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Bielefeld, 6. Sept. Der Kaufmann Gustav Osterhagen ist vorgestern das Opfer religiösen Fanatismus geworden. Derselbe hatte sich in einem Gartenlocale daselbst erlaubt, über die JnfallibilitLt des Papstes zu spötteln, und wurde dafür auf dem Heimwege von drei Dolchstichen im Rücken meuchlings getroffen. Derselbe hat zwar noch einige Stunden gelebt, ist inzwischen aber seinen Wunden erlegen.
Braunschweig, 9. Sept. Gegenwärtig wird hier die erste Wanderversammtung deutscher Forstmänner abgehalten. Es haben sich aus allen Gauen Deutschlands etwa 150 Fachgenossen zusammengefunden Vorzugsweise sind die Braunschweiger vertreten, dann folgen Baiern, Hessen, Badenser, Rheinländer. Die altpreußischen Provinzen haben ein ganz unbedeutendes Contingent gestelli. Oberforstrath Roth aus Donau-
So dürfen denn die drei Monarchen, welche in diesen Tagen sich Angesichts Europas und unter freu diger Zustimmung ihrer Völker die Hand für den Völkerfrieden gereicht haben, mit hoher Genugthuung au: diese ihre segenverheißende That blicken. (Pr.-C.)
schwebt jedoch noch und bis jetzt ist über die Modalität dieser Zulage keine Entscheidung getroffen; jeden falls wird eine solche erst bei dui gemeinsamen Bera- : thungen der Ministerien über die Budget Vorlage erfolgen. — Fürst Bismarck, welcher wieder nach Varzin zurückkehren wird, hat dringender Geschäfte wegen seine Abreise von Berlin für einige Tage verschoben.
Berlin, 12. Sept. Gestern Vormittags begaben sich Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Joseph und das beiderseitige Gefolge in großer Gala in das Hotel des russischen Botschafters, um den dort residirenoeu Kaiser Alexander zu dessen Namenstage zu beglückwünschen. Der Kaiser von Rußland erwiderte später den Besuch deö Kaisers von Oesterreich mit den drei Großfürsten im Schlosse und erschien wie diese in österreichischer Regimentsunisorm, während die im russischen Hotel erschienenen fürstlichen Personen russische Uniformen trugen. Nachmittags besuchten die Kaiser und die Großfürsten die kunstgewerbliche Ausstellung im Zeughause und die Kunstausstellung in der Akademie. Der Kronprinz geleitete die Herrschaften. Der beabsichtigte Besuch hiesiger Sehenswürdigkeiten durch die Kaiser unter Führung des Oberbürgermeisters mußte wegen Zeitmangels unterbleiben. Die Abreise des Kaisers Franz Joseph erfolgte gestern Abend 8 Uhr per Extrazug vom Görlitzer Bahnhofe aus. Die äußere Fa§ade desselben war brillant erleuchtet, die Königszimmerreich geschmückt; in einem BoSquet von Blumen waren die Büsten Sr. M. des Kaisers und Königs und Sr. kaiserl. Hoheit des Kronprinzen aufgestellt, in der Mitte derselben die des Kaisers von Oesterreich. Es waren zur Verabschiedung auf dem Bahnhof anwesend der Kronprinz, Prinz Karl, Prinz Adalbert, der Generalfeldmarschall Graf Wrangel, die Mitglieder der österreichischen Botschaft mit Graf Carolyi an der Spitze und die noch zu den Manövern verweilenden österreichischen Offiziere, außerdem der mit den Geschäften des Gouvernements betraute General-Lieutenant v. Schwarzkvppen und Polizei-Präsident v. Madai. Wenige Minuten vor 8 Uhr erschienen der Kronprinz von Sachsen, darauf der Kaiser und König und Kaiser Franz Joseph. Beide Monarchen nahmen von einander einen herzlichen Abschied, indem sie sich mehrmals umarmten und küßten. Ein gleich warmer Abschied fand zwischen dem Kaiser Franz Joseph und dem deutschen Kron» Prinzen statt. Darauf verabschiedete sich der Kronprinz von Sachsen, und als der Train unter blau und rothem bengalischem Feuer den Bahnhof hinaus uhr, stellte sich der Kaiser von Oesterreich und Gras Andrassy hinter ihm auf die Treppe des Salonwagens, und unter lebhaften Grüßen des Kaisers und den Hochs der Zuschauer fuhr der Zug aus der Halle hinaus. - Die Abreise des Kaisers von Rußland, gleichzeitig mit der Abreise des Kaisers Wilhelm nach Marienburg ersolgte heute Morgens 7 Uhr vom Ostbahnhofe aus Trotz der frühen Morgenstunde halte sich auch hier ein zahlreiches Publikum versammelt, während die Spitzen der Bahnverwaltung und eine glänzende Kette )ohcr Militärs und Hoschargen die Gäste auf dem Bahnhofe empfing. Nur ganz kurze Zeit verweilten die Herrschaften in dem Empfangssalon und bestiegen dann sofort den bereitstehenden Galawagen, nachdem < die beiden Monarchen sich in kurzer, freundlicher
an den alten Mann war in seinem Herzen erstorben, er ließ ihn gehen, wohin sein Geschick ihn trieb.
