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Mr. 210* Niarkurg, Freitag, den 6. September. vV^^.

Oterhessische Zeitung.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesstsche« Leitung mit Kreitblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 28} Egr., durch die Postämter 87 ®gt. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 82 ®gt. - Jnsertionsgebühr für die gespalten« Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

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N» Vorabend der Drei-Kaiser-Zusammen- funft.

In freudigster Stimmung feiert die Hauptstadt des Deutschen Reiche- eine Reihe herrlicher Feste. Vor wenigen Tagen traf Kaiser Wilhelm nach längerer Abwesenheit wieder in seiner Residenz ein, und mit be­geistertem Zuruf empfing eine treue Bevölkerung den Monarchen den sie auf allen seinen Wegen mit ihren Segenswünschen geleitet und stets mit herzlichem Willkommen! wieder in ihrer Mitte begrüßt. Wenn überall im Vaterland das Bewußtsein lebendig ist, was die Nation dem mit ManneSgaben und Herrscher lugenden reich auSgestatteten Heldenkaiser zu danken hat, so ist die Bevölkerung der Hauptstadt besonders stolz darauf, in unmittelbaren LiebeS-Aeußerungen der »len Person deS Fürsten nahen zu können, in dem sie gleichzeitig den LandeSvater und das Oberhaupt des Deutschen Reiches ehrt.

Fast unmittelbar auf die Begrüßung deS heim­kehrenden Kaisers folgte die Feier der Erinnerung an dm Sieg und die Uebergabe von Sedan. Der Tag ist überall in Deutschland gefeiert worden, weil der Sinn deS Volkes ein klares Berständniß für die Be- dmtung der Ereignisse hat, die sich am 2. September 1870 vollzogen. ES war ein ungeheuerer, unaus­löschlicher Eindruck, den die Kunde von den damaligen Vorgängen auf daS Gemüth der Nation machte, und dieser Eindruck haftet um so fester in der patriotischen Erinnerung, als seitdem die Früchte gereift sind, die aus den Schlachtfeldern bei Sedan erwuchsen. Freilich schlug die Hoffnung fehl, daß der entscheidende Waffen­gang unmittelbar den Friedensschluß herbeiführen werde; aber die öffentliche Meinung täuschte sich nicht, indem sie durch Sedan den AuSgang und die Erfolge deS Krieges besiegelt sah. Als der Kaiser der Fran zosen und sein großes Heer sich dem deutschen Ober- Feldherrn auf Gnade und Ungnade ergeben mußte, da kam es mit unwiderstehlicher Kraft zum Bewußt­sein der Nation, daß Deutschland als den Lohn solcher Opfer und solcher Siege seine Unabhängigkeit, seine Sicherheit und seine Einheit in Anspruch nehmen dürfe. Der 2. September, so reich an Ruhm, war «och reicher an Verheißungen, die in Erfüllung gegan

Ei« ttseS Eewiffe«.

’ » - Bon Ewald August König.

‘ (Fortsetzung.)

„Er war der Anstifter, ich war sein Werkzeug, das habe ich bereits gesagt, und Sie dürfen dieser Behauptung Glauben schenken. Hören Sie zu. Vor ungefähr drei Jahren erhielt ich von einem gereiften Herrn Curti« in Nereyork dm Auftrag, einen Herrn Karl Krimer, welcher in Newyork ein Geschäft mit Häuten betrieb, zu beobachtm und auszukundschaften, und ob und wann derselbe nach Europa zurückkehren volle."

„Wer war dieser Herr Curtis?" fragte der Ad­vokat.

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„Ein Winkelkonsulent, der nebmbei Wucher trieb, und überhaupt sich mit Allem befaßte, was einen Ge­winn für ihn abwerfen konnte. Ich folgte der erhal­tenen Weisung und unterließ nicht, nebenbei zu er- forschen, wen dies in Europa interesfiren könne. Ein leeres Couvert, welches ich eines Tages im Bureau jmeS Curtis fand, brachte mich auf die Spur. Der Stempel zeigte die Buchstaben I. K., der Poststempel dm Namen dieser Stadt. Ich forsch» nach und er­fuhr, daß ein Bruder Krämers hier wohnte; ohne mich lange zu besinnen, schrieb ich att I. Krämer, cheilte ihm dm Auftrag he« Winkelkonsulenten mit und ersuchte ihn, mir sein SBcrtrauen' zu schenken und sich direkt mit mir in Verbindung zu setzm.

„Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Zakob Krämer schrieb mir, e« liege- ihm sehr diel daran, daß sein Bruder nicht zurückkehrr. Auch wünsche fr zu wissen, ob derselbe ein Dokument des Inhalts besitze, daß er von seinem Bruder eine Summe von jttanjigtaufenb Thalern zu fordern habe, und wenn dem so sei, solle ich mich des Aktes zu bemächtigen suchen. Zum Dritten möchte ich erforschen, wo der f^vhn Karl Krämers sich befinde. Ich errieth aus

gen sind, und deshalb widmet das dankbare deutsche Volk diesem Tage freudig die Ehren eines National- festes.

Auch von dem Glanze der Drei-Kaiser-Zufammen- kunft fällt ein Helles Licht auf das Gedächtniß von Sedan. Zwei Jahre sinv nach den Ereignissen jener Septembertage verflossen. Auch Europa hat sich ein Unheil über die Tragweite und Entwickelung derselben bilden können. Der Blick unbefangener Beobachter wird erkannt haben, daß die Entscheivung bei Sedan einen für Europa heilsamen Umschwung angebahnt hat. Die Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich kommt allen übrigen Ländern des Welttheils zu Gute, weil sie die Uebermacht eines Reiches gebrochen hat, dessen politische Bestrebungen von Herrschsucht und Eroberungslust geleitet waren, während jetzt die deutsche Nation zu einer unabhängi­gen und einflußreichen Stellung gelangt ist und dem Entschlüsse treu bleibt, den Frieden mit ihren Nach­barn zu erhalten und zu fördern.

Der Besuch der beiden kaiserlichen Gäste am deutschen Kaiserhofe hat unverkennbar nicht bloß die Bedeutung eines Austausches von Freundschaftsbe­weisen zwischen den Personen der drei Herrscher; der­selbe gilt vielmehr als ein Unterpfand des guten Ein­vernehmens zwischen Deutschland, Oesterreich und Rußland. Hierin liegt aber ein unzweideutiges Zmg- niß dafür, daß die großen östlichen Nachbarreiche sich mit der neuen Ordnung der Dinge, die aus dem Schlachtfelde von Sedan und den anderen Siegen der veutschen Waffen emporgereachsen ist, ohne Rückhalt befreundet haben und mit Vertrauen auf das neuge­staltete Deutschland blicken. Deshalb wird das Er scheinen der hohen Gäste vom deutschen Volke mit doppelt freudiger Empfindung begrüßt, und überall ist ihnen der ehrenvollste und herzlichste Empfang ge- si chert.

Auch Europa darf mit Vertrauen und Genug- thuung auf die Drei-Kaiser-Begegnung blicken. Die Zu­sammenkunft der Fürsten knüpft zwar an militärische Festlichkeiten an; aber sie ist ausschließlich von fried­lich, n Absichten eingegeben. Ja, selbst die Thatsache daß die Beherrscher Oesterreichs und Rußlands in

diesem Brief den Wunsch des Rentiers und fragte an, ob es nicht am Besten sei, wenn ich den Bruder aus der Welt schaffe. Die Antwort lautete, ich könne thun und lassen waö ich wollte, er befehle mir nichts, wenn ich den gewünschten Zweck erreiche, sei es ihm gleich, welcher Mittel ich mich dazu bediene."

„Besitzt Ihr diesen Brief noch?" fragte der Ad­vokat.

Ein Lächeln des Hohne- glitt flüchtig über die Züge deS Verbrechers.

„Glauben Sie, ich würde mich von diesen Be­weisen trennen ?" erwiederte der Amerikaner. „Sie sind ja die einzigen Waffen gegen meinen Genossen, seien Sie überzeugt, daß ich mich ihrer bedienen werde, sobald der Augenblick gekommen ist. Konnte ich den Mord umgehen, so wollte ich rS thun, deshalb ver­suchte ichs vorerst durch Einbruch. Ich ward ertappt und zu fünfjähriger Gefängnißstrafe verurtheilt, und entsprang. Inzwischen waren zwei Jahre vergangen, wohl wissend, daß meines Bleibens in Amerika nicht war, schiffte ich mich auf dem ersten Dampfboote nach Europa ein."

„Woher nahmt Ihr die Mittel zur Bestreitung der Ueberfahrtskosten?" fragte der Advokat.

„Wir haben immer gute Freunde, ein Bekannter streckte mir die kleine Summe vor. Mein Plan war, hierher zu reifen, mit dem Rentier das Nähere zu ver­abreden, von ihm Vorschuß zu fordern und bann unter falschem Namen nach Amerika zurückzukehren. Aber wie erstaunte ich, als ich auf dem Schifte den­jenigen fand! Er hatte sich gleichzeitig mit mir nach Europa eingeschifft, und jetzt galt es, rasch zu han­deln. Krämer kannte mich nicht mehr, und ich hütete mich, ihm öfter vor die Augen zu tretet!, als nöthig war. In London angekommen, schrieb ich augenblick­lich an dm Rentier und bat um nähere Instruction. Krämer hielt sich einige Tage in London auf, ich be-

freundschastlicher Theilnahme den Uebungm der deutschen Truppen beiwohnen, deutet darauf hin, daß sie in der Militärmacht Deutschlands eine Bürgschaft für den Frieden Enropa's erkennen.

