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JRocßlirg, Freitag, den 13 September.

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1872

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„Wohlan, so suchen Sie die Summe zu erhalten, sobald Ernst sich entschlossen hat, in welcher Stadt er Lohnen will, kaufe ich dort ein hübsches Häuschen »r ihn und stelle den Rest des Geldes zu freier Ber­gung, unter der Bedingung, daß er Sie als ersten •«chhalter engagirt."

Berlin, 11. Sept. Kaiser Franz Joseph hat folgende Orden verliehen: Den Fürsten Bismarck und Gortschakoff das Großkreuz des Stephansordens in Brillanten, dem General von Manteuffel und dem Oberstkämmerer Grafen Redern das Großkreuz des SlephansordenS, dem Unterstaatssecretär v. Thile, dem Staatsminister Delbrück und dem Botschafter Grafen Karolyi das Großkrenz des LeopoldordenS, den russi­schen Geheimräthen Jomini und Hamburger daS Groß- krcuz der eisernen Krone, den Geh. Legationsräthen Bucher und Bülow, sowie dem Borschaftsralh Münch daS Comthurkreuz Franz Josephs mit Stern, dem Botschaftssekretär Rosty den eisernen Kronenorden dritter Klasse. Kaiser Wilhelm verlieh den Grafen Andrassy und Karolyi den schwarzen Adlerorden, dem Seclionschef v. Hosmann den Kronenorden erster Klasse und dem Geh. Rath v. Braun den rothen Avlerorden erster Klasse. Der Kaiser von Rußland versieh dem Grafen Andrassy den AndreaSorden und dem Sections- chef v. Hofmann, sowie dem Geh. Rath v. Braun den Annenorden erster Klasse. — Durch eine Depu­tation der Dresdener Stadtbehörden wurde heute dem Fürsten Bismarck der Ehrenbürgerbrief dieser Stadt überreicht. — Graf Andrassy stattete dem Fürsten Bismarck heute Nachmittag nochmals einen längeren Besuch ab. — Am Montag Abend um 8V2 Uhr wurde dem Fürsten Bismarck das Ehrenbürgerdiplom der Stadt Berlin überreicht. Die Deputation bestand seitens des 'Magistrats aus dem Oberbürgermeister Hobrecht, dem Bürgermeister Dunker und dem Stadt-

gegen ihn hervor. Der Fürst dankte sehr freundlich, kani dann auch auf die gegenwärtige Monarchenbegeg­nung und drückte seine Befriedigung darüber aus, daß nach Allem, was er erfahren, die kaiserlichen Gäste sich von der warmen Aufnahme, welche ihnen in Berlin geworden, sehr befriedigt fänden. Die bloße Thatsache der Dreikaiserzusammenkunft werde überall als ein den Frieden verbürgender Abschluß der bisheri­gen großen Ereigniffe angesehen werden, und der all­gemeine Glaube an den Frieden sei ja besonders für die emporblühende Gewerbthätigkeit fast ebenso wichtig, als die Erhaltung des Friedens selbst. Diese Bedeu­tung der Dreikaiserzusammenkunft scheine auch von der Bevölkerung gefühlt und anerkannt zu werden. Der Fürst unterhielr sich hierauf noch in seiner un­gezwungenen Weise mit den Mitgliedern der Depu­tation, die etwa nach einer halben Stunde daS Minister- Hotel wieder verließ. — Gestern Abend um 7 Uhr begab sich dieselbe städtische Deputation, in der nur an Stelle des Stadtraths Noht Dr. Ullman» getreten war, zu dem Gencralfeldmarschall Grafen Moltke. Der Oberbürgermeister Hobrecht erwähnte in seiner Anrede daö glückliche Verhältniß zwischen Armee und Bürgerschaft und die Verdienste, die der General sich in dieser Hinsicht dadurch erworben habe, daß er im Bewußtsein des Volkes die Kenntniß von dem Werthe weiser militärischer Vorbereitung befestigte. Der große Feldherr dankte in seiner einfachen Weise und bezeich­nete ebenfalls als den Schwerpunkt der jetzigen Entrevue die Befestigung des Vertrauens auf den Friede«, worin ja auch mit Recht von der Nation der Werth jenes politischen Ereignisses gefunden werde.

— 11. Sept. DaS gestrige Feldmanöver des Gardecorps war außerordentlich gelungen; die Truppen waren frisch und gingen ausgezeichnet vor. DaS Diner wurde in dem Manöverzelte des Kaisers am Bahnhofe Wustermark eingenommen. Die Rotunde war durch Gobelins, rothsammtne Draperieen und Blattgewächse zum Speisesaal umgewandelt, in welchem die Tafel für die Fürstlichkeiten gedeckt war. In Seitenabtheilungen speiste das Gefolge. Am Abend war musikalische Soirsc im Runden Saale deS Palais, der reizend wie ein Familiensalon arrangirt war. Die Herrschaften waren an runden Tischen gruppirt.

