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Marburg, Dienstag, den 24. September.
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Für dieses Verfahren war die Correspondenz bereits früher eingetrelen und weiß auch jetzt neue Argumente für dasselbe nicht anzusühren. ES ist das oft in dieser Korrespondenz wiederkehrenre Verhallen: von richtigen Prämissen zu falschen Schlüssen zu gelangen. ES hätte im andern Falle der Artikel zu der Schlußfolgerung kommen müssen, daß zunächst die Bewältigung älterer Ausgaben erfolgen müsse, und daß alödann die neuen
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Em Lebensbild von Ehr. H.
(Fortsetzung.)
Am andern Morgen ging ich aus dem Schuppen mb streifte den ganzen Vormittag planlos in den Birgen umher; gegen Mittag wandte ich mich zum Stückweg und eS war bald Abend, als ich der Kör fterei mich näherte. Es war mir eigen zu Muihe, halb schämte ich mich, halb war ich wieder trotzig Eie ich nun so den Hügel, darauf das Forsthaus lag, hinaufstieg, kam mir der Förster gerade entgegen.
„Recht, daß Du endlich kommst, Seppi", rief er mir zu. „Hab' lange nach Dir ausgeschaut."
Indessen war er an mich herangetreten und nahm «ich bei der Hand. Das muß anders werden; höre, Du bist ein schlechter Jäger geworden, wie Du früher der beste wärest. Da» muß anders werden. ..."
Ja, Herr Förster, fiel ich ihm in die Rede, das sehe ich selbst und drum will ich meinen Dienst bei Ihnen aufgeben. "
„Dummes Zeug das! Geht nicht, geht absolut Ächt. Weggehen? wäre mir recht. WaS dem nicht tinsälll! Weggehen? Nein, erst recht dableiben! Aber ein ordentlicher Jäger mußt Du wieder werden, das Faullenzen und Scharwenzen thut in die Länge nicht gut. Hab's schon lange gemerkt, habe darum Nachsicht mit Dir gehabt; war auch einmal jung und verli.bt, be scharwenzt ich auch so um meine Frau, die Gertrud, herum unv war traurig und hatte keine Lust mehr am Segen, wußte nicht weßwegen. Da Ihat unS der Gertraud Vater zusammen, und von dem Tage an, fco sie meine Braut war, wurde ich wieder ein ordentlicher, luftiger Jäger. Ich kenne da» schon. Meine Frau und ich sahen es lange kommen. Die Rösel hat Dich gern und Tu sie. Du bist ein braver Jäger und
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hauSkapelle eröffnet. Prediger Tangermann eelebrtrte die Messe und hielt alödann eine Ansprache an die Versammlung. Um 91/’ Uhr trat die Versammlung zu einer Sitzung zusammen, welche OberregierungS- rath Wülffing eröffnete; an 400 Delegirte waren anwesend. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Prof. Schulte gewählt; zu Vicepräsibenten wählte die Versammlung den Appellationsrath Petri (Wiesbaden) und Prof. Corneliu- (München). Schulte übernahm den Vorsitz mit einer längeren Ansprache, in welcher er sich über die Entwickelung und den Standpunkt deS AltkalholiciSmuS aussprach. Es schloffen sich daran Reden deö Erzbischofs LooS von Utrecht und de» Bischofs Wordsworth von Lincoln. Bei der Di»- cufsivn der Anträge betreffend die Organisation der Seelsorge und da» Verhältniß zu den andern Con- fesstonen veranlaßte namentlich § 8 (Durchführung von Reformen auf dem G-biete bet DiSciplin und des Cultuö) eine längere Debatte; es wurde schließlich einstimmig ein Amendement von ReinkenS angenommen, wonach die envgültige Prüfung der tiefgefühlten Mißbräuche und die Durchführung entsprechender Reformen den verfasfungsmäßigen Organen der Kirche Vorbehalten bleibt. Um l*/2 Uhr schloß die erste Sitzung. — Die gestern Abend stattgehabte zweite Sitzung be» Altkatholiken-CongresseS war noch zahlreicher besucht als die erste. Die von der theologischen Commission beantragten Sätze wurden