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Ur. 2VS. Marburg, Donnerstag, den 5. September. 1872.
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und das Pistol in die Rechte nahm, „hat jener Schurke wirklich Mathilde entführt, so kann er fie nur in diese Hütte gebracht haben".
Die Vermuthung des jungen Mannes erwies sich als begründet, das Erste, worauf sein Blick fiel, als er die Treppe erstiegen hatte, war Mathilde, welche »n Händen und Füßen gefesselt und dazu geknebelt
— Das Augustheft deS „Centralblattes für die gesummte Unterrichtsverwaltung" enthält eine Übersicht der etatsmäßigen Ausgaben für das preußische Unterrichtswesen. Dieselben stellen sich für 1872 im Ordiiiarium auf 4,116,363, im Extraordinarium 1,979,400 Thaler. Mit Einschluß der für CultuS und Unterricht gemeinsamen Ausgaben beläuft sich der Etat auf rund 7 Millionen. Die Statistik deS Schulbesuchs während des Sommersemesters 1871 ergibt für die Gymnasien 53,004, für die Realschulen 21,581 Schüler. — Die gedachte Zeitschrift enthält auch den Wortlaut des früher erwähnten ministeriellen Erlasses, in welchem den Lehrern die Betheiligung an Auswan derungsgeschäften untersagt wird. Derselbe lautet: Berlin, den 7. August 1872. Es ist amtlich ermittelt und festgestellt worden, daß an verschiedenen Orten des Inlandes durch Auswanderungs-Unternehmer der Versuch gemacht worden ist, Elementarlehrer zur heim lichen Beförderung der Auswanderung unter Zusicherung von namhaften Prämien zu verleiten. Da die Vermuthung nahe liegt, daß ein planmäßiges Hinein ziehen der Lehrer in diese verwerfliche Agitation statt findet, so veranlasse ich die königliche Regierung re., dm Lehrern Ihres AufsichlSkreises die Uebernahme von Agenturen in Auswanderungs-Angelegenheiten, sowie die Betheiligung an derartigen Geschäften zu untersagen. Der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten In Vertretung: Dr. Achenbach.
— Der Redakteur der „Germania", Majunke, wurde gestern wegen des in seinem Blatte vom 5. Juni enthaltenen Leitartikels, desien Inhalt gegen daS Reich oder die Reichsregierung gerichtet war, zu 100 Thlr. Geldbuße oder einen Monat Gefängniß verurtheilt Außerdem wurde auf Vernichtung der betreffenden Zeitungsnummer erkannt und dem Fürsten Bismarck als Beleidigten das Recht der Veröffentlichung des Urtheils zu gesprochen.
Frankfurt a. M., 2. Sept. In diesen Tagen findet die jährlich in der ersten Hälfte des September abzuhaltende Generalversammlung des deutschen Apo- theker-VereinS dahier statt, und zwar wird, dem Vernehmen nach, die Vereinigung der bisher getrennten nord- und süddeutschen Abtheilungen zu einem allgemeinen Vereine, die dadurch nöthig werdende Umarbeitung der Statuten und die Besprechung der Apo
in einer Ecke des Speichers auf dem Fußboden lag. Der Rentner warf sich mit einem Freudenschrei auf die Ohnmächtige, während Ernst die Fesseln durchschnitt und die Knebel entfernte. Gottfrid war inveß hinunter- 'geeilt, er fand unten in der Stube in einer Flasche einen Rest Wein, mit welchem er die Stirne und Schläfe deS Mädchens wusch.
Als Mathilde zum Bewußtsein zurückkehrte, sah sie den Vater und den Geliebten vor sich stehen Sie konnte Anfangs den plötzlichen Wechsel ihres Geschicks nicht begreifen und fürchtete, dies Alles für einen Traum halten zu muffen, dem ein schreckliche« Erwachen folgen werde. Aber als Ernst ihr berichtete, auf welche Weise es ihnen gelungen sei, sie wiederzufinden und als sie sich nun Alles dessen entsann, was kurz vor ihrer Ohnmacht vorgefallen war, schwand der letzte Zweifel. Die Freude über ihre Rettung lich sie jede Vorsicht vergessen. Sie warf sich an die Brust des jungen Mannes, und schmiegte sich fest an ihn, als wolle sie bei ihm ganz allein gegen jedes fernere Un-
Der alte Mann würde in jedem andern Augenblick dieses Benehmen streng gerügt haben, jetzt sah er darin nur das Uebermaß des Glückes und aU solches ließ er schweigend es gelten.
