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stabe aufbieten oder sich zu einem Eingriff in die Re­gelung der Preise und Lohnsätze hergeben wollte. Wenn aber der Staat auf diesen Gebieten nicht durch unmittelbare Hülfe einzutreten berufen ist, so kann er doch die Wege ebnen, die über angemessene Lohnsätze führen können. Ein solcher Weg ist durch die in der Gewerbeordnung gegebene Einrichtung der Schieds­gerichte angebahnt. Denselben ist zunächst nur ein be­grenztes Gebiet gewerblicher Streitigkeiten zugewiesen; sie bilden aber naturgemäß den Ausgangspunkt für sogenannte 0 inigungKmter, die mit Rücksicht auf die Schwankungen der Waaren- und Lcbensmittelpreise auf eine angemessene Regelung der Lohnsätze hin- wirken und überhaupt als vermittelndes Organ zwi­schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern dienen könne»!.

So findet sich in der preußischen und deutschen Gesetzgebung schon der Boden, auf dem fernere Be­strebungen für das Wohl der arbeitenden Klaffen mit einiger Sicherheit fußen und vorschreiten können. Es ist zu hoffen, daß die in Aussicht genommenen Be- rathungen dazu führen »»erben, unter Benutzung der gewonnenen Erfahrungen die schon bewährten Ein­richtungen weiter auszubilden und nach Bedürfniß zu ergänzen. Jedenfalls ist aber bett beabsichtigten Schritten ein günstiger Eindruck gesichert, ba sie ben Beweis liefern, baß bie Staatsbehörben bemüht finb, ihre Fürsorge für bie arbeitende Bevölkerung immer wirk­samer und fruchtbarer zu gestalten.

Gesetzgebung zum vollen Ausdruck gelangt ist, gilt unbestritten die Entfesselung der ErwerbSthätigkeik, weil die letztere nur in freier Kraftentfaltung volle 1 Frucht für beit Einzelnen, wie für das Ganze der

Gesellschaft tragen kann. Wenn bie Staatsbehörben, von richtiger Erkenntniß geleitet, nicht baran benken können, biefen obersten Grunbsatz anzutasten, so leuchtet auch selbstverständlich ein, daß ihre Fürsorge sich nur in Maßregeln offenbaren bars, welche mit den Lebens bebingnngen gewerblicher Freiheit vereinbar ffttb. Es sind deshalb ihre Aufgaben im Wesentlichen darauf beschränkt, aushelfend einzutreten, wo die freie Ver- werthung der Erwerbskraft behindert ober gelähmt wird, bett Mißbrauch bet gewährten Freiheit abzu- wenben nnd endlich durch wohlwollende Unterstützung alle Bestrebungen zu fördern, welche aus dem wirth schaftlichen Leben des Volkes heraus gegen die Uebel- stände der gewerblichen Entwickelung ankämpfen.

Nachdem sich sodann das officiöse Blatt über die Maßnahmen der preußischen Regierung zum Schutze der Arbeitenden Klassen des weiteren verbreitet, heißt es am Schluffe:Freilich haben verblendete Arbeiter massen und ihre Wortführer viel weitergehende For­derungen an die Fürsorge und die Beihülfe des Staates gerichtet. Sie rufen das Einschreiten der Behörden an, nm ihre Ansprüche auf Verkürzung des Arbeitstages und Erhöhung des Arbeitslohnes durchzufechten; sie wünschen, daß die Staatsobrigkeit dahin wirke, ihnen neben ihrem Arbeitslohn auch noch an dem Gewinn der gewerblichen Unternehmungen, für die sie beschäf­tigt sind, einen Antheil zu sichern; sie verlangen end­lich auch, daß der Staat sein Vermögen oder seinen Credit einsctze, um gewerbliche lliiternehmen zu gründen, deren Gewinn den Arbeitern zufallen soll. Solchen Forderungen gegenüber hat der Staat sich grundsätz­lich ablehnend verhalten müssen, weil dieselben über die Grenzen seiner Befugnisse und seiner Aufgaben hinausgehen. ES ist eine von allen sachverständigen und erfahrenen Männern anerkannte Wahrheit, daß -der Staat nur die Privaterwerbsthätigkeit lähmen und alle wirthschaftlichen Verhältnisse in tiefe Zerrüttung stürzen würde, wenn er seine Mttel und seinen Credit für gewerbliche Unternehmungen im großartigen Maß

