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bett Ur 222. " s 3Tlar6lirg$ Freitag, den 20 September. 1872.

Z OberhesMe ZeitunW

Lrscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfische« Zeitung mit KretSblatt durch die Exvedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen ttl Lgr., durck- die Postämter 27 Lgr. « Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 2t »gr.- Insertiön'gebühr für Sie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate a».

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Seplbr. Die heutigeProb.

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01«! Lorresp." bringt einen Auszug aus einer imReichs-

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von Slrikeallgelezenheilm hat man eine Berathung über die Striken im Allgemeinen gemacht. Wie man

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a Adresse ist vom Bischof, vom Capilel und von sämmt-

K Eschen Geistlichen des ErmlandcS unterzeichnet. 4ie 1 Auch ein anderer Gegenstand deS MinislerratheS hat vielfache Mißdeulpngen erfahren. Aus der Besprechung

und Staatsanzeiger" erschienenen Denkschrift, die Schwierigkeiten der Einziehung der Klassensteuer in den einzelnen Stufen betreffend. Obgleich diese Denk arm- jchnft bei der bevorstehenden Steuerreform für jeden d gl- ernsten Politiker von der größten Bedeutung ist, hat ?au» sie doch in der Presse nicht die gebührende Beachtung 50 sl gefunden. Es verdient deshalb gewiß Auerkennung. kam wenn dieProv.-Corresp." in der bezeichneten Weise ale» da« Interesse für die darin mitgelheilten wichtigen 2185 Thatsachen und Ziffern zu wecken sucht. Was die tzcrathungen des letzten MinisterrathcS anbelangt, so löch» gchm darüber durch die Blätter eine Menge von « ge vermeintlichen Einzelheiten, die aber durchgehends jeder odn Begründung entbehren. Es kann nochmals'davor ge- . dal warnt werden, in Bezug auf die kirchlichen Angelegen­hoha Hellen sich nicht allzu voreiligen Erwartungen hinzu- langls geben. Dabei soll noch bemerkt werden, daß der letzte

Briefwechsel zwischen der SlaatSregierung und dem Bischof von Ermland, in welchen schließlich auch Fürst Bismarck eingriff, voraussichtlich demnächst durch die Zeitungen zur öffentlichen Kenntniß gebracht werden wird. Uebrigens Hal die ermtändische Geistlichkeit dem König in Marienburg durch den obersten katholischen Geistlichen der Stadt Marienburg selbst eine Loyaii- lLts-Ädreffe überreichen lassen, welchem Se. Majestät sofort mit einigen kurzen Worten antwortete. Die

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hört, sind aber nur einzelne, die Regierung als Arbeit­geberin betreffende Vorgänge zur Sprache gekommen, wie z. B. der Strike auf den Schiffswerften zu Danzig. Ueber den Unlerstaatssecrelär v. Thiele tauchen die mannigfachsten Bermuthungen auf. Die gestern hier gebrachten Mittheilungen können indessen nochmals bestätigt werden: in politischen Kreisen gilt der Rück­tritt des Herrn v. Thiele als zweifellos. Ebenso wenig dürfte daran zu zweifeln sein, daß ein definitiver Nachfolger noch nicht ernannt, sondern zunächst ein

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Dir westpreußische Säcularseier.

(Schluß.)

Gegen 8 Uhr machte der Kaiser, gefolgt von dem Kronprinzen und dem Prinzen Karl, eine Fahrt durch die Sladt bis hinaus vor das Marienihor, da, wo hie Eibinger und Danziger Maschinenbauer ihre Zelt- stabt errichtet hatten, auf dem ganzen Wege herzlich begrüßt. Während der Kaiser dir Laubengänge hinab und wieder hinaufsuhr, wurde oben auf dem Marien chvr ein brillantes Feuerwerk abgebrannt und electrischco Licht erleuchtete die Straße taghell, eine Unzahl ieu- rizcr Ballons erheb sich in die Lüfte. Sobald der Kaiser in'S Schloß zurückgek-hrt war, setzte sich der Zapfenstreich, bei welchem vier Infanterie-, zwei Ca- Uallerie-Musikcorps, ein JägercorpS und die Tambour

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sorps von vier Regimentern mitwirkten, in Bewegung; Etändchen und Gebet wurden auf dem Platze gespielt, auf welchem Vormittags der Grundstein zu dem Denk­mal des alten Fritz gelegt worden.