Mathilde stattete endlich über ihre Erlebnisie Bericht ab, Ernst ballte zornig die Faust, als er den Plan des Schurken, das Mädchen als eine Irrsinnige nach Bremen zu schleppen, erfuhr. Nachdem der Fluchtversuch einmal fest bei ihr deschlosten gewesen sei, habe sie auch sofort begonnen, fuhr Mathilde fort, nach mehrstündiger Arbeit sei sie auf Steine gestoßen und die herauszubrechen habe es ihr an Kraft und dem nöthigen Werkzeug gefehlt. Aber wohl einsehend, daß fie nicht muthlos verzagen dürfe, habe sie die mühsame
„WaS hr mein M ist? Qn8 ihm *n Vater
„Hier, dieser ist der Räuber", rief er mit gellender Stimme, „er weiß, wo sich meine Tochter befindet!"
„Laßt sie, wo sie ist", versetzte Schmelzer sar kastisch, „eS ist bester für Euch und sie, Ihr wißt, was Euch bevorsteht, morgen trete ich vor den Znftructions- richter, und bann" —
„Wo ließt Ihr das Kind?" fiel der Kommissar barsch ihm in'« Wort.
„Sucht es, wenn Ihr Zeit und Lust dazu habt", fuhr der Gefangene mit eisiger Kälte fort, „ich kümmere mich nicht darum".
„Ihre Tochter wird in demselben Hause fein, in welchem mir diesen Burschen fanden", wandte der Beamte sich zu dem Rentner, „könnte ich den Gefangenen meinem Sergeanten allein überlasten, so würde ich Sie begleiten, vielleicht ist einer dieser Herren so gefällig —"
theker-Gewerbe-Frage die Versammlung vorzugsweise beschäftigen. Der norddeutsche Verein wurde zu einet Beit, am 8. September 1820, gegründet, da die jetzt in vollster Thätigkeit befindlichen Wanderversammlungm kaum in ihren ersten Anfängen sich zeigten. Seine Tendenzen finden fich in dem § 1 der Statuten ausgedrückt , wonach bezweckt wird, die wissenschaftliche Entwicklung der theoretischen und praktischen Pharmacie zu fördern, die sittlichen, socialen und materiellen Interessen des Apothekerstande« zu wahren, hülsöbedürftige Fachgenosten, sowie deren Witwe» und Waisen zu unterstützen, sowie talentvollen jungen Pharmaceuten in ihren Studien Beihülfe zu leistens und er erreicht diese Zwecke durch eine Zeitschrift , wechselseitigen Verkehr mit anderen Vereinen und Gesellschaften, persönlichen Austausch in den Versammlungen, sowie Verwendung von Zinsen des Vereinsvermögens, jährlichen Beiträgen und freiwilligen Geschenken der Mitglieder. Das Vereinsvermögen der norddeutschen Abtheilung war nach dem vorjährigen Rechnungs-Abschluß 54,310 Thlr. und die Mitgliederzahl 1304. Von großer und allgemeiner Bedeutung wird für diese Versammlung die Besprechung der Frage sein, ob die Einführung der freien Niederlassung und Freizügigkeit oder die bisherige Beschränkung der Ausübung des Apothekerberufes vorzuziehen sei. Aus den bisherigen Streitschriften zu schließen, stehen sich Besitzer und Besitzerstrebende schroff gegenüber, während Prest« und Publikum sich fast indifferent verhalten.
Fulda, 1. Sept. In mehreren Blättern ist die Ansicht ausgesprochen worden, daß der Bischof von Passau der am 17. d. M. dahier abzuhaltenden Con- ferenz möglicherweise fern bleiben werde. Wie jedoch versichert wird, wollen die baiertschen Bischöfe — mit Ausnahme vielleicht des neuerwählten Bischofs von Speyer, welcher eventuell Hrn. Molitor schickt — vollzählig eintreffen. Angemeidet sind von süddeutschen Bischöfen bis jetzt die von München, Würzburg, Rottenburg und Freiburg. Der Erzbischof von Breslau wird bei dem hiesigen Bischöfe, Hefele jedenfalls bei dem chm enge befreundeten Domcapitular Dr. Reiner- bing, mit bem er f. Z. bie Honoriusfrage behandelte, Wohnung nehmen. Die übrigen Eminenzen wohnen nebst Caplänen und Dienerschaft im geräumigen Priester- seminare. — Nächst bem Bischöfe von Limburg bezieht
183 loch immer burch die Preste. Besonders Breslauer Witter halten mit einer gewissen Freudigkeit daran est, so daß eS scheint, ihnen käme dieser Nachfolger es Grafen Stollberg sehr erwünscht. Demgegenüber
an. Der Letztere blieb stehen.
wollt Ihr von mir?" fragte er. „Habt Kind gesunden? Wißt Ihr, wo mein Ernst trat näher, dieser Ton der Stimme bekannt, jetzt erkannte er in dem Fragenden Mathilden«.
