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JRnrßutg, Dienstag, den 8. October.

1872,

in.

Lberhtssische Zeitung

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däck i er,

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhefslschen Leitung mit Kretsblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckrrei) bezogen 22 J Ear., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Gar Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoneen-Büreaus nehmen Inserate an.

Regulative treten sollen, sind, wie man hört, so weit gefördert, daß nur noch die letzte formelle Hand da­ran gelegt zu werden braucht. Danach würden sie also noch vor Eröffnung des Landtags publicirt werden.

Der Vorsitzende der preuhischen Landes-Com­mission für die Wiener Weltausstellung, Ministerial- Director Moser, hat eine Circularmittheilung an die Mitglieder der Commission erlassen, der zufolge die Raumverthcilung für die Deutsche Ausstellung von der Central-Commission der Hauptsache nach vollendet, die Aufstellung des Specialplancs für die Anordnung der einzelnen Gruppen des Programms in der Arbeit und die Feststellung der Normalvorschriflen für die Einrichtung der Schränke und sonstiger AusstellungS- behälter vorbereitet ist. Es sind ferner Anstalten ge­troffen , um die Aussteller in kürzester Frist von der Größe des ihnen zugctheilten Raumes zu benachrichti­gen. In den nächsten Tagen sollte sämmtlichen Mit­gliedern der Landescommission ein Situationsplan der deutschen Ausstellung zugehen, welcher die beab­sichtigten Einrichtungen veranschaulicht und die Mög­lichkeit bietet, Ausstellern, die sich deshalb an einzelne Commissions-Mitglieder wenden, mit Auskunft zu ver­sehen. Die nothwendig gewordenen Erweiterungsbauten für die Deutsche Ausstellung werden in einem der übrigen Ausstellung entsprechenden Charakter auSge- sührt, aber diese Ausführung macht eS doppelt noth- wcndig, daß auf das Erscheinen der angemeldeten Aussteller mit Bestimmtheit gerechnet werden darf.

Breslau, 5. Oct. Heute Morgen um 11 Uhr hat in öffentlicher Sitzung der Stadtverordneten die feierliche Einführung des neuen Oberbürgermeisters v. Forckenbeck in sein Amt durch den RegierungS» Bicepräsiventen Grafen Poninsky als Stellrertreter für den Oberpräsidenten stattgefunden. Der Act er­öffnete mit einer Ansprache des RegierungS-Bicepräsi- denten. Derselbe beglückwünschte die Stadtverordneten wegen der von ihnen getroffenen Wahl und sprach den Wunsch aus, daß das gute Einvernehmen zwischen der Regierung und dem Magistrat wie früher auch ferner ungetrübt erhalten bleiben möge, er könne den

lg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 5. Okt. Der Gesandte für Kon-

°uf das vierte Quartal »CflVUllIigeil werden von alle« Post- -,ustalten noch fortwährend angenommen.

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On stantinvpel, Geh. LegationSrath Keudell hat sich heule , * iach Barzin begebe», wird jedoch in nächster Woche

»ach Berlin zurückkehren, um nach Baden-Baden zur

~~ Verabschiedung bei Sr. Majestät zu reisen. Die llÜm/Magdb. Ztg." enthielt gestern eine Berliner Cor- Bai, respondenz, welche eine mögliche Ausscheidung des em a justizmiiiisters Dr. Leonhardt ausspricht mit der Be- icibi »erkung, daß Dr. Falk der Nachfolger desselben werden

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ne so entscheidende Bedeutung beizulegen, während it Wirksamkeit des Juristentages in diesem Jahre m der Presse ziemlich kühl behandelt wurde.

tägli »erde. Als Motiv für den Austritt gibt der Corre- >arw Mdent an, daß durch das Votum des Juristentages [232 Bezug auf die Schöffengerichte der Justizminister ---- m lebhaft vertretenes Prinzip nicht werde aufrecht 1challen können und dadurch in eine unliebsame Po-> iiion versetzt werde. Diese Mittheilung hat in orten irlen Kreisen sehr befremdet und man mißt derselben Uragi nne Glaubwürdigkeit bei, vor allen Dingen ist eS v t och sehr problematisch, dem Votum deS Juristentages

!aS neueste Centralblatt für die UnterrichtSverwaltung ,'L1 reußenö enthält einen Erlaß des CultusministerS, elcher recht beachtenswerth ist; eS handelt sich näm- chwci um tzgg Berufungsrecht für Elementarschulstellen! ßiak Bezug auf die Religion deS Berufungsberechtigten.l lld ser Minister entscheidet, daß auch jüdische Guts- n Pessitzer das Recht der Berufung eines Lchrerö haben, theken,1 nach dem Allerhöchsten Erlaß vom 23. Mai 1860 Unrat4 Juden nicht von der Ausübung eines obrigkeit- cte A, ^hen Amte« ausgeschlossen sind. Der Reichs- [224 ®iltr hat dem BundeSrath für Elsaß-Lothringen

[ tun Gesetzentwurf zur Beschlußfassung vorgelegt, ! elcher die Besoldungen der Hypothekenbewahrer regelt. ___ - Nachdem dm Amtsblättern die Publikation der rein

t geg-

tovinziellen Ankündigungen zugewiesen ist, um die Gc- hsiunmlung in ihrem Umfange zu beschränken, ist in

Gerächt.

