Einzelbild herunterladen
 

Ularölltg, Sonntag, den 15. September.

Nr. 218

1872

iinb

14.

2147

eti.

st-

Ueber

n.

I

-45

-26

bei

114

er. ilr.

in

:. c.

898 ic für

Der Congreß der Jnternalionale im Haag ist ohne Schlußsitzung zu Ende gegangen. Die öffentliche Sitzung am 7. September war die letzle. Die Mit glicder der Blaqui'schen Partei, meistens der ehemaligen pariser Commune angehörend, wohnten dieser Sitzung nicht bei und reisten sofort nach London ab, obgleich IN der geheimen Sitzung ihr Antrag, der Internatio­nale einen politisch revolutionären Charakter zu geben,

Mitglieder des Schiedsgerichts zur glücklichen Been­digung ihrer Beralhungen statt.

Frankreich hat am 6. September wieder eine halbe Milliarde seiner Kriegsschulden an Deutschland abgetragen. Die Räumung der beiden Departements Marne und Haute Marnd feilens der Occupations truppen, welche am 22 Sept, stattfinden sollte, dürfte sich indesfen noch etwas verzögern, da die neuen Quartiere für diese Truppen noch nicht vollendet sind.

»u- theo ogn ister 2146

ict rügi fser

wenn Sie eS nicht erfahren. Seien Sie aber über­zeugt, daß es Ihretwegen nicht geschah."

Brechen wir ab", sagte die Wittwe,Geschehenes läßt sich nicht ungeschehen machen." '

Wann macht Ihr beide denn endlich Hochzeit?" fragte Ernst, um der Unterhaltung eine andere Wen-

haben ekngesehcn, daß es bester ist, wenn auf dem alten Fuße mit einander bleiben", Buchhalter endlich das Wort,unsere Hei- im Grunde doch eine Thorheit."

Frankreichs schwärmt überhaupt für republikanische Kundgebungen weniger als für clericale. Wallfahrten, Processionen und ähnliche Demonstrationen sind bis in die höchsten Kreise eine Lieblingsbeschäftigung ge­worden ; und dem gegenüber beschäftigt sich das Haupt der Republik im Badeorte Trouville fast ausschließlich mit militärischen Angelegenheiten. Wiedkrholte Con- ferenzen mit den Marschällen Baraguay d'Hilliers und Canrobert fanden zwischen Thiers und dem an­wesenden KriegSminister de Cistey hier statt. Der Handels-Minister hat auf eine Anfrage der Fabrikanten v'ön St. Etienne bekannt gemacht, daß der Vertrag mit Preußen über den Schutz der Fabrikzeichen in Kraft bleibt. In dem vielbesprochenen Processe gegen den Jesuitenpaler Dufour und die Marquise de Ballon zu Brest, wegen unzüchtigen Betragens in einem Eisenbahncoups, sind die Angeklagten freige­sprochen worden, weit der Gerichtshof den Hauptzeugen nicht für genügend und ein Eisenbahnconps nicht als einen öffentlichen Ort anerkennen wollte. Ueber die Kaiser-Zusammenkunft in Berlin haben die franzö­sischen Zeitungen der verflossenen Woche fast alle in Blödsinn sich überboten.

Je unbehaglicher es den Franzosen bei der Ber­liner Zusammenkunft der drei Kaiser zu Muthe war, um so mehr hoffen die Italiener ihre Rechnung bei diesem alle Friedenshoffnungen bestärkenden Ereig- uisse zu finden. Waö Italien bedarf und verlangt, ist Ruhe und ungestörter Besitz seiner gegenwärtigen Errungenschaften zur Befestigung und zum inneren Ausbau des nationalen Einheitsstaates. Die von Frankreich beabsichtigten Befestigungen des Ausgangs des Mont-CeniS-Tunnels werden in Folgefreund­schaftlicher Erörterungen" unterbleiben. Bei den Ge­meindewahlen in Neapel sind doch nur 21 Candidaten der clericalen Partei unter dem Einfluste des Cardinal- Erzbischoss Rianir Sforza durchzubringen gewesen, die übrigen gehören sämmtlich der großen liberalen Partei an.

Politische W-chrn-Urberficht.

Die große Woche, wie die abgelaufene wohl für das deutsche Reich bezeichnet zu werden verdient, hat mit der Abreise der Kaiser ihr Ende erreicht und die Welt, welche mit so großer Spannung dem Er- eigniste entgegcnsah, zieht jetzt das Facit ihrer Com- binationen, zu denen in erster Linie Bismarcks Worte der städtischen Deputation gegenüber den Stoff liefern. Die Thalsache der Zusammenkunft der drei mächtigsten Herrscher des ContinenlS wird überall begriffen wer den als ein den Frieden verbürgender Abschluß der jüngsten großen Ereignisse, welche die politische Ge­stalt Europas umgcändert haben, die erneuerte Aner­kennung des deutschen Reiches und deS einheitlicben Königreichs Italien. Während in Baiern v. Gaffer noch an der Vervollständigung seiner Ministerliste im antireichsfreundlichen Sinne arbeitet, ist in Darmstadt unter der Präsidentschaft des seitherigen Vertreters im Bundesrathe die Ernennung eines Ministeriums voll­zogen, von dem sich der engste Anschluß an das Reich erwarten läßt.