angenommen, nur der Satz, vaß die Consenserklärung zweier Verlobten in Gegenwart des Pfarrer» und zweier Zeugen zur Ehegültigkeit genüge und eine so abgeschloffene Ehe von jedem Priester eingesegnet werden könne, wurde nach einem Anträge de» Prof. Maaßens abgelehnt. Betreffs der Bischofswahl wurde ein Antrag Schulte'» angenommen, daß eine Commission von 7 Mitgliedern, von denen mindestens drei Theologen uno Ca- nonisten sein müßten, die Wahl vorberathen, die Opportunität prüfen, die Fragen des Bischofssitze», der Dotation und der Stellung zu Regierung und Gemeinden regeln, sowie eine Wahlordnung für eine aus Priestern und Vertretern der altkatholischen Gemeinden bestehende Wahlversammlung entwerten solle. Ein Antrag Wülsfing's auf sofortige Feststellung de» Zeitpunktes der Wahl wurde abgelehnt. — In der heutigen letzten Sitzung gelangte ein Antrag in Be- die Rösel schon lieb gewesen seither, so wurde sie jetzt von Tag zu Tag noch lieber. Ich sah, wie sie mich so recht von ganzem Herzen gern hatte. Wir scherzten und koseten und der Vater hatte unsere Hochzeit mit den Worten „Jung gefreit, hat noch keinen gereu't", aus Martini festgesetzt.
Mein Geburtstag also war gekommen, und wie ich Morgen» aufwache, hing gegenüber meinem Bette an der Wand eine prächtige Flinte an einem schönen gestickten Band und eine. Blumenguirlanve darum herum. Die Frau Försterin hatte sich, wie ich nachher erfuhr, beim ersten Tagesgrauen, als ich noch fest schlief, in mein Zimmer geschlichen und das alle» ßo geordnet, daß mein erster Blick darauf fiel beim Erwachen. Das war mein Geburtstagsangebinde. Mir standen Freudenlhränen in den Augen, bisher hatte sich ja niemals ein Mensch um meinen Geburtstag gekümmert.
Das Band an der Flinte war ficher von Rösel gestickt und ich ahnte jetzt, warum sie in der letztm Zeit so scheu davon lief, wenn ich sie beim Nähen traf. Und die Flinte! Jetzt verstand ich auf einmal die Scherze Rösel» und be» Vater» über meinen Stutzen.
Ich sprang aus bem Bette und zog mich an und bann nahm ich bas Gewehr herunter von ber Wanb. Aber wie erstaunte ich, als ich es näher besah — al» es hing, war eS theilweise von der Blumenguirlande bedeckt gewesen — ich wußte nicht was ich denken sollte. Das war ja dem Förster sein prächtiges Gewehr. Auf und eben ber Silberbeschlag unb die GemS- jagb am Kolben Schnitt für Schnitt. Sollte e» möglich fein, baß bie Büchse mein Geburtstagsgeschenk? Das war mir nun boch nicht gleich, baß ber Förster um meinetwillen sich von bem so werthgehalteiten
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wichtigen Vorlagen sofort zur Berathung gelangen müssen. Gerade die Nothwendigkeit, jeden Zeitaufwand für die legislativen Arbeiten zu vermeiden, muß dahin führen, die Session des Landtages im Octoder nicht zu unterbrecheii. — Das von dem Dr. Kayßler heraus gegebene „Deutsche Wochenblatt zur Besprechung der öffentlichen Angelegenheiten de» deutschen Reiches" ist mit einem Prospekt angekündigt, durch welchen das Blatt sich al» Organ der freiconservativen Partei hinstellt. Das in demselben enthaltene Programm ent» Ipricht durchaus den Grundsätzen dieser Partei und es ist nur auffallend, daß dasselbe über die Stellung der Partei zu dir Tagespolitik nichts sagt. Diese Schweigsamkeit ist möglicherweise dadurch bedingt worden, daß innerhalb der Partei auch katholische Mitglieder sind, auf welche die Fassung deS Programms Rücksicht zu nehmen hatte. — Gegenüber der Mittheilung eines Korrespondenten der „Augöb. Allg. Ztg." ist wiederholt zu constatiren, daß der Justizminister Dr. Leonhardt gekräftigt nach Berlin zurück gekehrt ist und die Geschäfte seine» ReffortS übernommen hat.
