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Marburg, Donnerstag, den 26. September.

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Obtthessische Jcitunfl.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal de» Oberhesslschen Leitung mit Kretsblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22; Egr., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und in«. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Ggr. -

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Deutsches «eich.

Berlin, 24. Sept. Die Reise des Kaisers ach Baden-Baden ist noch nicht definitiv festgesetzt, doch erwartet man die Entschließung Sr. Majestät zu Ende der Woche. Vor seiner Abreise dürfte sich der Kaiser auch über die seitens des Staatsministe­riums in der Angelegenheit de« Bischofs von @ruv land gemachten Vorschläge entscheiden. Alle Nachrichten über eine bereits getroffene Entscheidung sind demnach al» verfrüht zu bezeichnen. Das belgische Blatt Echo du parlament hat die Meldung gebracht, der deutsch« Botschafter in Frankreich, Graf Arnim beabsichtige, seinen Abschied zu nehmen. Dieselbe wurde m politischen Kreisen ziemlich mißtrauisch ausgenommen und war dies Mißtrauen wohl auch berechtigt, ob­gleich die Nachricht auch von einem gemeinhin wohl unterrichteten Korrespondenten derNativnal.-Ztg." gewissermaßen bestätigt wurde. Es mag richtig sein, daß Graf Arnim durch mancherlei Vorgänge aus socialem Gebiete zu Erwägungen theils persönlicher, theils politischer Art veranlaßt ist, welche dem be zeichneten Gerüchte einen Anhalt darboten. Es muß indeffen bis jetzt anheimgegeben werden, welche Folge diesen Erwägungen gegeben werden wird. In amt­lichen Kreist» ist von einem Entlaflungsgesuch« des Grafen Arnim noch nichts bekannt. Derselbe halte allerdings einen längeren Urlaub angetreten, allein da sein Stellvertreter Graf Wesdehten durch einen Todes­fall in seiner Familie augenblicklich abberufen ist, so befindet sich der Botschafter bereits wieder auf der Reist nach Paris, wird jedoch nach der Rückkehr, des Grast» Wesdehlen seinen Urlaub von Neuem an treten. Das Entlafsungsgesuch deS UnlerstaatS

stcretärS v. Thiele ist noch nicht formell vollzogen. Doch ist kein Zweifel, daß dies geschieht und wird derselbe voraussichtlich in den erstellt Tagen der nächsten Woche sein Amt niederlegen; man hofft, daß Herr v. Balan am 2. oder 3. October auS Brüssel hier eintrifft. Der bisherige Generalkonsul in Bukarest, Herr v. Radowch, ist zum Geh. LegationSrath im auswärtigen Amte berufen. Seitens einiger Blätter wird die Pensionserklärung des Geh. Ober-Regie rungsraihS Sticht bereit« zum 1. Oktober in Aus­sicht gestellt. Wir können an der hier früher gege­benen Meldung sesthalten, daß dieselbe erst zum 1. Januar erfolgen wird. DaS Gerücht findet seine Erklärung in dem Umstand, daß Herr Stiehl aller­dings seine Thätigteit nicht wieder aufnehmen wird, und ihm sein Urlaub biS zum 1. Januar verlängert ist. Eine gleichlautende Correspondenz mehrerer liberalen Zeitungen wärmt die fast verschollene Zwei- seelentheorie in neuer Form auf. Fürst Bismarck halte sich von den Verhandlungen des Landtages fern, weil er nicht die Verantwortlichkeit für die Maßregeln der einzelnen preußischen Ressortminister übernehmen wolle. Diese Behauptung verräth eine äußerst geringe Kennt- niß deS Ganges der Regierungsgeschäfte. Es kann gar nicht davon die Rede sein, daß die Minister auch nur einen Schritt wider die Neigung ober gar ohne Wissen des Ministerprästdenten gethan hätten; es wird vielmehr keine Entscheidung getrogen, ohne daß die Meinung desselben, auch während seiner Entfernung von Berlin, eingeholt fei. /

Osnabrück, 20. Septbr. Gestern Abend fand eine Ausschußsitzung deS FestvorstandcS für den allge­meinen deutschen Protcstantei'tag und daraus ekle Ge-

neral-Versammlung des hiesigen Protestanten-VereinS statt. Namens der vom Kirchenvorstande zu St. Ca- iharinen nach Berlin zum Cultusminister entsandten Deputation wurde von Herrn Pastor Bischoff referirt, oaß der Minister in a/tftünbiger Audienz ihr Anliegen ausführlich und sorgfältig angehört und nach Prüfung der Sache einen wenn auch nicht schleunig zu er­wartenden Bescheid zugesagt habe. Es kam dann zur Sprache, daß noch immer nicht die Marienkirche für den Protestantentag bewilligt fei, den hierauf ord­nungsmäßig gestellten Antrag habe der Vorsitzende als durch die Entscheidung des König!. LandesconsistoriumS bereits erledigt nicht aus die Tagesordnung gebracht und der Kirchenvorstand selbst habe darauf bei Stimmen­gleichheit sich gestern nicht einmal über die -Vorfrage schlüssig machen können, ob die Frage in der nächsten Donnerstagssitzung auf die Tagesordnung zu stellen fei.

