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JRatÖUtg, Sonntag, den 29. September.

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Abonnements-Erneuerung!

Auf das mit dem 1. Oktober beginnende neue Quartal ersuchen wir die Bestellungen auf die

Obeehefstfche Zeitung

bei den Postanstalten rechtzeitig machen zu wollen, da nur auf vollständige Lieferung der Zeitung gerechnet »erben kann, wenn die Bestellung bei der Post vor dem 1. October gemacht wird.

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gerliche Ehre der Betroffenen nicht beeinträchtigt werde. Eine solche Belehrung ist aber bisher nicht ertheilt worden und würde auch in der von dem Bischof be­absichtigten Form nicht ausreichen, um die den Herren Woümann und Michaelis durch die Excommunication zu­gefügte Schädigung an ihrer bürgerlichen Ehre wieder zu beseitigen. AndereyeitS ist die Aeußerung deS Bischofs in seiner letzten Jmmediat-Antwort, durch welche er sich zum Gehorsam gegen die Staatsgesetze bereit er­klärt, mit Erwägungsgründen und Zusätzen verbunden, welche bezeugen, dah derselbe seinen früheren Stand­punkt im Wesentlichen unverändert festhält. AuS diesen Gründen sieht die Staalsregierung sich veranlaßt, der wiederholten Ankünbigung, daß sie sich genöthigt sehen werde, ihre Beziehungen zu dem Bischof von Erm- land anderweitig zu gestalten, Folge zu geben. Ins­besondere kann die Staatsregierung bis zur weiteren Entscheidung nicht die Verantwortung dafür über­nehmen, aus Mitteln des Staates, dessen Gesetzen der Bischof sich nicht unbedingt unterwerfen will, für den Unterhalt desselben Zahlungen zu leisten, die von der Landesvertretung unter anocrn Voraussetzungen be­willigt worden sind. ES ist daher dem Bischof noti- ficirt worden, daß die Zahlungen bis auf Weiteres eingestellt werden — Die lange baierische Ministerkrisis ist zu Ende; Herr v. Gasser ist endlich, nachdem sich gezeigt hat, daß die partikularistisch halbultramontane Mittelpartei gar keinen Stoff zu einem neue» Mini- steiium bei sich spürte, seines Auftrags vom Könige enthoben, der wesentlich reichsfreundliche bisherige Fi­nanzminister v. Pfretzschner zum Minister-Präsidenten und Minister des Auswärtigen ernannt und daö be- stchende Gesamintministerium beauftragt, einen neuen Finanzminister in Vorschlag zu bringen. Bei Deutsch­lands Feinden, in Paris, im Lager der Jesuiten, bei den Welfen und Czechen, hat die Nachricht bereits ihren wohlthätig niederschlagenden Eindruck gemacht.

Die Sitzungen der ReichsrathSdelegationen in P e st haben unter den günstigsten Vorzeichen begonnen. Vor dem Budget Ausschüsse gab der Ministerpräsi­dent sehr eingehende Erklärungen über das gesammtc Gebiet der auswärtigen Fragen ab, welche mit großer Befriedigung aufgenommen wurden. Die beiden Häuser des ungarischen Reichstages sind mit der AntwortS-

1872.

adreffe auf die Thronrede beschäftigt; im Unterhause muß man sich auf nicht weniger als sechs verschiedene Entwürfe gefaßt machen.

Der schweizerische BundeSrath hat unter dem 18. d. M. die ultramontane Regierung des CantonS Wallis wegen Anstellung eines Jesuiten als Pfarrer zur Verantwortung gezogen, und der StaatSrath von Genf gegen den Pfarrer Mermillod, der darauf be­harrt, ohne Zustimmung des Staate« Bischof von Genf sein zu wollen, unter dem 20. d. die Temporalien- und Ämtssperre verfügt.

