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Marburg, Kreitag, den 30. August. ' . . 1872.

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Oderhessische Zeitung.'

Erscheint täglich außer den Werltagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Qberhefsischen Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'schk Bnchdrri-ckerei) bezogen 23; «gr., durch die Postämter 27 Lgr. (I Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das ÄuSlaüd excl. Stempel 22 ®at. Jnlertionsgedühr für sie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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sür den Monat September vl|KUUUl|Ul werden auf dieObrrhesfische Zeitung" von allen Postanstalten und aus dem Lande von den Landpostboten angenommen._______________

Deutsches Reich.

» Berlin, 28. August. Die Einnahme an Wechselstcmpelsteuer im deutschen Reiche während des Monats Juli betrug 214,625 Thlr., hiervon fallen auf das Reichspostgebiet 198,955 Thlr, auf Baiern 10,064 Thlr., auf Würtemberg 5605. Die meisten Stempelgebühren lieferte Berlin mit 30,614 Thlr.,

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Hamburg mit 25,523 Thlr. und Frankfurt a. M. mit 25,204 Thlr. In den ersten 7 Monaten dieses Jahres kam überhaupt an Wechselstempelsteuer ein 1,287,411 Thlr., Baiern und Würtemberg participiren daran mit dem noch nicht vollen dreizehnten Theil. Die Ein nahmen der Kaiser-Wilhelmstiftung bis zum 1. April

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dieses Jahres betrug 1,762,317 Thlr. Die Ausgaben beliefen sich für Unterstützungen bis zur Constituirung derse den bei dem Centralcornite der deutschen Pflege- Vereine auf 195,336 Thlr. und bei der Victoria Na­tionalinvalidenstiftung auf 98,216 und nach der Cow ftituirung auf 57,351, im Ganzen also auf 350,893 Thlr. Unter den eingegangenen Geldspenden sind die aus den transatlantischen Ländern bei Weitern die be­deutendsten , was darin seinen Grund hat, daß die dorther konimenden Liebesgaben fast immer mit der Bestimmung eingegangen »sind, die Hälfte derselben solle zur Unterstützung von Invaliden reservirt bleiben

Die Räumung der im Friedrichshaine belogenen Baracken ist nunmehr ohne die geringste Ruhestörung bewirkt. Die Behörden sind mit dem nöthigen Ernste vorgegangcn und haben bewiesen, daß sie auf keine Weise die Bildung derartiger nomadischer Lager in der Nähe der Residenz gestatten können. Viele der Bewohner sind sicherlich im Stande, sich eine Weh- nutig zu beschaffen und ziehen nur aus Bequenilichkoit bas Barackenleben vor. Diejenigen, welche sich ein Unterkommen noch nicht besorgt hatten, sind im Ar- boitshause untergebracht, welches za diesem Zwecke von seinen bisherigen Insassen geleert ist. Diese sind nach Rummelsburg transporlirt worden.

Ei« böses Gewissen.

Von Ewald August König.

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leider nur zu wahr. Wissen Sie, weshalb ich vor einigen Monaten der Frau Schulz in C. daö Document aus den Händen spielen sollte? Weil es eine ZahlungS - Anweisung auf das Vermögen seines BniderS enthält, und er seinen Neffen darum betrügen Sollte. Vor acht Tagen erfuhr ich's, mein Prinzipal fatte sich eine Abschrift von dem Akt verschafft und Zeigte mir dieselbe, um mich von der Wichtigkeit der Sache zu überzeugen."

Nun, und Sie?" forschte die Witwe.

Und das hat er gethan?"

Ich weiß es nicht, seit jenem Tage habe ich nichts '"ehr darüber gehört."

Die Witwe sann einen Augenblick nach.Ist "Htd) Ihre Weigerung das Vertrauen Krämer's zu 'l^en in etwas erschüttert?" fragte sie endlich.

, »Nicht im Geringsten, der Rentner weiß, daß ich lchivcige und mich um seine Privatangelegenheiten nichi ^Dunere, so lange er selbst nicht für nöthig erachtet, in dieselben einzuweihen."

(Fortsetzung.)

Krämer ein Schurke?" fragte die Witwe erstaunt.

Der Buchhalter nickte «ehwüthig.Ja, ja, es

Ich schwieg", fuhr Heldau achselzuckend fort, »schweigen und das ©einige denken, ist in solchen '< Fällen sters das Rathsainste, im entscheidenden Moment J kann man ja Noch immer handeln. Er wollte mich Beauftragen, dem Bürgermeister in C. das Document durch List oder Gewalt zu entreißen! wenn es nicht | "vders zu bewerkstelligen sei, so könnte ich ja ein ^be6 Dutzend Gauner in Sold nehmen und durch Einbruch mich des Papiers zu bemächtigen suchen. Ich lehnte aber die Ausführung dieses Auftrages ab unter dem Vorwande, ich sei in dergleichen Angelegen­leiten nicht bewandert und muffe ihn deshalb bitten, ich nach einem Anderen uinznsehen."