— Es soll Aussicht vorhanden fein, daß zwei wichtige Gesetze, von denen hier und da angenommen wurde, daß ihr Erscheinen sich noch längere Zeit verzögern würde, in der nächsten Reichstagsseffion zur Verhandlung gelangen: das Bankgesetz und das Münzgesetz. Freilich verlangen beide Materien umfangreiche Vorarbeiten, welche bedingt sind durch die zuvor einzuholenden Gutachten bet Einzelstaaten, sowie ber Sachverständigen-Commission, ferner durch bie Berücksichtigung ber zahlreichen Wünsche unb Anträge, bie in ben Organen beS Handelsstandes niedergelegt sind. Indessen ist das Bedürfniß der endlichen Regulirung der beiden Angelegenheiten so fühlbar hervorgetreten, die Anträge der Hanvelswelt gerade von den Haupt Plätzen auS haben sich in letzter Zeit so vermehrt, daß Anordnungen zum Theil ergangen sind, zum Theil für die nächste Zeit erfolgen sollen, um sowohl daS Münz- gesttz, wie bas Bankgesetz sobald als thunlich die legis latorischen Stadien durchlaufen zu taffen; jedenfalls werben beide Entwürfe zusammen zur Erledigung gelangen.
Köln, 21. Sept. Der Congreß ber Altkatholiken würbe gestern Morgen burch Gottesdienst in ber Rathschon werlh, baß Du mein Schwiegersohn wirst. Heute Adenb soll der Verspruch fein. Die Rösel weiß es schon und ist ganz toll vor Freude und lacht bald, bald weint sie wieder. Die Hand her, abgemacht, aber nun werde mir wieder ein ordentlicher, fleißiger Jäger wie vorher, daß ich meine Freude an Dir haben kann."
Er hielt mir feine Hand entgegen, ich reichte ihm die meine. Sprechen konnte ich nicht vor dem freudigen Schreck, ich war wie im Traum. Dem alten 'Mann standen ein paar Thränen in den Augen. Auch er sprach jetzt nichts mehr. Schweigend gingen wir dem ForsthauS zu.
Vor der Thür stand Rösel. Sie schien auf unS zu warten. Als wir bei ihr waren, sagte der Förster zu mir: „Nun gib ihr auch einen Schmatz."
Ich ließ mir da» nicht zweimal sagen, umarmte Rösel und küßte sie, und sie küßte mich wieder. Ihre Äugen sahen verweint aus; ich fragte sie, warum sie geweint habe, und ba erfuhr ich, daß es aus liebender Sorge um mich gewesen war, weil ich so bös fortgegangen und so gar lang ausgeblieben sei.
Wer war glücklicher als ich? Wonnige Tage folgten nun und RöselS innige, zutrauliche Hingebung und Liebe entzückten unb beglückten mich von Stunde zu Stunde mehr.
„Was soll ich Euch von unferm Glück weiter erzählen, Herr, Ihr seid jung und kennt es wohl auch, w,e es ist, wenn zwei Herzen sich so recht innig lieben, baß sie sühlen, diese Liebe könne niclD eher aufhören, als erst mit dem Tode. Wer so recht liebt, wird es nie vergessen, wenn ihm auch die Haare bleichen und die Augen trüb werden.
„Ja, nie vergassen!" setzte er mit einem schweren Seufzer nach einem momentanen Schweigen hinzu.
Nun fiel in die Zeit mein 22. Geburtstag. War
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•• Berlin, 21. Septbr. Die ^8. A. C" bc- tzricht in ber letzten Nummer bie Gestaltung ber Lan- 'antg lagSberathungen in Bezug auf bie kontroverse, ob ii,njl die Session be» Lanbtages fortzusetzen ist oder ob eine Unterbrechung der Arbeiten desselben anzuempfehlen fei, damit eine regelmäßige Session für das näcdste Jahr eine kaufende Session werden könne. Die Correspondenz spricht sich zur Schließung der Session nach Erledigung der früher begonnenen Arbeiten ans, um alsbann 1873 eine neue Session einzuberufen.