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Mr. 203. Marburg, Donnerstag, den 29. Anglist. e 55 'S“.«. »8-2.

Oterhessische Zeitung. U

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Son«, und F-iettagen. Preis für da« Quartal de, Oberheffische» Leitung »U KreiSblatt durch die «rpedition (Xo»'sLe Buchdrucker«,) bezogen tt, chgr., durch dre Postämter 27 Ggr. 6 Vfg. (excl. Bestellgebühr und inrl- Stempelsteuer), für da« Au-land ercl- Stemvel 22 Lar —

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Deutsches Strich.

•• Berlitt, 27. Aug. Die Ankunft Sr. Ma­jestät ist neuerdings auf den 3. d. M. verlegt wor­den, indem der Monarch unterwegs, um de» erkrankten Fuß zu schonen, ein Nachtquartier beziehen wird. Es kann nochmals bestätigt werden, daß das Leiden Sr. Majestät eine rein örtliche rheumatische Affection ist und nicht zu den geringsten Bedenken Veranlassung gibt. — Die „Nordd. ,Allg. Ztg." kündigte gestern ebenfalls an, daß Fürst Bismarck zur Drei-Kaiser-Zu­sammenkunft jedenfalls hierher kommen werde, falls ihm sein Gesundheitszustand überhaupt eine Reise erlaube. Der Gesundheitszustand des Fürsten ist allerdings, wie bereits publicirt, noch immer angegriffen und ihm deshalb von den Aerzten auch eine längere Ruhe an- geralhen. Es ist indessen wohl so ziemlich als sicher anzunehmen, daß der Reichskanzler den Festlichkeiten in Berlin und Marienburg beiwohnen wird. — Der llnterstaatSsecretär v. Thile, welcher augenblicklich noch durch Herrn v. Balan vertreten wird und über deffen Rückkehr in den Zeitungen mehrfach falsche Nachrich ten verbreitet worden, wird nunmehr am 5. September hier ankvmmen. Herr v. Balan wird indessen trotz dem noch einige Zeit in Berlin verweilen. — Die lange Dauer der baierischen MinisterkrisiS gibt mehr­fach zu ernstlichen Befürchtungen Anlaß, als könne in jenem Staate ein Umschwung eintreten und die bis­herige Bahn der reichstreuen und nationalen Politik verlaffen «erde». Wenn nun auch derartige pessi­mistische Anschauungen bis jetzt durch NichtS gerecht­fertigt werden, so ist doch nicht abzuläugnen, daß in Baiern das System einer klaren und entschlossenen Politik noch immer vermißt wird. Die offizielle Po likik läßt allerdings bisher einen irgendwie gegründeten Vorwurf nicht aufkommen. Bei aller Pietät indessen für die Thatiache, daß BaiernS König aus freien Stücken zuerst den Anstoß zur Wiederaufrichtung deS

Reiches gegeben und tkotz dktz herzlichen Empfange«, den der deutsche Kronprinz soeben in jenem Lande ge-j funden, ist doch nicht zu verkennen, daß in vielen! Kreisen noch die partikularistischen Tendenzen bei Weitem im Vordergründe stehen. Besonders gilt bog: von der Diplomatie. Schon neulich bei Erwähnung' der Candidaiur des Herrn v. Gaffer ist darauf hingr- wiesen. Jetzt wird von Schweizer Blättern eine neue Candidatur genannt, Herr v. Nillhammer, baierischer Gesandter zu Bern. Herr v. Nillhammer hat bis jetzt; seine Thäligkeit sehr wenig mit der offiziellen nalio nalen Politik Baierns in Einklang zu bringen gewußt, ja sogar mit einer gewiffen Aufrichtigkeit und Unum- wundenheit die entgegengesetzte Anschauung vertreten. Solchen Persönlichkeiten gegenüber ist die Besorgniß der öffentlichen Meinung gewiß nicht ganz ungerecht fertigt.

Berlin, 26. August. Staats- und Finanz-Mi nister Camphausen ist von seiner Erholungsreise in die Schweiz hier wieder eingetroffen. — Da die dem Deutschen Reich in dem Gcbände der Wiener Welt­ausstellung überwiesenen Räume der lebhaften Betheili- gung der deutschen Industrie gegenüber nicht aus­reichenden Platz bieten, hat die Centralkommission aus diesem Grunde eine Erweiterung durch Aufführung von Ergänzungs-Bauten beschloffen. Die Bauten werden natürlich erhebliche Kosten verursachen. Als im Laufe des vergangenen Frühjahrs BundeSrath und Reichstag sich über die Bewilligung eines Reichsfonds von 400,000 Thlr. für die Zwecke der Ausstellung schlüssig machten, konnte man noch nicht voraussehen, daß solche Bauten nothwendig werden würden. ES ist daher erklärlich, wenn die früher bewilligten Mittel zur Durchführung de« jetzt von der Central-Com­mission gefaßten Beschlusses Nicht ausreichen, zumal dieselben schon an und für sich im Vergleich zu dem, was andere Staaten, z. B. die Schweiz, für die Aus­stellung ausgeworfen haben, nur mäßig erscheinen. Dem Vernehmen nach hat nun die Centralcommission beschloffen, durch Vermittlung des Reichskanzlers eine den noihwendigen Anforderungen genügende Erhöhung der AuSstellungsfondS bei dem BundeSrath und Reichs­

