gezählt und diese können sich naturgemäß mit dem monarchische» Geiste nicht befreunden, von welchem die deutsche Politik beseelt ist. WaS die Clericalen anbctrifft, so würden sie vielleicht für Deutschland gewirkt haben, falls die deutsche Regierung die von de» hierarchischen Gelüsten erwünschten Concessionen sanc- tionirt hätte. Daß die lange Verbindung mit Frankreich den Reichslanden einen gewissen französischen Firniß gegeben hat, ist leicht erklärlich. Aber alle unbefangenen Beobachter constatiren, daß die Bevölkerung im Innersten deutsch geblieben ist. Wenn erst die Eindrücke der jüngsten Vergangenheit verwischt sind und der Einfluß der deutschen Obrigkeit tiefere Wurzeln geschlagen hat, so wird die wahre deutsche Eigenart Elsaß-LothringenS bald wieder zum Vorschein kommen und gewiß gerade dieser Volksstamm nicht der geringste sein an Patriotismus und Hingebung an das deutsche Vaterland.
Berit«, 4. Sept. Kaiser Wilhelm wohnte heute Morgen den Truppenübungen auf dem Kreuzberg bei. — Der französische Botschafter, Marquis de Gon- taut-Biron, trifft heute Abend hier ein. — Prinz Max Emanuel von Baiern fuhr heute Mittags nach Potsdam, um den Kronprinzen, die Kronprinzessin und die übrigen anwesenden Mitglieder der königlichen Familie zu begrüßen. — Fürst Bismarck ist heute Mittag vom Kaiser empfangen worden, vorher machte der Reichskanzler dem Fürsten Gortschakoff einen Besuch. — Das Central-Comite für He west- preußische Säcularfeier erhielt die zufriedenstellendste Mittheilung über das Befinden des Kaisers. Daß derselbe verhindert sein werde, an den Festlichkeiten theilzunehmen, ist nicht mehr zu befürchten. — Der deutsche Botschafter in Petersburg, Prinz Reuß, ist hier eingetroffen; der deutsche Botschafter in Wien, Graf Schweinitz, wird heute Abend erwartet. — Der Großherzog von Baden ist soeben eingetroffen und im kaiserlichen Palais abgestiegen. — Fürst Bismarck empfing gestern Abend noch den baierischen Gesandten beim Papste, Grafen Tauffkirchen. — Aus Wien sind bis jetzt zur Dreikaiser-Zusammenkunft in Berlin nicht weniger als 31 Zeitungsberichterstattcr (Specialcor- rcspondenien) angemeldet.
Frankftrrt, 4. Septbr. Als nächsten Versammlungsort des deutschen JnristentageS nahm die ständige Deputation desselben Berlin in Aussicht. Die Oesterreicher gedenken daselbst in corpore zu erscheinen.
Darmstadt, 4. Sept. Der Minister v. Lindelof und der Geh. Staatsrath Frank sind um ihre Pen- sionirung eingekommen.
Worms, 3. Sept. Den Besuchern der localen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung zu Wornis, welche am 11. September d. I. bei Gelegenheit der Generalversammlung des LandeS-Gewerbevereins und in Gegenwart der Besucher derselben eröffnet wird, können wir die erfreuliche Mittheilung machen, daß der Verwaltungsrath der Hessischen LudwigSbahn in Mainz, sowie die Dircction der Pfälzischen Eisenbahnen in
dann könne ich über die Hundert Louisd'or verfügen. Roch an demselben Tage erfuhren wir, daß Schulz jenes Dvcument besaß. Ich wollte nochmals einen Einbruch versuchen, um mich desselben zu bemächtigen, aber der Rentier rieth mir davon ab. Er meinte, dadurch könne auf ihn der Verdacht fallen, eS sei besser, wir warteten eine günstige Gelegenheit geduldig ab. Ich lernte inzwischen die Tochter Krämers kennen und in meinem Herzen entbrannte eine heftige Neigung zu dem Mädchen, welche mit jedem Tage wuchs. Da faßte ich den Entschluß, das Mädchen mit mir nach Amerika zu nehmen.
„Fürwahr, ein sehr abenteuerlicher Plan!" schaltete der Advokat ein.
