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der hiesige die geringste Besoldung in Preußen. Wie man erfährt, soll demselben in Kürze eine belrächtliche Gehaltserhöhung zuerkannt werden. (F. I.)

Darmstadt, 3. Sept. Das neue Wahlgesetz ent­hält folgende Hauplbestimmungen. Die Wahl eines Abgeordneten geschieht durch Wahlmänner. Zur Wahl der Wahlmänner ist jeder Staatsbürger berechtigt, welcher das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, ein solcher ist auch zum Abgeordneten wählbar. Zum Wahlmann berechtigt eine Jahressteuer von 40 Gulden. Die zweite Kammer zählt 50 Abgeordnete: 3 vom Groß­grundbesitz, 3 von den 40 Höchstbesteuerten, 10 von den Städten, 34 von den Landbczirken. Zur Gültig­keit der Wahl gehört nicht, wie früher, die absolute, sondern die Zweidrittel-Majorität. DieDarmst. Ztg." meldet amtlich, daß der Großherzog den Geh. Rath und Mitglied des Bundesrathes Hofmann mit Vorschlägen zur Neubildung eines Ministeriums be­auftragt hat. Derselbe wird sich zunächst für einige Tage nach Berlin begeben, um während der Kaiser- Zusammenkunft dort zu sein. Nach dieser Frist soll die Neubildung des Ministeriums unverzüglich ins Werk gesetzt werden.

AuS dem Elsaß, 30. Nug., wird neuerdings gemeldet, daß der Herzog von Coburg doch, trotz seinerzeitiger Abläugnung, Jagdgründe im neuen Reichs lande zu gewinnen im Begriff sei. Er habe der Pachtung des Jachtrechts in dem zwischen Schlettstadt und dem Rheine gelegenenJllwalde" in öffentlichem Ausstrich auf 9 Jahre erstanden. Des betreffende Terrain hat nach derN. B. 8." einen Flächeninhalt von 1675 Hertaren und ist Eigenthum der Stadtgcmeinde, welche dieses Jagdrecht bisher zu dem Jahrespachtschillung von 750 Franken an eine Gesellschaft hiesiger Jagd- freunde verpachtet hatte. Die letzteren hofften für-die nächsten 9 Jahre nicht minder leichten Kaufes aus dem Handel zu kommen und ließen sich keine An­strengung reuen, doch trug der Vertreter des Herzogs von Coburg mit dem Pachtschillingsgebote von jährlich 4055 Franken den Sieg davon.

Ausland.

Bern, 3. Sept. Eine gestern zu Olten abge haltene Conferenz von Regierungs - Vertretern der Cantone Solothurn, Waadt, Bern, Aargau, Zürich, Thurgau und Schaffhausen behufs Verständigung über die ihre Interessen in gleicher Weise berührenden Eiscubahnvcrhältniffe blieb resultatlos. Eine zweite Conferenz ist anberaumt.

Basel, 2. Sept. In einer hier stattgehabten Volksversammlung wurde beschloffen, eine Massen­petition behufs Herstellung von Arbeilerwohnungen auf Staatskosten an die Regierung zu richten.

Paris, 2. Sept. Gontaut Biron hat, wenn man derPatrie" glauben darf, die genauesten Instruc­tionen für die Dreikaiser-Zusammenkunft in Berlin erhalten und soll Alles aufbieten, um dem Einflüsse Frankreichs bei dieser Gelegenheit allen möglichen Eingang zu verschaffen. DerTempS" veröffent-

Arbeit fortgesetzt, ohne indeß ihren Zweck zu erreichen. Zwar sei es thr gelungen, ein Loch in die Mauer zu brechen, und sie würde wahrscheinlich trotz ihrer Ermüdung die Flucht ermöglicht haben, wenn der Amerikaner nur eine Stunde länger auSgeblieben wäre. Er habe sie bei der Arbeit überrascht und, um sie an der Fortsetzung zu hindern, sie sofort gefesselt. Eine Viertelstunde später sei er wieder auf den Speicher gekommen, um sie zu knebeln. Die Ursache habe sie bald darauf crrathen, die Stimmen unten im Hause und der Schuß mußten ihr ja ein Zeichen sein, d -ß die Retter nahe waren. Aber als diese sich entfernten, als es unten wieder still wurde, als ihr die schreck­liche Gewißheit klar ward, daß sie jetzt allein sich in dem Hause befand, und vielleicht Niemand daran dachte, sie hier zu suchen, fiel sie nach langen, vergeb­lichen Anstrengungen, sich von ihren Fesseln zu be­freien, in Ohnmacht.