tag zu erwirken. — Nach der letzten Notiz über die Ausprägung von Reichsgoldmünzen waren bis zum 10. August d. I. in den Münzstätten des deutschen Reiches in Zwanzigsrankstücken 223,363,100 Mark und in Zehnmarkstücken 20,131,820 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 11. bis 17. August d. I. sind ferner geprägt in Zwanzigmai-stücken: in Berlin 2,449,980 Mark, in Frankfurt a. M. 1,833320 Mark, in München 120,520 Mark, in Dresden 1,166,640 Mark, in Stuttgart 502,200 Mark und in Karlsruhe 426,360 Mark; ferner in Zehnmark­stücken: in Berlin 1,341,710 Mark, in Hannover 915,290 Mark, in Frankfurt a. M. 100.340 Mark und in München 368,550 Mark. Die GesammtAuS» Prägung stellt sich daher bi« 17. August d. I. auf 252,719,840 Mark, wovon 229,862,120 Mark in Zwanzigmarkstücken und 22,857,720 Mark in Zehn­markstücken bestehen.

— Der am 26. August eröffnete XIII. deutsche volkswirthfchaftliche Congreß, der btz 2d. Augüst in Danzig tagen wird, wird über folgende Gegenstände beralhen: 1) Straßenbau und Chausseegeld. Refe­renten: Dr. Faucher (Berlin) und Rickert (Danzig.) 2) die Unentgeltlichkeit deS öffentlichen Schulunter­richts. Referenten: Dr. Wolff (Stettin) und Dr. Oppenheim (Berlin). 3) Banknoten und Papiergeld. Referenten: Dr. Wolff (Stettin) und Dr. Brau» (Berlin). 4) 1. Antheil der Arbeiter am Geschäft«» gewinn. (Productivgenossensck-aft, Partnerschaft, Tan- lisme.) Referenten: Prince-Smith (Berlin) und Dr. Oppenheim (Berlin). 2 Arbeiter-HülfS - und Jnva- lidenkassen. Referenten: Dr. Emminghau« (Karls» ruhe) und Rickert (Danzig). 5) Die Eisenbahn- pvlitik, mit besonderer Berücksichtigung der Concurrenz verschiedener Frachtiührer auf der Eisenbahn, sowie der verschiedenen Tarifsysteme. Referenten: Dr. Dorn (Triest) und Dr. Alexander Meyer (Berlin). 6) Fortbildung deS Handelsrechts oder Herübernahme desselben in daS Obligationsrecht. Referent: Dr. Braun (Berlin).

Dortmund, 26. Aug. Heute fand auf der Zeche „Court" ein Grubenunglück durch schlagende

Ei» böses Gewiffen.

Bon Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Der Doctor Nahm seinen Hut. „Ich werde nach, forschen" sagte er.

„Schweigen Sie gegen Jeden über diesen Punkr, wir können nicht Vorsichtig genug zu Werke gehen, bei dem leisesten Verdacht von Seiten Krämers würden «eine Schritte fruchtlos sein. WaS Ernst betrifft, so halte ich es für das Beste, daß er vorläufig von feiner Verwandtschaft mit Krämer nichts erfährt," fuhr

>ort, „für den Rentier sowohl, wie für deffen Neffen muß dies vorläufig noch ein Geheimniß bleiben, wenn wir freie Hanh behalten wollen."

Schulz reichte de» Advokaten die Hand. „Der Himmel möge Ihre Bemühungen mit einem guten Erfolge krönen," versetzte er, „nur um eins bitte ich Sir, schonen Sie Mathilde, die Tochter des Rentiers. Ist der Vater wirklich schuldig, waS ich noch nicht glauben mag, so —«

»Auch hierauf werde ich Rücksicht nehmen," unter­brach Schacht den alten Mann. „Ernst ist mein Freund, er liebt Mathilde, schon seinetwegen werde ich das Mädchen schonen."

