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Marburg, Donnerstag, den 3. Oktober,

Nr. 238

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aus das vierte Quartal ö^ltCUllligVll werde« von alte* P»ft- »nftallen noch fortwahren» angenommen.

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ebenso wird auch bi« Nachricht dadurch hinfällig, daß dir Reichsregierung au« dem Verhältniß de« Grafen

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— Am 10. Oktober werden die Directoren der land- virthschasUichen Akademien hierorts zu einer Conferenz »erfammelt fein, um sich wegen der Beschickung der

Weltausstellung zu Wien zu besprechen. SLmmtliche Akademien werden die Ausstellung beschicken; damit aber aber diese Ausstellung ein Ganzes bildet und sich die einzelnen Akademien gegenseitig ergänzen, nicht aber gleichartiges von ihnen gesendet wird, soll eine dahin zielende Verständigung auf der Conferenz her- beigeführt werden. — Nach einer summarischen Nach­weisung der nach Maßgabe der vorhandenen Bestim mutigen constituirten Pferdezucht Vereine besaß Preußen am Schlüsse des JahreS 1871 im Ganzen 30 der­artige Vereine, welche sich Darlehen im Betrage von 24,400 Thlr. aus Staatsfonds erfreuten. In der Provinz Preußen waren 15, Pommern 6, Posen 3 rc solcher Vereine. — Ter Bauplatz für das landwirth- schaftliche Museum wie für die damit verbundene laudwirthschaftliche Lehranstalt ist in den Garten der Thierarzneischule bestimmt.

Berlin, 1. Oct. Die gestern stattgehabte, von ca 600 Wahlmännern besuchte Versammlung des dritten Berliner Wahlbezirks nahm zunächst unter großen Beifallsbezeigungen die Abschiedsrede Schulze- Delitzsch's entgegen, hörte Hoverbeck's Wahlablehnungs­zuschrift an und schlug als Wahl - Candidaten Max Hirsch, Geh. RegierungSrath Kerst, Hauptlehrer Petsch. Johann Jacoby, Stadtrath Runge, Schulvorstcher Bohm, Stadtverordneten Streckfuß vor. Die Wahl Hirsch's und Jacoby's blieb unterstützt; Runge und streckfuß lehnten eine Wahl ab; Bohm behielt sich eine Erklärung vor; Kerst und Petsch waren nicht anwesend, dieselben sollen zu einer am 7. Oktober stattfindenden Wahlmänner - Versammlung eingeladen werden. — Um eine an der hiesigen Universität sehr empfindliche Lücke auszufüllen, war mit dem Reichs OberhandclSgerichts - Rath Dr. Goldschmidt, früher Professor in Heidelberg, wegen Uebernahme einer Professur für römisches und Handelsrecht verhandelt worden. Wie auswärtigen Blättern jetzt mitgetheilt wird, war das Cultus-Ministerium indeß nicht in der

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Lage, die für den Fall der Annahme gestellten Forde- rungen zu befriedigen, weßhalb die Unterhandlungen leider haben abgebrochen werden muffen. Die Beru­fung deS Professors Brunner aus Straßburg an die hiesige Universität für deutsches Recht ist dagegen ge­sichert. Herr Brunner, welcher zu Ostern hieher Übersiedeln wird, ist erst wenig Über dreißig Jahre alt, hat aber in der Gelehrtenwelt als ein sehr pro­ductiver und völlig neue Gesichtspunkte eröffnender Forscher (fein neuestes im vorigen Jahres erschienenes und sehr bedeutendes Werk handelt von Entstehung der Schwurgerichte) einen sehr guten Namen. Von Geburt ein Ober-Oesterreicher und — was Herrn Reichenspcrger und der „Germania" bei ihren Schmerzen über die verletzte Parität zu hören Freude machen wird — sogar Katholik, hat er in Lemberg gegen die Polen und in Prag gegen die Czechen, wo­rüber österreichische Blätter seiner Zeit oft berichteten, tapfer Poften gestanden und findet nun nach dem kurzen Aufenthalte in Straßburg den seiner Gesin­nung entsprechenden verdienten Wirkungskreis im deutschen Preußen. Für die hiesige Juristen-Fakultät wird er eine gewiß sehr erwünschte Ergänzung sein; hoffentlich wird auch die unumgänglich nothwendige Ergänzung für römisches Recht eine gleich glückliche sein.