Sie war zu schwach, zu Fuß den Weg zur Stadt zurückzulegen; Gottfried erbot sich, einen Wagen zu holen, während der Rentier und Ernst bei dem Mädchen zurückblieben. e

9.

Am Morgen nach jener Nacht trat der Advokat in die Zellt des Verbrechers, um mit diesem, bevor er vor den Jnstructionsrichter geführt wurde, über Manches Rücksprache zu nehmen. In der Hauptsache bewog ihn zu diesem Schritte die Freundschaft zu Ernst, deffen Liebe zu Mathilde er kannte. Wurde der Vater des Mädchens in den Prozeß verwickelt, saß er auf der Verbrecherbank, des Brudermordes be­schuldigt, so mußte Ernst seiner Liebe und gleichzeitig seinem Glücke entsagen, er durfte nicht die Tochter des Mannes heimführen, an dessen Händen das Blut seines Vaters klebte. Ein Anderes aber war, wenn die Schuld Krämers nach der Hochzeit ruchbar wurde, vielleicht war der Rentier dann drüben in Amerika

licht eine Zuschrift des Paters Hyacinthe, welcher darin seine bevorstehende Verheirathung anzeigt und die Lehre von dem Zwangscölibat der Geistlichkeit be­kämpft. Heute Abend begann hier ein katholischer Congreß, welcher über die Unterrichtsfrage berathen soll. Derselbe wird bis nächsten Sonntag dauern, aber nicht öffentlich sein. Nur die Vertreter der Bischöfe, die Vorsteher der katholischen Erziehungsanstalten und die Mitglieder der katholischen Erziehungs - Gesell­schaften nehmen Theil daran. Bekanntlich ist die 7pfündige Kanone für die sranzösische Armee ange nommen worden. Da cs deren über 200 Batterien gibt, so wird man wohl die nvlhwendige Anzahl von Geschützen haben. Mit der Jnspection der vorräthigen Geschütze ist der Oberst Reffye beauftragt worden. Derselbe soll nachsehen, ob sie sich alle in dem ge wollten Zustande befinden. Ein Theil derselben muß jedenfalls umgeändert werden. Die Verleger von Almanachs für 1873 sind benachrichtigt worden, daß nur solche den Colportagc-Stempel erhalten werden, welche weder etwas über die Commune und die Prussiens", noch Portraits von dem Kaiser Wilhelm, dem General v. Moltke, dem Ex-Empereur, dem Grafen v. Chambord und den Orleans enthalte».

Rom, 3. Sept. DieOpinione", die Kaiser Zusammenkunft besprechend, erklärt, daß keinerlei Cir- cularschrciben, weder gemeinschaftliches noch gesondertes, von den Cabinetten von Wien, Berlin und Peters­burg versendet sei, wohl aber seien halbamtliche münd­liche Erklärungen, und zwar der beruhigendsten Art, ertheilt. Der frühere Deputirte Ricciardi äußert einige sehr vernünftige Worte über das allgemeine Stimmrecht, für welches einige radicale Schwärmer agitire» und nächstens eine große Volksversammlung im Colosseum abhalten wollen. Der alte, durch seinen exaltirten Radicalismus berühmte Revolutionär sagt nämlich in einem so eben veröffentlichten Bericht: »Ich habe lange Jahre jenseits der Alpen gelebt und in Frankreich Erfahrungen über das allgemeine Stimm­recht gesammelt, und ich erinnere mich seiner traurigen Folgen für Frankreich lebendig; wie das allgemeine Stimmrecht Napoleon auf den Prästdentenstuhl er hob, das ungeheuere Verbrechen vom 2. December sanctionirte, das zweite Kaiserreich proclamirte und in der Folge eine dem Kaiser stets ergebene Majorität in die Kammer cinführte. Ich bin überzeugt, daß die Einführung des allgemeinen Stimmrechts in Italien gleich traurige Folgen haben wird. Das allgemeine Stimmrecht ist das Ucbcrgewicht der unwissenden Menge über den gebildeten und intetigenten Theil des Volkes. Wenn man aber dennoch einsührcn will, so muß es wenigstens indirect sein, wie wir es, wenn auch nur kurze Zeit, in Frankreich in der Constitu­tion von 1791 finden. Wollt Ihr wissen, was ge­schehen wird, wenn das allgemeine, direkte Stimm­recht in Italien eingeführt wird? Wir werden die Pfarrer des ganzen Königreichs, gefolgt von den Cle- ricalen in großen Processioiwn, an die Wahlurnen

