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Marburg, Sonnabend, bett 5. Oktober.

Nr. 23».

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«eracht.

Historisch-romantische Erzählung von H. Z. (Fortsetzung.)

Deutsches «eich.

.. Berlin, 3. Okt. Die Frage wegen formellerer Behandlung der nächsten LandtagSsesston beschäftigt immer lebhaft die Presse und muß coustatirt werden, daß die Auffassung der Regierung sich immer mehr Anhänger gewinnt. Neuerdings stellt allerdings ein radicaler Correspondent in verschiedenen Zeitungen eine liberale Opposition für das Abgeordnetenhaus in Aussicht. In politischen Kreisen hat man hiervon noch keine Kenntnih, auch läßt die Haltung der libe­ralen Presse eher auf bas Gegentheil schließen. So­gar ein so entschieden liberales Blatt wie dieBres­lauer Zeitung" stellt sich auf die Seite der Regierung und macht sich über ihre Widersacher lustig. Mit Recht hebt eS hervor, daß es wenig patriotisch sei, wenn diese damit kamen, die Regierung müsie im stampfe gegen den UltramontaniSmus eine compacte Majorität zur Verfügung haben und deßhalb jeder Opposition auS dem Wege gehen. Der Kampf gegen dm UltramontaniSmus ist am Ende doch keine Re­gierungssache, für deren Unterstützung man Gegen­dienste verlangen könnte, sondern so recht eine Sache des Volkes und die wichtigste nationale Ausgabe. lleberhaupt können manche liberale Blätter den gräm­lichen Ton noch immer nicht fahren lassen; sie mäkeln an Allem und Jedem. So stellen sie jetzt die angekün- digre Aufhebung de« Zeitungsstempels auf dem Wege der Reichsprcßgesetzgrbung als eine Verzögerung dar. Nun war aber der bisherige Stand der Sache der, daß diese Frage im Zusammenhang mit einer Reform der ganz,» Stempelgesetzgebung gelöst »erben sollte, die jedenfalls noch keineswegs in so naher Aussicht steht, als das neue Reichspreßgesetz. Wenn also die preußische Regierung auS freien Stücken dafür eintritt, schon durch dieses die Zeitungssteuer zu beseitigen, so kann man ihr gewiß nicht Schuld geben, daß sie diese zu verschleppen suche. Herr v. Balan ist hier ein; getroffen und hat die Leitusiß der Geschäfte übernom­men. Bereits heute Morgen empfing er verschiedene Gesandte, u. A. den baierijchen, welcher offiziell die

Der Tag begann in Nacht überzugehen, als Ka lharina Howard mit ihrer Amme, der alten Johni stenedy, von einem einfamen Spaziergang in ihr Stübchen zurückkehrte. Sie hatte auf dem Gipfel eint« nahen Berges das prachtvolle Schauspiel der untergehenden Sonne gesehen, ihr Auge hatte auf den purpurvivletten Tinten de« Horizonts flüchtig verweilt, aber sie war dadurch nicht aufgeheitert worden, denn es war dieselbe Sonne, derselbe Horizont, den sie auch Seftern gesehen halte; sie sühlte sich gelangweilt, und dieses widrige Gefühl nahm ihren Augen den Glanz und brach die Kraft ihres jungen Lebens. Die alte llwme schüttelte mißmuthig den Kopf und sagte:

Aber, Kind, wie kannst Du Dich nur langweilen ü» dieser herrlichen Gegend, die so grün und reich ist?"

Gewiß würde sie mir gefallen, wenn ich sie zum ersten Male sähe", erwiederte Katharina, indem sie Mütze und Mantel abwarf, und st» ermüdet in einen Sessel fallen ließ.Aber, Mütterchen, bedenke nur, Saß ich seit achtzehn Jahren diese Fluren täglich sehe," setzte sie hinzu, indem sie ihr Gesichtchen zu einem allerliebsten Lächeln verzog.

Und ich sehe sie wohl doppelt so lange, ohne ihrer überdrüssig zu fein", sagte Johni ärgerlich. »Freilich bin ich auch nur eine arme Frau, ohne Wunsch u»d Ehrgeiz, habe immer nur das Glück in Dingen gesucht, die mir erreichbar find, und nie weiter hinan« ...."

Amme", fiel ihr da« Mädchen in die Rede, »Alles, was außer unserem Bereich liegt, muß aber M wohl recht schön sein!.... London soll so berr= sich sein. Lieber Gott! wann werde ich denn einmal m London wohnen!"

übernimmt die Berichterstattung. Freiherr v. Goltz (Königsberg) hielt einen Vortrag über die Mitwirkung der Kirche bei derLösung der ländlichen Arbeiter­frage". Zur Diskussion gelangen sieben Thesen.