Kiel, 29 Septbr. An unserer Universität nimmt, wie den „H. N." geschrieben wird, seit länger die medi- cinische Facultät eine hervorragende Stelle ein. Unter den hier studirenden Nicht-Schleswig-Holsteinem besteht der größte Theil aus Medicinern, die namentlich in ihren letzten Semestern zum Besuch unserer weitge- rühmten Kliniken kommen und bann mehrfach auch die Examina hier absolviren. Für junge Mediciner war hier bisher nicht so ausreichend gesorgt, so daß dieselben zum Hören der vorbereitenden Disciplinen mehr auswärtige Universitäten aufsuchten. Seit länger hat die medicinische Facultät nach dieser Seite hin um Abhülfe nacbgesucht; diese ist jetzt gewährt durch die

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Arnim zu der französischen Regierung weitere bedenk­liche Folgen ziehen würde. — Die Deutung der Sendung de« Herrn v. Keudell nach Konstantinopel, al« ob man gewillt sei, der orientalischen Frage große

Aufmerksamkeit zu widmen, wird auch in das Reich der Fabel gehören, denn e« soll diese Mittheilung I» harthun, daß man befürchtet, besondere Verwickelungen

II in der nächsten Zukunft im Orient zu haben. Es ist

_e* aber bekanntlich als ein Hauptergebniß der Drcikaiser- iginal- Zusammenkunft u. A auch genannt worden, daß es sich herauSgestellt, daß in der orientalischen Frage e und fine Anregung zu neuen Verwickelungen nicht bestehe

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal der Oberhesilschen Settuug mit Kreisblatt durch die Expedition (Koch'sche vnchdrnckerei) bezogen tt| ®gr., durch die Postämter 87 ®gt. 8 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. stempel 88 Ggr. — Jnfernonsgedühr für die gespaltene Zeile i egt. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.'

OberhesMe Zeitung.“

Deutsches Reich.

•• Berlin, 1. Ott. Wie man hört, hat die für gestern anberaumte Staatsininisterial > Sitzung nicht stattfinden können, da Graf Roon von feinem Un wohlsein noch nicht hergestellt ist; eS wurde daher diese^Sitzung auf heute verlegt. — Rach dem Schreiben de« Bischof« Crementz an den Fürsten Bismarck, welches die „Germania" mitgetheilt, zu nrtheilen, scheint der Bischof die Absicht zu haben, diesen Schrift­wechsel inS Unendliche fortzusetzen; Fürst Bismarck scheint aber nicht dieser Ansicht zu sein, denn er hat dem Vernehmen nach sofort nach Empfang deS bischöf- lichm Schreiben- dem Bischof geantwortet, daß er nunmehr, nachdem der Marienburger Zwischenfall er- > ledigt sei, weiter keine Beranlaffung habe, in fernere । Unterhandlungen mH ihm zu treten. — Graf ArnirnS Verweil«, in Pari« straft die Gerüchte aller Art über das Abberufun-Sgesuch des Grafen Lügen, aber

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Gericht.

Historisch-romantische Erzählung von H. Z.

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'ceane auf einen und denselben Boden, der aber UN

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(Fortsetzung.)

Wie ehrerbietig der alte Edelmann feine Meinung such ausgesprochen hatte, so begann da- leicht ent- jündliche Blut in Heinrich- Adern doch heftiger zu »allen, und mit schlecht verhaltenem Zorn rief er au«:

„Also mein Neffe weigert sich, mich al« Lehnsherrn

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«ljuerkennen?"

„Sv ist eS", erwiderte der Schotte trocken.

ton vc ' „Hat er im voraus auch alle Folgen erwogen, »eiche seine Weigerung nach sich zieht?"

„Welche- sie auch sein mögen, er wird sie tragen; vlrd fli die Könige von Schottland haben den Gebrauch, mit [226 der Hand erst an ihr Schwert zu fahren, bevor sie

r228 ^nrdesgenoffen gehabt hätte; seit lausend Jahren ____ Küchele kein Bürgerkrieg in Schottland, daß nicht Ugland- mächtiger Hauch die Feuersbrünste seiner Stätte angefacht hätte; zwischen unfern beiden Völ- *tn besteht ein Haß, den die Mutter ihren Töchtern __der Milch einflößt, den der Vater feinen Söhnen

.Sltf »it dem Schwerte vererbt.... Wohlan, Sir John, ___’M« Haß würde von ©eneration zu Generation bis

Tage des letzten Gerichts fortdauern, ^>enn es pfy mir, Heinrich von England, in den Sina ge=

' sich ihrer Krone fasten."

f011,1 „WohlI Sir von Thirlstane! . . ." sagte Heinrich, lidchO htbtm er sich rasch von seinem Thronsessel erhob, i guls ,woh> i rojr sind all' der geschworenen und wieder [22vi jurückgenommenen Huldigungm müde. Hört mich also Sohll te; vorhin hätte ich mich noch mit Dem begnügen — ^7 können, was ich von Euch begehrte: jetzt verlange ich Zrofeßl »ehr. Die Hand Gotte« warf unsere beiden Nationen kr. 2d fern von andern Völkern der Welt in die Mitte des

rweit jleich zwischen sie getheilt ist; nur durch da- schmale [223 Pelt des TwedS getrennt, wäre das hinreichend, um ~ ' i»ei Provinzen, nicht aber zwei Königreiche von ein $ *ber zu fcheidm; auch ist seit tausend Jahren das -n Gy» Blut der beiden Völker bald auf dem einen, bald

, d E«f dem andern Ufer geflossen; seit tausend Jahren ■ ExpE * ®n9lanl) keinen Feind, der nicht Schottland zum

kommen wäre, daß das unter meiner Regierung ein Ende nehmen sollte; Huldigung genügt mir jetzt nicht mehr, ich will erobern, denn zwei Kronen und zwei Köpfe sind um die Hälfte zu viel für eine Insel . . . . Von heute an gibt es nicht mehr einen König in Eng land und einen König in Schottland, sondern einen König von England und Schottland.... Der Gott der Heerfchaaren wird entscheiden, ob er Heinrich VIII. oder Jakob V. heißen wird."