und der Ann des Gesetzes konnte ihn nicht mehr er­reichen.

Schmelzer empfing den Advokaten mit einem Lächeln, welches deutlich verrieth, daß er die Absicht des Juristen kannte und geneigt war, dieselbe zu ver­eiteln.

Ihr seid ein verlorener Mann, das müßt Ihr selbst einsehen", nahm der Advokat das Wort,nicht nut der Ermordung des Bürgermeisters Wetterau, der Brandstiftung und der gewaltsamen Entführung eines Mädchens angeklagt, steht Ihr außerdem auch noch im Verdacht, Euern Landsmann Karl Krämer ermordet zu haben."

Wer sagt das?" fuhr der Gefangene trotzig auf Wo sind die Beweise, die mich dieses Verbrechens üb er führen?"

Der Advokat zog einen Knopf aus der Tasche und hielt ihn dem Fragenden vor die Augen.Kennt Ihr den?" erwiederte er.Dieser Knopf ward am Orte des Verbrechens gefunden. und ich müßte sehr irren, wenn nicht an Eurer Weste dieselben Knöpfe sich be fänden."

Der Verbrecher knöpfte rasch seinen Rock zu. Und wenn dem also wäre", entgegnete er,ist das der Beweis, daß der Knopf an meiner Weste gesessen hat? Wo der gemacht worden ist, sind mehr als ein Dutzend von dieser Sorte angefertigt worden, des­halb"

Deshalb forscht man, wo dieser fehlt, und das ift gerade an Eurer Weste der Fall," unterbrach ber Advokat ihn ruhig.Streiten wir indeß nicht über diesen Punkt, ob nun ein Mord mehr ober weniger hinzukommt, die Verbrechen, deren Ihr angeklagt seid, genügen, Euren Hals unter das Fallbeil zu bringen. Eins aber kann Euch retten."

Und das wäre?" fragte Schmelzer.

Vor allen Dingen ein offenes Geständniß mir

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(Fortsetzung folgt.)

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gegenüber, damit ich weiß, welche Maßregeln ich t greifen muß, um Eure Rettung zu bewerkstellige«.

Pah, so schlimm stehts mit mir doch nichts« ich trage die geringste Schuld, die Hauptschuld tri meinen Genossen, er hat mich als Werkzeug gebraut ich handelte nur nach seinem Befehle."

Es interessirt mich gerade, zu erfahren, wie fef Euer Genosse betheiligt ist, versetzte der Advokat.A habt nicht nöthig, vor mir hinter dem Berge zu halte« daß ich Euch nicht unter das Beil bringen wi könnt Ihr schon daraus entnehmen, daß ich n» Niemanden meinen Verdacht in Bezug auf die @ mordung Krämers mitgetheilt habe. Also redet."