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
•• Berit», 12. Septbr. ES bestätigt sich immer mehr, daß der Zweck und das Ergebniß der Drei- Kaisor-Zusammenkunft nur auf moralischem Gebiete zu finden ist. Die persönliche Annäherung der Fürsten und die vertraulichen Besprechungen der politischen Fragen der Jetztzeit und der nächsten Zukunft werden
Literarisches.
Die Dotationsfrage der Pfarreien in Hesse«.
Durch die soeben erschienene Denkschrift des Metropolitans vr. Hoch Hut h, „Tie Dotation der Pfarreien uni die Erhöhung der Einkünfte der evangclifchen Geistlichen im Regierungsbezirk Kassel. Kassel 1872. Verlag von Th. Kay." ist eine für die evangelische Kirche in Hessen brennende Frage zur Sprache gebracht worden. Durch die vielseitig belehrenden geschichtlichen Nachweisungen über die Dotation der Pfarreien und deren Erhöhung unter und nach Landgraf Philipp, welche in Hessen bis in die neuesten Zeiten von Staatswegen erfolgt ist, lassen sich bei dem gegenwärtigen Nothstande, in dem sich so viele Geistliche in Stadt und Land befinden, leicht die nöthigen Folgerungen bezüglich des auch dermalen verpflichteten Theiles ziehe«. Den Landtagen in Baiern, Würtemberg, Baden, Großher- zogthum Hessen, im Königreich Sachsen und in den Sächsischen Herzogthümern sind im Laufe dieses Jahres durchweg Vorlagen über die notdwendige Aufbesserung der Pfarrgehalte aus Staatsmitteln Seitens der resp. Regierungen gemacht worden. Auch für Hessen ist diese Angelegenheit vom hohe« Kultusministerium auf die Tagesordnung gesetzt worden und mit Spannung wird einer baldigen und für die bedrängte« Pfarrer günstigen Erledigung entgegengesehen. Der würdige Verfasser obiger Denkschrift hat durch die einschlagende Herausgabe einem ebenso tief und allgemein gesühten Bedürfnisse entsprochen, als er sich durch die ganz objektiv gehaltene, auf gründlichen Studien beruhende Behandlung ein nicht geringes Verdienst um die evangelische Kirche und deren Diener zunächst in Hessen und weiterhin erworben hat, indem die hier aufgeworfene Frage von allgemeiner, weitgreifender Bedeutung ist. ft
meine Geduld ist zu Ende! Werde ich nicht in dieser Nacht noch frei, verlange ich morgen vor den Untersuchungsrichter geführt zu werden;"
„Ist der Mensch toll?" rief der Rentner entsetzt, „er soll warten, ich muß Zeit dazu haben. Kennen Sie den Inhalt dieses Brieses?"
„Allerdings!" erwiederte der Schließer. „Der Gefangene hat mit mir darüber gesprochen, und wenn Sie wollen, kann die Angelegenheit sosort geordnet werden."
„Wenn ich will? drückt Euch etwas deutlicher aus "
„Der Gefangene wird den Kerker verlassen, so bald Sie uns die Mittel zur Ueberfahrt nach Amerika und außerdem jedem von uns beiden fünftausend Thaler eingehäudigt haben."
„Eure Ansprüche sind sehr bescheiden," versetzte Krämer höhnisch, „mich wunderts, daß es bei dieser Forderung bleibt."