Die Vollmacht, deren der Doctor Schacht bedurfte, um in dieser Angelegenheit eigenmächtig handeln zu können, hatte Erust, ohne zu wissen, worum es sich handele, unterschrieben, und bei dieser Gelegenheit den Namen des Städtchens genannt, in welchem er seinen Wohnsitz z» nehme» beschloß.

Hetdau machte sich jetzt in der Wohnung seines Prinzipals viel zu schaffen; obgleich dieser ihn nicht beschäftigen konnte und zu wiederholten Malen ihm bemerkte, daß seine Anwesenheit ihm lästig sei, wich der alte Mann nicht, entweder er hatte für Mathilde einen Ausgang zu besorgen, oder den Rentner in irgend einer Angelegenheit um Rath zu fragen, kurz, Krämer war, ohne es zu ahnen, so genau und unaus­gesetzt beobachtet, wie der Advokat das nur wünschen konnte.

Aber der Rentner dachte nicht an einen Fluchtver­such, er wußte, daß der Jurist Wort hielt und ihm unverzüglich durch den Telegraphen einen Steckbries nachsindte, noch ehe er die nächste Station erreicht hatte. Sein Plan stand fest; er wollte gleich nach der Hochzeit mit seinem ganzen Vermögen sich aus dem Staube machen und dem jungen Ehepaar das Nachsehen lassen. Seitdem Mathilde sich mit Ernst verlobt hatte, war ihm sein eignes Kind fremd gewor­den , die Liebe zu seinen Schätzen überwog die des Vaters zu seinem einzigen Kinde. Mathilde widmete sich jetzt ja auch nur dem Geliebten, der Vater mußte zurückstehen und die« erhöhte die Bitterkeit im Herzen de« alten Mannes. Ernst war ihm verhaßt, er hatte geschworen, nie die Schwelle seines Kinde« übertreten zu wollen, wenn es jenem Mann folgte, und nun er sah, daß dies geschah, daß mit der Hochzeit das Band zwischen ihm und seiner Tochter reißen mußte, fügte er sich in die Trennung und hielt sich dafür an der Lieb« zu seinem Gelde schadlos.

rath Noht, seitens der Stadtverordneten aus Vorsteher Kochhann, dessen Stellvertreter Halske den Herren Winkelman», ». Meibom, Vollgold Schäffer. Begleitet wurde die Deputation von

. Der zur Hochzeit bestimmte Tag erschien. Ma­thilde hatte den Vater gebeten, ihr eine kleine Summe zur Aussteuer zu bewilligen, er weigerte sich, diese Litte zu erfüllen.

„Richt einen rothen Pfennig*, sagte er; „Du hast gegen meinen Rath Dich dem Bettler an den Hals geworfen, nun steh zu, wie Du in der Bettlerwirthschast fertig wirst.*

Mathilde ahnte, welcher Haß gegen Ernst da- Herz dieses Mannes erfüllte und daß ein dunkle« Geheimniß über dem Vater schwebte, welches sie nicht zu ergründen vermochte. Denn woher konnte jener Haß rühren? Durch welche Mittel hatte der Advokat die Einwilligung des starrköpfigen Mannes erhalten? — Das Mädchen bebte vor jenem Geheimnisse zurück, so gern eck auch einen Blick in das Dunkel geworfen hätte. Die Hartherzigkeit deS Vaters erbitterteste und Vater und Kind wurden durch die Habsucht und den schmutzigen Geiz einander fremd.

Ernst beruhigte seine Braut durch die Mittheilung, er besitze genug, um die Bedürfnisse der kleinen Haus­haltung bestreiten zu können, er sei nicht so mittellos, wie Krämer glaube, und wenn auch Mathilde für die erste Zeit manche Bequemlichkeit entbehren müsse, st> werde sie dafür in dem Gedanken, einen eigenen Herd zu haben, und in seiner Liebe Entschädigung finden. Diese Zusicherung erfüllte daS Mädchen mit neuem Muth, es benutzte einen Theil seiner Ersparnisse, dir sich nahe an tausend Thaler beliefen, zur Anschaffung der Aussteuer und sah dem Hochzeitstage, wenn auch nicht mit der Freude einer glücklichen Braut, so doch ruhig und mit der Hoffnung auf eine glückliche Zu­kunft entgegen.

Auf besonderen Wunsch deS jungen Paare« wurde dasselbe im Gasthofe getraut, der Rentner war al« zugegen, zog sich aber gleich nach der Cere-

Ei» böses Gewiss«».

. .. Von Ewald August König.

l Fortsetzung.)

„Ja, ja, er ist schlau und verwegen*, erwiderte ber Buchhalter leise; „ich habe das schon oft er- fthreu".

„Deßhalb muß man ihn beobachten, hören Sie, scharf beobachten. WaS Sie in dieser Angelegenheit tyun, thun Sie in Ihrem eigenen Interesse.*

Heldau erklärte sich zu Allem bereit.