Hannover, 1. Okt. Der hier tagende hanno- ver'sche Städtetag verhandelte gestern über den §. der hannoverschen Städteordnung und nahm eine von Oberbürgermeister Grumbrecht borgeschlagene Resolu­tion an, dahin gehend,die Mitglieder des Magistrats und die ersten Unterbeamten sind von dem. Magistrale und dem Bürgervorsteher-Collegio in bereinigter Ver­sammlung durch absolute Stimmenmehrheit zu wählen, und zwar die Mitglieder veö Magistrats mindestens das erste Mal aus Zeit, die besoldeten für 12, die unbesoldeten für 6 Jahre." Nur die Wahl der be­soldeten Magistratsmitglieder bedarf der Bestätigung der Regierung. Eine andere zur Annahme gelangende Resolution will bei differirenden Beschlüssen der städti­schen Collegien die letzte Entscheidung nicht allein in die Hand einet lediglich auS Staatsbeamten bestehen­den Behörde gelegt wissen. Heute findet noch eine Sitzung statt.

Osnabrück, 3. Oct. Die gestrige zweite Haupt­versammlung des Protestantentags, welcher ein Gottes­dienst mit Predigt (Pfatter Lang aus Zürich) in der Aula des Realgymnasiums votauSgegangen wat, be­gann um 101/2 Uhr. Die in der Bekenntnißfrage aufgestelllen 4 Thesen wurden nach den Vot.rägen der zu Referenten bestellten Pros. Dr. Räbiger (Bres­lau) und Prof. Dr. Lipstus (Jena) von der Ver­sammlung angenommen. Zum Versammlungsorte für vaS nächste Jahr wurde Leipzig bestimmt. Die Ver­sammlung schloß mit dem Ausdrucke deS Dankes für Die derselben in Osnabrück bereitete gastliche Ausnahme. Um 5 Uhr begann das zahlreich besuchte Festbanket auf dem Schützenhofe. Heute findet ein gemeinschaft­licher Ausflug der Mitglieder der Versammlung nach dem Klest bei Melle und nach der Frieorichsburg statt.

Weimar, 1. Okt. DieErste Versammlung von Dirigenten, Lehrern und Lehrerinnen deutscher höherer Töchterschulen," welche seit vorgestern Abend hier tagt, ist nicht allein auS allen Theilen Deutschlands, son­dern auch aus Rußland, England, Schweden, besucht;

Undine, die sie wie eine Schwester begrüßte, so oft sie hinunter schaute. Der balsamhauchende Abendwind erschien ihr von unendlich vielen Sylphen bevölkert, und alle flüsterten ihr Dinge zu, die geeignet waren, ihre Vernunst zu verrücken, denn der Dämon deS Ehrgeizes erschien ihr unter der verführerischen Gestalt eines Engels, als Himmelskönig, mit goldenen Flügeln und einet strahlenden Krone aus dem Haupte.

Die Amme zog sich mißmuthig in ihre Kammer zurück und liefe das Mädchen unter seinem Hofstaat von Kobolden, Gespenstern und Feen zurück So wie sie das Gemach verlasien hatte, schloß Katharina sorg­fältig die Thür hinter ihr zu und öffnete eine andere, die über eine Terrasse nach der Themse hinunter führte, denn sie erwartete den Mann, mit dem sie schon lange heimlich vermählt war. Sie wat sich be­wußt, daß er sie über Alles liebte, aber dennoch halte er Geheimnisse vor ihr, denn sie kannte weder seinen wahren Namen, seinen Stand, noch seine Titel. Sie hingegen, sie hatte sich ihm ganz zu eigen gegeben, sie hatte nicht gejagt:So viel Stunden find für Dich und so viel für die Wett" ; sie hatte gesagt: Da bin ich, nimm mich hin!" Sie liebte diesen Mann, aber es war ihr dennoch qualvoll, nicht zu wissen, wer er war, ihren Geist in Hoffnungsträumen umherirren zu lassen, die vielleicht alle nichtig waren, ihre schönen fröhlichen Jugendjahre in Erwartung hinzubtingen, in Unwissenheit und Vereinzelung. Atff alle ihre Fragen antwortete er stets nur:Später! später!" Alle« ging unter in diesem Worte, das einen Abgrund in ihr Leben" grub. Wenn der Morgen graute, so hoffte sie im Laufe des Tages Alles zu er­fahren ; aber der Abend kam, ohne daß sie Etwas vernommen hatte. Dann kam sie sich zuweilen vor wie eine Sklavin, wie eine Gefangene, die ferne von der Welt gehalten ward. Jetzt, um die Stunde, wo die Freude tu den Städten weilte, war sie allein und

a«f da« lvierte Quartal ö^ftClUlngvll werden von alle« Post- «nstalten noch fortwährend angenommen.