Lübeck, 21. Septbr. Vom 1. October ab er­scheint hier ein größeres politisches Organ unter dem TitelLnbeckische Zeitung", welches einer unserer renommirtesteu Advokaten, Dr. Friedrich Crowe, redi- giren wird.

Darmstadt, 23. Sept. DieMainzer Ztg." berichtet, daß das neue Ministerium sofort beim Wie- verzusammentritt der Stände Jnteipellalivnen und An­träge entgegenzunehmen haben wird, welche von ver­schiedenen Abgeordneten bereits vorbereitet sind und sich auf sofortige Wiederherstellung der katholisch-theo­logischen Fakultät zu Gießen beziehen, welche in Folge der mit dem Bischof von Mainz im Jahre 1854 ab- gchblosfenen und 1866 aufgehobenen Convention von dort nach Mainz verlegt und trotz der Aushebung der Convention noch nicht wieder dahin verlegt wurde.

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Ein Lebensbild von Ehr. H.

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langsam fort:- 1

Ein heftige- Nervenfieber hatte mich ergriffen, in den Fieberphantasien sah ich immer Röfel als Leiche bvr mir liegend, durch meinen Schutz getödtet. Nach dielen Wochen endlich genaß ich wieder, die Jugend­kraft meines Köipers siegte über bk Gewalt der Krank­heit. Klar stand alles vor meinenr Gedächtniß, aber meine Seele war gebrochen und nimmer konnte ich mich aufrichten. Selbst Rösels liebevolle Rähe konnte mir keinen Frieden gewähren, ich mutzte mich ja doch Ünmer als ihren Mörder betrachten, wenn auch der Himmel daS Aeußerste gnädig abgewandt hatte. In meinem Innern war ich schuldig, mochte mir auch die Welt vergeben. Konnte mich auch die irdische @e «chtigkett nicht al« Mörder bestrafen, vor Gott «ar ich einer, ihm mußte ich eine Sühne geben mein heben, zugleich auch alS Dankopfer für seine gnädige Abwendung des Gräßlichen. Mein Entschluß war bald gefaßt. Richt Rösels Thränen und Bitten, nicht bt« Förster- abmahnende Worte kennten mich hindern; ich wollte mein Leben Gott zum Opfer bringen als

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Hier machte der Pfarrer wieder eine Pause in Uui füner Erzählung Er sah recht angegriffen au«. Ich ' schenkte ihm fein leere« Glas wieder voll, et griff rasch darnach und leerte es in einem Zug. Dann fuhr er

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Sühne für meinen Leichtsinn, als Dank dafür, daß er bas Schreckliche nicht geschehen ließ.

Mancher mag diesen Entschluß wunderlich finden, üh recht« mit niemanden darüber, in Gefühlssachen kann jeder nur sich Rechenschaft geben. Eine innere Stimme verlangte das Opfer meiner Liebe als Sühne : ' für meinen Leichtsinn: ich mußte dieser Stimme ge "^horchen, wenn ich nicht wahnwitzig werden sollte teBj ich konnte einmal nicht ander«.

' J, Laßt mich schweigen, Herr, über den Abschied von Nkösel, laßt mich schweigen über die schweren, furcht baren Kämpfe in der Abgeschiedenheit einer Klosterzelle, bit mich ost meinen Entschluß bereuen ließen ich -Hjf hatte Gott mein Leben als Opfer geweiht, indem ich 20i-$l ins Kloster ging, ich durfte mein dem Himmel gege- 488 bene« Wort nicht brechen.

Wie ein Verurlheilter lebte ich die langen Jahre, 80 ich hatte mit selbst als strenge Buße das völlige Ab schließen von allen Menschen auferlegt. Durch Gebet