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Die Arbeiterbewegung,

namentlich aber die in letzter Zeit von social demokra­tischen Agitatoren hervorgerufenen Arbeitseinstellungen scheinen auch bei der Regierung nicht ohne Eindruck geblieben zu sein. Wenigstens beschäftigt sich die neuesteProv.-Corr." in einem längeren Artikel mit diesem Gegenstände und bestätigt zugleich die wieder­holt verbreitete Nachricht, daß bie lertenben Staats­männer Deutschlands und Oesterreich - Ungarns sich bereit- bei Gelegenheit ihrer vorjährigen Besprechungen in dem Wunsche vereinigt haben, die Mittel zur Be- Kmpfmig der soeialen Nebel gemeinsam in Erwägung zu nehmen. In Bezug hierauf heißt es in dem be treffenden Artikel:trotzdem haben mannichfache Er­mittelungen und Erörterungen stattgefunden, welche »eiteren Arbeiten zur nützlichen Vorbereitung dienen und keinen Zweifel darüber lassen, daß die Regie nmgen den ganzen Umfang der ihnen zufallenden Aufgaben in daS Auge gefaßt haben. Es ist nicht bloS davon die Rede, durch wirksame Vorkehrungen volksverderbliche Bestrebungen abzuwehren und nament lich den Einfluß der sogenannten Internationale zu brechen, welche mit allen Mitteln für den gewaltsamen Umsturz jeder staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung lhätig ist, sondern eS handelt sich auch um eingehende Prüfung der Maßregeln, durch welche es den Regie rangen gelingen könnte, zur Ausgleichung wirthschaft- licher Gegensätze und zür Beseitigung drückender Noth stidtde unter ben arbeitenden Klassen beizutragen.

In Erwartung der Ergebnisse, welche durch die beabsichtigten Verhandlungen in Aussicht gestellt wvr- ben, kann man zunächst mit Befriedigung darauf Hin­weisen, daß in Deutschland und namentlich in Preußen schon seit geraumer Zeit bie Arbeiterverhältnisse sich von Seiten der Behörben einer fürsorglichen Aufmerk samkeit zu erfreuen halten, beten wohlthäliget Einfluß vielleicht nur deshalb nicht gebühtenb geschätzt worben ist, weil sie sich mit Besonnenheit innerhalb ber Schranken hielt, bie ben Befugnissen und ber Wirk­samkeit bes Staates auf witthschaftlichem Gebiete Naturgemäß vorgezeichnet finb. AIS leitenbcr Grunb­satz für bie Entwickelung der wirthschaftlichen Zustände, wie derselbe auch in ber preußischen unb beutschen

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Deutsches Reich. ;

* Berlin, 5. Septbr. Bei bem Mouarchen- Congreß ist Baiern nun doch vertreten, unb zwar durch einen seiner Prinzen, den Herzog Max Emanuel zu Baiern. Es ift bekannt, baß berselbe selbst bie Begegnung mit einem einzelnen Fürsten scheut, gewiß also Berlin meiben wirb zu einer Zeit, wo baselbst ein förmlicher Zusammenfluß von Monarchen ftatt« tnbet. Was bie Ministerktisis in Baien» anbelangt, o ist dieselbe noch immer nicht zum Abschluß gelangt und noch immer allen Eventualitäten Thür unb Thor geöffnet. Wie man hört, ist von München aus hier wiederholt versichert worden, daß der Ministerwechsel rein durch innere Verhältnisse bedingt sei und keineS- gedulden,' roenn Sie dadurch das Glück Ihres Pfleae- sohnes begründen könnten?"

leise eine Thräne, sie galt bem Andenken der Ge­schiedenen.

Dee Advokat wollte sich zurückziehen, aber Schulz hatte ihn schon bemerkt; er winkte jenem, zu bleiben: Ein großer, ein entsetzlicher Verlust hat mich be- treffen," sagte er, indem er dem Advokaten bie Hand reichte,aber waö kann es helfen, ob ich mich darum abhärme früher oder spater müssen wir doch einmal fort und deshalb soll man auf solchen Verlust stets gefaßt sein. Aber ich will Sie mit meinen häuslichen Angelegenheiten nicht aufhalten, was bringen Sie mir?"

©ne gute Botschaft," entgegnete Schacht,doch möchte ich Sie bitten, unter vier Augen"

Gottfried, gehe so lange hinaus," wandte der Ackeret sich zu seinem Sohne,aber warte draußen, ich habe Dir noch Manches aufzutrageu. Und jetzt reden Sie; die beste Botschaft, welche Sie mir bringen könnten, wäre die, daß ich meinen Kerker verlassen burtte. Dann könnte ich mein Weib bestatten, an 'hrem Grabe ein Vater-Unser beten unb die wenigen Sage, bie unser Herrgott mir noch schenkt, baut ver wende»», meinen Sohn glücklich zu machen." . t

--3ch bringe Ihnen diese Botschaft," entgegnete der Advokat, Sie fdnnen den Kerker heute noch -ver­lassen, wenn Sie wollen." . . -

Darf ich wirklich?" rief bet «cktrer freudig.O Dank, Dank für diese» Wort, es macht mich auf ewig zu Ihrem Schuldner." Er war aufgesprungen und durchschritt jetzt mit großen Schritten seine Zelle. Plötzlich blieb et vor dem Advokaten stehen der schwei­gend vor sich hinschaute.Sie schweigen?" fragte er. Sie nehmen an meiner Freude nicht Theil?" '

Doch, dm herzlichsten," etwieberte bet Jurist. »Bevor Sie aber die Freiheit, bie ich ihnen biete, an- n^nien, bitte ich Sie, mir eine Frage zu beantworten. Wurden Sie sich noch acht oder vierzehn Tage hier

Der Ackerer sah erstau» t bem Fragenben Slntlifc.Ich das Glück meines PflegesohnS be­gründen? Wie verstehe ich das?"