In Wien hat die herzliche Aufnahme Franz Jo sephs in der deutschen Reichshauplstadt in allen deutsch gesinnten Organen den freudigsten Wiederhall gefun den und nur die Czechen und Ultramontanen sind es, die ihre getäuschten Hoffnungen nicht schweigend Unter­drücken können. Im ungarischen Reichstage ver­suchte Ghyczy daS linke Centrum in nähere Berührung mit der Deakpartei zu bringen, mußte aber durch den Widerstand Tisza's den Plan allen lassen.

Das Genfer Schiedsgericht hat am 6. Septbr. seine Berathungcn beendet und hielt am letzten Mon tage noch eine Sitzung, um Einzelheiten und die Schlußredaction vorzunehmen. Am Donnerstag fand in Bern seitens des Bundesraths eine Feier für die

iea

>rik- cne bei

ed.

Dürfte ich reden, ich könnte Ihnen sagen, wes Wb Ihr Vater den Tod gesucht Hal", nahm Heldau bis Wort,aber ich darf nicht und es ist auch besser,

wir beide nahm der rath wäre

Und

wären?" fügte die Wittwe hinzu.Wir bilden ja eine Familie, wozu bedarf es noch eines Hochzeits festes?"

Lasten wir es beim Alten", meinte Heldau,ich hoffe auch ohne jede Cercmonie eine bleibende Stätte hier zu finden, bis sie mich hinaustragen auf den Friedhof."

Ja, daS sollst Du, guter Freund", entgegnete Ernst, indem er dem Buchhalter die Hand reichte, wenn Du uns fehltest, würde in unserm Glück eine Lücke entstehen."

Der eintretenbe Postbote übergab dem jungen Manne einen Brief.Von Toclor Schacht", sagte Ernst, als er einen Blick auf das Siegel gewoichn hatte;erlaubt, baß ich den Brief vorlese, so hören

vung zu geben,Ihr thut so heimlich und verstohlen, als ob Ihr uns mit dem Aufgebot überraschen wolltet!" Die Mutter sah verlegen vor sich hin, Heldau zer­schnitt eifrig eine Brodkruste, um seine Verwirrung zu verbergen.

Wir ' "

------ die bleichen Wangen Mathildens glitt ein tüchtiges Roth.Drei Monate", erwiederte sie,an demselben Tage starb mein Vater. Er stürzte sich in btn Fluß, weil ich ihn verkästen hatte."

haben wir nicht ganz dastelbe Leben, als wenn wir durch die Kirche miteinander verbunden

! ihnen befürwortete Autoritätsprincip durchdrang. Da- . gegen mißfiel ihnen die Verlegung des Gmeralrathes 1 »ach New-York Karl Marx hatte erklärt, sich aus - dem Generalrathe zurückziehcn zu wollen, und ward : auch nicht wiedergewählt. Tie föderalistische Partei hat protestiit; die Föderation vom Jura, welche zu Vakunin hält und gegen Marx und die Autorität des Generalrathes protestirt hatte, ist vom Bunde : ausgeschlossen worden und hält mit der italienischen einen Sondercongreß in Ncufchatel; kurz, der Kon­greß im Haag hat einen sehr wenig glänzenden Aus­gang genommen.

Wie in den Congreßwahlen hat die ministerielle Partei Spaniens auch in den Senatswahlen einen glänzenden Sieg errungen. Gegen 144 radikale Se­natoren hat die gesammte Opposition, Republikaner, sagastinische Conservativc, Alfonsisten und Unentschie­dene, nur 40 Vertreter ins Feld zu stellen. Die Miß­vergnügten reden noch immer von der bevorstehenden Abreise des Königs, den sic wohl zum Lande hinaus- witzeln möchten; aber vorläufig wird noch nicht ge­packt in dem Schloste an der Plaza de Oriente.

England weiß bereits, daß durch daS Erkennt- niß des Genfer Schiedsgerichts, obgleich dastelbe die Schlußprotocolle noch nicht unterzeichnet hat, sein Ueberschuß der laufenden Finanz Periode, ungefähr 3 Millionen Pfund, an Amerika abgeliefert werden muß. Man tröstet sich jedoch mit dem Gedanken, daß Amerika nun dem etwaigen Gelüste, gegen das in irgend einen Krieg verwickelte England Kaperschiffe auslaufen zu lassen, kraft des Washingtoner Vertrages nicht sröhucn darf.

