Marburg, Freitag, den 4. October,
Nr. 23«
Deutsches Strich.
durch ausgesprochen, daß die neu zu bildenden Regimenter, Abtheilungen,^ Batterien und Traincompagnien noch keinen endgültigen Namen erhalten. Aus der Gesammtheit-der getroffenen Anordnungen ist erficht- lich, daß die Kriegsverwaltung darauf Bedacht ge nommen hat, die Leistungsfähigkeit unseres Artillerie- wesens auf die den Anforderungen der Gegenwart entsprechende Höhe zu erheben, ohne über die Grenzen der Sparsamseit hinauSzugehen und ohne gegen die Lefugniffe der Reichsvertretung zu verstoßen. In der nächsten Session werden die im Etat eintretenden Aenderungen dem Reichstage zur Kenntnißnahme und Erwägung vorliegen. Bei den vertrauensvollen Beziehungen, die zwischen den Reichsbehörden' und der Reichsvertretung obwalten, und bei der Bereitwillig feit, mit welcher der Reichstag zu allen für die Wehrkraft des Reiches erforderlichen Maßregeln die Hand bietet, darf man mit Zuversicht hoffen, daß über die Reorganisationsfrage ein völliges Einverständ- niß ohne Schwierigkeit zu erreichen sein wird." -- Dasselbe Blatt schließt einen Artikel betreffs der Nationalitätswahl in Elsaß-Lothringen mit dem Aus spruche, daß mit dem 1. Oktober der bisher bestan denen Unklarheit der inneren Verhältnisse Elsaß Lothringens ein Ende gemacht sei und alle Ungewißheit über den Geltungsbereich der deutschen Gesetze und die Dauer und Festigkeit der deutschen Herrschaft aufhören müsse. Tas neue, durch den Friedensvertrag völkerrechtlich Deutschland zurückgegebene Reichsland werde durch das Ausscheiden der zu Frankreich haltenden Einwohner in vollstem Sinne deutsches Land sein. WaS an wirthschaftlichen Hilfsquellen augenblicklich verloren gehe, werde durch den innigen Anschluß an Deutschland ersetzt. Die Theilnahme der Nation und die Fürsorge der Behörden wert»en wetteifernd arbeiten, daß die Aneignung Elsaß Lothringens auch innerlich sich mehr vollziehe und die Bevölkerung mit Freude und Stolz das Bewußtsein erlange, in volle Lebensgemeinschaft mit dem deutschen Reiche zurückgekehrt zu sein. — Die „Prov.-Corr." theilt ferner mit, daß Fürst Bismarck die letzte Rückäußerung des Bischofs von Ermland am 20. September am 23. mit der Benachrichtigung erwiderte, daß er, da der Marienburger Jubelfeier-Zwischenfall bereits der Vergangenheit angehöre, eine weitere unmittelbare Betheiligung an den Verhandlungen mit dem Bischöfe sich versagen müsse und den ganzen durch den Zwischen fall veranlaßten Briefwechsel dem CultuSminister überwiesen habe.
•• Berlin, 2. Okt. Die gestrige Sitzung des Staats Ministeriums hat unter dem Vorsitz deS Grafen Roon, dessen Unwohlsein ein nur leichtes gewesen,
veracht.
Historisch-romantische Erzählung von H. Z.
(Fortsetzung.)
Heinrich entfernte sich. Ethelword blieb einen Augenblick wie unter dem Gewichte einer schweren 8«ft stehen, dann stürzte er wie wahnsinnig die Treppe hinunter, welche in das Laboratorium des Alchymistcn führte, und rüttelte an der wohlverschloffenen Thüre, «ls wenn er sie gewaltsam aus den Angeln heben tollte. ■ H
- „Flemming! Flemming I" tief er mit donnernder Stimme; und als dieser nicht schnell genug öffnete, tfiltelte er abermals an der Thüre und schrie dabei: Heraus aus Deiner Höhle, Fuchs von Kornwallis I k»«m an das Tageslicht, UnglSubigerl ein Christ will »it Dir sprechen." - -
Der eite Mann ließ ihn endlich ein- und ihm ftfeumt in das bleiche, krampfhaft verzerrte Gesiebt !chend, fragte er, was zu seiner Herrlichkeit Diensten stehe.
»Ich komme von dem König", stieß Ethelword heraus. ■ v. • ■
„Gott erhalte ihn!"
»Das ist der Wunsch jede« guten Engländers", fieberte der Herzog, indem er mechanisch das Barett wftete.
„Ich spreche diesen Wunsch so oft aus, als sich Augen und Gedanken von dem Himmel abwenden, um sich mit den Dingen dieser Erde zu beschäftigen ..."
