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Mr. 23 L Marburg, Dienstag, den 1. October. - > . IS7X

* Oterhessische Zeitung.

OrfAeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhrffischen Zeitung mtt AreiSblatt durch die Expedttion (Koch'sche Nu»druckerei) bezogen Ml «ar., durch die Postämter « «ar. ß «fg. (excl. Bestellgebühr und mcl. Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel ti «gr. - Jnjertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Stmmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

Deutsche- Reich.

.. Berlin, 28. Scptbr. Der Minister Gras Eulenburg wird morgen in Berlin zurückerwartel «nd werden al-dann mit Ausnahme des Minifterprä- fidrnten sämmliiche Minister in Berlin sein, so daß in der nächsten Woche dir gemeinsamen Berathungen über die bisher in den einzelnen Departements aus gearbeiteten Gesetzentwürfe erfolgen können, zu denen ,uch u. A. der StaatShauShaltSetat und die Steucr- ftage gehöre». Au« dem CultuSministerium werden eine Reihe »en Gesetzentwürfen auf kirchlichem Ge. biete hervorgehen und wenn man in der Presse der vfficiösen Ankündigung der Hauptgesetzentwürfe nach dieser Richtung noch mehrere andere hinzufügt, so hat das seine volle Richtigkeit; eS ist natürlich, daß die beiden angeführten Entwürfe von Gesetzen andere Ge­setze im Gefolge haben müssen. In einigen Blättern der nicht vfficiösen Presse ist gesagt worden, daß die Bischof« Conferenz in Fulda eine sehr entgegenkom­mende Stimmung gezeigt habe; diese Mittheilung muß jedoch biS jetzt noch sehr in Zweifel gezogen werden, da man in Regierungskreisen von einer solchen Stim­mung durchaus keine Kenntniß hat; man wird daher gut thun, abzuwarten, in welchem Tone der gemein same Hirtenbrief abgefaßt sein wird, überhaupt sprechen mancherlei Anzeichen dafür, daß die Bischöfe sich vor- nehmtich mit der weiteren Organisation des Kampfes gegen den Staat beschäftigt haben und namentlich in Bezug auf das Vereins- und Preßwesen; hiernach dürfte v»n einem Einlenken der Bischöft wohl keine Rede jein. - DieFranks. Ztg." läßt sich schreiben, daß die DiSrontoerhöhung der preußischen Bank den französischen Botschafter veranlaßt habe, dagegen aus- yt irrten, weil diese Erhöhung den Creditsoperationen Frankreichs schade; durch diesen Einspruch sei di- weitere Erhöhung de« LankdiSconto's unterblieben. Es leuchtet jedem mit den Berhältniffen nur einiger­maßen Vertrauten ein, daß eine Einmischung Frank­reichs in die finanziellen Berhättnisfe Preußens nie statifinden kann und e« gehört nur eine so verbisiene Redaction, wie die derFranks. Ztg." dazu, um solchen Unsinn zu Tage zu fördern. - Ebenso ab­surd ist die Nachricht eine« Berliner BlatreS, daß die Versetzung des Oberst Verdy nach Königsberg erfolgt sei, weil zwischen General v. Manteuffel und dem Obersten ein Antagonismus bestehe. In Bezug

auf die Strike-Angelegenheit der Pflug'schen Arbeiter erwartet man bald ein endgültiges Resultat, da, wie man hört, die Lage der strikenden Arbeiter der Art ist, daß ein längere« Paustren in der Arbeit zu den Unmöglichkeiten gehört. Eine Herbstsitzung deS LandeS-Oekonomie-Collegiums wird nicht stattfinden, dagegen wird der ständige Ausschuß dieses Collegiums in ca. 4 Wochen zu einer Sitzung zusammenlreten Dem Vernehmen nach wird in der nächsten Land­tagssession die Fischerei-Ordnung zur Berathung ge­langen.

Berlin, 27. Sept. Die Bestellung der Beamten- Caution soll künftig nur nach dem Grade der Berant wortlichkeit, nicht aber nach Gehaltsstufen normirt werden. DaS Gesetz über den Mißbrauch der geist­lichen Amtsgewalt, welches, wie bereits gemeldet, dem Landtage noch in der gegenwärtigen Session vorzu- legen beabsichtigt wird, befindet sich gegenwärtig bereits in der Vorbereitung. Mit der Anfertigung des Ent wurfs ist, wie dieD. R. -Cortesp." hört, der neu ernannte Ministerial Director im CultuSministerium Sydow beauftragt, der damit gewiffermaßen die erstere größere Arbeit in seiner neuen Stellung übernimmt. Während der nächsten ReichStagssession wird die schon drei Jahre schwebende Angelegenheit der Apotheker gesetzlich geregelt werden. Das ReichSkanzlcramt hat einen Entwurf einer Apothekerordnung Mitarbeiten und sachverständige Gutachten darüber eingehen lassen. Die Apothekerkreise haben sich natürlich mit jenem Commissionsberichte und diesem Gesetzentwürfe vielfach beschäftigt, so daß es an einem reichen Material nicht fehlt. Von den acht social-demokratischen Arbeitern, welche wegen Landsriedenbruches durch eine am 5 September in Folge der Strikeverhältnisse auf der Maurerherberge begangene Verletzung von Personen und gewaltsame Beschädigung fremden Eigenthum« angeklagt waren, wurden heute nach dreitägiger Ver­handlung vor dem Schwurgerichte zwei zu einjähriger, einer zu achtmonatlicher Gefängnißstrafe veruriheill. Unter den ersteren befindet sich Lange, der Vorsitzende des deutschen Maurervereins. Die Geschworenen bejahten die Frage des Landfriedenbruches unter An nähme mildernder Umstände.