Historisch-romantische Erzählung von H. Z. (Fortsetzung.)

b.93,,

III.

AlS da- staunende Gefolge, welches der Herzog

er,

iescha

Dierham den nächsten Tag darauf mitnahm, um Piff * "kur Edelfräulein der Prinzessin Margaretha ab l-Ut holen, nur eine Leiche fand, traf Ethelword sogleich auernl f Anordnung, daß sie in seiner eigenen Familien- rikv« vft in seinem Schlosse, daS nur eine Viertelmeile » London entfernt war, beigesetzt wurde.

Die Gruft hatte nur eine einzige Thüre, die über

ist.

t.

8«ä. : , . .

f Treppe von etwa dreißig Stufen in die Tiefe 'kt i 8inf6 und rechts befanden sich die Grabmäler k lei r und Frauen aus dem edeln Geschlechte der 12^ ^hamS, mit hrcn ruhenden Bildsäulen, zu deren . ißen bei den Männern ein Löwe, bei den Frauen 1 Windhund angebracht war. Der Sarg, worin tharina lag, war offen. Zu ihren Häupten befand 1 1 «n Weihwasserkessel, von einem Marmorengel be

en d ätzt, und selbst einem Steinbilde ähnlich, lehnte Cxp< helwvrd ihr gegmüber an einem Grabmal, während J22z Priester den letzten Ritus eines katholischen Be- Kniffes vollzog, und die Amme nebst einigen jungen für *6ltfn. an dem Sarge beteten.

-u ri .«^"ücklich", murmelte der Priester,glücklich sind P92( ^nigen, welche früh sterben, und, angethan mit _- ÜnschuldSkleide, sich in daS Grab legen, denn

[23( ichlafm auf Erden ein, um im Himmel aufzu- chen. Wir beten jetzt nicht mehr für Dich, zarte, >bek'^ Taube, Du betest vielmehr für uns; erhalte $ dort oben in der Gnade des Herrn, wie Du ch hienieden in feiner Barmherzigkeit erhalten hast." Er nahm hierauf einen Zweig Buch«, tauchte ihn ' bas Weihwaffer und bespritzte die Tobte damit, ii.11', ichem Beispiele alle Anwesenden folgten; und als letzt die Gruft verließ, ward auf seinen Wink die J Rose Amme, die sich nicht von dem Sarge ihres , Pfleglings trennen wollte, fast gewaltsam

Folge dieser Bestimmung angeordnet worden, daß sämmtliche Amtsblätter den beiden Häusern des Land­tages als eine Ergänzung der Gesctzsammlnng zuge­stellt werden. DaSDeutsche Wochenblatt", unter der Redaction des Dr. Leopold Kayßler, enthält in seiner ersten Nummer eine sehr sachverständige Ueber- sicht über die Zustände in Europa, sowie bemerkens- werlhe Betrachtungen über die nächste Landtags Session und namentlich in Bezug auf die Beralhung der KreiSordnung in Verbindung mit der Provinzialfonds- Aiigclegenheit. Die vor Kurzem gebildete Central- Lanbschast hat durch Zutritt der ostreußischen Land­schaft Zuwachs erhalten; der geschäftsführende Aus­schuß der Central-Landschaft wird übrigens in nächster Zeit zusammentreten. Mit Befriedigung kann con- statirt werden, daß der Oktober-Umzug in Berlin am 4. Oktober das Resultat ergeben hat, daß die Zahl -der obdachlosen Familien nicht größer war, als Mi­chaelis v. I. und Ostern d. I., eS waren nämlich obdachlos 128 Familien mit 511 Köpfen, wovon im Arbeilshause 65 Familien und anderweitig 63 unter­gebracht wurden, von denen jedoch eine Anzahl der im ArbeitShause Untergebrachten bereits ein anderes Unterkommen erlangt hat.

5. Oct. Die heute erschienene erste Nummer desDeutschen Wochenblatts" nennt unter den von der Staatsregierung vorbereiteten Gesetzen über die Stellung der Geistlichkeit außer den bekannten noch: ein Gesetz über das disciplinarische Verhältnis der Geistlichen, ein solches über die Vorbildung derselben und ein Gesetz über den Austritt aus der Kirche. Dasselbe Blatt meldet, daß das Staatsministerium! über die Vorlage, betreffend die ProvinzialfondS bis auf die Höhe der Fonos und die Modalitäten der Ueberweisung jetzt schlüssig geworden sei.

