pa’s. rllet igi- tdes
Ü
8
D
r - climi , Sä» elma-
t
0.
M.
3 'i
«
s
«
9
A
0
tbr.r i*! ^aft.
[2092
12061 m.
HtdCßlltg, Sonntag, den 8. September.
fr. LLL
L87L.
a
y<-i
0 U! i -•
•.)»
Oberhessische Zeitung
'j Itt
l-vj iU rft 5 i;
.''s> ü'ioü^S . •nnin« isitda
v CJ JJJ !lt'.
♦ '.im
•.“•/di ttnSihfül'.
Otf^ehtt «u8tt teil »Etagen nach Sonn- anb Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhefsischeu Aettung mit «retSblatt durch dis Expedition tKock'kt« Buchdrucker«,) b«»»g«n St, '»ar., durch d,e Postlmter 17 Sgr. 8 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland «xcl. Stempel Rt »a^— Jnsertionsgebühr für btt gespaltene Zeil« f Sgr. Sämmtlichr Annoncen-Bürraus nehmen Inserate an. *
Politische Wocheu-Uebrrficht.
Die- seit Wochm Nach alle« Seiten besprochene Drei - Kaiser - Zusammenkunft in der Hauptstadt des Deutschen Reiches ist nunmehr zur Thatsache geworden, und wird durch eine Reihe der glänzendsten Festlichkeiten gefeiert wtrden. Daß die Begegnung der drei mächtigsten Monarchen Europa« auch einen politischen Charakter trägt, bezeugt die gleichzeitige Anwesenheit ihrer drei vornehmsten Ralhgeber. That- jächlich wird durch dieses Ercigniß das neubegründete deutsche Reich von feinen beiden mächtigsten Nachbarn rückhaltSlo« und gewissermaßen demonstrativ anerkannt. Der Besuch des Kaiser» Franz Joseph bekundet aber auch, daß die trüben Erinnerungen an die letzten Kämpfe gebannt sind, und daS Heil der österreichischen Monarchie fortan wohl in der Bundesgenofsenschafl mit dem deutschen Reiche, nicht aber in der Bekämpfung der Stellung Preußens in demselben zu suchen sei. Kaiser Alexander IL gibt durch seine und deS Thronfolgers Anwesenheit aller Welt zu erkennen, daß seine unvergeßliche Haltung während deS letzten Krieges nur dem festesten politischen Principe entsprang. Ein weiteres Moment dieser hochwichtigen Zusammenkunft ist denn auch die Versöhnung zwischen Rußland und Oesterreich. Endlich bedeutet dieselbe das feste Zusam menstehen der drei mächtigsten Monarchen des Conti nentS gegen die revolutionären Elemente der Gegenwart, gegen die Internationale im schwarzen Gewände und mit der rothen Fahne, wie gegen die Vorkämpfer einer republikanischen Staatsform. Daß der Enkel, der Neffe und der Sohn der drei Monarchen, die einst bei Leipzig siegten, jetzt nach zwei Menschenaltern stch vereint die Hand zum Freundschaftsbunde reichen, wird sicherlich und namentlich auch in Frankreich wohl verstanden werden. —■ In Baiern ist die Ministerkrise noch nicht beendet. Hr. v. Gaffer hat inzwischen seinen Auftrag, ein Ministerium zu bilden, dem Könige zurück gegeben, Hr. v. Pfretzfchüer soll jetzt damit betraut sein. — Auch in Darmstadt hat die Besetzung deS ettedigten Postens eines Ministers dr« Innern zur
Reorganisation des gesammten Ministeriums geführt, LegationSrath Hofmann ist mit der Neubildung betraut worden.
Vor seiner Abreise hat der Kaiser von Oesterreich-Ungarn noch den ungarischen Reichstag in der Ofener Burg mit eintr Thronrede eröffnet. Da Deal, der leitende Geist der Majorität deS Reichs tages, bei der Abfassung der Thronrede von den Ministern zu Rathe gezogen worden' war, so ist es leicht begreiflich, daß die Verlesung des ActenstückeS vom Reichstage mit vielfachem Beisalle begrüßt wurde. Jetzt, da die beiden Häuser in Thätigkeit getreten sind, ist Lonyay auch mit der Ernennung eines neuen Cultusministers an Stelle Pauler's vorgegangen; Tre. fort ist der Erwählte, während Pauler als Ersatz das Justiz-Ministerium erhalten hat. Aus Wien wird mitgclheilt, daß der Zusammentritt der Delegationen nunmehr mit Bestimmtheit auf den 16. September festgestellt ist.