Der Kaiser hat bei Gelegenheit des Vortrags über ein Jmmediat-Gesuch, welches auf Entlassung eines Soldaten aus dem activen Militärdienste zum Zweck der Auswanderung gerichtet war, sich dahin ausgesprochen, wie es nicht angezeigt erscheine, daß zu einer Begünstigung des AuswandemS Seitens der Behörden irgendwie und sei es auch nur durch ein willfähriges Eingehen auf die Wünsche der Auswan. derungslnstigen die Handhabe geboten werde. Der Kaiser ist vielmehr der Ansicht, daß es sich empfehle, auch die Bestimmungen über die Militärdienstpflicht, soweit als es zulässig sei, dazu anzuwenden, dem Aus­wandern entgegenzuwirken und wünscht, daß in diesem Sinne von allen Behörden thunlichst verfahren werden möchte. Durch ein Circular-Rescript der Minister des Krieges und des Innern vom 6. d. M. werden alle General Commando's und Oberpräsidien von der Allerhöchsten Willensmeinung in Kenntniß gesetzt und ersucht, die untergebenen Behörden hiernach mit geeig­neter Instruction zu versehen.

Die gemeinschaftliche Sitzung der berliner Ma schinenfabrikanten und der Deputirten der ftritenbeii Maschineii-Arbeiter verlief resultatlos, da Seitens der Fabrikanten aus Grund der vorgelegten Geschäfts bücher nachgewiesen wurde, daß bei Bewilligung der Forderungen die Fabrik mit Schaden arbeiten würde, die Deputirten der Strikenden trotzdem aber an allen l Forderungen festhielten. DieKreuzzeitung" meldet, daß in der bevorstehenden Landtagssitzung daS Schul gesetz noch nicht eingebracht werde.

Breslau, 27. Aug. Kronprinz Albert von Sachsen ist heute Nachmittag um 4 Uhr 20 Minuten per Schnellzug von Dresden hier eingetroffen. Aus dem glänzend geschmückten Bahnhofe hatten sich der commandirende General v. Tümpling, der Regierungs- Präsident Graf Poninski, der Stadt Commandant von Breslau und die Ofsiciere des Generalstabs zur Be­grüßung des Kronprinzen eingefunden. Nach einem kurzen Aufenthalte erfolgte die Weiterreise nach Koset. Dort wird der Kronprinz als General-Jnspector der 1. Armee - Jnspeclion das 6. preußische Armeecorps, welches in verschiedenen Abheilungen bei Oberglogau,

Können Sie auch ohne sein Wissen und Wollen einen Blick in dieselben werfen?"

Heldau sah erstaunt der Fragenden in'S Antlitz. Welches Interesse konnte sie an den Privat Angelegen­heiten Krämer's nehme»?Wenn ich dies wollte, gewiß, aber"

Aber Sie begreifen nicht, weshalb ich diese Frage stelle? Weil aber kann ich mich auf Sie verlassen? Werden Sie das Geheimniß, welches ich Ihnen an- vertraue, streng bewahren und, was die Hauptsache ist, eher Ihren Herrn, als mich verrathen?"

Das Erstaunen des Buchhalters wuchs, tv bot der Wittwe seine Hand.In diesem Punkte dürfen Sie ganz ruhig sein," erwiderte er,Krämer ist in meiner Achtung gesunken. Verlangen Sie nicht etwa« von mir, was Mathilden zum Nachtheil gereichen könne"

Keineswegs, fern sei eS von mir, dem Mädchen zu nahe treten zu wollen."

»So reden Sie nnd seien Sie überzeugt, daß ich meinen Herrn nicht schonen werde, wenn Ihr Inte­resse dies erfordert."

Für's Erste muß ich Ihnen denn mittheilen, daß Ernst nicht mein Sohn, sondern ein angenommenes Kind ist," nahm Frau Heller das Wort.

Heldau konnte sich nicht enthalten, der Wittwe einen sehr zweideutigen Blick zuzuwerfen, den diese nicht bemerkte.

Er ist der Sohn Karl Krämers, des Bruders Ihres Prinzipals. Als sein Vater answanderle, ließ er das Kind zurück und übergab dasselbe seinem frü­heren Diener Konrad Schulz, demselben, welcher gr- genroäitig im Gesängniß sitzt, mit dem Auftrage, das Kind als sein eigenes zu halten und erst bei dessen Großjährigkeit den wahren Namen beffelben ihm zu offenbaren."