Ernennung des Herrn v. Pfretzschner zum Minister­präsidenten anzeigle. Der russische General von Todtleden, welcher Berlin wieder verlassen hat, wurde mehrmals vom Kaiser empfangen. Es ist daran zu erinnern, daß während des Krieges, als es sich um die Frage handelte, ob Paris nur eingefchlossen oder regelrecht belagert werden solle, das Gutachten des Generals v. Todtleben eingeholt wurde. Der be rühmte Bertheidiger von Sebastopol sprach sich damals gegen eine regelrechte Belagerung ganz bestimmt aus und war das Gutachten, wie man sich in militärischen Kreisen erzählt, von großer Wirkung auf die getroffene Entscheidung.

Die Gesammtausprägung der Reichsgoldmünzen stellt sich bis 21. September auf 303,121,340 Mark, wovon 273,466,860 Mark in Zwanzigmarkstücken und 29,654,480 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.

Gras Moltke hat, wie einer Meldung aus Paris zufolge die Freunde deS Marschalls Mac Mahon be­stätigen, dem Letzteren die Druckbogen des zweiten HefteS des GeneralstabswerkeS über den Krieg von 1870, das die Schlacht von Weißenburg und Wörth behandelt, zugesandt mit der Bitte, ihm etwaige Un richtigkeiten bezeichnen zu wollen. Man kann, bemerkt hierzu dieTcib.", in der Courtoisie und Wahrheits­liebe gewiß nicht weiter gehen.

Königsberg, 3. Octbr. Gutem Vernehmen nach hat der Cuttusminister die Anträge Gruncrt's auf Einräumung der Braunsberger Gymnasiumskirche für Vornahme einer Trauung, auf deren Legalisirnng durch den Domherrn Singt oder das Kreisgericht, so­wie auf Coneesstoniruiig Grunert's für Eheab- fchliefeungen von Altkatholiken in der Provinz Preußen adgelehut. Der Minister gestattete ihm dagegen den Vollzug der BraunSberger Trauung, gegen deren Vornahme ein gesetzliches Hinderniß nicht vorhanden, va Domherr Singt nur auS einem canonischen Grunde die Trauung verweigere.

Halle a. S., 3. Oct. Der Kongreß für innere Mission, dessen Sitzungen sich an die des evangelischen Kirchentages anschließen, wählte heute in das Präsidium Steinhäuser (Baden), Domer (Berlin), Justizrath Glöckner (Halle). Ober - Consistorialrath Wichern

Du wirst einst heirathen, Kind!" tröstete die Amme.Du bist zu schön und zu züchtig, um nicht einen reichen und edlen Gatten zu finden."

O ja, nicht wahr?" ries das Mädchen sehr leb­haft auS, und ihre Phantasie versetzte sie augenblick lich in einen Palast nach London .... sie hatte Gon­deln ottf der Themse, Wälder, worin sie das Wild verfolgte, einen schönen Falken auf der Faust tragend, und Pagen und Diener folgten ihr nach. Sie er­träumte sich große Güter, nahm die Huldigung ihrer Vasallen an; sie langweilte sich nicht mehr, denn sie sah sich schön, reich und mächtig .... sie sagte:Ich will", und alle Welt gehorchte ihr.

So waren ihre Träume,.... denn hätte sie glauben müssen, ewig tu dem kleinen, einsamen Landhause zu bleiben, zwischen diesen erstickenden Mauern, in diese einfachen Gewänder gekleidet, von so gewöhnlichem HauSrath umringt, so würde sie sich lieber zum ewigen Schlaf in den Sarg gelegt haben, vorausgesetzt, daß sich ein prunkendes Grabmal von Marmor darüber gewölbt hätte. Die alte Amme erschrak oft vor den Träumen dieser aufgeregten Einbildungskraft, sie wollte das Mädchen ablenken von solchen Gedanken, aber gerade diese Gedanken waren Katharina'« ganzes Glück, diese Träume ihr einziger Reichthum. So wie sie allein war, so hörte sie sonderbare Stimmen, die ihr Allerlei in die Ohren flüsterten; ungewöhnliche Erscheinungen tauchten vor ihren Augen auf.. . Alles bevölkerte und belebte sich um sie.... die Kette der erschaffenen Wesen reichte nicht nur bis zu dem Menschen, sondern dehnte sich bis zu Gott hinauf... Es war ihr dann, als durchlaufe sie mit den Augen alle Stufen dieser leuch­tenden Leiter, deren eines Ende auf der Erde ruhte, indessen das andere bis an den Himmel reichte. Im knisternden Feuer sah sie spielende Salamander, die zahllose Funken sprühten... In dem Waffer, das unter ihren Fenstern vorüber floß, erblickte sie eine

Orfieint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Leitung mit Kreitblatt durch die Expedition (Koch'sch« " »uckdruckerei) bezogen tt; Lar., durch die Postämter LDLgr. 6 Psg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 82 Lgr.

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