„Der Gefangene sagt mir, Sie würden gerne die Summe hergeben," meinte der Schließer achselzuckend, . „es sei doch immer besser, den zwanzigsten oder dreißigsten Theil seines Vetmögens einbüßen, als den Hals auf den Bock legen zu müssen, deshalb solle ich meine Forderung nur hartnäckig behaupten."
„Behauptet sie so lange Ihr wollt, ich zahle das Geld nicht!" rief der Rentner zornig aufbrauicud. „Glaubt der Hallunke, ich sei eine Eitrone, die er bis auf den letzten Tropfen auspressen könne? Scheert Euch hinaus, scheert Euch zu allen Teufeln und sagt Eurem Kumpan, er solle sich nur nicht der Hoffnung hingeben, daß ich solchen unverschämten Ansprüchen genügen werde!"
ihre Früchte tragen bei Gelegenheiten, die in wichtigen Fragen — was jetzt allerdings nicht zu erwarten ist
„In diesem Falle ist er entschlossen, noch heute Abend den Jnstructionsrichter rufen zu lassen."
Der Rentner würdigte den Schließer keiner Ant wort, er trat in die Nebenstube und warf die Thür hinter sich zu.
„Und gäbe ich auch Alles her, griffe ich auch zum Bettelstäbe, vor Dir fände ich doch keine Ruhe, Du böser Dämon, der mir im Wachen und Träumen das blutige Antlitz des gemordeten Bruders vorhält," murmelte er, „nur Eins kann unö beide trennen, der TodI"
In Fieberhaft, willenlos der Verzweiflung sich überlaffend, nahm der Rentier seine mit Werthpapieren angefüllte Schatulle und setzte sie auf den Tisch. Eine Weile weidete er sich an dem Anblick seiner Schätze, dann warf er die brennende Kerze in die Schatulle und verließ ohne Hut und Rock das Zimmer. Ohne sich umzublicken ging er hinaus. Fürchtete er, der dünne, schwarze Rauch, welcher aus der Schatulle aufstieg, könne ihn bewegen, seinen Entschluß zu ändern? — Vielleicht! Vielleicht auch hatte er ganz mit dem Leben abgeschlossen und hielt es nicht der Mühe werth, noch einmal auf das zu blicken, welchem er entsagte! — .
Er hatte nicht bemerkt, daß in der Thür des Nebenzimmers sein Buchhalter stand und ibn beobachtete. Kaum war er hiuausgegangen, so warf Heldau den Deckel zu, wodurch die Flamme sofort erstickt wurde. Wohin sein Herr ging, kümmerte ihn nicht, wohl ahnte er, daß jener einen Weg verfolgte, auf welchem es keine Rückkehr gab, aber die frühere Anhänglichkeit
Weise von den draußen Harrenden, darunter die Mitglieder der russischen Botschaft, verabschiedet hatten In der Begleitung des Kaisers Wilhelm befände« sich der Kronprinz und Prinz Karl, der russische Kaiser wurde von den Großfürsten geleitet. Den ziemlich langen Train füllte ein zahlreiches Gefolge. — Di! Kaiserin Augusta reist heute Abend mit der Großherzogin von Baden zu mehrtägigem Aufenthalt nach der Wartburg ab, von wo dieselbe zu längerem Ach enthalt nach Baden-Baden geht. — Fürst Eorischakoß reist heute Abend nach Petersburg ab. Die anwese«- den fürstlicheii Gäste sind im Laufe des Tages fas sämmtlich abgereist
Marienburg, 12. Sept. Der Minister dkl Innern, 1 Graf Eulenburg, ist heute Vormittag 9 Uhz hier eingetroffen. Stadt und Schloß sind auf da« Festlichste geschmückt. Die Zahl der Gäste beträgt schon jetzt mindestens 10,000.
Posen, 8. Sept. Wie die „Pos. Ztg." schreib; sind die acht weltlichen Schul-Jnspectoren für bii katholischen Elementarschulen deö RegieruiigSbezirk« Posen nun von der k. Regierung definitiv gewählt worden. Sieben derselben gehören dem Lehrerstand! an; ihre Wohnsitze sind Posen, Samter, Lissa, Ostrom, Krotoschin, Schroda und Schrimm Bei der Wahl dieser Jnspectoren ist die Regierung von dem Grund- satze ausgegangen, daß Sämmtliche die Staatsprüfung für's höhere Schulwesen bezw. die Rectoratsprüfung bestanden haben bezw. bestehen müssen. Zwei bet Erwählten hatten noch keine solche Prüfung abgelegt Von Seiten der Posener Regierung wurde für dies« ein Colloquium anbeiaumt, an welchem sämmtlich! Schulrälhe aus Posen Theil genommen haben.