die Raiur ring- in ihrer erhabenen Pracht, die trotz

Seligkeit zu erfüllen vermag, das ernste Studium wissenschaftlicher Bücher, die ich mir von Zeit zu Zeit aus der Stadt kommen lasse, und die Ruhe, die m alten Tagen unser ganzes Wesen durchdringt, haben mich das Leben, so wie es ist, ertragen und mich mit demselben ganz versöhnen gelehrt, und wenn es manch­mal doch stürmt In 'meinem Innern Und vergangene Tage glücklicher Jugend zu lebendig vor mir auf­steigen , dann gehe ich hinauf an die Höhe nach dem Kirchhof, an dem Sie heute noch Ihr Weg vorüber- sührt, zu dem Grab mit dem bemoosten Steine und bete da und dann ist mir«, als ob ihre meinem Ohre noch immer so vertrauten, süßen Laute hervorkiängen auS dem Grabe und mich trösteten; ruhig kehre ich dann in mein Pfarrhaus zurück, indem ich denke, daß auch diese« Weh bald mit allen andern irdischen Leide» vergehen wird. -Ihr seid noch sehr jung und werdet es vielleicht erst erfahren, was Liebe ist. Aber einer Liebe, die wahr und echt ist, entsagen, sei es, weil man vielleicht irrigerweise glaubt, der-Gott, der selbst die Liebe ist, könne so etwa« von uns verlange», oder sei es au« anderen Gründen, ist der gewaltigst« Schmerz für ein« Menschenseele, fast nicht zu fassen und nicht zu begreifen, sondern nur kaum und unter de» schwersten Kämpfen zu ertragen. Vierunddreißig Jahre lang ein solche« Weh im Herzen hegen, da« i)t mehr als ein kurzer Märtyrertod. Die Liebe zweier Menschen zu eiiiander ist etwas gar Heiliges, ist der Himmel auf dieser Erde, und solcher Liebe entsagen ist ein Opfer." '»"'>

Der Pfarrer hatte die letzten Worte mit erregter, bebender Stimme gesprochen; rasch erhob er sich bann, drückte mir die Hand und eilte au« der Laube. -

Ich saß noch lange stumm und in Wehmuth ver­sunken. Ich konnte dem Mann« in meinem Herzen nicht Unrecht geben, wir Menschen sind ja so ver­schieden in unserem Denken und Fühlen; ein anderer hätte daS Glück des Besitze« der Geliebten, nachdem sie der schrecklichen Todesgefahr entgangen, um so höher gehalten, um so fester mit seinem Leben ver­webt ihn trieb dieser Vorfall zur Entsagung, zur freiwilligen Aufopferung. Welcher von beiden hatte Recht? Jeder, weil jeder seiner inneren Stimme folgte. Endlich verließ auch ich die Laube. Erst jetzt fah ich, daß es indessen stark geregnet, was ich in der Theil»

und eifrige Studien suchte ich die immer wieder auf-- lauchenden Erinnerungen, den Traum von Lebens- und Liebesglück niederzukämpfen. Sie sind, junger Mann, in einer Zeit geboren, wo man über dieVorurtheile der Religion" und denGlauben an göttliche« Wal ten" hinaus zu sein meint; Sie lächeln vielleicht über mein Thun und nennen e« einen Wahn; ich konnte nicht anders, eine innere Stimme, der ich nicht miß gehorchen durfte, hatte mich dazu getrieben.

Nach vielen Jahren , die ich in enger Zelle zuge-^ bracht, setzte mich das Ordenscapitel in eine Pfarrei, Ich folgte willenlos. Doch that die Wirksamkeit in der Gemeinde und der Aufenthalt in der lieben freien Natur mir bald wohl. Da erfuhr ich einmal durch Zufall ich hätte den Muth nicht gehabt, nach dem Schicksal meiner Theuern zu fragen, um nicht die mühiam gewonnene Ruhe meine- Innern und meinen Frieden mit Gott zu stören, durch einen Jäger burschen, der mft vom benachbarten Psarrer Nachrich ten mitzulheilen hatte, daß der alte Förster in G. ge­storben sei.

Und wo ist seine Tochter Rösel", fragte ich ihn rasch, vom Gefühl alter Erinnerungen übermannt.

O, die ist schon lange Jahre lobt. War ein schönes, liebes Kino, aber sie starb schon als junges Mädchen vor Gram darüber, daß ihr Bräutigam ich weiß nicht, warum ins Kloster ging, wie die Leute im Ort erzählen. Drei Monate, nachdem er sie verlassen, trug man sie, die seit seinem Weggang immer gekränkelt hatte, zu Grabe; sie starb an gebrochenem Herzen."

Also mußte ich doch ihr Mörder werden und mein Opfer allein genügte nicht, dachte ich bei diesen Worten

Der Mann kannte mich nicht, ich fertigte ihn rasch ab, bann aber kamen Stunden be« Jammers über mich, die ich Ihnen nicht schildern will. Daß ich ins Kloster gegangen und die Geliebte verlaffen, kam mir in diesen schwachen Stunden manchmal vor wie eine große Thorheit

Wenige Zeit nachher starb der Pfarrer in G. und da kein anderer Geistlicher gerne an die geringe Stelle wollte, so bat ich, mich hinzusetzen. War ich doch dann wenigstens dem Grabe der Jugendgeliebten nahe. Mein Beruf Herr, in Folge dcffen ich manchem Lei­denden zusprechen, manchen Verzweifelten trösten kann,

nähme für des Pfarrers Erzählung ganz überhört meines Alters noch jetzt mein Herz mit wunderbarer^ hatte Im Pfarrhaus bezahlte ich bet Köchin das