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Deutsches Reich.
•• Berlin, 3. Sept. In dem Befinden des Kaisers ist eine wesentliche Besterung eingetreten. Es scheint, daß die Anstrengungen der Reise und die vielen Besuche, welche der Monarch gleich nach seiner Ankunft empfing, den Zustand ein wenig verschlimmert hotten. Der Kaiser ist bereits wieder zu Pferde gestiegen. Er wird deshalb auch allen militärischen Fest lichteste» der nächsten Tage, so wie an der Säcular- seier zu Marienburg ganz dem ursprünglich ausgestellte» Programm gemäß, theilnehmen. — Die gestrige Sedanfeier hat gezeigt, daß das Andenken an die großen Ereignisse des TageS im Herzen der deutschen Ration feste Wurzeln geschlagen hat. DaS Volk hatte sofort den Wendepunkt, welchen er für die Weltgeschichte bedeutet, herausgefühlt. Er übertrug die politische Rolle der Franzosen an die Deutschen; aber indem er den Schwerpunkt Europa's in unsere Hei- mach verlegte, sicherte er dadurch zugleich den Frieden btf Erdtheil«. Ohne den 2. September wäre der 18. Januar unmöglich gewesen und so dürfen wir die Wiederaufrichtung des Reiches in jenem Siege mit- seiern. Wenn die Feier noch immer nicht den Cha tatter eines großartigen Nationalfestes angenommen hat, so liegt dies hauptsächlich darin, daß auf Wunsch bkS KaiferS jeder Anstoß von Oben gefehlt hatte. — Bekanntlich wurde gemeldet, der Erzbischof von Erm- lanb habe vom Comite de« Marienburger Festes eine Entladung erhalten. Von anderer Seite hieß eS gar, R werde selbst uneingeladm erscheinen, um dem Kaiser ie Huldigung der katholischen Kirche darzubringen. Illen Gerüchten gegenüber darf man wohl an einem esthaltcn. Wentt in einem monarchischen Staate der Regent an irgend einet öffentlichen Feierlichkeit theil- timmt, so versteht es sich von selbst, daß die Wahl
Gäste seinem Belieben untergeordnet wird. — Die angeblich bevorstehende Berufung des Grafen Eulenburg zum Oberpräsidenten von Schlesien geht
. „Um Gotteswillen sprechen Sie, was ist mit Ihrem wde", fragte er hastig. „Ist Ihrer Tochter ein UMck begegnet? So reden Sie doch?"
»„Man hat mir mein Kind geraubt", rief der tttner verzweifelnd, „schon seit bem frühen Morgen 8 ich auf den Beinen, um e« zu suchen, aber nir- «ds, nirgends finbe ich eine Spur."
Ernst wußte nicht, sollte er biefen Worten Glan- 8 schenken, er war fast geneigt zu vermuthe», ber frftanb deS alten Manne« müsse in Folge bcS k»ndunglückS gelitten haben. — Er, sein Freunb * bie Beamten mit ihrem Gefangenen hatten einen um ben Rentner gebitbet, der unaufhörlich über 81 verlorenes Kind jammerte. Da plötzlich stürzte fich auf den gefesselten Verbrecher, der schon einige- den Versuch gemacht hatte, Krämer den Rücken iuwenden, hieran aber stets durch die Faust seines hinter« gehindert worden war.
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>nn wieberholt versichert werden, daß in unterrichten Kreisen nichts von einer solchen Berufung be= «int ist.
«i» böses Gewissen.
Bon Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Etwa eine Stunde Weges mochte der kleine Trupp srückgelegt haben, als der Commissar auf einen Mann i(6, der eilig auf bie Stabt zuschritt. Die Polizei bubt, in Jedem, den sie spät in der Nacht draußen et der Landstraße antrifft, einen Verbrecher vermachen 1 dürfen, der Commissar in der Hoffnung, statt des «en zwei Gefangene Heimbringen zu können, rief den
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„Kommen Sie", nahm Ernst das Wort, indem er den alten Herrn am Arme faßte, „ich verlasse Sie nicht eher, bis wir Mathilde gefunden haben". .... ......
Gottfried schloß sich den Beiden an, der Commissar gemach Schutz suchen gab ihnen seinen Revolver, ber Abvokat ben Wachs- ~ -
stock unb Feuerzeug, unb rasch eilten die Drei jetzt ber Hütte zu. Die Thür stanb offen, bas. Zimmer im Erdgeschoß war leer. „Was jetzt?" fragte ber Rentner, besten Hoffnung bereits wieder sank.
Ernst deutete schweigend auf die Treppe. „Mir nach", sagte er, indem er den Wachsstock in die Linke