Wollen Sie heute schon den Kerker verlassen, so kann ich dies nut dadurch ermöglichen, daß ich den Rentner Krämer ,det Mitschuld an der Ermordung feines Bruders zeihe. Sie begreifen, daß Ernst banri nicht mehr bie Tochter Krämers heirathei» kann, er liebt aber Mathilbe, er sucht in ihrer Liebe sein

Deshalb soll ich so lange hier bleiben, bis bie «eiben Hochzeit gemacht haben?" fiel bet Ackerer ihm ins Wort. ' '

--^och weiß ich den Weg nicht, ber die liebenden "US diesem Labyrinth führen soll," führ der Advokat fort,aber verlassen Sie sich auf mich; willigen Sie m meinen Vorschlag ein, so dürfen Sie Überzeugtsein, daß Sie keine Stunde länger schmachten sollen, al» dies unbedingt nöthig ist."

Noch sehe ich nicht ganz klar in dieser Sache," versetzte Schulz, indem er sich auf der Bank nieder- ließ,erklären Sie mir das deutlicher, mein Kops jst durch die lange Hast geschwächt, ich fühle, meine Geisteskraft hat äbgenommen."

Der Advokat berichtete jetzt die Verhaftung des Amerikaners unb ben Inhalt der Unterrebung, welche er kurz vorher mit bemfelbeu gepflogen hatte.

3ch werbe den Rentner zwingen, baß er setzte Tochter bem jungen Manne giebt," schloß er,jst bas geschehen, so machen bie Beiben Hochzeit unb reifen ab, ich enthülle bem JnstructionSrichter bas Geheimniß, welches ben Morb KrämerS umschwebt unb überlasse ben Rentner seinem Schicksal, Sie erhalten anbem- jelben Tage Ihre Freiheit."

Der Ackerer ging eine geraume Welle schweigend

Oterhessische Zeitung

erscheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn, und Feiettagen. Preis für das Quartal der Oberhesslschen geitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker«,) bezogen 2t, tgr., durch die Postämter 27 ®gr. <1 Pfg. (exel. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland erd. Stempel 22 »ar. -

;,niertwasgedühc ftu bie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreauö nehmen Inserate an. H '

JRarÖur«, Sonnabend, den 7. September

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Ei« böses Gewisse«.

Huhn. Wn Ewald August König.

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. .. , (Fortsetzung.) .

Der Advokat erhob sich.Abgemacht, bi» dahin »erben wir die nöthigen Einleitungen zu Eurer Flucht tafien können. Jetzt gebt mir einen ber Briefe Ära Wer», gleichviel welchen."

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Schacht steckte daS Papier in die Tasche, empfahl - Verbrecher nochmals Vorsicht unb entfernte sich, 4Z36 ? ^^ch darauf in die Zelle des Ackerers zu treten' * ttz ber er außer dem Gefangenen noch Gottfried fanb'i y Der alte Mann hatte vor wenigen Augenblicken * Nachricht vom Tode feiner Gattin erhalten, schwer Rb hielten Vater unb Sohn sich umschlungen, unb' die welken gefurchten Wangen bes Ackerers rollte

Der Amerikaner sah bem Advokaten erstaunt ins Tchcht, wieber umspielte jene« höhnische Lächeln seine --Lippen.Glaube« Sie, ich werbe diese Briese aus der Hand geben? So leicht überlistet man mich nicht."

Aber ich bedarf des Briefes, um den Rmtier d Überführen zu können," fuhr Schacht fort.Ihr be- hastet ja immer noch Beweise genug, und könntet ben : Eium Bries wohl entbehren."

Ich weiß nicht, welche Rolle Sie eigentlich in "'Efer Sache spielen," versetzte Schmelzer,zuerst g »ptechen Sie zu. mir im Auftrage des Rentiers und l Wtlan9fn Sie von mir Beweise, um jenen ; »derfuhren zu können, mir klingt das sonderbar, sehr ,d Änderbar Aber Sie sollen ben Brief haben," q " y«zu,wäre eg auch not, um ihnen zu be- ich die Wahrheit sagte." Er trennte d'estn Wortm eine Naht in bem Futter feiner « rtutze offen, nahm aus biefem Versteck einen Brief er bem Advokaten Überreichte.Es ist ber 5 Bries Krämers," versetzte er,ben letzten behalte t" "tz, dieser wirb Ihnen genüg«,."