„Schön, Meister", fiel ihm der junge Mann ungeduldig in die Rede; „aber Seine Gnaden hat mir gesagt, daß Ihr Euch nicht begnügt, gute Wünsche für ihn zu thun, sondern daß Euere Ergebenheit sogar so weit geht, daß Ihr seine Wünsche zu erfüllen sucht."
„Ich habe," sprach Flemming, „das geringe Wiffen, was ich mir durch Studium erworben, Seiner Gnaden zu Befehl gestellt. Er kann darüber nach seinem königlichen Willen verfügen."
„Vorausgesetzt," höhnte Ethelword, „daß er alles Gold zu Deiner Verfügung stellt, dessen Deine ver dämmten Hände bedürfen, um das Werk auszuführen, Pas Du verfolgst."
„Nur indem man zersetzt, wird man dahin gelangen, zusammensetzen zu können ... Wenn der Mensch erst daS Geheimniß Gottes erspäht hat, dann wird er eben so mächtig sein, als er ... . Ich bin nahe daran, zu einem großen Resultat zu gelangen," fügte er mit stolzer Zuversicht hinzu.
„Dazu bedarfst Du Ströme GoldcS, wie die Flüffe der Bäche bedürfen, und wie der Ocean der Flüffe bedarf, nicht wahr?"
Der Alte nickte. :j ' ',5"'J * - ■'
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namentlich die Frage wegen her Servi-zulage an die Beamten und die Bewilligung von Provinzialfonds für die älteren Provinzen. Ueber die letztere Angelegenheit, die Modalitäten und Höhe dieser Fond», werden in den nächsten Tagen noch weitere Bera- thungen zwischen den betheiligten Special-Ministern: Handel, Innern und Finanzen, abgehalten werden. — Die „Kreuz-Zeitung" will in einer Notiz Nachweisen daß ein Entwurf über die Landtagsvorlage „Civilehe" noch nicht vorhanden sei. Wenn das Blatt damit sagen will, daß ein solcher Gesetzentwurf noch nicht im Ministeriumzur Berathung gekommen fei, so ist das richtig, wenn aber damit hat ausgedrückt werben sollen, daß die Regierung mit einer solchen Vorlage überhaupt nicht an den Landtag treten werde, so ist zu bemerken, dach in der Sitzung des Ministeriums, welcher Fürst Bismarck prästdirte, beschlossen ist, einen Gesetzentwurf über die Civilehe auszuarbeiten und denselben an den Landtag zu bringen, welcher Beschluß denn auch bereits zu den Vorarbeiten int CultuSministerium geführt hat, die nur noch der letzten Bearbeitung unterliegen. Wenn die Verfasser dieses Entwurfes in der Presse vielfach genannt werden, so ist dem gegenüber zu re- gistriren, daß der CultuSminister über einige wichtige Materien Denkschriften von kundigen Rechtsgelehrten eingesordert hat, daß diese Denkschriften bei der unter Oberleitung des Cultusministers und Mitwirkung der Departementsräthe auSzuarbeitenden Vorlage Berücksichtigung finden.
Halle, 2 Oct. Der Kirchentag hat eine Petition an den Kaiser um Convocation der Vertretung särnmt-" licher evangelischer Kirchen bes Reichs beschloflen. Eine Beschlußfassung über die Civilehe wurde ab- gelehnt.
Osnabrück, 2. Octbr. Zu dem hier stattfindenden Protestantentage sind äußerst zahlreiche Delegitte aus allen Theilcn Deutschlands sowie Vertreter aus Holland und Oesterreich eingetroffen. In der gestrigen Sitzung des engeren Ausschusses, welcher au» Bluntschli (Heidelberg), Schwarz (Gotha), Schiffmann (Stettin) Lammers und Manshot (Bremen), Ohly (Darmstadt) rc. besteht, wurde beschloffen, den Sitz der Vereinsleitung in Heidelberg zu belasten. Neugewählt wurde in den Ausschuß der Reichstags- Abgeordnete Meyer (Thorn). Die eigentlichen Verhandlungen begannen um 10 Uhr in der Katharinenkirche. Bluntschli führte das Präsidium und eröffnete die Sitzung durch eine ergreifende Rede. Der Festgottesdienst fand unter lebhaftem Andrange in der großen Aula des Realschulgebäudes statt. Pfarrer Schröder (Freirachdorf) hielt bei dem ersten, Heinrich Lang (Zürich) bet dem zweiten Gottesdienst die Predigt.