„Nicht so abenteuerlich, als eS den Anschein hat. Jene Hütte in der Haide, in der ich verhaftet wurde, war mir bekannt, auf meinen Streifzügen durch die Umgegend hatte ich sie gesunden. Dorthin wollte ich daS Mädchen bringen, das HauS lag einsam, die vergitterten Fenster und die eisenbeschlagene Thür paßten ganz zu meinem Zweck. Daß Mathilde sich sträuben werde, mußte ich voraussetzen, deshalb entwarf ich einen Plan, sie als meine Gefangene nach Bremen zu tranSportiren; einmal dort, fiel eö mir nicht schwer, mich mit ihr einzuschiffen. Ich wußte mir einen Paß zu verschaffen —"
„Ich habe ihn gesehen," fiel der Jurist ihm ins Wort.
„So wiffen Sie das Uebrige. Inzwischen hatte der Bürgermeister Wctterau fich des Documcnts zu bemächtigen gewußt, er forderte für daffelbe die Hand Mathilden« und Krämer sagte zum Scheine zu. Er hoffte, ihn durch List in eine Falle zu locken, eS ge- lang ihm nicht, und jetzt erhielt ich den Auftrag, jenem das Papier zu entreißen'"
„Sie werden wissen," fuhr der Vagabund fort, „auf welchem Wege ich dies ausführte, ich erwürgte
Ludwigshafen mit höchst anerkennenswerther Bereitwilligkeit die Begünstigung eingeräumt haben, daß bei gleichzeitiger Lösung von Ausstellungsbilleten die einfache» Fahrkarten zur freien Rückfahrt berechtigen. Diese Fahrpreisermäßigung einerseits, sowie anderseits der sehr niedrig gestellte Eintrittspreis (12 fr. ä Person), vorzugsweise aber der gute Ruf, dessen sich unsere einheimische Industrie nach Außen erfreut, lasten einen zahlreichen Besuch aus Nah und Fern erwarten.
München, 4. Sept. Es bestätigt sich, daß das Justiz-Portefeuille auch dem Gerichts-Präsidenten Neu mayer angeboten, von diesem jedoch abgelehnt worden ist. Ebenso soll Regierungs-Präsident Zwehl neuerdings Bedenken tragen, das Portefeuille des Ministeriums des Innern zu übernehmen. — lieber die baierische Ministerkrise liegen keine weiteren neuen Nachrichten vor. lieber ihre Entstehung wird noch nachträglich initge- theilt, daß Hr. v. Gasser anfangs mit dem größeren Theil des bisherigen Cabinets zu operiren bestimmt und entschlossen war und deshalb einzelne Mitglieder desselben zu gewinnen suchte, sich indeß in seinen Tendenzen durch die erklärte Solidarität des ganzen Mi nisteriums durchkreuzt fand. In der klerikalen „Deutschen Reichszeitung" wird das Herrn v. Gasser gezollte Zutrauen des Königs, abgesehen von seiner Gunst an dem Stuttgarter Hofe dadurch erklärt, daß derselbe seiner Zeit die Gouvernante deö Königs, Freiin von Redwitz, geheirathet hat. Mittlerweile jagen sich in München die Gerüchte. Zum Kriegsminister an die Stelle des Freiherrn v. Praiickh soll der aus dem letzten Kriege rühmlich bekannte General-Lieutenant v. Mallinger, Commandeur der zweiten baierischen Infanterie-Division, bestimmt sein und unter den Caii- didaten für das Ministerium des Innern nennt man jetzt auch den Reichstagsabgeordneten und zweiten Prä stdenten der Münchener Abgeordnetenkammer Grafen Seinsheim. Wieder andere Nachrichten lassen den König Ludwig einen Beiuch am Stuttgarter Hofe abstatten wollen, was nicht wahrscheinlich, ober die Stellung des mittelparteilichen Cabinetssecretär, Ministerialrathes v. Eisenhart, erschüttert sein, was nicht unwahrscheinlich ist. Bis zur Neubildung des Ministeriums wird man sich wohl noch einige Tage in Geduld zu fassen haben, wenn auch über die Richtung der bevorstehenden Entscheidung kaum mehr ein Zweifel gestattet ist. Bemerkenswerth erscheint übrigens, daß im Gegensätze zu „Volksbote" und „Vaterland" oie „Donauzeituug" sich entschieden zu Gunsten der Combination Gasser ausspricht. Bekanntlich ist dieses Blatt das Organ bet nieberbaierischen Klerikalen und deshalb von größerer politischer Bedeutung als die beiden Münchener Schimpfblätter.