Herr ThierS befindet sich wieder in Paris und erschien unerwartet bei dem Wettrennen im Bois de Boulogne, wo er sehr gut empfangen wurde. Der Ekdictator Gambetta bereift Savoyen und „macht" in französischem Nationalgesühl, von dem die Savoyar­den noch nicht recht durchdrungen sind. Der französische Botschafter in Berlin, Herr de Gontaut- Biron, hat Herrn ThierS über die Zusammenkunft der | drei Kaiser Bericht abgestattet und ist dann in Urlaub nach den Pyrenäen abgereist. Der deutsche Gesandte, Graf Arnim, ist in Paris angckommen. Die Räumung der beiden Departement« der Marne wird nach Uebereinkunft der französischen Behörden mit dem General v. Manteuffel am 15 October beginnen, cs haben jedoch schon vor­bereitende Truppenbewegungen stattgefunden. Die Na« lioualsubscription „der Frauen Frankreichs" zur Be­freiung des Territoriums hat ungefähr sieben Mil­lionen Franken ergeben, welche an die Regierung auS- gehändigt worden sind. Der Marschall Bazaine be­findet sich krank und man wird vielleicht sein Verhör deßhalb unterbrechen müssen. Die schnelle Entlassung des Schriftstellers About aus der Haft in Straßburg hat in Paris Aufsehen erregt, doch hat die Presse der ganzen Sache kein Übergroßes Gewicht beigclegt; Herr About ist nach Paris zurückgekehrt und fordert in feinem Blatte, dem „XIX. Siöcle", alle Schriftsteller der Welt zum Kampfe gegen das tyrannische Preußen auf.

In Rom und ganz Italien hat man den Jahres­tag des 20. September ohne großen äußere» Enthu­siasmus gefeiert. Victor Emanuel ist bei dieser Ge- ‘ legenheit nicht in seiner Residenz erschienen, wohl aus Schonung für den Papst, der aii jenem Tage sich nicht mit Unrecht darüber beklagte, daß die Liberalen durch""

„Kellner, eine Portion Eis!"

Humoreske aus dem Leben eines Junggesellen Wn von Fritz Brentano.

(Schluß.)

„Wer bettelt hier?" fragte in dem Augenblick ein «llzcigiener, der sich, unser Gespräch belauschend, listig * die Ecke an uns herangemacht hatte.

Der erste Bisien blieb mir im Munde stecken — ich lauschte noch einmal hin und richtig, eö war ber~ alte Herr aus dem Theater, welcher sich äußerst laut und zornig draußen erging.

„Donnerwetter!" hörte ich ihn fluchen, „was ist denn das für eine Wirthschaft hier? So ÄwaS ist ja noch gar nicht dagewefen."

„Sehen Sie sich nur diese Schmiere dn — mein ganzer Reifepelz ist vollständig ruinirt. Das Zeug geht ja gar nicht mehr aus den Haaren heraus. ES ist zum Tollwerden, alle Teufel!"

In mir dämmerte eine schreckliche Ahnung. Be­stürzt sprang ich auf und eilte an die offene Serbin« bungsthür, wo ich den grimmigen Alten, umringt von einigen Kellnern und mehreren Gästen, erblickte, wie er wüthend seinen Pelz musterte, der allerdings in einem nicht sehr erfreulichem Zustande war. Ich Pech­vogel hatte meinen Hut darüber gehängt, desien un­sauberer Inhalt sich gesammelt hatte, auf das darunter befindliche Kleidungsstück geträufelt und langsam hinein­gesickert war.

Na, der Spektakel de« Alten, als er gar erfuhr, wer der Attentäter gewesen, war nicht schlecht. Eine Fluth von Grobheiten regnete auf mein unschuldiges Haupt und vergeblich waren alle meine Entschuldi­gungen, er donnerte immer weiter, sprach von schänd­licher Jntrigue, Absichtlichkeit, Infamie, rc., bis auch J mir endlich die Geduld riß und ich ebenfalls sehr un­angenehm wurde.

Es war eine förmliche Revolution in dem fried­lichen Gastzimmer und nur mit Mühe und Roth ge- ' lang es den Bemühungen von Wirth und Kellner, uns zu trennen.

Natürlich war bei mir von Esten keine Rede mehr und auch meinem Widersacher schien der Appetit ver­gangen zu-sein, denn gerade, al« ich mein Zimmer

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Durch Kampf zum Frieden.

Erzählung von S- von der Horst, i er i 4 t!

Historisch - romantische Erzählung von Ä. Z. Siu wildes Mädchen.

Novelle von M. Berger.

Alle Postanstalten, aus dem Lande auch die Land­pestboten, nehmen Bestellungen aus die „Oberhessische eitung" entgegen.

Nmzugehende hiesige Abonnenten erhalten vom tafle der Bestellung bis zum 1. October die Zeitung ratis.