Dresden, 30. Sept. Das „Dresd. Journal" ' schreibt: Verschiedene öffentliche Blätter haben in den
„Und glaubst Du, genug mit dem zu haben, ■ was Dir Heinrich gibt, weil Du ein schönes, junge» . und tugendhaftes Weib für ihn gefunden hast?" fragte ■. Ethelword mit zitternder Stimme.
Da eroiberte Flemming mit einem schlauen Lächeln: „denn so oft ich jetzt mit meinem Zauberstabe an den Thron schlagen werde, wie MoseS an den Felsen, werben zwei Quellen herauSfließen, statt einer." . ' ’ .i
„Aber Dein Golddurst ließ Dich die Gefahr ver- geffen, welcher Du Deinen Kopf auSsetzest; penn unter vier Weibern hat Heinrich schon zwei verstoßen und eine hinrichten lasten." 1
Flemming versicherte, nut der Stimme feiner Ergebenheit für den König gefolgt zu haben, und he- . theuerte, zu wiffen, daß diese» Mal Alle» glücklich! ablansen würde. 7, /
„Wer hat Dir da» gesagt?" bring Vtr Heyzvh heftig in ihn. ; -17 '
„Die Wissenschaft." . V;
„Wohlan!" donnerte Ethelword, „die Wistenschaft hat gelogen, gelehrter Flemming" .... f . •* *
„Wie so?" rief der Alte erschrocken. ' „Aus der Heiralh kann nichts werden." ;; A? „Warum?" : *=' *‘/“V6
Wer beschreibt das Entsetzen de» Asttologetl, at»
L872.
Berlin, 2 Oct. Die heutige „Prov.-Corresp." schließt einen die in neuerer Zeit so vielfach erörterte Frage der Artillerie-Reorganisation behandelnden Artikel mit den Worten: „Nach Vorschrift des Art. 63 der Reichsverfassung hat der Kaiser den Präsenzstand, die Gliederung und Eintheilung aller Kontingente des Reichsheeres zu bestimmen. Da die Vorschläge der Militärverwaltung darauf berechnet sind, die Neugestaltung der Artillerie unter Bedingungen herbeizu führen, durch welche weder die Friedens-Präsenzstärke deS Heeres geändert, noch der Gesammtaufwand für das Heer erhöht wird, fo war für die Militärverwaltung keine förmliche Verpflichtung vorhanden, für die beabsichtigte Reorganisation die Mitwirkung des Reichstages in Anspruch zu nehmen. Dennoch lag es in den Wünschen der Regierung, bei einer so wichtigen Angelegenheit im vollen Einverständniß mit der Reichsvertretung zu handeln und durch vertrauens volles Entgegenkommen den Verdacht einseitigen Vorgehens abzuwenden. Wenn jedoch die Errichtung der neuen Batterien nicht bis rum Herbst 1873 hinaus geschoben und dadurch dir Lebensfähigkeit unserer Artillerie ernstlich gefährdet werden sollte, so durste mit dem Beginn der Umbildung nicht gesäumt werden. Unter diesen Umständen wäre die Reichsregierung »nzweifelhast bereit gewesen, den Reichstag binnen kurzer Frist zu einer außerordentlichen Session ein- juberufen, um denselben von den beabsichtigten Aen berungtn in Kenntniß zu setzen; doch gab schließlich die Rücksicht auf die vielfachen Unzuträglichkeiten einer solchen Maßregel den Ausschlag, und es erging unter dem 4. September d. I. eine allerhöchste Cabinets orbre, durch welche bestimmt ward, daß die neue Einrichtung des Artilleriewesens am 1. November d. I und zwar zunächst in vorläufiger Form, zur Ausführung kommen soll. Dabei wurde der Grundsatz sest- gchalten, daß die Kosten für die Umbildung der Ar- tiüerie aus den gesetzlich verfügbaren Mitteln zu bestreiten seien und überhaupt keine Veränderung im Friedensstande des Heeres eintreten soll. Es werden demnach für die Dauer deS provisorischen Zustandes auch in Bezug auf Zahl und Charge der Offiziere, Aerzte und Beamten die bisherigen Friedensverpfle- gnngs-Etats maßgebend bleiben, und die für die Umschaltung erforderlichen neuen Stellen werden durch Äbcommandirung auS der Zahl der etatsmäßig vorhandenen Offiziere u. s. w. besetzt. In ähnlicher Weise wird bei der Einrichtung der zwei neuen Train- . .
Compagnien verfahren. Der vorläufige Charakter der! statlgefunden. Wie man hört, hat im Vordergrund Reuen Anordnungen ist in durchgreifender Weife da-j der ^öerathungen die ^Sudgetsrage gestanden, und
Merhessische jtihiito.