Die Verhandlungen mit dem Prof. Dr. Herr mann in Heidelberg wegen Uebernahme des Präsidiums des OberÜrchenraihS sollen jetzt so weit gediehen sein, daß wohl schon in den nächsten Tagen ein günstiger Abschluß zu erwarten steht.

DieSchulverfügungen", welche an Stelle der

von den anderen Frauen forigebracht. Endlich war Ethelword mit der theueren Leiche allein . . . Flem­ming hatte ihm gewissenhaft Wort gehalten. Wohl war ihr Schlaf der Zwillingsbruder des TodeS, und wäre er nicht sein eigenes Werk gewesen, so würde selbst Ethelword getäuscht worden sein. Wie groß ist doch die Gebrcchlichteit des menschlichen Daseins, so daß einige Tropfen, aus gewissen Pflanzen gezogen, hinreichen, seinen Lauf zu hemmen, und einige Tropfen' mehr alles Leben töteten, und die Seele, die in den jetzt geschloffenen Augen strahlte, in der jetzt verstumm­ten Stimme bebte, welche diesen jetzt kalten und un­beweglichen Körper belebt hatte, würde dann auf ewig entflohen und zu ihrem Urquell zurückgekehrt sein. Ethelword- begriff jetzt, wie es möglich ist, daß der Mörder beim Anblick seines Schlachtopfers keine Reue fühlt, denn wenn der vor ihm liegende Körper nicht glücklich war, jo war er doch sehr ruhig .... und es überkam ihn der Gedanke, ob eS nicht bester sei, sich neben Katharina in das Grab zu legen, den Sarg* deckel schließen zu lassen, und Arm in Arm mit ihr bis an den Tag des letzten Gerichts zu schlafen, statt ihr Leben noch einmal den Zufällen der Welt und dem Wechsel deS Glücks preiszugeben .... wußte er doch nicht, ob sie ihr Erwachen einst segnen oder ihm fluchen würde....

Er kniete neben dem Sarge nieder und küßte sie auf die Stirne; da war es ihm, als hätte sie leise gezuckt. Alle Todesgedanken verschwanden im Nu aus seinem Gehirn--sie sollte leben, ob im Glück

oder im Unglück, ob in Freude oder in Verzweiflung aber leben, leben sollte sie. Da, o Entsetzen, als er sich umdrehte, sah er, wie die Thüre, die in die Gruft führte, sich langsam in ihren Angeln be­wegte, denn in unbegreiflicher Zerstreuung hatte er sie zu schließen vergessen. Der Eintretentee war der König von England. In starrer Verzweiflung warf sich Ethelword neben dem Sarge nieder, beugte sich über Katharina hin, und mit den Zähnen knirschend,

beschwor er die Mächte der Finsterniß, ihren schwersten Schlummer auf ihre Augen niederzusenken, sie lieber nie, als jetzt sich öffnen zu lassen.

»Herzog von Dierham, wo seid Ihr?" rief der König, der, als er die Thüre wieder hinter sich zu- gemacht hatte, jsich nicht sogleich an die Dunkelheit des Ortes gewöhnen konnte. Ethelword ging ihm ent­gegen ; Heinrich stützte sich auf ihn.

»Habt Dank," sagte er;Ihr seid mein Getreuer, Ihr wo ist sie?" Und als Ethelword mit der Hand auf daS offene Grab gewiesen, fuhr er fort: »Ich danke Dir, Mylord, daß Du sie in Deine Fa­miliengruft bringen ließest--Ich gebe Dir mein

königliches Wort, acht Tage später würde sie in West­minster geschlafen haben."

Sire", erwiderte Ethelword mit gepreßter Stimme, «das Weib, welches während feines Lebens Gnade vor Euern Augen gefunden hatte, mußte auch nach seinem Tode ein Gegenstand teer Verehrung für mich fein."

AlS EthelwordS Begleiter zu dem König zurück­gekehrt waren und ihm gemeldet hatten, daß sie Ka­tharina tobt gefunden, und der Herzog zurück geblie­ben wäre, um ihr die letzte Ehre zu erzeigen, da wollte er erst dieser Nachricht keinen Glauben schenken. . . ihm, der unbeweglich vor dem Umsturz seines Thrones geblieben wäre, ihm schwoll daS Herz, als er Ka­tharinas Tote erfuhr, und feine Augen füllten sich mit Thränen. Es war ihm Bedürfnis, sie noch ein­mal zu sehen, bevor sich das Grab auf immer über ihr schloß, darum war er nach Dierhamcastle gekom­men, und verlangte jetzt, daß Ethelword ihm die Leiche zeigen solle.

So seht sie denn, Sire!" sagte dieser, indem er, einen verzweifelnden Entschluß fastend, mit der einen Hand seinen Dolch zog, und mit der andern das Leichentuch, das sie verhüllte, zurückschob, die Lampe ergriff, und ihr damit in das erbleichte Gesicht leuchtete.

(Fortsetzung folgt.)