Der Jahrestag des Sturzes des Kaiserreiches und der Proclamirung der Republik von 1870 ist in ganz Frankreich ohne alle Ruhestörung vorübergegangen. Der Präsident der Republik befindet sich noch immer in Trouville, wo er sich vorwiegend mit den Angele genheiten der Armee beschäftigt. Der Finanz-Minister, Herr de Goulard, hat sein Amt wieder angetretcn, welche» interimistisch von Herrn Teisserenc de Bort, dem Ackerbau- und Handels-Minister, verwaltet wor den war. Zu Narbonne haben sich die Angriffe gegen die dort garnisonirenten Chasseurs vom 17. Regiment wiederholt und am 2. September hat ein Volkshaufe einen Soldaten fast zu Tode gesteinigt und andere verwundet. In mehreren Städten dcS Südens von Frankreich herrscht überhaupt eine Mißstimmung gegen das Militär. Der bekannte Pater Hyacinthe oder mit feinem bürgerlichen Namen Herr Charles Loyson hot sich verheirathet und diesen Schritt in einem langen Schreiben an verschiedene Blätter erklärt und gerechtfertigt, dadurch aber in allen clrricalen Kreisen große Entrüstung hcrvorgerusen.
Die großen Feldübungen der ital e n i s ch e n Truppen im Lager von Sonuna sind unter Anwesen- heil des Königs und des Kronprinzen beendigt worden. Im Kriegs-Ministerium ist man eifrig mit der Weiterführung der Umbildung des Heeres, der Befestigung der Küsten und der Verstärkung der Flotte beschäftigt, stößt aber dabei auf vielfache Hindernisse, die in der Abneigung des Publikums gegen den Militärdienst und in der finanziellen Ebbe begründet find. In Neapel haben die Spaltungen unter der liberalen Partei den Sieg bei den Municipalw ihlen den Re- actionären in die Hände gespielt. Das verbürgt auch der neuen Verwaltung weder lange Dauer noch glän- zendd Erfolge, ein großes Unglück für die Gemeinde, deren Haushalt dem Bankerott entgegengeht.
Der Congreß der Internationale hat am 2. Sep- tember im Haag begonnen, doch sind die ersten drei Sitzungen vorbereitende und streng geheim gehalten gewesen. Unter den anwesenden Delegirten befinden sich mehrere Mitglieder der ehemaligen pariser Commune.
Wie große politische Berechtigung der König von Spanien hatte, al- er das Ministerium Sagasta- Robledo und bald darauf auch Serrauo entließ, uw ein Cabinet aus der damaligen Minorität der Landesvertretung zu bilden, haben die eben vollzogenen Con- grcßwahlen sonnenklar bewiesen. Die frühere Minorität hat sich in eine überwältigende Majorität verwandelt, eine Majorität, deren Zahlenstärke bei durchaus unbehindertem und gesetzlichem Verlaufe der Wahlen den Verdacht widerlegt, als verdanke sie nur dem Einflüsse der Regierung ihre Entstehung. Dreihundert Anhänger des Ministeriums stehen einer mehrfach gespaltenen Opposition von 100 gegenüber. .Die Cortes werden um die Mitte dieses Monates zusammentreten. Die Nachrichten über die hauptsächlich in Catalonien noch umherzieherchen Carlistenbanden sind ohne sonderliche Bedeutung.
Seitdem die Ruhe in Irland wieder hergestellt und zur besseren Sicherung des Landfriedens über
tnfl
T ’Ä.
32 82J.
Ei« Festwert.
Hoch in den Lüften bunt schimmernde Führte« Wehm zur Verherrlichung glänzender Feste, Blumen und Kränze, sie schmücken di« Bahn«, 0 Freudig zu grüßen erhabene Gäste.
Gäste des Kaisers und Gäste deS Reiches, ■■■;> ■ ■ Gäste der Deutschen pom Fels bis zum Meer«, • Nimmer erlebte die Welt noch ein gleiches Glänzendes Schauspiel an Würden und Ehre.
Donnernde Grüße aus erz'nen Geschossen, Wirbelnde Trommeln und Helle Fanfaren Künden weittönend: Ein Bund ward geschloffen, Friede und Wohlfahrt-der Völker zu wahren.
Deutschland, zu brüderlich treuem Vereine Mächtig aus ritsigem Kampfe entsproffen, Reicht, daß die Sonne des Glückes ihm scheine. Traulich di« Rechte den Nachbar-Genoffen.
Freiheit und Friede und sittliches Walten, Wiffen und Stteden im herrlichen Reigen, Mögen die Zukunft der Welt sie gestalten, Mögen sie edle Geschlechter erzeugen.
Möge der Neid und der Hader verschwinden, Wahrheit die Hoffnung der Gläubigen werden, M^sedtes Fest es den Völkern verkünden: Tauvtt »em Herrn, es ist Friede auf Erde»'.
böses Gewissen. • -s
Sim Ewald August König. r/! lFortsetzung)
-69
‘-49
-26
Krämer hatte inzwischen die Thür zum Neben- »imer geöffnet und Mathflde gerufen, welche jetzt Wtat.