„Sire, der Gott der Heerfchaaren ist auch der Gott der Gerechtigkeit", warf ihm der greife Krieger mit ruhiger Würde ein.

„Davon habt Ihr einen Beweis vor Augen, Sir John", sagte der König aufbrausend, indem er auf die Wand beutete, an welcher überall Waffentrophäen aufgehängt waren, „schaut zu Eurer Linken, bieRüstung dort gehörte dem König Jakob IV., der nebst seinem Sohne, zwölf Grafen und siebzehn Baronen aus dem Schlachtfeld von Flodden blieb. Auf dem Harnisch könnt Ihr noch die Oeffimng sehen, durch welche der Stahl eindrang und da« geben entfloh. Wohlan, ©ir John! ich schwöre bei meiner Krone und bei meinem Scepter, daß, mit welcher starken Rüstung ihr Schottland auch umgeben mögt, ich ihm doch eine Wunde beibringen werde, die breit und tief genug ist, auf daß alles Rebellenblut seinem Herzen auf ein Mal entströme..."

„Bevor Ihr aber dahin gelangt, Sire", fiel ihm der Schotte in das Wort, „müßt Ihr erst die letzte seiner Städte zerstört, den letzten seiner Söhne aus- geopfert haben!. . . Was mich betrifft, so beliebte Ew. Gnaden vorhin zu bemerken, daß ich meines Wahl- fpruchs würdig sei... Ich würde dagegen verstoßen, trenn ich nicht auf das schnellste Urlaub von Euch nähme; denn ich wünsche, daß Ihr mich an der Spitze der ersten Krieger, bie gegen Euch ausziehen, finden und bann sagen mögt: Immer fertig!"

„Wir halten Euch nicht zurück, Sir John", sprach Heinrich gereizt. „Die englischen Könige besitzen auch einen Wahlspruch, ben sie nie in Vergessenheit kommen ließen, und der, bevor ein Monat vergeht, in feurigen Buchstaben auf so viel Städten geschrieben stehen soll,

daß man aus allen Winkeln Schottlands daraus lesen kann: Gott und mein Recht!"

Hierauf entließ er den schottischen Edelmann, seine Umgebung auffordernd, ihm daS Ehrengeleit zu geben, nicht als Gesandten des Königs von Schottland, son­dern als Botschafter seines Neffen, Jakobs V. Nur Ethelword, den Herzog von Dierham, hielt er durch einen vertraulichen Wink bei sich zurück; er faßte ihn unter ben Arm wie einen liebgewonnenen Freund, ging einige Mal in dem großen Gemache mit ihm auf und nieder, und sagte endlich:

„Nun Herzog von Dierham, was sagt Ihr zu der Hartnäckigkeit unseres Neffen?"

„Daß niemals ein König einen Gesandten wählte, der kürzer gefaßt in seinen Antworten war als dieser."

Heinrich nickte lächelnd, denn er selbst mußte zu- gestehen, daß Sir John ein würdiger Schotte war, ver nur das Unrecht halte, sich noch in den Zeiten der Robert Bruce und der William Wallace zu wähnen, und zu glauben, daß nach sechs Jahrhun­derten die Herzen noch dieselben wären, weil die Har­nische, bie sie bebeckten, noch die nämliche Gestalt hatten. Er glich einer Bildsäule aus alter Zett, die als Mei lenzeiger auf die Heerstraße des Lebens gestellt war, und die mit ihren steinernen Augen nicht gesehen hatte, daß die Generationen in dem Grade verarmten, als sie aufeinander gefolgt waren.

Sich plötzlich dem Nachdenken entreißend, in welches er versunken war, sagte der König zu Ethelword:

„Glaubt mir, Mylord, dieses Krieges wegen wird kein einziges meiner Haare bleichen. Mein Schwert ist lang und schneidend, und wohin ich mit ihm nicht reichen kann, da schleudere ich eö hin! . . . Da« macht mich nicht unglücklich, Mylcrd, das nicht."

Er warf sich ungestüm in einen Sessel und ver­sank wieder in tiefe« Sinnen. Ethelword konnte nicht begreifen, wie er, der Sieger war von Außen unh Sieger im Innern, der den Streit der rotben unh weißen Rose beenbigt und zu Frankreich und England gesagt hatte: „Nun ist es genug I" wie dieser sich unglücklich fühlen konnte. Der menschliche Ehrgeiz mußte größer sein al« die Welt, da die'Welt ihm