In der That, die Eintracht zwischen Deutschland, Oesterreich und Rußland soll keinem andern Zweck dienen, als der Wahrung friedlicher und geordneter Zustände in Europa: das ist ber Sinn ber Drei- Kaiser Zusammenkunft, ben bie öffentliche Meinung in Deutschland und Europa mit richtigem Berständniß erkannt hat. (Prov.-Cvrresp.)

Dnitsches Reich. ~

** Berlin, 4. Sept. Die größere Ausdehnung, welche die Option in Elsaß-Lothringen angenommen hat, gibt den deutschfeindlichen Blättern wiederum einen willkommenen Anlaß, ihre Schadenfreude zu äußern. Von vornherein muß nun allerdings die In­sinuation zurückgewiesen werden, als habe die Reichs­regierung irgend welche Berechliungen angestellt und sei in diesen getäuscht worden. ES handelte sich für sie einzig darum, bie Verhältnisse in Elsaß-Lothringen so viel wie möglich zu klären. Die heilsamen Folgen der Option werden nicht auSbleiben, und ist eS dabei gleichgültig, ob bie Ziffer ber für Frankreich Opti- renben ein wenig höher ober geringer sich ergibt. Ab­gesehen hiervon^kommt aber noch in Betracht, baß eine große Anzahl ihr Votum für Frankreich in ber Täuschung abgegeben hat, baß es möglich fein werde, sich für Frankreich zu erklären und trotzdem alle Vor­theile des Aufenthalts auf deutschem Gebiete weiter zu genießen. Sobald diese Meinung als Jrrthurn er­kannt sein wird, kann man wohl mit Sicherheit darauf rechnen, daß man vielfach eine Annulirung der ge­troffenen Wahl beantragen wird. Auch darf man nicht übersehen, daß die Option keineswegs überall geradezu eine Sympathie für bie französische Nationalität be­kundet. Zwei extreme Parteien haben die Option«, frage zu den rührigsten und leider, wie der Erfolg zeigt, nicht ohne Wirkung gebliebenen Agitationen ■ gegen die deutsche Reichsregierung benutzt. ES sind das einmal die Demokraten. Die demokratische Partei hat seit jeher in Elsaß-Lothringen viele Anhänger

obachtete ihn unausgesetzt. Einen Brief, den er dem Kellner zur Besorgung übergab, wußte ich an mich zu bringen. In demselben ward Schulz benachrichtigt, daß sein Herr an einem bestimmten Tage Abends ein­zutreffen gedenke. Jetzt wußte ich genug, ich reifte nach Havre und sand dort meine Instruction. Der Rentier war in Verzweiflung, ich müsse mich um jeden Preis des Dokuments bemächtigen und die Rückkehr Krämers verhindern, gleichviel durch welche« Mittel. Hundert LouiSd'or seien mein, wenn ich diesen Auf­trag vollzogen habe. Hundert LouiSd'or sind für un­sereins eine Bagatelle, aber doch immer mitzunehmen, ich reifte augenblicklich nach D. ab und erwartete meinen Mann. An dem bezeichneten Tage traf er ein. Ich hatte bereit« in Havre ein Pistol gekauft, trotzdem ich meinen Revolver bei mir trug. Ich ver­steckte .mich auf dem Wege zu jenem Dorfe hinter einem Strauch. Die Ankunft Krämers war ziemlich spät erfolgt, ich vertraute aber darauf, daß er noch an demselben Abend D. verlassen werde.

„Er kam ungefähr eine Stunde vor Mitternacht, ich streckte ihn durch einen Schuß nieder, beraubte ihn feiner Uhr und Papiere und legte das Pistol neben ihn, um das Gericht auf falsche Fährte zu locken. Da fiel mir ein Messer in die Hand, welches mein Opfer in ber Tasche trug, ich laS aus bem Hefte ben Namen „Konrad Schulz." Fand man diese« neben der Leiche, so wußte der Verdacht auf jenen Mann fallen, dessen Name das Messer trug. Ich legte es neben den Tobten auf ben Rasen und entfernte mich. Am nächsten Morgen stattete ich bem Rentier einen Besuch ab. Er erschrack über meinen Bericht, faßte sich aber bald, als ich hiuzufügte, welche Vorsichts­maßregeln ich getroffen hatte. Unter ben Papieren fand ich bas Document nicht, und ber Rentier nahm dies als Vorwanb, mir ben versprochenen Lohn vor­zuenthalten. Erst müsse ich das Dokument schaffen,