Ludwigshafen, 1. Sept. Heute Nachmittag tagten im Hotel zum „Deutschen Hause" dahier die Tabaks - Fabrikanten Badens, Hessens, WürtembergS und der Pfalz, um einerseits die Verhältniste der Preise beS Rohprobuctes zum Fabrikate, anbererseits bie Arbeiter - unb bie wieberauftauchenbe Steuerfrage den Bürgermeister und fand den Akt, besten Copie ich vorher eingesehen hatte. Ich wußte, baß ich von hier fort mußte, sobalb ich bas Geschäft vollstänbig abgewickelt hatte, unb beschloß beshalb, gleich am nächsten Morgen Machilbe zu entführen unb die Rückreise aiizutreten. Diese Entführung würbe schwer zu bewerkstelligen gewesen sein, wenn im Hause Krämers Alles im (fiten Geleise geblieben wäre, ich mußte etwas Verwirrung hineinbringen. Ich wählte den kürzesten Weg. Bevor ich am Abend bas verließ, schlich ich mich auf ben Speicher, legte an vier Ecken zugleich Feuer an und ließ den Dingen ihren Lauf. Das Feuer mußte ungefähr um Mitternacht ausbrechen, bis dahin brannten bie Kerzen, welche auf einem Haufen Reisig standen, somit konnte mich, der ich um diese Zeit in C. war, ein Verdacht nicht treffen. Alles gelang nach Wunsch. Als ich am Morgen hierher zurückkehrte, lag das Haus in Asche, der Rentner wohnte mit seiner Tochter im Gasthofe. Ich übergab ihm das Documeiit, empfing meine» Lohn unb, wie ich erwartet halte, gleichzeitig bie Weisung, meine Rückreise sofort aiizu treten, unter keiner Bebindung aber ihm mehr vor bie Augen zu kommen.
„Ich wartete bis er ausging unb überrebete dann Mathilde, baß ich von ihrem Vater ben Auftrag habe, stc in die neue Wohnung zu führen. Sie schöpfte keinen Verdacht, ich brachte sie in meine Hütte und dort befindet sie sich wahrscheinlich noch. Jetzt wissen Sie Alles , hoffen Sie indeß nicht, auS diesem Be- kenntniß irgend einen Vortheil ziehen zu können. Ich lege es unter vier Auge» ab, und laugne jedes Wort, wenn Sie daffelbe vor Gericht cititen.
»Seid unbesorgt," erwiederte der Advokat, „ich kam nicht hierher, um Euch zu verderben, sondern um Euch zu retten. Ihr werdet begreifen, wie viel dem Rentner an Eurem Schweigen gelegen sein muß; wollt Ihr die ganze Schuld auf Euch nehmen, weder den
ihrer Berathung zu unterziehen. Auf der im Octob« in Kastel stattfindenden Generalversammlung deutsch« Tabaks-Interessenten dürften vorstehende drei Punkte mit zu den Hauptobjecten der öffentlichen Besprechung gehören?
Ausland.
Ofen, -4. Sept. Die feierliche Eröffnung bei ungarischen Reichstages durch den König hat heute in der Burg statlgcfunben. Die Thronrede bezeichne, als. Aufgabe des Reichstages die Fortsetzung des be- gonnenen inneren Reformwerkes, wozu die Wahrung der Berathungsfreiheit erforderlich sei, zählt zahlreich, alle Zweige der Staatsverwaltung umfassende Gesetz entwürfe auf, welche zur Vorlage gelangen sollen, und erklärt schließlich, daß Ungarn seit dem Schluß 6« letzten Reichslagssession neue Bürgschaften für die Fortdauer unb zunehmende Erstarkung der freund schaftlichen Beziehungen zu den auSwärligeii Staate- erhalten habe.