Der Advokat schlug sofort den Weg zur Woh- uung der Witlwe Heller rin. Es schien ihm urnint «anglich uölhiz, die besonnene verschwiegene Frau in das Geheimniß einzuweihen, damit durch sie Alles ferngehalten werde, was den jungen Mann einen Blick « das Dunkel werfen laffen konnte. Wie er eS be­werkstelligen sollte, in das Dunkel, welches den Mord Umschwebte, Licht zu bringen, wußte er selbst noch ^cht. Er mußte gestehen, der Verdacht gegen den mentier entbehrte der Wahrscheinlichkeit nicht, Krämer i®8 auS dem Tode seines Bruder« einen bedeutenden ^vriheil, und der Charakler diese« Manne«, seine ^rrsättliche Habgier, mußten den Verdacht eher stärken dvm rntkräftigen. E« schien dem Advokaten rathsam,

den Rentier durch einen Spion beobachien zu laffen, und er wollte gleich nach seiner Unterredung mir der Witwe sich nach einem Individuum umsehen, welche« sich hierzu eignete.

Frau Heller war keineswegs überrascht, als Schacht ihr das Geheimniß mittheilte, welches ihren Pflege­sohn umschwebte. Für sie war dies längst kein Ge­heimniß mehr gewesen, einige Andeutungen au« dem Munde des Ackerer« hatten sie schon vor Jahren zu dem Schluffe geführt, daß Ernst der Sohn Karl Krämers sein müsse. Sie hörte die Mittheilungen deS Advokaten schweigend an und versprach die strengste Verschwiegenheit zu beobachten. Sie selbst theilte den Verdacht des Ackerer« nicht; wenn auch Krämer ein habsüchtiger Filz sei, meinte sie, so glaube sie doch nicht, daß er ein solche« Verbrechen begehen könne, um so weniger, als es sich ja um eine verhältaiß- mäßig kleine Summe handle und der Rentier ein sehr reicher Mann sei.

Der Advokat schüttelte den Kopf und beharrte bei seiner Ansicht. Er bedauerte nur, daß der Mann, dessen er sich sicher in solchen Fällen bedient habe, ge- stoiben fei, jener würde sich an die Ferse Krämkts geheftet und Licht in die Sache gebracht haben. Er schärfte nach diesen Worten der Wiltwe nochmals Verschwiegenheit ein und verließ dann das Haus, um in seinem Büreau über die Schritte, die er in dieser Angelegenheit thun mußte, reiflich nachzudenken.

Als der Advokat sich entfernt hatte, stieg die Wiltwe eine Treppe höher und trat in ein kleines, traulich eingerichtetes Gemach, in welchem Heldau vor seinem Bücherschrank saß, emsig mit dem Anstaunen und Ordnen seiner Schätze beschäftigt.

„Denken Sie sich meine Freude," hob der Buch­halter an, als die Witlwe eintrat; „ich gehe gestern bei einem" Trödler vorbei und sehe dort mehrere Bücher auf dem Tische liegen. Sie kennen meine Passion und können sich denken, mit welcher Hast ich eintrat, al«

ich bemerkle, daß diese Bücher sämmtlich in Schwein«, lebet gebunden waren. Unb was glauben Sie, wa« ich dort entdeckt habe?"

„Run? WaS wird'« gewesen sein ?" fragte Fraa Heller lächelnd.

„Was es gewesen ist?" fuhr der Buchhalter fort, indem er für einen Augenblick den Staubbesen ruhe« ließ, um der Fragenden mit leuchtendem Auge in’i Antlitz zu schauen. „Erstens, eine Geschichte aller adeligen Geschlechter unseres Landes, nebst dem Ab» druck ihrer Wappen und zwar au« dem vorigen Jahr­hundert; ich sage Ihnen, der Fund ist unbezahlbar. Ferner eine Bibel, übersetzt von Martin Lucher, ein Exemplar deS ältesten Drucks und DrittmS, — nun rächen Sie einmal."

„Sie verlangen Unmögliche« von mir, wie kann ich de» Titel eine« Buches errvthen."

„Ganz recht, Sie können e« nicht, selbst roenn ich Ihnen den Titel nenne, werden Sie mir kaum glauben. Eö ist eine Ausgabe deS Don Carlos von Schiller’« eigener Hand abgeändert und verbessert." Er öffnete das Buch und hielt es der Witwe hin.

„Sind Sie überzeugt, daß diese Randbemerkungen von Schiller'« Hand niedergescheieken sind?" fragte Frau Heller, nachdem sie einen Blick in da« Buch aeworfen hatte. „Mir scheinen jene Bemerkungen dem Hirn eine« Gymnasiasten entsprungen zu sein, Geist verralhcn sie nicht."

„Glauben Sie denn, jede- Wort, au« der Feder diese« Manne« gefloffen, muffe geistreich fein?" zürnte Heldau. „Mir hat der Trieler die feste Versicherung gegeben, daß diese« Buch au« der Bibliothek be« großen Dichter« stamme unb" —

„Dieser Beweis muß genügen", fiel bie Witwe ihm in’« Wort. „Doch lassen wir dieses Thema jetzt ruhen. Haben Sie dem Rentner bereit« ausgekündigl?"

Der Buchhalter konnte einen tiefen Seufzer nicht unterdrücken. „Ach GoÜ nein", erwiderte er, „Sie