, Dir mein geben zu geben?
„Du wirst mich an den Hof führen?
„Höre*, sagte er schnell verdüstert, „Du hast wohl von dem König und seinen blutigen ober aufgelösten Ehen sprechen hören .... Wohlan I feit ich Dich liebte, bachie ich an ihn und zitterte vor bem Gedanken, Dich an den Hof zu bringen, beim Nichts ist ihm heilig, unb fein königlicher Mund darf nur über die Ehre einer Frau hinhauchen, um sie zu beflecken. Ich verschwieg Dir, wer ich bin, aus Furcht, daß ein unvorsichtiges Wort von Dir mein Glück zerstören könnte, das einzig nur in Dir beruht. So verging ein Jahr, ein Jahr voll Seligkeit, während welchem ich Dich allnächtlich sah, indeß ich durch meine Stellung gezwungen war, die Tage bei dem König zuzubringen; um aber Jedermann über meine Gefühle irre >zu führen, ließ ich scheinbar ahnen, daß meine ehrgeizigen Wünsche sich bis zur Prinzessin Margaretha verstiegen. Allein was ich immer befürchtete, ist geschehen — — vor einigen Tagen hat Dich der König gesehen.
Wie von einem electrischen Schlage durchzuckt,
A«S dem Lehr» des jüngst »erstorbene» Königs Earl XV. da» Schweden.
Schon als junget Prinz fühlte der König Carl XV. sich von den Heldensagen des großen Schwedenkönigs Carl XII. mächtig angezogen, unb sein L hrer Dr. Carlson, Professor der Geschichte an der Universität zu Upsala, wird viel dazu beigetragen haben, diese Bewunderung anzuregen und zu nähren. Ungleich Fryxell, dem bekannten Geschichtsschreiber, sieht Carlson in dem Leben Carls XII. nicht da» verbrecherische Spiel, das ein Abenteuer liebender halb alberner König mit den Kräften seines Volkes treibt, sondern er sieht oarin eine große Politik, die Schweden durchführen mußte, wenn eS nicht freiwillig die Stellung als Großmacht aufgeben wollte, die eS bis dahin eingenommen hatte. Das Tragische deS Kampfes, in bem ber hel- denmüthjge König gleichsam wie bem unerschütterlichen Gebote des antiken Schicksals unterlag, mußte ein Gemüth ansprechen, wie daS Carls XV., und mit einem beinahe schwärmerischen Eifer fügte er seinen Sammlungen eine Menge ErinnerungSgeg-nstände zu, die dem Heldenkönig selbst angehört hatten. DaS kleine Arsenal deS Schlosses lieferte den Beweis dafür. ES ist auch wahrscheinlich, daß der große Gedanke ihn mehr als einmal durchdrungen hat, daß die Politik der Könige von Schweden es in der Zukunft auf einen starken nordischen Einheitsstaat absehen müßte, ber Schwedens früheren Einfluß im Rathe der Großmächte wieder gewinnen und eine Vormauer und der Missionär der modernen Civilisation im Norden fein könnte. Sein Vater war vorsichtiger und
Erricht.
Historisch-romantische Erzählung von H. Z.
(Fortsetzung.)
Bald darauf kehrte Ethelword zurück, der nachdem er dieses Mal die Thüre sorgsam verschlossen hatte, gerade auf den Sarg zujchritt, und als er diesen leer Nb, Katharinen- Namen rief, bie bei bem Laute seiner Stimme zu sich kam, mit dem Frohgefühle der Rettung an seine Brust sank, unb sich bann allmälig wieder erholte, bann ober in ängstlicher Hast von diesem Orte weg verlangte, denn sic beburfte ber Luft »ad de- Lichte-, um sich zu überzeugen, daß sie gerettet fei
Nachdem er die Gewißheit erlangt hatte, daß sie »vch lebe, beschwor er sie im Namen ihrer Liebe, noch rmige Minuten hier zu verweilen.
Sie schmiegte sich fester an ihn, und verlangte zu wissen, wie sie hierher gekommen fei, allein unter Gräbern. Wie er, gleich einem guten Engel, erschienen, um st« bem Leben wieder zu schenken — sie beschwor ihn, zu sprechen, und et gelobte, ihr Alles zu entdecken, denn der Augenblick war gekommen, wo er keine Geheimnisse mehr vor ihr haben durfte. So er» fuhr sie denn mit einem nicht zu unterdrückenden Auf- jauchzen der Freude, daß ihr Gemahl Herzog von Dierham, Marquis von Derby, Pair von England »nd Mitglied des Oberhauses war.
„OI* rief sie, indem sie ihn liebevoll mit beiden Bruten umschlang, „so nimmst Du ja eine der ersten stellen im Staate ein?"
„Nur der König steht über dem Pair von @ng- tanb," erwiderte er. „Auch nennt er uns seine Vettern, *tttn er uns feine Befehle ercheill.*
„Und ich werde nun Alles mit Dir theilen «hre . . . . Rang .... Vermögen . . . .*
«Habe ich Dir das nicht Alles gegeben, indem ich
ähreS feind irech Lelio Set
,s 61 1872 h,
auf das vierte Quartal Bestreuungen werden von allen Post- «ustalten noch fortwährend angenommen.
scheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für da- Quartal ber OberheMchen Leitung mit ÄreiWlatt durch die Expedition («och'fche AnL d ruck er ei) bezogen 88i ®gt., durch die Postämter 87 ®gr. 6 Vfg. (excl. Bestellgebühr und mcl- Stempelsteuer), für daS Ausland exel. Stempel 88 •gt.- Jnsertionsgedühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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schrie Katharina auf:
„Der König hat mich gesehen — mich? —
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„Er liebt Dich.*
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„Ober glaubt Dich wenigstens zu lieben--
begehret Dich — Du begreifst, baß wir verloren waren, wenn ich nicht ein Rettungsmittel sand. Ein Alchymist verschaffte mir für vieles Gold einen Schlaftrunk von schneller täuschender Wirkung. Ich mischte den Saft unter Deinen Trunk, und als bie Abge-
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iteluu irrthümlich bezeichnet und nochmals versichert werden, H chaß in unterrichteten Kreisen nicht das Geringste von a i einer MinisterkristS bekannt ist. — Nachdem die tele
, graphische Correspondenz zwischen ber ©eneralbirection der Wiener Weltausstellung unb ber Wiener Commission einerseits, sowie ber deutschen Commission und ----1 den österreichischen Missionen bereits auf den Reichs telegraphenlinien freigegeben war, ist dasselbe nunmehr durch ein Rescript deS Handelsministers auch auf den q StaatSeisenbahntelegraphen geschehen. — Daß der g ' letzte Berliner Umzug in einer unerwarteten glatten Weise bewirkt ist, wird jetzt selbst von solchen Cor-
Oterhesslsche ZmMg.B