Helvau war überrascht, eine solche Enthüllung

Stattbor, Ohlau, Breslau und Neiße zusammengezogen ist, inspiciren. Die Rückkehr des Kronprinzen imch Dresden wird am 4. September d. I. erfolgen.

Kiel, 26. Aug. Aus guter Quelle will dieKiel. Zig." erfahren Haden, daß der Kronprinz in nächster Zeit den Herzogthumern einen Besuch zu machen be­absichtige.

Hannover, 28. Aug. Die permanente Gewerbe- Ausstellung zu Hannover wird nach wie vor in stei­gendem Maße von hannoverschen und auswärtigen Gewerbetreibenden benützt, um ihre Erzeugnisse be­kannt zu machen, wie denn auch Freunde des Ge- werbewesens mehr und mehr Aillaß nehmen, inte­ressante Gegenstände der Kunst und Industrie in der Ausstellung zeitweise zur öffentlichen Anschauung zu bringen. Seitens des Ministers für Handel u. s. w. ist augenblicklich eine auf der nationalen Ausstellung in St. Petersburg für den Staat erworbene Anzahl Proben russischer Industrie-Erzeugnisse, welche für die deutsche Industrie von Interesse sind, zur zeit­weiligen Ausstellung überwiesen. Leider ist der Besuch alledem nicht entsprechend, während z. B. 1867 der­selbe 14,131 betrug, zählte derselbe 1871 nicht mehr als 10,788 Personen.

Dresden, 27. Aug. Eine Bekanntmachung des königlich sächsischen Kultusministers weist die Geistlich­keit des Königsreichs an, am 2. September, als dem Tage der deutschen Nationalfeier, eine kirchliche Feier zu veranstalten, an welcher die Schulen des Lande« in angemessener Weise sich betheiligen sollen. (T. N.)

Dessau, 22. Aug. DerSpen. Ztg." zufolge liegt es in der Absicht der Staatsregiening, dem Leh- rerftanbe auch für das künftige Jahr durch Bewilli­gung von Gehaltszulagen eine ermunternde Aufhülfe zu gewähren Ein höchst dringlicher Gesetzentwurf befindet sich als Vorlage für den Landtag in Vor- berathung; es ist dies eine neue Gemeinde-Ordnung, die sich schon längst als unabweiölich herauSstellte. Daß die Verhandlungen mit einem auswärtigen Kon­sortium wegen Verkaufs der Harzbergwerke dem Ab­schlüsse nahe seien, wird bestätigt. Der Gewinn auS den Werken an Silber wird für das Jahr 1871 auf hatte er nicht erwartet.Er weiß also selbst nich^, daß der Rentier sein Oheim ist?" fragte er.

Rein, nnd eS ist bester, wenn er es vorläufig »och nicht erfährt. Kramer weiß zwar, daß sein Neffe noch lebt, daß er feiner Zeit kommen und das Ver­mögen seines Vaters fordern wird, aber kann Ernst dies, wenn ihm das Document fehlt?"

Nein, nein," versetzte Heldau erregt,die For­derung würde eine Streitfrage werden und daS Ge­richt schließlich daS Vermögen verschlungen haben. Aber was soll ich in dieser Angelegenheit thun?"

Sie müsten den Rentier beobachten, erforschen, ob er das Document sich verschafft hat, oder nicht, überhaupt ihn bewachen, bis der Augenblick gekommen ist, in welchem Ernst selbständig handeln kann."

Und wann wird dieser Augenblick kommen?" Im nächsten Jahr, wenn Ernst großjährig/ Der Buchhalter ging mit verschränkten Armen im Zimmer auf und ab und blieb endlich vor der Wittwe stehen.

Es wird mir schwer fallen, so lange bet einem Manne auszuhalten, den ich verachte," versetzte er, »dann auch abgesehen hiervon, bergeff en Sie nicht das Versprechen, welches Sie mir gaben. Sie sagten an jenem Abend, Sie wollten aus meinen Antrag dann antworten, wenn es mir gelungen sei, einen andern Posten zu erhaltm, heute besehlen Sie mir, noch ein ganzes' Jahr bei dem Rentier zu bleiben, dadurch"

Ist jenes Versprechen nicht aufgehoben," unter­brach Frau Heller ihn rasch,ich werde es vielleicht abändern müssen."

Abändern *?" fragte Heldau.In welcher Weise?"

Nun vielleicht dahin, daß ich Ihnen das Jawort gebe, sobald Sie mir Gewißheit verschafft haben , ob Krämer im Besitz jenes Dokuments ist."

Ein freudiges Lächeln glitt über die Zuge des Buchhalters, '