Einzelbild herunterladen
 
  

Marburg, Donnerstag, den 12. September.

ti'-'.ulviK

4T

3d JlOtJ

pro

Iha

ich

st!

nrn

Ko--

d

in

r.

erg, rbg, in.

der den »cale lung

Pers.

Thlr.

74L d.

inifc atis 071

13'

84^

Pers- Thlr.

t(

tt

ft

Thlr.

stroz.

1 be- sichc- 2078

urg.

Zu ibetf.

> be mit

gang der Herrschaften durch dieselben. Ende halb 11 Uhr.

— Nach der „Pest" meldeten- wir gestern, Kaiser Franz Joseph und Kaiser Alexander hätten sich Brüder­schaft angeirag n und redeten sich seit dem 7. mit dem

fcfitlnt tialich außer den Werltaaen nach Sonn- und getettogen. Preis für das uuonai oct i «Buchdrucker") bezogen ®gt., durch btt Psstimter 81 »gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr ---------

Jnfertionsgebühe für die gespaltene Zeile 1 6gt. Sümmtleche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

schloffen Vie Herzen sich, wie daS Auge der Taube vor dem giftigen Bliik der SchlanLkl

„Macht er kstrz", sagte der Rentner, als'die Hände und Lippen der jungen Leute einander begeg- fielen, „ich liebe dergleichen sentimentale Scenen nichts ’ Der Verlobungsakt war unterschrieben, der Advokat steckte ihn in dir Tasche. „Das nöthige Aufgebot werde' ich heute noch besorgen", nahm der Letztere das Wort, „wenn die jungen Leute nicht» dagegen einzuwenden finden, kann heute über acht Tage bür Hochzeit gefeiert werden".

Der Rentner würdigte weder seine Lmbkr noch dett Sprechenden eines- Blicks, er stand am Fenster und sah, in seine Gedanken' verloren, hinaus auf die Straße.

„Meinetwegen 1" versetzte ex endlich, indem er stch umwandte, „da der Herr Doctor doch nun einmal die Leitung in die Hand genommen hat, so mag er auch die Vorbereitungen zur Hochzeit besorgen, ich kümmere mich nicht weiter darum, auch werde ich schwerlich bei dieser Feier zugegen sein." — , . , '

Mathilde erjchrack, sie begriff, daß. eine unerklär­liche Gewalt den Vater gezwungen hatte, sein Jaeoodk zu gebe».

„Nach Belieben", fuhr der Advvkak gelaffen fort';1 „da ich inbejj nach der Hochzeit Ihnen wichtige ew* Öffnungen zu machen habe, so »äre «ir Ihre An­wesenheit bei der Feier sehr erwünscht."

„ Eröffnungen ?" fragte Krämer erstaunt'Und bestürzt zugleich, „welcher Art könnten diese seist tz"

„Vielleicht sehr erfreulicher Natur, d'oth entf^uf«

Der Advokat übergab dem Landmann eine Brief- tdfche. „Sie finden in diesem Portefeuille außer den »öthigen Papieren dreihundert Thaler in Banknotm, reisen Sie mit Gott nno schreiben Sie mir unverzüg­lich, sobald Sie elwas GewiffeS erfahren haben. Sollten Sie innerhalb vierzehn Tagen nach Ihrer Ankunft in New - Aork die Vollmacht nicht erhalten, so »erbe ich Ihnen baS Nähere sobald wie möglich unter der Adresse de» ConsulS mittheilnr."

Die btibtn Biedermänner drückten einander die Hände und schieden.

Am nächsten Morgen ging der Advokat in Beglei- lung fimeS Freundes in die Wohnung des Rentners, um von diesem die Erfüllung seines Versprechens zu fordern.

ÄrÄmer empfing den Juristen mit zuvorkommender Freundlichkeit; dem Doctor schien es, al» wolle der Rentner ihn durch diese Liebenswürdigkeit und Höf- lichkeit bestechen, er war doppelt auf seiner Hut.