Lassen Sie m-ch noch einen Augenblick auf dieses Denkmal zurückkon men. Tas Denkmal-Comite Hal sich für den von Siemering in Berlin gefertigten Ent­wurf entschieden, der dem 17 Fuß hohen Postament Avihische Formen gibt, welche seine Architektur in birecie Beziehung zu der deS Orbensschlcsses setzen, bvr dem sich das Denkmal einst erheben soll. In Sethischen Ecknischen stehen die in Bronze ausgeführten, b Fuß hohen Gestalten der vier bedeutenden Hoch

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' Und Markgraf Albrecht von Brandenburg , der letzte ' Hochmeister und der erst« Herzog von Preußen, welcher

Uleister des deutschen Ordens: Hermann von Salza, 5tt den Orden nach Preußen schickte, Siegfried von , fouttroangcn, der die Marienburg erbaute und das 18' ördenshaus dorthin verlegte, Winiich von Kniprode, Utuer dem der Orden seine höchste Blülhe erreichte

Provisorium unter Herrn v. Satan eintreten wird. Justi-minister Leonhardt ist wieder nach Berlin zurückgekeyrt. Seine Gesundheit scheint vollständig ge­kräftigt und gedenkt er seine Geschäfte im vollen Um fange wieder auszunehmen. Allen Gerüchten über eine Ungnade des Herrn v. Madai kann nochmals auf das Bestimmteste widersprochen werden. Derselbe hat im Gegeniheil noch in den letzten Tagen unzwei­felhafte Beweise des königlichen Wohlwollens erhalten. Bei der noch immer herrschenden und von radikalen Skribenten mit Vorliebe gepflegten Aufreizung ver dient ein Artikel der heutigenPost" hervorgehoben zu werden, welcher in würdigen Worten zur Versöh­nung mahnt und davor warnt, den hiesigen Zuständen gegenüber nicht das Kind mit dem Bade auözuschütten und die Autorität der Polizei zu untergraben.

Rach derProv.-Corresp." ist die Abreise deS Kaisers nach Baden-Baden behufs vorheriger Erle­digung mannigfacher RegierungSgeschäfte um einige Tage Hinausgeschoben worden und dürste nicht vor der nächsten Woche erfolgen. Der Reichskanzler Fürst Bismarck wird sich, nach demselben Blatle, in den nächsten Tagen wieder nach Varzin begeben und seinen Aufenthalt in ländlicher Ruhe voraussichtlich noch auf mehrere Monate austehnen.

DieSpen. Ztg." schreibt: Heute ist, wie man hört, der entscheidende Tag, wo die Commistarien der einzelnen Ressorts mit dem Finanzministerium zu- samnicntkkten, um über die EtaiSsorderungen zu ver­handeln Es heißt, daß von Seiten des Unterrichts­ministeriums sehr erhebliche Mehrforderungen für das Volksschul.refen gestellt sind, da selbstverständlich durch die halbe Million, welche der vorjährige Etat neu auSwarf, die vorhandenen Bedürfniffe nicht befriedigt werden konnten. Es hat sich als "unmöglich heraus­gestellt, selbst auch nur einen Theil jener Summe für AlterSzulagen zu reserviren. Sie mußte gänzlich verbraucht werden, um die dürftigsten Gehälter auf ein einigermaßen auskömmliches Minimum zu bringen, und auch dieser Zweck ist nicht überall erreicht. Jetzt handelt eS sich nun darum, in den alten und neuen Provinzen da, wo cs noch fehlt, die Minimalgehälter ferner zu erhöhen, und zweitens zu dem System von AlterSzulagen zu gelangen, welches von der Lehrerwelt mit Recht gefordert, im Abgcordnetenhause während zugleich auf die Dynastie der Hohenzollcrn überleitet. Tie 9 Fuß hohe erzene Statue Friedrich des Großen erscheint so gleichsam auf den Schultern des deutschen Ordens stehend und hoffen ColonisalionSwerk wieder ausnehmend. Siemering Hal in bicjet Statue eine ganz vortreffliche Figur geschaffen, die zwar nicht das Höchste im Sinne des Freytag'ichen Gedankens erreicht, welcher in seinenBildern aus der deutschen Ver gangenheit" den großen Preußcnkömg mit dem greisen Faust vergleicht, der am Endziel seines Lebens im Kampf mit den Elementen die fruchtbare Eide dem Wasser abringt, um Raum und Lust für glückliche Völker zu schaffen, aber doch bei voller Wahrung der historischen Erscheinung den Eindruck eines Großen wollenden und vollbringenden Herrschers hervorruft. Der König, an der Grenze deS GreisenalterS stehend, aber noch kräftig und fest, hat den Krückstock mit dem Ausdruck eines unbeugsamen Wollens vor sich hinge stemmt. der linke Arm hängt leicht herab in einer für ten König äußerst charakteristischen Haltung, al« ob auch diese Hand sofort zum Eingreifen bereit wäre. Im Ausdruck de« gespannt dreinschauende« Gesichts erinnert er lebhaft an die Tarstellung Adolf Menzei's aus jener herrlichen Folge von großen Blättern, die den König mit seinen Generalen enthalten. Das Denk­mal wird im Ganzen 29 Fuß hoch werden. In längstens zwei Jahren soll daS Standbild enthüllt und damit die von Kunstfreunden so fleißig besuchte Ma­rienburg um eine neue monumentale, interessante Zierde reicher werden.