Schmelzer sah eine geraume Weile schweige« s fo'b vor sich hin. Er bezweifelte nicht, daß der «beet mehr wußte, als bem Verbrecher lieb war; vertrat er ihm, so konnte jener seine Mittheilung als Was gegen ihn gebrauchen. Wer bürgte ihm dafür, N ber Jurist nicht im Auftrage bes UnlersuchungSrii ters kam, um ben Gefangenen in eine Falle zu locke« - Aber er war allein mit ihm, kein Zeuge befanb st in der Nähe, er konnte also später immer wieber b« abläugnen, was er jetzt biesem Manne unter W Augen anoertraute. Auch hatte ber Advokat gcsag er wolle ihn retten und dies beutete darauf hin, d« er im Auftrage des Rentiers kam. Mußte er für fei Verbrechen büßen, bann sollte fein Genosse bie Sir«! theilen, konnte er aber, gleichviel durch welches Mit^ sich aus bem Kerker befreien, so wollte er auf bi Rache verzichten.

Weshalb verlangen Sie ein offenes Geständniß? hob er nach einer Pause an.Sie behaupten ja, meine Verbreche:, genau zu kennen"

Allerdings!" fiel Schacht ihm ins Wort, weiß ich nicht, wie weit Krämer in dieselben oe4 wickelt ist."

ziehen und für die Kandidaten stimmen sehen, t ihnen von dem Vatican vorgcfchriebett sind."

Madrid, 31. Aug. Die spanischen BischSs welche sich zum größten Theile in fast offener A« lchnung gegen die Regierung des Königs Amadq befinden, nehmen in ihren Verhandlungen mit den 8 Hörden kein Blatt vor den Mund und halten svh Rücksicht nicht für nothwendig, welche manche ih, Amtsbrüder in anderen Ländern sich aus Klugh auferlegen. Der Bischof von Tortosa ist neiierbii mit dem Justiz-Minister Montero Rios in Hader rachen, weil dieser vier Geistliche ber Diöcese Tort wegen Verbindung mit den Carlisten verfolgen las will. Der Bischof erklärt die Anklage für falsch « setzt kältblütig hinzu:Es tonnten sich jedoch Foti rungen, wie sie ia der königlichen Verfügung oi 14. August enthalten find, wiederholen, und da m ich denn mit ber achtungsvollen Erklärung znv, kommen, baß ich mich auf dieselben nicht einlafj kann. Ich habe die bischöfliche Gewalt ohne sie verdienen, aber auch ohne sie zu suchen, nicht von \: Menschen, sondern von Jesus Christus durch sei« Statthalter, den souverainen Papst, erhalten; und steht mir nicht frei, sie anders auszuüben, als im (8 horsatn gegen ihn, im Einklänge mit dem heilig Cancues, unabhängig von jeder anderen Autorität i der der Kirche und ohne fremde Einmischung! welche, wenn sie auch immer gehässig waren, doch dem jetzigen Stande der religiösen Dinge in Spani fast unbegreiflich sind."

London, 3. Sept. DieTimes" führt injihn heutigen City-Artikel aus, daß, nachdem Franke« von ber Kriegskosten-Entschädigung bereits eine Hal: Milliarde in Tratten auf Deutschland remittirt hat es wahrscheinlich sei, daß ber Lonboner Geldm« wesentlich bavon berührt werde. Dasselbe Bl« bringt Depeschen aus Madrid, wonach der spach Finanzminister Ruiz Gomez den Cortes alsbald m ihrem Zusammentritt mehrere Vorlagen, betreff« wirksame und practische Maßregeln zur Deckung d Deficits und Vermehrung ber Einnahmen, zu mach beabsichtige.Daily Telegraph" bringt ein Ti gramm aus Wafsanah, wonach ber König von Abys nicn durch ein Ultimatum an bie egyptische Regier«! die Räumung des Landes ber Bogos Seitens t egyptischen Truppen geforbert habe. Aegypten h- bies verweigert unb werde seine Truppen noch weil vorbringen lassen. Verschiedene abysstnische Häuf linge haben sich bereits Aegypten unterworfen. Ein Telegramm aus Newyork melbet, baß bie $ Wallungen ber Eriebahn, ber Newyorker Centralbas unb ber pennsylvanischen Centralbahn eine Taris« Höhung von 33 Procent unter einander bereinba haben.

Plymouth, 3. Sept. Der DampferBonib bringt Nachrichten aus Rio be Janeiro vom 3. Au wonach ber argentinische Gesanble Mitre noch fern dort verweilt unb eine friedliche Lösung ber Dist