Grell kontrastirte diese Freundlichkeit mit dem Be­nehmen deS reichen ManneS gegen Ernst. Er behan- betfc diesen mit herablassendem Stolz, mH einer weg werfenden Geringschätzung, welche den jungen Mann verletzen und empören mußte.

„Sie haben nur der Fürsprache bet Herrn Doc- Nre zu verdanken, daß ich Ihnen die Hand meiner Tochter gebe", wandte er sich zu Ernst, nachdem die Perhandlung durch den Advokaten eingeleitet war, »weder Ihre persönlichen Bvrzüge, noch Ihre Ver-

mögensverhältniffe würden mich zu dieser Einwilligung bestimmt haben. Sie bleiben nach wie vor mein Schuldner, denn Mathilde bringt Ihnen keine Mit­gift mit";

Der junge Mann biß sich auf die Lippen, eine solche Sprache hatte er nicht erwartet, wenn er auch wußte, daß Krämer zur Einwilligung in diese Heirath gezwungen worden war. Er wollte heftig auffahren, der Blick deS Freundes beruhigte ihn.

„Das Alles wird sich später finden", nahm Doctor' Schacht das Wort, „ich hoffe, wenn Sie Ihren Schwiegersohn einmal näher kennen lernen

„Ich wechsele mit meinen Ansichten urtb Ent schlüssen nicht wie mit abgetragenen Kleidern",- fiel der Rentner ihm scharf in's Wort; „kümmern wir uns überhaupt nicht um die Zukunft, wir haben es vorläufig noch mit der Gegenwart zu thun". Er erhob sich, öffnete die Thür des Nebenzimmers und bat Mathilde, cinzutreten.

Das Mädchen war durch den Vater aufi die Ver­lobung vorbereitet, es konnte sich die rasche Sinnes änderung desselben nicht erklären und ahnte, daß ein Dritter, vielleicht der Freund Ihre» Geliebten, diese bewerkstelligt hatte.

Die beiden jungen Leute fragten und grübelten nicht, wodurch der Advokat auf den unbeugsamen Willen deS Rentners so plötzlich eingewirkt hatte, sie li. bleit sich, das Ziel ihrer Wünsche war erreicht, waS bedurften sie mehr zu ihrer Glückseligkeit!

Gegenüber der abstoßenden Kälte des altert ManneS wagten sie eS nicht, sich ganz ihrer Freude hinzugcben, vor dem lanerndrn, stechettden Blick Krämer's vcr-

orde

2117

HO t und Beste, n nut Auch ; nach

«in ttfeS Gewissen. - - '

Bon Ewald August KSni^

-u - (Fortsetzung.) r"!

g-

HiM rcmpt ft die 2101

Ir.

. . .. . ; -N-tlNfMtM

deS Staatsministeriums statthaben, ist der aber nur laufende geschäftliche Angelegenheiten erledigt werdest sollen. .