Nach dem Zapfenstreich wurde eS im Norden und Süden der Stadt, im Maschinenbauerlager vor dem Marienihor und auf dem Dominik beim Schnitzthurm, erst eigentlich lebendig. Auf dem Dominik wurden die Glücksbuden, in denen man regelmäßig eine Niete

der vorigen Session dringend empfohlen und schon damals von dem Minister Dr. Falk entschieden aner­kannt ist. Es heißt, daß von dem Unterrichtsmini­sterium für diesen letzteren Zweck etwa eine Million beansprucht wird. Ferner ist der Neubau, einer bedeu­tenden Zahl von Seminarieu fit Aussicht genommen. In der Provinz Schlesien allein sollen vier Semina» rien neu errichtet werden. Die Schulrevisionen haben ja hinreichend gezeigt, wie nöthig eS ist, alle Kräfte anzuspannen, um eine größere Zahl von Lehrern heran­zuziehen und denselben eine bessere Bildung zu geben. Die Mchrforderungen , welche daS Unterrichts Mini­sterium für dauernde Ausgaben in dem neuen Etat stellt, sollen sich im Ganzen etwa auf zwei Millionen belaufen. DaS Wohlwollen und der empfängliche Sinn des Herrn Finanzministers für die geistigen Zwecke des Staats sind bekannt. Es ist krin Geheim- niß mehr, daß er im vorigen Jahre freiwillig die für die Volkslehrer von Herrn v. Mühler beanspruchte geringere Summe auf eine halbe Million erhöhte. Um so mehr darf man hoffen, daß er bei den jetzigen Be- rathnngen sich entgegenkommend beweisen wird. Wir wollen den Grundsatz, daß die Volksschule in erster Linie Gemeindesache sei, keineswegs umstoßen; aber schon die Ungleichheit der Kräfte der Gemeinden, die geringe Leistungsfähigkeit so vieler und die ernsten Er­fahrungen, die wir aus weiten Gebieten Preußens in jüngster Zeit über den Zustand der Volksbildung ge­macht haben, lasten eS schlechterdings nolhweitdig er­scheinen , daß der Staat energischer als je auch mit finanziellen Mitteln zur Hebung der Volksschule ein­greife. Er hat diese Mittel im reichlichsten Maße, und so muß er sie, da er keine bloße Rechtsanstalt ist, sondern siitliche und ideale Culturzweckc verfolgt, auch in reichlichem Maße verwenden.

DerReichsanzeiger" bestätigt den Erlaß deS Kaisers vom 4. September, wonach Aenderungen in der Organisation der Artillerie und eine Verringerung der Linien-Infanterie- und Jäger-Bataillone um je 8 Mann behufs Einhaltung des Friedenspräsenzstandes nunmehr am 1. November provisorisch zur Ausführung gelangen soll.

(SfftH, 14. Sept. Gestern Abend gegen halb 12 Uhr haben wieder große Straßentumulte stattge­funden. Indem eine zwischen mehreren Personen in

zieht, förmlich gestürmt, und ein Platz in den Schau­buden , deren jede im Besitz des größten, schwersten und schönsten Mädchens Europas sich befand auch die Bude der dressirten Raubthiere erfreute sich eine« solchen Exemplars, das zugleich wahrsagte war nur mit Lebensgefahr zu erkämpfen. Bei den Ma­schinenbauern huldigte man Terpstchoren, Bacchus und Amor; aus dem vom klaren Nachthimmel überwölbten Tanzboden schwankten luftig die Paare und da« ichlechte Bier, das am Mittwoch noch zu IV» Sgr. keine Nehmer fand, wurde willig mit 5 und 6 Dütt- chen pro Seidel bezahlt. Wie lange der Jubel dauerte ich weiß es nicht.

VI.

Die Rückreise. -T- -»

Der Sonnabend brach wieder trübe und regnerisch an. Das hmderie jedoch nicht, daß von 7 Uhr ab lange Züge zu Fuß, zu Pferde Und zu Wage» nach dem etwa eine halbe Meile entfernten Sandhof hinaus wallfahrten, wo Kaiser Wilhelm die Parade über die dort zum Manöver zusammengezogene zweite Tivision abhalten wollte. Um 8Vi Uhr erschien der Kaiser zu Wagen, stieg, von den Truppen und vom Publikum lebhaft bewillkommnet, zu Pferde, ritt die Front en ab und ließ sodann die Truppen zweimal vorbeimarschiren. Prinz Karl führte die Artillerie, der KriegSminister v. Roon das 33. Füsilier-Regiment, dessen Ches er ist. Nach beendetem Vorbeimarsch fuhr der Kaiser nach dem Marienihor, wohnte dort der Feier der Grundsteinlegung für das Denkmal bei, das den im l.tzlen Kriege gefallenen Angehörigen deS Marien­burger Kr.iseS errichtet werden soll, und kehrte sodann in'S Schloß zurück, von wo nach einfachem Frühstück die Heimreise angetrelen wurde, - ' -