Die Exheditiou der Oberhesfischen Zeitung.

on Ermland dürste da- hervorragendste Ereigniß der ergangenen Woche im deutschen Reiche sein. In folge besten hat denn nun auch der CultuSminister n den Bischof Erementz einen Erlaß gerichtet, in »eldjem er im Hinblick auf die jüngsten Verhand- nngen das Entgegenkommen in den neuesten Erklä- nngen des Bischofs anerkennt, andererseits aber con- atirt, daß die Staatsregierung sich außer Stande eht, in den Kundgebungen des Bischofs diejenigen irgschaften zu finden, welche sie im Interesse des »taateö und seiner Angehörigen zu fordern verpflichtet • Bekanntlich hatte der Bischof in einer früheren ückäußerung sich erboten, seine Diöcesaneu dahin zu klehren, daß nach dem heutigen Staats- und Kirchen- Ht durch die Ausschließung aus der Kirche die bür-

Privaivergnügett, welches mir wohl polizeilich gestattet sein dürfte."

„Die Sache bleibt immerhin verdächtig."

„Kommen Sie gefälligst mit mir nach dem Hotel Schimon, wo ich wohne, und Ihr Verdacht wird schnell entschwinden."

„Gut," antwortete mein Polizeimann, „aber bitte, bedecken Sie sich."

„Paßt mir nicht," entgegnete ich ihm trotzig und machte mich in feiner Begleitung, meinen Hut in der Hand tragend, auf den Weg.

Eine Stunde später faß ich, auf mein bestelltes Abendbrod wartend, im Speisesaale des Hotels. Der Jrrthum war durch den Oberkellner sofort berichtigt worden, der Polizist hatte sich, nach Empfang eines Fünfgroschenstücks für gehabte Liebenswürdigkeit, zurück­gezogen, ich aber hing meine total ruinirte Angströhre sorgfältig an einen Kleiderhaken im Vorzimmer und beschloß, nachdem ich auf meinem Zimmer mir Gesicht und Hände von der klebrigen Eiogeschichte gereinigt, meine Wuth an einem harmlosen Beefsteak auszulasten, dessen ich harrte.

Mir war recht elend zu Muthe.

Ich hatte mich auf dem Heimwege offenbar erkältet und schon machten sich die Anfänge eines Schnupfens bei mir bemerklich, während zu gleicher Zeit mein größtes Seiten, ein niederträchtiger Zahnschmerz, zu rumoren anfing.

Dabei war ich hungrig und mußte außergewöhnlich lang auf das Esten warten, was meinen Aerger wesent­lich erhöhte. Endlich kam dasselbe.' Der appetitliche Duft des gebratenen Fleisches wirkte sichtlich beruhi­gend auf mein Nervensystem und ich bereitete mich vor, recht behaglich zu speisen, al« eine laute Stimme im Vorzimmer mich erbeben machte

Der Polizist aber schob mir freundlichst den Zei- fafler zwischen die oberen Knöpfe meine« Ueber- Hrrs und sagte lakonisch:

„Kommen Sie!"

„Kommen? Wohin?"

„Auf die Wache!"

„Mein Herr, Sie scheinen sich in einem gewal-, ,n Jrrthum zu befinden und ich muß Sie sehr lm, mich gefälligst lo« zu lassen. Halten Sie mich Mich auf die beliebige Aussage irgend eines Men s" für einen Bettler, so diene Ihnen zur Nach, ht, daß ich Heinrich Barthman» aus Kastel, dorten 1 »schöne Henner" genannt, meines Zeichens ober 1 Sentier, also gewissermaßen ein geborner Feind t Bettler bin."

»Uber Sie haben jenen Herrn mit dem Hut in 1 Hand angeredet." —

. »Erlauben Sie, geehrtes Organ der öffentlichen schrrheit, Sie daraus aufmerksam zu machen, daß die Begriffe verwechseln. Ich habe den Herrn, w die außerordentliche Freundlichkeit hatte, mich !^u als Bettler zu denunciren, „augerannt," aber * angeredet. Allerdings habe ich bei diesem Ren- «te

einen Hut in der Hand getragen, ein kleines |

»Der Mensch da," antwortete erzürnt der Ange- . tM; „Nachts nach neun Uhr, cs ist ein Skandal!" “* S diesen Worten drehte er sich um und entfernte h brummend.

täglich °“8*t den Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Leitung mit Kreisblatt durch die Expedition kKoch's» Luchdruckeret) bezogen 82, »gr., durch dre Postämter 27 Sgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 »ar.—

Jn)ertwnsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoneen-BüreauS nehmen Inserate an. 8

Für das nächste Quartal sind in da« Feuilleton der „Oberhefstschen Zeitung" folgende Origtltal-Ek- jihluugen zur Aufnahme bestimmt:

Politische Wochen-Urderficht.

Die erfolgte königliche Bestätigung der Ministerial- eschlüste in Betreff des Verfahrens gegen den Bischof