Berlin, 10. September.' Die gestrigen Corps- manöverS zwischen Spandau und Nauen sind glänzend ausgefallen. Die drei Kaiser, die Kafferin, die Frau Prinzessin Carl, sämmtliche sütstlichen Gäste deS Hofes und eine Anzahl von Damen begaben sich früh um 8 Uhr von dem prachtvoll geschmückten Lehrter Bahn Hof auS zum Manöver. Der Kaiser von Oesterreich nahm einen ganz besonderen Aniheil an der Entwicke lung deS militärischen Schauspiel» ttttb folgte unter oer von ihm gewünschten Führung des General-Feld marschaü» Grasen von Motlke den einzelnen Bewe ■gütigen der Truppen. UedrigenS wäre beinahe ein großes Unglück dadurch geschehen, daß die Pferde eines Privatfuhrwerks durchgingen und gerade kn die Suite chineinstürmten, nur durch die Geistesgegenwart utt seres Kaisers, der dir Monarchen veranlaßte, schnell vom Wege abzubiegen, wurde daffelbe verhütet. Die Pferde des Großfürsten Thronfolger und des Groß­herzogs von Mecklenburg erlitten Verletzungen! Die Rückkehr des Hofes und feiner Gäste nach Berlin er­folgte um 2 Uhr Mittags. Am Nachmittage machte ver Kaiser vonOefterreich eine Rundfahrt durch die Stadt und nahm mehrere Sehenswürdigkeiten in Augenschein. — Der Kaiser Alexander brachte gestern Nachmittag gegen 2 Uhr längere Zeit in der russischen Botjchaftscapelle zu, wo er zum Andenken des gestrigen Todestages seine» Oheims, Großfürsten Michael Pawlowitsch, leine Andacht verrichtete. — Heute findet ein Familien bitter von 12 Gedecken im Bctleonsaale des Kaiser­palais statt; zu dem heute Abend im Kaiserpalaiö bevorstehenden Hosrencerte ergingen 350 Einladungen — Nachmittags nm 4 Uhr sand das Diner im Palais von 2ÖÜ Gedecken statt, an welchem die Minister und Botschafter theilnahmen, auch der französische. Der Kaiser Franz Joseph hat sich Vie Minister vorstellen laffetr. Nach dem Diner hatte Graf Andraffy Audienz bei Kaiser Wilhelm eine Stunde lang. Abends 9 üht begann die Cour beim Prinzen Carl. 400 Personen waren gegenwärtig. Musik in den Sälen und Rund-

ifßi vtfin rruwir'i l-i-

w»u.' 077 « —----111-41- ' ■ aniw-rgr—

Deutsches Reich.

.. Berlin, 10. Septbr. Es bestätigt sich, daß »st kaiserlichen Gäste noch morgen in Berlin bleiben »erben; doch ist die beabsichtigte Jagd aufgegeben und wird ver Tag wohl dem persönlichen Verkehr der Fürsten und Staatsmänner überlassen bleiben, so wie »er Besichtigung einzelner Sehenswürdigkeiten. Den Schluß wild Abend» eine der interessanten Paraden der Feuerwehr bilden. Damit wären dann also die Festlichkeiten zu Ende, -die gewiß allseittg einen be friedigenden Eindruck hinterlassen werden. Allerdings wurde der Glanz der Tage auch getrübt, damit selbst hier der Schatten nicht fthle. Einmal durch die Er franfung de» Prinzen Albrecht Vater. Derselbe ist, »le e» heißt, in Folge der Anstrengungen, denen er sich trotz bet Abmahnungen der Aerzte unterzog, von einem neuen Schlaganfall betroffen worden, doch soll sich-sein Zustand bereit» heute wieder ein wenig ge< beffert haben. Dann aber sind die am Abend des Zapfenstreiche» in der Schloßfreiheit verunglückten Menschenleben z« beklagen. Das Bedauern und die velrübniß über diesen traurigen Unfall ist so allgemein »ie möglich. Wenn indessen kritische Stimmen die Schuld auf die Polizer wälzen wollen, so thun sie dieser entschieden Unrecht. Bei dem coloffalen Zusam­menfluß von Menschen fand die polizeiliche Einwir­kung ihre nothwendige Grenze; der Zufall will fein Opfer haben und nimmt e» sich trotz aller Vorstchts maßregeln. Auch ist es nicht wahr, daß die Passage nicht rechtzeitig genug gesperrt sei und durch das plötz­liche Anmarschiren der Musiker alsdann das unselige Gedränge entstauben sei. Die Schloßfreiheit war be­reit« um halb neun vollkommen von Menschen ge­säubert, aber da- Publikum drängte unauthaltsam hinter den königlichen Wagen her und setzte sich wieder in den Besitz derselben. Wer die Sachlage über­

richt hat die „Spen. Ztg." zu bemerken, daß die beiden verwandten Herrscher bereits Jyt Jahrzehnten, soweit sie überhaupt mit einander in Äerührung kamen, von dem vertraulichen „Du" Gebrauch machen.