Breslau, 12. Septbr. In der gestrigen Sitzung der Katholikenversammlung wurden Anträge angenommen, betreffend die Gründung eines Lokalcomites bd Bonifaciusvereins und die Bildung von Standes- uni Familien Einigungen. Die Versammlung nahm baraui eine Reihe von Anträgen des Domherrn Moufanz (Mainz) über die sociale Frage an, welche sich be- ziehen auf die Gründung von Einrichtungen, um bit Arbeiter ber Verarmung zu entziehen, Errichtung vo« Pfanbleihanstalteii und Sparkassen und Bildung vo« Vorschuß- und Consumvereinen auf christlicher Grundlage. Endlich wird die Belheiligiing an dem Raphacl- veieine zum Schutze der Auswanderer dringend empfohlen.
Nach t lheilcn, listen ai lhersassi Umftani reich an Es best stanzöii Mm 22 Näumu Marne - Wu antnepr rcyalist! Präsccti besondei dahinges helfen, i uub die wie das Partei i »vllstänt perjönlii langer > sein Cai * Jn- ui der tebungei
rächten über bestimmte Abmachungen ber Fürsten gegeben, baß es wahrlich nicht erst noch nöthig scheint, dieses Dementi auch auf das Gerücht, daß die Monarchen über dir sociale Frage eingehende Erörterungen gepflogen haben, auszudehnen. Die große Zudringlichkeit, mit welcher dieses Gerücht aber auf tritt, rechtfertigt es, daß ausdrücklich erklärt wird, daß diese Frage nicht Gegenstand besonderer Abmachungen gewesen ist, da schon an und für sich gerade diese Frage zu einer gelegentlichen Besprechung nicht geeignet ist. Der österreichische Sectionschef, Herr v. Hoffmann, mag allerdings in Bezug auf diesen Gegenstand über die Absichten ber preußischen Regierung genauere Informationen eingezogen haben, was auch um so erklärlicher ist, als bie Conferenzen über bie so ciale Frage burch gemeinsame Commissionen Oesterreichs und Deutschlands im October d. I. stattfinden werden. - Dem Bunbesrathe ist die Anwesenheit der deutschen Diplomaten insofern von Nutzen gewesen, als es möglich wurde, eine kurze Sitzung des BundeSrathes abhalten zu können. Wie man hört, soll bie Wicber- aufnahme ber Bundesraths-Sitzungen vor drei Wochen nicht zu erwarten fein, da die Arbeiten nicht so dringlich sind und der Beginn der Reichstags-Session frühestens Februar 1873 zu erwarten ist — Verschiedene Blätter haben Angaben über bie Servis-Zulagen ber Beamten gebracht. Diese Angelegenheit
Aufschwung ber Industrie und des Handels berührend, betonte der Fürst, wie durch die festlichen Ereignisse dieser Tage bas Vertrauen zur bauernden Erhaltung des Friedens- — das ja fast von gleichem Werthe, wie der Friede selbst — gestärkt werden würde- Nach allem Großen, was wir erlebt, würde er nichts dagegen haben, wenn die Weltgeschichte eine Weile stehen zu bleiben schiene- Die hohen Herren, die hier zusammengekommen find, würden mit keiner getäuschten Erwartung scheiden. Keiner sei mit einem Wunsche gekommen, auf den von anderer Seite nicht hätte eingegangen werden können. Keine aggressive Absicht gegen irgend eine Macht, gegen irgend eine Richtung habe die Zusammenkunft hervorgerufen. Was manche Zeitungen in dieser Beziehung vorgebracht, sei als eine Nachwirkung der saueren Gurkenzeit anzusehen. Die freundschaftliche persönliche Begegnung der drei Kaiser werde bei unseren Freunden die Zuversicht an die Erhaltung des Friedens stärken, unseren Gegnern die Schwierigkeit, ihn zu stören, klar machen. Das empfinde auch der Jnstinet der Berliner Bevölkerung sehr gut, und diese Empfindung habe ihren Ausdruck gefunden in der herzlichen Weise, mit der sie die fremden Monarchen empfangen habe und bei jeder Gelegenheit begrüße.