Köln, 26. Sept. Die gemeinderithliche Com­mission für Schulsachen hat in drei Sitzungen über die Vorschläge, welche dem Stadtverordneten-Collegium

in der Gehaltsfrage der Elementarlehrer unterbreitet werden sollen, berathen. Wie dieRh. Z." vernimmt, so hat man beschloffen, durchweg eine Aufbesserung durchzuführen und dürfte zu diesem Zwecke eine Summe erforderlich sein, welche mindestens der vor 5 Jahren bewilligten ca 12,000 Thlr. gleichkommt.

Bonn, 26. Sept. Die Commission, welcher die Ausführung der auf dem Altkatholiken - Congreß ge­faßten Beschlüffe übergeben wurde, hat Döllinger zu ihrem Präsidenten und Professor Friedrich zu ihrem Secretär gewählt.

Detmold, 26. Sept. Bei den Wahlen in Lippe hat die Fortschrittspartei (Hausmann) vollständig ge­siegt; und da die Gewählten nach der Parole sich an dem Landtag nicht betheiligen wollen, so würde der letztere überhaupt nicht zu Stande kommen. In der Hauptstadt wurde der Vollzug der Wahl dadurch vereitelt, daß 17 Wahlmänner der Fortschrittspartei sich bei Lornahvie der Wahl aus dem Lokal entfernten.

Darmstadt, 28. Sept. DieDarmst. Ztg." widerlegt die Zeitungsnachricht, daß die hessische Re­gierung von Reichswesen aufgefordert worden fei, den Pfarrer Seid von Umstadt wegen Schmähung der Reichsregierung gerichtlich zu belangen. Die Re­gierung hat daS Wahlgesetz in der Vorlage an die Stände in freisinniger Weise ammenbirt. Auf einen desfallsigen Antrag des Abg. Heß hat die Regierung dem Finanzausschuß eröffnet, daß in dem Budget von 187375 der dringend nothwendige Umbau deS Gymnasiums zu Gießen Aufnahme finden werde.

München, 28. Sept. Der baierische Bevoll­mächtigte zum Bundesrath, Ministcrialrath Berr, ist zum Finanzminister ernannt worden. Derselbe wird lein Amt am 1. October antreten und ist auS Berlin bereits hier eingetroffen.

Ttrastburg, 28. Sept. Die heute Vormittag 10 Uhr auf dem Fort Nr. 5 bei Oberhausbergen etwa eine Stunde WegeS von hier vorgenommene Grundsteinlegung zu den neuen Befestigungsbauten von Straßburg gestaltete sich zu einem großartigen Feste. Zu Fuß, zu Wagen und zu Pferd, sowie mit einem Extrazuge, der die neue Festung« Gütlel- eisenbahn umfuhr, hatten sich die Festtheilnehmer in großer Anzahl an der bezeichneten Stätte eingefunbeit. Nachdem eine combinirte Anzahl Truppen der Garnison Straßburg« mit 3 Musikcorps in Paradeordnung

Gericht.

Historisch-romantische Erzählung van H. Z.