— Wie die „Spen. Ztg." dem „Evenement^ enb nimmt, ist dem französischen tresorier-payeur, welcher die fällige Rate Kriegsentschädigung im Betrage von 500 Millionen zu Straßburg eitlem Delegirten be» berliner Finanzministeriums auSgrhändigl hat, nuumehr über diese Summe Quittung rttheilt worden. Es be­fanden sich darunter 120 Millionen in baarem Gelbe; von denselben würden am 3. September 4$, am folgen«: den Tage 52 und am 5. September 25 Millionen abgewogen und für richtig befunden; dann wurden die Accepie der überreichten Wechsel verificirt, worauf der deutsche Beamte nach telegraphisch eingeholtem Befehl, lam 6. utti 2 Uhr die Quittung ausgestellt hat. ,Dih iRäurnuNg der Marne und Hauke Marue wird am 22. September beginnen. . H

' — Die „Daubitz'sche Slaalsburger-Zoitung", ubtV

deren Verkauf schon feit längerer Zeit Verhandlungen schwebten, ist Nunmehr definitiv in die Hände de» Herrn General-Consul Sckön in Hamburg und be» Reichstags-Abgeordneten Justizrath Dr. Braun über» gegangen. Den Vermittler machte der frühere Ehes- redaeteur der Zeitung Regierungsrath a. D. Dr. Beut­ner, der auch wieder in die Redaction, emtritt Die Uebernahme erfolgt am 30. d. M Die Umwandlung des Geschäft» in eine Actien-GeseUschast wird vorläufig nicht beabsichtigt.

Potsdam, 10. Sept. Für die Reise des Kaiser» Wilhelm nach Marienburg sind folgende Dispositionen getroffen: Abreise von Perlin am 12. September Morgens 7 Uhr, Ankunft kn Dirschäu um 2’ Uhr 53 Mm. Nachmittags, Abreise von dort nach Hariew- burg mir 4 Uhr, Aufenthalt dasikhst bis 14. Septem­ber Vormittags 11 Uhr,,Ankunft in Bromberg l'/r Uhr Mittags, wo die Grüntsteinlegung der Gewetb- schule erfolgt, Abreise um 3 Uhr nach Kreuz, wo Diner ftattfindet, Abfahrt von da um 6 Uhr und Ankunft in Berlin um 9r/2 Uhr. Von Berlin bis Dirschäu, wo Diner stattfinvet, reisen Kaiser Wilhelm und Kaiser Alexander gemeinschaftlich.

Danzig, 9 Septbr. In Betreff des feit einiger Zeit schon andauernden StrikeS der hiesigen Werft­arbeiter Hal der Oberwerstdirectdr den von der kaiser­lichen Admiralität festgestellten Tarts der Loh sätze für Civilarbeiter auf der hiesigen kaiserlichen Werft durch

sthen kann, gibt zu, vast die getroffenen Anordnungen dem jetzigen Leiter der Pdlizrt alle Ehre machen und es hat sicherlich keinen Zweck, diesen statt deS Zufalls verantwortlich zu machen. — Der Kaiser wird Don­nerstag Morgen nach Marienburg abreifen, wohin sich Graf Eulenburg bereit» morgen Abend begibt. Neuer ding« ist e» wieder wahrscheinlicher geworden, daß auch der Reichskanzler den Monarchen begleitet. Was dm Bischof von Ermland betrifft, so dürste, fall» der Prälat bereit» das letzte Wort gesprochm, Se. Ma­jestät nicht m der Lage fein, denselben zu empfangen „ _ . .

— Morgen wird, wie verlautet, noch eine Sitzung j vertraulichen „Du" an. Zu dieser gemüthlichen Nach-

LOberyessWeMeüunßW

■J . — . —> > — » ——— n <n ifc „8 ii

und Feiertagen. Preis für bas Quartal der OberhrMche« Leitung mit <ret»blatt durch die Skpedition (Koch'schr^ ostimter 81 »gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr^und incl-^Stempelsteuer), iür^daS Ausland excl. Stempel t! 08t.-