Klagenfurt, 2. Septbr. Beim Fest-Commers, welchen der deutsch national-liberale Verein zu Ehre, der fünften österreichischen Lehrer-Versammlung gab, begrüßte Obmann Hiebler die Gäste. Er spricht voa der Tendenz deö Vereines, dem Volke die Verfassung klar zu machen, die Feinde derselben zu bekämpfen unb nach dem Beispiele großer deutscher Männer der Wissenschaft und Helden deutsche Freiheit und Unabhängigkeit zu wahren. Er begrüßt bie Lehrer als Mitkämpfer in biesem Streben, unb schließt mit einem Hoch auf bie Lehrerschaft. Rebacteur Pröll rechtfertigt bat nationale Deuischthuin vorn Cutturstanbpunkte. Di< deutsche Loyalität befestige den Staat. In einer Nebenversammlung bes Lehrertages wurde bie Grünbung einer ftänbigen Section für Landwirthschaft beschlossen. Der Obmann berfelben, Christian, betonte, daß die Hebung der Landwirthschaft durch die Volksschule alt nothwendig anerkannt sei.
Haag, 4. Sept. Die heutige Sitzung deö Con- gresses der Internationalen verlief unter stürmische, Debatten über die Frage, ob die Leitung des Cow grestes in centralem ober föderalem Sinne zu handhaben sei, wodurch die Abstimmung über bie Gültigkeit einzelner Mandate beeinflußt werden würde. Die spanischen Delegirten verließen in Folge der stürmische» iscene die Versammlung. Indessen hat die hier tagende Internationale schnell aus den Reihen der eigenen Partei ihre Gegenversammlung erhalten. In Ncuschatel tagt seit vorgestern ein Gegencongreß derjenigen So- cialisten, die sich von dem Vorort London und seinem Haupte Karl Marx loögesagt haben. Bis jetzt umfassen die Secessionisten einen Theil der Socialdemokraten aus der französischen Schweiz und sämmtliche italienische Parteigenossen. An ihrer Spitze steht der bekannte russische Emigrant Bakunin und ihr Princip ist im Gegensätze zu dem Marx'schen „communislische.,' das „collectivistischc" oder „anarchische." Aus der so- cialistischen in die deutsche Sprache übersetzt: die bisherige Verfassung der „Internationalen" ist ihnen zu
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Namen bes Rentners nennen, noch überhaupt bie Mitschuld» eines Genosten burchblickeu zu lassen, so bürst Ihr barauf rechnen, baß Euch Mittel zur Flucht gegeben werben, sobalb bie nölhigen Einleitungen getroffen sind."
„Der Vorschlag ließe sich überlegen," meinte bet Amerifaner, „indeß wer garantirt mir dafür, daß bei Rentner sein Wort hält? Gesetzt, ich stelle mich alben allein Schulbigen hin, bas Gericht verurtheilt mich zum Tobe, wer bürgt mir, daß der Rentner mich von dem Schaffst rettet?
»Könnt Ihr nicht auch am letzten Tage ein Ge- stänbniß ablegen, welches Euren Gen offen ebenfalls unter daS Fallbeil bringt.?“
„Allerdings, aber fann der Schürfe nicht bi« dahin geflohen fein?"
„Freilich! Wenn er nun wirklich fliehen wollt«, würde er Euch diesen Vorschlag durch mich mache»? Auf der einen Seite erwartet Euch das Schaffst, Ihr mögt Euren Genossen in den Prozeß verwickeln, oder nicht, auf der andern Seite winkt Euch die Freiheit, was wählt Ihr?"
„Natürlich das letzte," entgegnete Schmelzer, wenn ich nur eine Garantie hätte, daß man mich nicht schließlich noch überlistet?......r/, ,
»Eine bessere^ chk dt«, welche ich Euch vorhin nannte, weiß ich nicht'zu, schaffen,". versetzte dy. Advokat achselzuckend."!,-, ni
„Wohlan, ich will.ihm vertrauen,", nahm nach einer ziemlich langen Pause der Verbrecher das Wort, der den letzten Strohhalm, an welchen er sich klammern konnte, nicht fahren lasten wollte. „Aber die Bedingung stelle ich, bin ich nicht innerhalb vier Wochen frei, so warte ich nicht länger, bis dahin will ich bie Schuld ganz allein auf mich nehmen."
(Fortsetzung folgt)
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