Im EmpsangSsaal im Palast zu White-Hall harrte der Lord Kammerherr auf das Lewer Heinrichs VIII., der sich mit dem Lord Grvßkanzler in seinem Schlaf­zimmer befand. Bald gesellten sich der Herzog von Noriolk und Sir Thoma« Crvmmer, Erzbischof von Canterbury, zu dem Harrenden, in der Absicht, dem König ebenfalls ihre Ehrfurcht zu bezeugen. Der Herzog fragte den Erzbischof nach Neuigkeiten aus Rom; dieser wollte dagegen von dem Generallieutenant hören , wie die Sachen in Schottland ständen, denn der König von England stand mit seiner schottischen Majestät nicht besser als der Erzengel Michael mit dem höllischen Satan. Erst am vorigen Tage war Heinrich VIII. aus der Grafschaft York zurückgekehrt, wo er sechs Tage lang seinen unbesonnenen Neffen erwartet hatte, der ihm nach Verlauf dieser Zeit end­lich eine kahle Entschuldigung geschickt hatte, so daß der König ganz wüthend nach London zurückgekehrt war. Andererseits lauteten die Nachrichten aus Rom nicht besser; der König und das Reich, der Adel und das Volk waren noch immer mit dem Bannfluch be­legt; dagegen hatte der König eine Versammlung von neunzehn Prälaten und fünfundzwanzig Doktoren be rufen, welche die Ernennung des Papstes verwarfen, ihm keine andere als rein geistliche Gewalt zugestanden, sv wie keinen andern Titel als den eines Bischofs von Rom, und Heinrich VIII., König von England, zum Oberhaupte der Religion proklamirten. Tas konnte nun eben so gut zu einem blutigen Kriege führen, wie mit Jakob V., denn dessen Heirath mit Maria von Guise, wie die Annahme des Titels:Bet- cheidiger des Glaubens", den ihm der Papst Paul III.

gegeben hatte, war so gut wie eine offene Kriegser­klärung.

Die drei Männer brachen jetzt ihr politisches Ge­spräch ab, denn so eben erschien Prinzessin Marga­rethe , die Schwester des Königs, von dem Grafen von Sussex geführt, der erst aus Frankreich zurück­gekehrt war, um das Erbe feines Vaters in Empfang und deffen durch den Tod erledigte Stelle im Ober­haus einzunehmen.

Al« ich die Herzogin von EtampeS zum ersten Male am Hofe Franz L sah," sagte der Graf im Eintreten zu der Prinzessin,trug sie ein Kleid von demselben Stoffe, wie Eure Hoheit."

Ihr erfreut Euch eines guten Gedächtnisses, My lorb," erroieberte Margarethe mit Leutseligkeit;wenn es daher unser gnädigster Bruder und Beherrscher vergönnt, so werden wir Euch zum Großmeister unserer Kleiberkammer ernennen. Dieser Stoff kam uns wirklich über bas Meer her; Heinrich erhielt ihn mit anberen Geschenken, welche ihm bet König von Frankreich zum Zeichen seiner Freundschaft schickte Gott zum Gruß, Erzbischof von Canterbury! guten Morgen, Mylords!"

Die anroefenben Männer neigten sich tief vor ihr; Sussex grüßte sie leicht hin, unb fuhr bann in feinem Gespräch mit bet Prinzessin fort:

Al« Zeichen bet Freundschaft, sagt Jht a--

Das thut mir leib Mylady; denn wir haben uns im Einverstänbniß mit ben Herren von Montmorency unb von Guise versprochen, baß diese Freundschaft nicht von Irntger Dauer fein soll."

Wie!" fiel ihm der Herzog von Norfolk ein, Ihr wollt uns mit Frankreich entzweien, Graf?"

Wir thun Alles zu diesem Zwecke, Lord General

leutenant", erroieberte der Graf.Der Tag der Sporen liegt unfern Nachbarn schwer auf dem Hetzen, und das Absteigequartier, das Heinrich sich zu Calais vor­behält, läßt hoffen, daß er nicht anstehen wird, noch­mals übet das Meer zu schiffen, um ihnen Revanche zu bieten."

Ich fürchte", entgegnete ihm der Herzog von Norfolk,daß feine Gnaden für ben Augenblick so viel Beschäftigung hat, baß eS ihm unmöglich fein wirb, auf Eure politischen Absichten einzugehen, so vortheilhaft sie ihm auch scheinen mögen. Die Herten von Montmorency unb von Guise können ja über baS Meer herüber kommen; ich glaube sogar, daß zwei Schwerter, so tapfer und treu wie die ihrigen, am Hofe Jakobs seht roillkomme» sein würden; und da ich hoffe, Euch, Mylord, unter ben Anführern des Heere« zu zählen, welches ich an die Grenze führen werde, so ist daS eine gute Gelegenheit für Euch, an ben Ufern bet Tweb die Bekanntschaft zu erneuern, welche Ihr mit Euer» Freunden an den Ufern der Seine ge­schlossen habt."

So soll eS sein", gab Susstx zur Antwort,wenn anders Gott unb der König mich nicht daran vethin- bern. Es besteht ein alte« Sprichwort in England, welches sagt, baß, so oft zwei Schwenkungen auf un­serer Insel im Svnnensttahle erglänzen, man nur an die Seite eines Grafen von Suffex zu schauen brauche, um eine leere Scheibe zu finben."

Hm!" sagte bet Erzbischof,ist allerbingS so alt, baß eS ansängt, in Vergessenheit zu gerathen."

Es würbe neues Leben gewonnen haben, wenn ich mich zur Zeit beS ProzeffeS der unglücklichen Anna Boleyn in England befunben hätte", erroieberte bet Graf mit Feuer;und vielleicht wäre es gut gewesen