„Noch Eins", fuhr der Advokat fort, indem er

Deutsches Reich.

•• Berlin, 11. Septbr. Die „Prov.-Corresp." kommt auch heute nochmals auf die Drcikaiser-Zu- sammenkunft zurück und constatirt deren Bedeutung in einer Weise, welche durchaus derjenigen konform ist, welche hier von Anfang, trotz vieler widersprechender Stimmen, vertreten worden ist. Diese Anschauung hat eine gewichtige Bestätigung auch durch die eigenen Worte deS deutschen Reichskanzlers an die Deputation der Stadt Berlin erhalten. Die „Prov.-Corresp." be­merkt ferner in einer Uebersicht über die verflossene Festwoche, daß in den letzten Tagen das Zusammen­sein der drei Kaiser und der übrigen fürstlichen Per­sönlichkeiten mehr und «ehr den Charakter eines ver­traulichen Verkehrs angenommen habe. Augenzeugen berichten, daß nicht nur zwischen den drei Kaisern, sondern besonders auch zwischen Kaiser Alexander und Kaiser Franz Joseph die Beziehungen sich innig und steundschaftlich gestaltet haben. Man hält es in diplo­matischen Kreisen für sehr wahrscheinlich, daß der österreichische Monarch in nächster Zeit in Petersburg einen Besuch machen werde. Heute begehen die fürst­lichen Gäste den Namenstag des Kaisers von Ruß­land. Morgens fand bei demselben eine große Auf­fahrt und Cour statt, an welche sich ein Frühstück schloß, zu welchem auch das diplomatische Corps und die höheren Hosbeamten Einladungen erhalten haben. — Ob Fürst Bismarck den Kaiser nach Marienburg begleiten wird, ist noch heute zweifelhaft, doch lassen die bis jetzt getroffenen Dispositionen daranf schließen, baß der Reichskanzler sofort nach Varzi» zurückkehren wird. Der Gesundheitszustand desselben sst ein solcher, daß er noch einer längeren Erholung bedürfen wird und es ist gegenwärtig noch nicht tinmal gewiß, ob er bereits bei der am 22. Oktober erfolgenden Wiedereröffnung des preußischen Landtages wieder in Berlin sein wird — Wie schon gestern mitgetheilt worden, ist die Ant »ort des Bischofs von Ermland an den Kaiser durch­aus unbefriedigend ausgefallen und dürfte derselbe daher schwerlich in Marienburg bei Sr. Majestät zur Audienz gelassen werten. Eine Rückäußerung de« Monarchen aus das Schreibe« deS Bischof« wird nicht erfolgen, indessen ist Fürst BiSmarck beauftragt worden, dasselbe zu beantworten.

Professor Menzel, der in so sinnvoller Weise Schrift tes Pergamentbrieses mit symbolischen Figuren und reichem Schmuck geziert hat Der Ober-Bürger- meister Hobrecht hielt eine kurze Ansprache, worin er darauf hinmies, wie der Wunsch der Stadt, dem Ehrenbrief eine künstlerische Ausstattung zu geben, die Ueberreichung desselben längere Zeit verzögert habe. Dann sprach der Stadtverordneten-Vorsteher Kochhann und hob in warmen Worten die Verdienste des Fürsten um das Vaterland und den dauernden Dank der Nation

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Erscheint täglich außer den Waktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal der Oberhesflschen Leitung mit KreiSblatt durch die Expedition lKoch's» Buchdruckerer) bezogen U, «gr., durch die Postämter 27 Sgr. 6 Pfg. (erd. Bestellgebühr und ind- Stempelsteuer), für das Ausland erd. Stenwel 22 «ar —

JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoneen-Büreaus nehmen Inserate an- 8 ’

'3 „Ich kenne mehrere, die zu 6 Prorent daS Ge- M sthaft gerne machen würden."

6«en Akt von seinem Schreibtische nahm. „Hier ist M Dokument, welches Sie dem Rentner entrissen, im i- H nächsten Jahre wird Ernst mündig, er kann alsdann Li über das ihm in diesem Akt gesicherte Vermögen von ^dgesähr sechs und dreißigtausend Thalern verfügen. 5<h werde sorgen, daß dieses Vermögen sicher gestellt •kb, glauben Sie, daß ein Kapitalist auf diesen Akt '■■■ iwanzigtausend Thaler vorstrecken wird.

„Keine Bedingung", bat Heldau, sichtlich erfreut, A wird freiwillig mir das Engagement anbieten, *n»n Sie die Güte haben «ollen, ihn auf mich auf» •krksam zu machen."

Er ging unverzüglich zu einem reichen Pfandleiher, - ,, *•• « persönlich kannte, und es gelang ihm, diesen - be« Geschäft zu gewinnen. Der Advokat schrieb •••* •Namen seines Freundes die Quittung und depo

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