.Da dieser Mensch behauptet, Du liebest den Agent
Heldau war bestürzt, in einem solchen ParoxiSmus «tte er seinen Herrn noch nicht gesehe» Wußte dieser »u. r »tritt?, daß Ernst fein Neffe war? Daß er den : J “»flen Mann bitter haßte, ging aus seinen Worten deutlich hervor, woher aber rührte dieser Haß? Ernst _43-, Wit Mathilde gerettet, auf seinen Armen, der TodeS- -66£M)t trotzend, trug er sie aus dem brennenden Hause, -36 *®t dafür ihm der Rentner nicht zu großem Dank s-2G ^pflichtet?
Heller, Ihr beide wäret miteinander einverstanden, sage ihm doch, daß seine Behauptung aus der Luft gegriffen, daß sie leeres Geschwätz ist."
Bebend, die Hände vor der Brust gefaltst, stand Mathilde vor dem Vater, ihr Schweigen reizte seinen Zorn.
«Hörst Du nicht!" rief er heftig. „Mädchen, ich will nicht hoffen, daß er wahr geredet hat, daß jener Mensch —"
„Verzeihung, Vater", bat daS Mädchen, „mach mit mir, was Du willst, nur verlange nicht, daß ich ihm entsagen soll! Sein Edelmuth, sein treues, gutes Herz fesselt mich ganz an ihn , vergeben« wäre eS, gegen diese Liebe anzukämpfen — “
«So wollte ich, daß er am Galgen hinge und Du - doch nein", fuhr Krämer sich mühsam fassend fort, ich werde schon Mittel finden, diese Fessel zu zerreißen. Was ist er, waS hat er, dieser Musterreiter?"
„Er rettete Ihr Kind aus den Flammen", wagte Heldau einzuschalten.
Der Rentner war erfreut, einen Ablenker für seinen Zorn gefunden zu haben. „So, so", wandte er sich zu diesem, „und das, glaubt Ihr, gibt ihm ein Recht auf den Besitz meines KindcS und meines Vermögens? O ich begreife, ich fange an, klar zu sehen! Ihr dachtet ein gutes Geschäft zu machen, deshalb übernahmt Ihr die Kupplcrrolle; er glaubte, ich werde ihm meine Tochter nicht verweigern können, wenn er sie aus einem brennenden Hause geholt habe, — die Polizei sucht noch immer den Brandstifter, ich denke ihr jetzt einen Fingerzeig geben zu können. Nehmt Euch in Acht, Eure grauen Haare werden mich nicht zurückhalten.
„Machen Sie Ihre Drohung wahr", fiel Heldau. jetzt dem Rentner ins Wort, „geben Sie diesen Fingerzeig, ich fürchte ihn nicht, seien Sie aber versichert, daß in der nächsten Minute nach meiner Verhaftung dem Jnstruktionsrichter Ihr Verhältniß zu dem ver- hafwten Verbrecher bekannt wird." < !1
, «Was wollt Ihr damit sagen?" fragte Krämer erbleichend.
„Viel und auch wieder nichts, wie Sie wollen, Sic wissen jetzt, daß ich eine Waffe gegen Sie besitze, die Ihnen gefährlich werden kann."
Heldau ging irach diesen Worten hinaus, et hatte bem Rentner gezeigt, daß er ihn vernichten konnte, weiter wollte er es nicht treiben. Auch Mathilde wollte sich entfernen, der Vater gebot ihr, zu bleiben. „Du kennst jenen Menschen schon länger?" fragte er.
«Ja, er war mein JugeNdgcspiele, wir liebten uns damals schon, und diese Liebe wuchs mit uns, sie hak in unser« Herzen feste Wurzel geschlagen."
„Ich werde sieausrrißen", unterbrach Krämer zornig. „Uederhaupt wirst Du bei ruhigem Nachdenken einsehen, daß diese Heirath eine Erniedrigung für Dich sein würde", fuhr er milder fort, „und daß ich unter den obwattenden Umständen meine Einwilligung nicht
„Ich weiß, daß Ernst mich glücklich machen wird, daS überwiegt alle Gegengründe," amroertete Mathilde fest und bestimmt.
„Freilich, Euch ist eS Hauptsache, unter die HaubS zu kommen!" spottete der Rentner. „Du wirst noch heute Abend abreisen."
„Wohin?" fragte Mathilde. ■' . 7
„Noch weiß ich eS nicht und wüßte ichS, Du wirst es nicht eher erfahren, bis Tu am Ziel Deiner Reife bist, ich erwarte Gehorsam."
„Und wenn ich nicht gehorche? Wenn ich dem Worte Gottes folge, welches uns lehrt, Vater und Mutter zu verlassen um deS Mannes willen?"
„Possen!" versetzte der alte Mann achselzuckend/ „Das Gesetz gibt, Gott sei Tank dem Vater die Macht, das unmündige Kind zu züchtigen, wenn eS nicht gehorchen will!'
Mathilde biß die Unterlippe fast blutig, sie besaß ganz daS heftige Temperament deS Vater«, dessen. Worte sie in tiefster Seele verletzten; aber sie bezwauu sich „Eine solche Züchtigung würde daS Band