In Dänemark sind jetzt die Wählerversamm­lungen an der Tagesordnung, da bei der bevorstehen­den Erneuerung des VolkethingS die Linke im Bunde mit den Socialisten einen Ansturm vorbereitet. Der Kronprinz hat seinen zweiten Sohn auf den Namen (Karl) des Königs von Schweden taufen lasten. Die Prinzessin von Wales, die dabei zu Pathe gestattden, ist am 10. d. nach England zurückgekehrt.

Der König von Schweden Hal am 12. d. von Aachen, wo er eine mehrwöcheiGiche Kur gebraucht, die Heimreise angetreten und wird am 17. d. in Stock­holm wieder eintreffen.

Der Kaiser von Rußland wird von Berlin über Petersburg sich alsbald in die Krim zu seiner dort weilenden Gemahlin begeben. Dort wird er von Djemil Pascha im Namen des Sultans begrüßt wer- wir alle zu gleicher Zeit die Neuigkeiten, welche er uns mitzutheilen hat."

Mein lieber Freund! Auf Deinen letzten Brief, den ich vor acht Wochen empfing, hätte ich Dir schon längst antworten müssen, aber Du weißt, in Besorgung meiner Privatcorrespondenz bin ich etwas lässig, und dieser Schreibfaulheit magst Du es zuschreiben, daß ich erst heute zur Beantwortung komme. Seitdem hat sich Manches hier zugetragen, was Dich mehr angeht, als Du vielleicht ahnen magst Du entsinnst Dich, daß ich Dir am Tage Deiner Hochzeit sagte, ein Ge- heimniß umschwebe Dich und noch wisse ich nicht, ob ich Dir jenes Geheimniß enthüllen dürfe. Nun wohl, der Augenblick der Entscheidung ist gekommen! Sb wiste beim, daß Dein Vater unb der Vater Deiner Gattin Brüder waren, daß Du nicht der Sohn der­jenigen bist, welche Du bis heute als Deine Mutter ausahest, sondern das Kind Karl Krämers, desselbm ManneS, welcher im vergangenen Frühjahr in der Nähe des DorseS C. ermotoet vorgefunden wurde." Erschüttert ließ Ernst den Brief sinken.

Er sagt die Wahrheit", schaltete die Wittwe ein, ich war Deine Pflegemutter. Als Dein Vater nach Amerika auswanderte, übergab er Dich dem Ackerer Schulz und dieser brachte Dich zu mir."

Der junge Mann hatte rasch seine Fastnng tote» dergesuudm, von dem Arm der Gattin umschlungen, reichte er der alten Frau die Hand.Bist Du auch nicht meine Mutter, ich betrachte Dich noch immer als solche, denn Du hast mit der Liebe einer Mutter mich erzogen." Er nahm den Brief wieder auf. Du wirst nun wissen, daß der Amerikaner Schmelzer,

20Ja, ja, er schrieb, ein unseliges Verhängniß habe dazu getrieben", fuhr Mathilde leise, wie mit sich stlbst redend, fort,aber ich weiß es bester."

Ein böses Gewissen.

1 t , /j Von Ewald August König.

(Schluß statt Fortsetzung.) f,

L . 12.

Ein Vierteljahr war seit jenem Tage verstrichen. Zn einem kleinen reizenden Städtchen Süddeutschlands l»tte Ernst seinen Wohnsitz aufgeschlagen und dort ein Geschäft gegründet.

Ein Heller, freundlicher Herbstmorgen schaute in bas kleine Familienzimmer, in welchem das junge Ehe­paar, Heldau und die Wittwe Heller beim Frühstück saßen.

Heute stnd's schon drei Monate und mir ist noch toimer, als wären wir gestern erst getraut worden", H Ernst an, indem er der Gattin freundlich lächelnd Mickle.

Laß doch endlich einmal von diesem thörichten Gedanken ab, der Dich nur quält und doch jedes Grun- .'58 bez entbehrt", versetzte Ernst halb bittend, halb zürnend, -isLmein Freund hat uuS ja über diesen Punkt vollständig

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesslscheu Leitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22} 2gr., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (erd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), ritt daS Ausland erd. Stempel 22 ®at

Jniernonsgebüh- für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. "

- Oderhessische Zeitung

|52

irr"

So wenig wie der Jahrestag der jetzigen Republik Frankreichs, der 4. Sept., gefeiert werden durfte, soll auch der Jahrestag der ersten Republik, der 22. ..... T..................... 8

Sept., gefeiert werden. Die gegenwärtige Regierung j im Principe angenommen wurde und auch das von